Cepano Baloubet ist Bundeschampion der siebenjährigen Springpferde 2021

Bundeschampionate

So fliegt ein Bundeschampion – Cepano Baloubet mit Richard Vogel. (© Equitaris)

Am Samstagnachmittag wurde der erste Titelträger bei den Springpferden ermittelt. Cepano Baloubet unter Richard Vogel ist der neue Bundeschampion der siebenjährigen Springpferde, für die ein S**-Springen mit Stechen auf dem Warendorfer Springplatz aufgebaut worden war.

Der Württemberger Fuchswallach Cepano Baloubet ist ein Sohn des Chaman, mit dem Ludger Beerbaum international erfolgreich war. Muttervater des beim DSP eingetragenen Cepano Baloubet ist Stakkato’s Highlight. Sein Züchter Wolfgang Seemann aus Baden-Württemberg züchtet nur in kleinem Rahmen. Ein, zwei Fohlen fallen bei ihm jedes Jahr. Der Bundeschampion ist sein bisher größter Erfolg. Besitzerin des Wallachs ist Firoozeh Kashfi.

Mit etwas Glück hatte der neue Champion unter Richard Vogel das Stechen erreicht. Im Umlauf hatte Sprung fünf bedenklich gewackelt. Der Stechparcours dagegen war souverän. In hohem Tempo, keinen Meter zu viel galoppierend und mit einer hohen Frequenz im Galopp absolvierten die beiden das Stechen in 40,97 Sekunden deutlich als Schnellste.

Greece, die Schimmelstute von Mylord-Carthago unter Teike Carstensen blieb ebenfalls strafpunktfrei, wenn auch deutlich langsamer als Cepano Baloubet (43,28 Sekunden), und holte damit die Silbermedaille nach Holstein. Züchterin der Greece ist Margit Petersen, Besitzer die Hengststation Sollwitt GbR, also die Familie Carstensen.

Vor ihr war Chalouries PS unter Ebba Johansson ebenfalls strafpunktfrei nach 44,47 Sekunden über die Ziellinie galoppiert. Mit Chacco Blue-Baloubet de Rouet hat der Fuchshengst allerfeinstes Springpferdeblut in den Adern, ist auch züchterisch sozusagen ein Sahneteil. Züchter und Besitzer des Fuchshengstes ist das Gestüt Lewitz. Seine Reiterin präsentierte Chalouries PS perfekt. Das Paar begeisterte sowohl im Umlauf wie auch in dem zügig absolvierten Stechen allerfeinstes Springreiten.

Das gefühlvolle Reiten der jungen Schwedin, Bereiterin aus dem Stall Schockmöhle, war auch auf dem Abreiteplatz aufgefallen, sie erhielt deshalb neben der Bronzemedaille zusammen mit ihrem Trainer Norbert Nuxoll den vom Bundeslandwirtschaftsministerium ausgelobten Tierschutz-Sonderpreis, öffentliche Anerkennung für eine dem Alter des Pferdes und der zu bewältigenden Aufgabe angemessene Vorbereitung und Vorstellung.

Dustie MHB, der unter seinem Züchter und Besitzer Max-Hilmar Borchert im Stechen antrat, ist ebenfalls beim Deutschen Sportpferdeverband eingetragen. Dem braunen Wallach von Discar-Power van de Daelhove unterliefen jedoch zwei Springfehler, damit beendete er das Bundeschampionat auf dem vierten Rang. Dusties Züchterin ist Edda Borchert.

Nur diesen vier Reitern gelang eine strafpunktfreie Runde im Umlauf, allesamt in der ersten Hälfte des Starterfeldes, als der Springplatz noch im vollen Sonnenlicht lag. Nach der Schlepppause verschwand die Sonne mehr und mehr hinter den Bäumen, die Lichtverhältnisse waren andere.

37 Pferde waren in der Starterliste eingetragen gewesen. Nicht nur in dieser Altersklasse, auch bei den Fünf- und Sechsjährigen darf das Starterfeld gern etwas größer werden, sicher aber gilt Qualität vor Quantität. Dauerbrenner in den Diskussionen der letzten Jahre über dieses Thema ist die Frage, warum zwar die Qualifikationsprüfungen gern angenommen werden, die Mehrzahl der qualifizierten Pferde dann doch nicht nach Warendorf kommen. Die Gründe sind sicher sehr unterschiedlich, für Turnierleiter Markus Scharmann jedoch Anlass, über den Austragungsmodus nachzudenken.

