New York: Beezie Madden gewinnt Weltcup mit vierbeinigem Wunderkind

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Beezie Madden und Garant, ihr neuer Authentic. (© FEI)

Wenn die US-Springreiterin Beezie Madden von dem KWPN-Wallach Garant spricht, klingt es wie eine Mutter, die ihr hochbegabtes Kind vorstellt. Kein Wunder!

Im Juli hatte Beezie Madden mit dem acht Jahre jungen Garant noch den Youngsters Cup beim CHIO Aachen gewonnen. Dieses Wochenende sicherte der Fuchs sich in New York seine erste Weltcup-Etappe. Zufall? Nicht, wenn man es mit einem vierbeinigen Hochbegabten zu tun hat!

„Der Plan war, ihn diesen Herbst in den schwierigeren Springen zu starten. Also habe ich ihn Freitag geritten und er sprang so gut, dass wir entschieden haben, es Sonntag zu versuchen. Als ich hierher gekommen bin, war ich mir noch nicht mal sicher, ob ich diese Prüfung reiten würde. Umso erstaunlicher ist es nun, wie er das hier gemeistert hat!“

Ihr Ziel sei es eigentlich gewesen, ihm eine gute Runde zu bescheren, so dass er mit einem guten Gefühl aus dem ersten 1,60 Meter-Parcours seines Lebens geht. Seit Aachen hatte er erst ein Turnier bestritten. „Ich wollte nicht, dass er irgendwo Schwierigkeiten hat. Aber er ist ein wunderbares Pferd und ein unglaublicher Athlet. Ich glaube so sehr an seine Fähigkeiten, dass ich mir keine allzu großen Sorgen gemacht habe. Ich habe einfach die ganze Zeit versucht, ihn ruhig zu halten.“ Das hat mehr als gut funktioniert.

Beezie Madden – die ja Weltcup-Final-Siegerin 2018 war und gerade erst den Rolex Grand Prix von Spruce Meadows gewonnen hat – war mit Garant eines von sieben Paaren, die das Stechen um die erste Weltcup-Etappe der neuen Saison in den USA erreicht hatten. Eine zweite fehlerfreie Runde gelang jedoch nur drei Paaren, von denen Madden und Garant mit 40,89 Sekunden die schnellsten waren.

Platz zwei ging an Karl Cook auf dem zwölfjährigen Holsteiner Casall-Corrado-Sohn Caillou (41,25) vor Katie Dinan mit Brego R’n B, den die erst dieses Jahr von der Niederländerin Angelique Hoorn übernommen hatte (41,94).

Überragendes Talent

FEI

Sieg beim ersten Turnier in der schweren Tour: Garant v. Warrant unter Beezie Madden. (© FEI)

Apropos aus den Niederlanden übernommen – von dort gelangte auch Garant zu Beezie Madden. Seine Grundausbildung hatte er von Willem Greve erhalten, mit dem er 2015 unter anderem Weltmeister der jungen Springpferde in Lanaken wurde (wo wir am kommenden Wochenende auch hinfahren, um die Garants von Morgen zu erleben. Eine ausführliche Reportage lesen Sie in St.GEORG 11/2019). Sechsjährig kaufte Abigail Wexner den Wallach für Beezie Madden.

In Aachen wurde Willem Greve gefragt, ob er nicht traurig war, so ein Ausnahmepferd ziehen zu lassen. „Nicht, wenn es zu solch einer Reiterin kommt“, war die Antwort. Wenige Minuten zuvor hatte Garant das Finale des Youngster Cups beim CHIO gewonnen.

Was das besondere an ihm ist? Da braucht Beezie Madden nicht lange zu überlegen: „Er hat ein unfassbares Springtalent, aber das ist nicht alles. Er ist unglaublich schlau. Er weiß, dass er die Hindernisse nicht berühren soll und er scheint auch zu wissen, wie er schnell galoppieren und gleichzeitig hoch springen kann und ich habe keine Ahnung, woher!“

Dass er das wirklich weiß, dafür spricht die Statistik. In seinem Alter haben andere Pferde bereits mehrere Seiten Turnierergebnisse bei der FEI verzeichnet. Bei Garant sind es eineinhalb, auf denen rund 50 Prüfungen vermerkt sind – bei denen in Summe seit dem ersten Eintrag 2016 gerade mal zehn Stangen gefallen sind.

Ein Zufall ist das nicht, wenn man sich das Pedigree des Fuchses anschaut: Vater Warrant, selbst international bis 1,60 Meter erfolgreich, vereint die Springvererber Numero Uno (Vertreter des Landgraf in den Niederlanden) mit Nimmerdor und Purioso inklusive einer Inzuchtkomponente auf den Holsteiner Linienbegründer Farn.

Garants Mutter C’est la vie ist eine Tochter von Welt- und Europameister Verdi (v. Quidam de Revel-Landgraf/Maikel van der Vleuten) sowie dem Starvererber Heartbreaker. Und so geht es weiter im Pedigree über Voltaire, Pilot, Adlerorden und Radetzky in den Westfälischen Stamm 463.

„Authentic Junior“

Im Stall heißt Garant „Junior“, weil er so sehr an Beezie Maddens Authentic erinnert, jenen blutgeprägten Guidam-Sohn, mit dem die Ausnahmereiterin 2004 und 2008 olympisches Mannschaftsgold und 2008 zusätzlich noch Einzelbronze gewann.

Madden erzählt. „Als wir ihn bekamen, hat sich ein Mitarbeiter um ihn gekümmert, der auch Pfleger von Authentic war. Er hat ihm den Spitznamen Junior gegeben. Das hat nichts mit seinem Äußeren zu tun oder der Art wie er springt, sondern von der Persönlichkeit ist er Authentic sehr ähnlich, weil er so intelligent ist und so selbstbewusst.“

Das Ziel für Garant ist klar: ganz oben! Aber Beezie Madden will es langsam angehen lassen: „Ich würde sagen, das war ein großer Schritt für ihn. Unser Ziel ist es, ihn noch einige größere Prüfungen gehen zu lassen in diesem Herbst und ihn ein wenig herauszufordern. Dann werden wir eine Entscheidung treffen, ob es eine Option ist, zu versuchen, mit ihm nach Tokio zu kommen. Aber das ist eine große Aufgabe für einen Neunjährigen! Wir werden ihn diesen Herbst ein bisschen testen und dann werden wir sehen, ob das Sinn macht.“

Der zweifache Olympiasieger Big Star war bei seinem ersten olympischen Gold 2012 in London ebenfalls erst neunjährig …

 

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