BuCha 2017: Fremdreiter machen Finest Selection zum Bundeschampion vor Secret

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Bundeschampion Selection unter seinem Ausbilder Lukas Fischer beim Bundeschampionat 2017. (© Kiki Beelitz)

War das spannend! Vor dem Fremdreitertest der dreijährigen Hengste hatte man eigentlich gedacht, das Ergebnis stünde fest: Volltreffer für Secret. Doch es sollte anders kommen. Finest Selection galoppierte mit der Schärpe vom Platz.

Doch der Reihe nach. So, wie einst Totilas die Springreiter an den Dressurplatz gelockt hatte, hörte man heute aus allen Ecken: „Den müssen wir uns angucken!“ Die Rede war von dem dreijährigen Württemberger Hengst Secret.
Am Donnerstag, in der Qualifikation war es in vielen Fällen wohl vor allem die Neugierde gewesen, die die Massen zum Reitpferdeviereck auf der Burandtwiese gelockt hatte. Schließlich waren die öffentlichen Auftritte des Hengstes rar gesät gewesen. Aber man hatte Internetvideos gesehen und die verhießen Großes. Nun wollte man sich überzeugen, ob der lackschwarze Sezuan-Sohn aus der Zucht von Hubert Vogler in Natura hält, was er virtuell versprach. Das tat er.

Das schönste war eigentlich, ihn beim Abreiten zu beobachten. Hier trabte ihn die Schwedin Jessica Lynn Andersson, die ihn von Anfang an unter dem Sattel hatte, ganz entspannt und etwas untertourig über den Sandplatz. Wo die anderen Dreijährigen sich schon mal freimachten und lossprangen, zog Secret unbeeindruckt seine Bahnen. Selbst wenn der Trecker, der den Boden ebnete, direkt neben ihm her fuhr. „Ich war schon ein bisschen unsicher, wie er hier reagieren würde“, verriet die Reiterin. „Er ist ja noch sehr unerfahren.“

Wie gesagt, öffentliche Auftritte waren rar gesät gewesen. Aber der Württemberger aus einer Mutter v. St. Moritz benahm geradezu mustergültig. Und beim lockeren Abtraben bewegte er sich noch schöner durch den Körper als später in der Prüfung. Dort präsentierte er sich zwar mit „immensem Ausdruck“ wie Reinhard Richenhagen die 9 für den Trab von den Richtern übersetzte. Aber man hätte sich gewünscht, dass er die Bewegungsenergie mehr durch den Körper ins Vorwärts umwandelte. Das Tritte verlängern im Trab endete damit, dass der Hengst angaloppierte.

Apropos Galopp – hier gab es dann die 10. Nachvollziehbar. So eine kraftvoll-energische Bergaufgaloppade sieht man selten. Das gute: Secrets Schritt hält, was Trab und Galopp versprechen. Ganz gelassen marschierte der Schwarze durch die Bahn, dehnte sich vertrauensvoll in die Hand und trat locker vier Hufe über, 9,0. Eine glatte 9 gaben die Richter auch für den Bereich Durchlässigkeit. Sie lobten hier insbesondere die Anlehnung und die willige Annahme der Hilfen.

Gespannt wartete man auf die Gebäudenote. Im Vorfeld hatte es viel Gerede gegeben um das Fundament des Hengstes. Das lässt sich auch beim Vormustern im Sand schlecht beurteilen. Kommentiert wurde es nicht. Gelobt wurde die gute Oberlinie, die gute Halsung und Bemuskelung, womit die Richter ihre 8,5 begründeten. Summa summarum zog Secret mit einer 9,1 in den Fremdreitertest ein und man kann Jessica Lynn Andersson schon verstehen, wenn sie sagt: „So ein Pferd bekomme ich nie wieder!“

Aber als die reitenden Richter Anke Unger und Marcus Hermes in den Sattel stiegen wendete sich das Blatt. Der Hengst hatte offenbar Schwierigkeiten, den Takt zu finden und zog nicht zur Hand hin. 17 Punkte gaben die Fremdreiter Secret. So wenig wie keinem anderen Pferd an diesem Wochenende. Zusammen mit den 45,50 Punkten aus dem Vorfeld bedeutete das ein Endergebnis von 62,50 Punkten. Das reichte nicht.

Finest Selection vom Allerfeinsten

Denn auf dem bildschönen Oldenburger Finest Selection v. Follow Me-Lauries Crusador xx fühlten die Fremdreiter sich offensichtlich pudelwohl. 19 Punkte gaben sie hier. Unter dem Strich machte das zusammen mit der Vorbenotung 63,50 Punkte. Damit stand fest: Bundeschampion 2017 ist Finest Selection. Sein Reiter Lukas Fischer riss die Faust in die Luft und es gab wohl niemandem, der dem sympathischen Niedersachsen diesen Erfolg nicht gegönnt hätte.

Zumal Finest Selection auch wirklich ein Pferd zum Verlieben ist! Gezogen wurde er von Heinz-Hermann Leismann, Besitzer ist das Dressurpferde Leistungszentrum Lodbergen, das heute mit Finest Selection und Dressurpferdechampion Dominy zwei Champions feiern kann.

Lukas Fischer präsentierte den Rappen, der auch Oldenburger Landeschampion geworden war, mustergültig: sehr gefühlvoll und in schöner Anlehnung. Einziger Wermutstropfen bei dem Black Beauty-Modell: Er wurde heute im Trab deutlich breit, nicht nur in den Verstärkungen, sondern auch schon im Arbeitstempo. Aber das mag auch den Anstrengungen der vergangenen Tage geschuldet sein, denn es ist ja wirklich ein strammes Pensum, das die Dreijährigen hier zu absolvieren haben.

Ansonsten bestach Finest Selection durch Elastizität, Raumgriff und eine generelle Losgelassenheit. Die Noten sprechen für sich: 9 im Trab, 8,5 im Galopp (den hätten die Richter sich etwas runder nach oben gesprungen gewünscht), 9,5 für den großzügigen Schritt, 8,5 fürs Gebäude und damit eine 8,9 im Durchschnitt.

Ein solider Beamter

Bronze sicherte sich der Hannoveraner Dohnanyi v. De Niro-Lauries Crusador xx (Z.: Aalke Lübbers) unter Janina Tietze für das Landgestüt Celle. Man wünschte dem Hengst ein etwas lebhafter ab- und unterfußendes Hinterbein, aber er gefiel mit Elastizität und Raumgriff. So gab es einmal die 9 im Schritt und ansonsten in allen Kriterien die 8,5. Das machte unter dem Strich eine 8,6 vor dem Fremdreitertest. Hier kamen dann noch 18 Punkte hinzu – Bronzemedaillengewinner mit 61 Zählern.

Alle weiteren Platzierten finden Sie hier.

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