Er sagt: „Wir wollen und müssen das Schaufenster der deutschen Pferdezucht sein und bleiben. Das Alleinstellungsmerkmal, das wir mit der Vergabe der Noten auf dem Springplatz haben, soll erhalten bleiben. Um nicht in alten Strukturen zu erstarren, müssen wir die Abläufe immer wieder auf den Prüfstand stellen. Das betrifft nicht nur die sportliche Komponente, sondern ganz entscheidend auch das Wohl der Pferde. Dafür haben wir in diesem Jahr einiges getan. Das ist auch honoriert worden, für uns Ansporn, gerade das Thema besonders im Auge zu behalten.“

Qualifikation der Sechsjährigen

Ehe es um die erste Schärpe der Springpferde ging, stand die zweite Qualifikation der Sechsjährigen auf dem Programm, ein M**-Springen gegen die Uhr. Der schnellste Ritt war der von Manuel Feldmann und Phin, einem westfälischen Wallach v. Perigueux-For Pleasure (0/ 68,33 Sekunden), somit Sieger der ersten Abteilung. Züchter des braunen Wallachs ist Heinz-Josef Beermann, Besitzer Walter Hunig.

Der schönste Ritt war der von Sophie Hinners und Rocca R.T, die in der zweiten Abteilung siegten (0/ 70,62 Sek.). Nachdem Rocca R.T schon in der ersten Qualifikation auf dem zweiten Platz stand, ist die Oldenburger Stute von Diarado’s Boy-Lovis Corinth (Züchter ZG Richter-Irps u. Tiefenthal, Besitzer Jeannine Wolf) die Favoritin für das Finale am Sonntag.

Dass schnelles Reiten auch richtig schön aussehen kann bewies das Siegerpaar aus Dagobertshausen. Rocca R.T immer auf Zug, hochkonzentriert in bester Manier springend, von ihrer Reiterin mit feinen Hilfen über den Kurs gesteuert war es nur eine logische Konsequenz, dass die Richter die Vorstellung mit „sehr gut“ benoteten: Mit 9,0 bekam die Braune die höchste Note des Tages und trug auf der Ehrenrunde gleich zwei Siegerdecken.

Mit dem Holsteiner Munin von Mylord Carthago-Chin Chin stellte Sophie Hinners einen weiteren heißen Anwärter auf den Titel des Bundeschampions vor. In der ersten Qualifikation auf Platz zwei, heute Platz drei (0/74,58 Sek.) – der Schimmelwallach ist in Topform (Züchter Michael Eitel, Besitzer Martin Will).

Doch damit noch nicht genug: Auch Catalina, das dritte sechsjährige Springpferd, das Sophie Hinners an den Start brachte, lieferte eine fehlerfreie Runde (76,51 Sek.) und platzierte sich auf dem vierten Rang. Die Holsteiner Schimmelstute von Cachas-Lasino, schon Fünfte in der ersten Qualifikation, redet gewiss am Sonntag ein Wörtchen mit. Besitzer ist die Vogel & Will Equestrian GmbH in Dagobertshausen. Hier werden Springpferde gemacht, Catalina hat also beste Möglichkeiten, zu einem Spitzenpferd zu werden. Die tollen Runden in Warendorf machen Hoffnung.

Darcy Featherstone, die westfälische Stute von Diatendro-Emilion unter Philipp Schöllhorn, beendete den Parcours in 71,60 Sekunden, zweiter Platz in der ersten Abteilung (Züchter Franz Greitemann, Besitzer Katharina Schestak) vor Cashtender unter Frederic Tillmann (0/74,07 Sek.). Der Holsteiner Wallach aus der Zucht von Luk van Puymbroeck (B.: Tanja Bock) bewies seine gute Form schon mit dem dritten Rang in der ersten Qualifikation.

Auf jeden Fall muss man für die Jagd auf den Titel des Bundeschampions auch Fascinora auf dem Zettel haben, die heute unter Katrin Eckermann an zweiter Stelle der zweiten Abteilung stand (0/71,90 Sek.). Auch Fasconira, die Hannoveraner Tochter des Firth of Lorne-Cassini II war am Donnerstag auf dem fünften Rang schon gut platziert. Ihre Reiterin Katrin Eckermann lässt im Parcours niemals etwas anbrennen. Sie wird die Konkurrenz gehörig unter Druck setzen. Im Falle des Titelgewinns könnte die Siegesfeier zu einer Familienfeier werden, Züchter der Fascinora ist Vater Otmar Eckermann, Besitzerin Annegret Eckermann.