Deutsche Jugendmeisterschaften Zeiskam: Von Durchmärschen und Überraschungen

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Jana Schrödter und Der Erbe gelangen bei der EM der Junioren 2019 drei Siege auf dem Viereck. (© Mirka Nilkens)

Zumindest die Titel-Entscheidungen bei den Deutschen Jugendmeisterschaften der Dressurreiter in Zeiskam waren eine klare Angelegenheit. Die Medaillen dahinter waren hingegen mehrfach hart umkämpft. Und im Parcours wurde es richtig spannend!

Zwölf Jahre jung ist Rose Oatley. Es ist ihr erstes Jahr bei den Großen des Pony-Dressursports und sie konnte sich mit ihrem Daddy Moon prompt für die EM-Mannschaft empfehlen. Hier haben ihr dann in der Mannschaftsaufgabe anscheinend doch die Nerven einen kleinen Streich gespielt. Aber in der Einzelwertung und in der Kür zeigten sie ihr Pony auch dort schon, was in ihnen steckt. Dieses Wochenende setzten sie noch einen drauf.

Sie gewannen alle drei Wertungsprüfungen, die Kür sogar mit 81,875 Prozent. Damit war ihnen der Titel nicht zu nehmen. Bundestrainerin Conny Endres schwärmte im FN-Interview: „Rose ist mit ihren zwölf Jahren ein ganz besonderes Talent und hat das hier mit drei gewonnenen Prüfungen eindrucksvoll bestätigt. Deswegen haben wir sie auch dieses Jahr schon mit zur Euro genommen. Da spielte das Nervenkostüm noch nicht ganz so mit, aber der Deutsche Meistertitel unterstreicht, dass sie noch eine tolle Karriere im Ponysattel vor sich hat und unsere Entscheidung richtig war. Daddy Moon ist ein Pony mit drei gleichmäßig guten Grundgangarten, bereits sehr routiniert und hat einen top Charakter.“

Da mussten sich die beiden zweifachen Bronzemedaillengewinner der EM, Shona Benner und Der kleine Sunnyboy, hinten anstellen. Sie waren allerdings nicht minder souverän unterwegs mit dreimal Platz zwei. Bronze sicherte sich als Vierte der Mannschaftsaufgabe und jeweils Dritte in Einzelwertung und Kür die Rheinländerin Johanna Kullmann im Sattel von Champ of Class.

Bundesnachwuchschampionat

Ähnlich souverän wie Rose Oatley agierte ihre Schleswig-Holsteiner Landsfrau Allegra Schmitz-Morkramer beim Bundesnachwuchschampionat der Dressurreiter. Sie war als Europameisterin angetreten und so waren ihre beiden ersten Plätze alles andere als eine Überraschung. Wie immer saß sie im Sattel ihres bewährten Lissaro van de Helle-Sohnes Lavissaro, der ihr 77,111 Prozent in der ersten und 78,854 Prozent in der zweiten Wertungsprüfung bescherte.

Silber ging an Jona-Emily Bomberg auf Sinatra M, gefolgt von Leonie Koch mit Floriano HB.

Junge Reiter

In der Altersklasse der Jungen Reiter war kein Vorbeikommen an Semmieke Rothenberger, die ja schon Titel in sämtlichen verfügbaren Altersklassen gewonnen hat. Im Sattel ihrer Hannoveraner Stute Dissertation gewann sie die erste Wertungsprüfung mit 77,859 Prozent und die zweite mit 79,298 Prozent. Im Finale, der Kür, machte sie den Sack zu mit satten 83,100 Prozent. Gold! Rothenberger hinterher: „Ich glaube, über 83 Prozent bin ich noch nie mit Daisy in einer Kür geritten, das war heute unglaublich.“

Die Silber- und Bronzemedaille waren hart umkämpft. Paulina Holzknecht auf Wells Fargo und Alexa Westendarp mit Four Seasons hatten sich in Runde eins den zweiten Platz teilen müssen, nachdem beide mit exakt 74,342 Prozent aus dem Viereck gekommen waren. Nach der Einzelwertung hieß es Advantage Holzknecht mit 76,053 Prozent gegenüber den 75,351 Prozent von Westendarp. Hier schaltete sich dann auch noch die bis dato viertplatzierte Lia Welschof auf Don Windsor ins Geschehen ein. Mit 75,439 Prozent konnte sie in der Einzelaufgabe sogar an Alexa Westendarp vorbeiziehen. Das Finale musste die Entscheidung bringen.

