BuCha 2012: Soiree d’Amour einsame Spitze im reinen Stutenfinale der Dreijährigen

Die Damen hatten die Oberhand beim Bundeschampionat der dreijährigen Stuten und Wallache. Der Titel ging an ein Pferd, wie man es auf diesem Viereck nicht alle Tage sieht.

Schon bei der Qualifikation am Donnerstag ging ein Raunen durchs Publikum als die schwarze San Amour-Latimer-Tochter Soiree d’Amour OLD (Z.: Maren Bergen, Wagenfeld) den Platz betrat. Oder vielmehr „beschwebte“. Ein Pferd von einer solchen natürlichen Kadenz und Balance sieht man selten. Obwohl erst dreijährig bewegte die Stute sich in einem Gleichmaß und mit einer Losgelassenheit durch die Aufgabe, wie man es auf dem Dressurplatz manchmal vergeblich sucht. Als sie heute zur Exterieurbegutachtung Aufstellung nahm, schallte aus den Lautsprechern der Queen-Klassiker „We are the champions“ über den Reitpferdeplatz, sehr passend!

Auch die Reiterin, Kira Wulferding, die die Stute auch zur Oldenburger Landeschampionesse machte, ist von diesem Pferd überzeugt. Seit San Doncisco, den sie 2010 zum Bundeschampionatstitel der dreijährigen Hengste ritt (der nun San Fransisco heißt und bei der Österreicher Familie Max-Theurer auf größere Aufgaben vorbereitet wird), habe sie so ein Pferd nicht mehr gehabt, sagte sie im ST.GEORG-Interview. „Sie ist eine kleine Prinzessin, sehr sensibel aber doch menschenbezogen.“ Die Stute gehört Birgit Kalvelage aus Höltinghausen. Leider unverkäuflich. Was ein Glück ist für Kira Wulferding, die das Ausnahmepferd bis auf weiteres weiter ausbilden darf.

Die Richter (Dr. Carsten Munk, Peter Olsson, Reinhard Richenhagen) kamen in Schwärmen „Ein Pferd von einer inneren und äußeren Losgelassenheit, die ihresgleichen sucht“, lautete der Kommentar von „Sprachrohr“ Dr. Dietrich Plewa. Bei diesem Pferd passt alles ein kluges, großes und ehrliches Auge, ein edler, trockener Kopf, ein elegantes Exterieur, kurzum ein „hochmoderner Bilderbuchtyp mit größter Noblesse“, was eine 9,0 für Typ und Qualität bedeutete.
Dazu ein „Trab im Bereich des Optimums bei einem dreijährigen Pferd: ein sehr sehr aktives Hinterbein, ganz viel natürliche Kadenz,“ in allen Phasen, auch in den Wendungen (etwa auf den Schlangenlinien) sowie ergiebige Verstärkungen mit großer Bergauftendenz. Zu bemängeln hatte die Jury nichts, zu einer 10,0 konnten sie sich aber offenbar nicht hinreißen lassen. So wurde es die 9,5.
Auch der Galopp erhielt das Prädikat „sehr gut“ bergauf gesprungen in allen Phasen, viel Untersprung, ausbalanciert und in den Verstärkungen gleichbleibend im Rhythmus.
Die einzige Acht vor dem Komma gab es im Schritt, wo man sich „vielleicht ein bisschen mehr Gelassenheit“ gewünscht hätte, 8,5.
Großes Lob gab es nicht nur für das Pferd, sondern auch die Reiterin, die „das Pferd bei minimalster, gefühlvoller Hilfengebung in genau dem passendem Tempo vorstellte, bei dem die Qualitäten voll zur Geltung kommen“. Bei Soiree d’Amour wurde an dieser Stelle angemerkt, wie leicht und doch vertrauensvoll die Stute an die Hand herantritt und sich beim Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen dehnt, wie viel Ehrgeiz sie zeigt, dabei aber trotzdem losgelassen bleibt. Das alles summiert sich zu einer 9,5.
Und weil „die Stute es mit ihrer Ausstrahlung leicht hat, die Herzen der Richter für sich zu gewinnen“, gab es für Temperament und Harmonie zu guter Letzt eine weitere 9,5.