Hier zeigten Paulina Holzknecht und Wells Fargo dann noch einmal, dass sie nicht umsonst als Kür-Spezialisten gelten: Platz zwei mit 79,125 Prozent und damit die Silbermedaille für das Paar aus dem Rheinland. Bronze ging schlussendlich nach Westfalen, nachdem Lia Welschof und Don Windsor in der Kür noch einen weiteren dritten Platz verbuchen konnten.

Junioren

Dass der Erfolg bei der EM in San Giovanni, wo Jana Schrödter und Der Erbe als Ersatzpaar angetreten waren und dann dreimal Gold holten, alles andere als ein Zufall war, zeigte das Paar aus Bayern bei der DJM. Auch sie legte einen Start-Ziel-Sieg hin mit Platz eins in allen drei Wertungsprüfungen, 81,475 Prozent in der Kür.

Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen schwärmte: „Jana Schrödter und ihr Pferd sind einfach eine Traumkonstellation, weil beide eine Siegerpersönlichkeit besitzen. Sie haben den Drang, immer ganz nach vorne zu reiten. Das ist ihnen heute in der Kür mit perfekt abgestimmter Musik gelungen. Der Hengst hat viel Kraft, Dynamik und Ausstrahlung, die sowohl Richter als auch Zuschauer begeistert. Wir wünschen uns auch, dass Jana bei den Jungen Reitern so weiter macht. Sie meistert das mental und von der reiterlichen Leistung her perfekt.“

Nicht ganz so eindeutig war die Verteilung von Silber und Bronze: Anna Middelberg und Blickfang HC waren zweimal Zweite, mussten sich im Finale, also der Kür, aber mit Platz vier begnügen (75,825). Dafür trumpften hier die bis dato zweimal drittplatzierten Henriette Schmidt und Rocky’s Sunshine auf: Rang zwei mit einer 79,10 Prozent-Runde.

So wurde es Silber für Henriette Schmidt und ihren Rock Forever-Sohn, während Bronze an Anna Middelberg und Blickfang ging.

Springen

Neuer Deutscher Meister der Children ist Mathies Rüder, Sohn von EM-Vielseitigkeitsreiter Kai Rüder. Im Sattel von Latigo musste er sich nach drei Prüfungen mit vier Umläufen in Summe gerade mal zwei Strafpunkte anrechnen lassen. Er selbst habe nicht damit gerechnet, auf dem obersten Treppchen zu stehen, gab er hinterher zu: „Ich hätte heute Morgen selbst noch nicht gedacht, dass es hier so gut laufen würde“, so das Nordlicht von der Insel Fehrmarn.

Erst seit drei Wochen sind Florian Nissen aus Osnabrück und Levista ein Team. Trotzdem waren sie das ganze Wochenende absolut souverän unterwegs, mussten sich auch nur drei Strafpunkte und keinen Springfehler anrechnen lassen.

Bis zum Finale hatte noch Mikka Roth mit Atthina auf Goldkurs gelegen. Doch ein Abwurf im ersten Umlauf setzte den Titelträumen ein Ende. Da sie aber im zweiten Umlauf fehlerfrei blieben, wurde es doch noch Bronze. Enttäuscht war Mikka kein bisschen: „Medaille ist Medaille!“

Auch Bundestrainer Eberhard Seemann war zufrieden mit seiner Truppe: „Für die drei Medaillengewinner war diese DJM die letzte ihrer Altersklasse, die routinierten Reiter haben sich durchgesetzt. Aber auch die jüngeren Reiter haben sich gut präsentiert. Es kommen einige gute Paare nach.“

Ponys

Die letzte Deutsche Meisterschaft ihrer Altersklasse hat auch Johanna Beckmann hinter sich, auch sie eine Schleswig-Holsteinerin. Und auch sie krönte ihr persönliches Finale bei den Pony-Springreitern mit dem Titel. Im Sattel ihres bewährten Karim van Orchid’s leistete sie sich nicht einen Strafpunkt und ritt so souverän zum Sieg. „Schöner hätte meine Pony-Zeit nicht enden können. Es ist schon traurig, jetzt aufzuhören, wo es besonders gut läuft, aber das war der perfekte Abschluss.“

Bis zum letzten Umlauf waren auch Ann-Sophie Seidl aus Bayern und Berkzicht Rob noch fehlerfrei unterwegs gewesen, aber dann fiel eine Stange und aus dem möglichen Gold wurde Silber. Bronze sicherte sich die Westfälin Lara Tönnissen auf Clarissa, die vor dem Finale noch an vierter Stelle lagen, sich aber dank zweier fehlerfreier Runden noch aufs Treppchen schieben konnten.

Junioren

Super spannend war das Finale der Junioren. An der Spitze lag nach den ersten beiden Wertungen der Schleswig-Holsteiner Hannes Ahlmann mit seinem Holsteiner Hengst Nerrado. Keinen einzigen Strafpunkt hatten die beiden auf dem Konto. Doch die Titelträume fielen mit einer Stange im ersten Umlauf in auf den Rasen. Wenngleich sie in Runde zwei wieder eine makellose Vorstellung lieferten.

Die Westfälin Alina Sparwel und Ma Petite hatten Silber in Reichweite als sie ins Finale gingen. Doch für sie lief es genauso wie für Hannes Ahlmann: Vier Strafpunkte im ersten, null im zweiten Umlauf.

Calvin Böckmann, der wie übrigens auch Children-Sieger Mathies Rüder sowohl im Spring- als auch im Vielseitigkeitssattel zuhause ist, lag mit Toni Haßmanns ehemaligem Pferd Channing L auf Bronzekurs nach den ersten zwei Wertungsprüfungen. Aber den beiden gelang es, im Finale zweimal fehlerfrei zu bleiben. Damit holten sie Gold und Calvin, der St.GEORG-Titelheld 8/2019, krönte sein letztes Junioren-Jahr.

Und der Baden-Württemberger Niels Carstensen, der mit Cornflake auf Rang sieben vor dem Finale ziemlich weit weg von den Medaillen schien, konnte sich dank ebenfalls zweier Nullrunden noch aufs zweithöchste Treppchen vorarbeiten.

Hannes Ahlmann sicherte sich Bronze, Alina Sparwel wurde Vierte.

Junge Reiter

Auch in der Altersklasse U21 hat das Finale noch einmal alles durcheinander gewürfelt. Gold ging schlussendlich an Justine Tebbel und Light Star, die das Abschlussspringen hatten für sich entscheiden können. Sie hatten sich während des Turniers keinen einzigen Spring-, heute lediglich einen Zeitfehler zu Schulden kommen lassen.

Enno Klaphake und Brilliant du Rouet lagen bis dato auf Goldkurs. Doch im ersten Umlauf des Finales sammelten sie fünf Fehler. Das bedeutete zwischenzeitlich Rang acht. Aber in Runde zwei liefen die beiden noch einmal zu großer Form auf und eroberten sich dank einer der wenigen Nullrunden den Platz auf dem Treppchen zurück: Silber. Die zweite Wertung hatte Ellen Krezl mit dem von ihrer Mutter gezogenen Brakaschi v. Diamant de Semilly für sich entschieden. Im Abschlussspringen wurde das Holsteiner Paar Dritte. Beide kennen sich nicht nur von Geburt an, sondern sind auch gemeinsam in den großen Sport gewachsen. In der Endabrechnung wurden beide Fünfte.

Bronze ging an Mylene Kruse und Chaccmo, die im zweiten Umlauf einen Abwurf hatten.

Alle Ergebnisse aus Zeiskam finden Sie hier.

 

 

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