So zog sie mit einer 9,17 in das B-Finale mit Reiterwechsel. Als Fremdreiter konnten Kim Pfeiffer, in Dressur und Springen S-erfolgreiches Kadermitglied aus Rheinland-Pfalz, sowie Marcus Hermes, Angestellter bei Hubertus Schmidt und ausgezeichneter Pferdewirtschaftsmeister, als reitende Richter gewonnen werden. Die beiden konnten nur bestätigen, dass es sich bei Soiree d’Amour um ein absolutes Ausnahmepferd handelt. Zweimal die 10,0 sprechen für sich, Bundeschampionesse mit insgesamt 75 Punkten.

Ein spannendes Rennen gab es im Silber und Bronze, denn gleich zwei Pferde wurden mit durchschnittlich 8,5 bewertet, beides sind Töchter des Stars von der Station Holkenbrink, Rock Forever: die Westfalenstute Rapunzel W aus einer Mutter v. Laureus (Z.: Wolfgang Wiesner, Verl) und die Rheinländerin Rivery Royal, bei der Rohdiamant der Muttervater ist (Z.: Hannelore Koch, Nümbrecht).

Die Entscheidung im Fremdreitertest fiel zugunsten der charmanten Rivery Royal mit Johann Hinnemanns Chefbereiterin Stefanie Wolf im Sattel. Ähnlich wie die Siegerin besticht auch diese im Rheinland gezogene Stute mit einem herrlichen Gesicht, das geprägt ist von dem großen, klugen Auge. „Ein Leistungspferdetyp, der noch in der Entwicklung steht. Der Oberhals könnte noch ausgeprägter sein, aber bei ausgeprägtem Widerrist und guter Sattellage“, lautete die Beurteilung des äußeren Erscheinungsbildes im Finale Teil A, was mit 8,0 beurteilt wurde. Im Trab hatte die Stute in den Wendungen der Schlangenlinien leichte Probleme, den Takt zu halten. Dafür gelangen die Verstärkungen mit gutem Raumgewinn. Note: 8,0. Highlights waren die Schritt- und Galoppreprisen. Das eine mit großzügigem Schreiten bei aller Gelassenheit, das andere bei weitem Untersprung. Der Lohn: zweimal die 9,0. In den Bereichen Ausbildung und dem letzten Kriterium Temperament/Harmonie gab es jeweils die 8,5. So zog auch Rivery Royal mit 51 Punkten in den Fremdreitertest.

Hier bekam sie dann 17,50 Punkte. Das ist nicht sensationell viel, genügte aber, um mit 68,50 Punkten an ihrer Rivalin Rapunzel vorbeizuziehen.

Die Bronzemedaillengewinnerin, Rapunzel W mit Manuela Nitschke im Sattel, hat diese Saison schon einige Erfolge einheimsen können. Bei der Eliteschau in Handorf wurde sie Siebte. Beim Westfalenchampionat belegte sie Platz zwei hinter dem neuen Bundeschampion der dreijährigen Hengste, Escolar, und noch vor dem heutigen xx-platzierten, Quotenkönig. Außerdem nahm sie am Deutschen Stutenchampionat in Lienen teil und war beim Turnier der Sieger in Münster Zweite im renommierten Westfalen-Wappen.

Die Braune ist ein eher schlichtes Pferd „mit herbem Charme“, wie die Richter es ausdrückten. Gebäude- und Typnote: 8,0. Sie beeindruckt, wenn sie sich in Bewegung setzt. Dann kommt ihr Grundschwung zur Geltung mit weit unter den Körper schwingenden Hinterbeinen. Da sie in den Verstärkungen hinten noch leicht breit wird, gab es für den Trab „nur“ die 8,5. Dieselbe Note gab es auch im Galopp, der von ständiger Bergauftendenz, gutem Raumgriff und Balance geprägt ist. Highlight der Stute ist der Schritt „toll durch den Körper bei gutem Über- und Vortritt aus der Schulter, dabei immer im Takt“, 9,0.
Weil man sich etwas mehr Losgelassenheit im Genick gewünscht hätte, gab es im Bereich Ausbildung eine Acht vor dem Komma, 8,5.

Zusammen ergab das eine 8,5 im Durchschnitt oder 51 Punkte vor dem Fremdreitertest. Hier bekam die Stute 16 Punkte, machte 67 insgesamt und Bronze.

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