Dark Gambler und Antonia von Baath sind Bundeschampions der fünfjährigen Vielseitigkeitspferde, Abräumerin Pia Münker

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Antonia von Baath und Dark Gambler, Bundeschampions der fünfjährigen Vielseitigkeitspferde 2020. (© www.sportfotos-lafrentz.de)

„Alles, was jetzt noch kommt, ist Bonus“, hatte Antonia von Baath gesagt, als sie und ihr Hannoveraner Dark Gambler sich über den Sieg im kleinen Finale für die Entscheidung beim Bundeschampionat der fünfjährigen Vielseitigkeitspferde 2020 empfahlen. Der Bonus ist ziemlich üppig ausgefallen!

Schon dass sich der Diacontinus-Stalypso-Sohn Dark Gambler fürs Bundeschampionat qualifiziert hat, war ein toller Erfolg. Nicht etwa, weil es im Vorfeld an Erfolgen gemangelt hätte. Er hatte schon auf dem Weg nach Warendorf zahlreiche Geländepferdeprüfungen für sich entschieden. Aber Dark Gambler heißt zuhause nicht umsonst Scar bzw. Scary. Als Antonia von Baath ihn kennenlernte, war er ein hyperängstlicher Dreijähriger in der Herde des Hamburger Dermatologen Prof. Dr. Volker Steinkraus. Auf dessen Anwesen in Ollsen in der Lüneburger Heide wuchs der Dunkelbraune aus der Zucht von Andreas Middelkampf auf. Antonia von Baath half dort regelmäßig bei der Ausbildung der Youngster. Scar oder Scary fiel vor allem durch zwei Dinge auf: Er war schon damals bildhübsch und konnte sich ansprechend bewegen, und er hatte buchstäblich Angst vor allem – Sonne, Schatten, Menschen, Pferde. Alles versetzte ihn in Panik. Es hat lange gedauert, bis Antonia ihn zum ersten Mal „reiten“ konnte. Über Monate brauchte sie jemanden, der sie auf Scar führte. Doch ganz langsam fasste der Wallach Vertrauen. Und als das einmal da war, entwickelte er sich rasant. Bis hin zur Teilnahme am Bundeschampionat.

Was das in Warendorf geben würde – Antonia von Baath wusste es nicht. Anderswo übernachtet hatte Dark Gambler noch nie. Und der Platz in Warendorf ist nicht gerade das, wo Pferde nichts zu schauen und zu scheuen hätten. Aber Scary benahm sich wie ein Alter! Am ersten Tag waren sie noch ein bisschen zu langsam unterwegs gewesen, um sich direkt fürs Finale zu qualifizieren. Wertnote: 7,9.

Im kleinen Finale legte Antonia einen Zahn zu und wurde für eine echte Bilderbuchrunde mit einer 8,7 belohnt. Eine überglückliche Reiterin jubelte: „Er ist so rittig, ich könnte ihn da mit Halfter durchreiten!“ Und sie betonte, dass wenn im Finale etwas nicht klappen sollte, es allein daran liegen würde, dass Scar die Kraft ausgeht. Doch es sollte klappen. Und wie!

Als es am Sonntag in den dritten Teil des Finales ging, brachten die beiden schon ein gutes Zwischenergebnis mit: Platz vier dank einer Dressur, die mit 7,2 bewertet worden war, und einem superharmonischen Springen, für das die Richter eine 8,4 vergaben.

Im Cross waren die beiden schon viertes Paar eines Starterfeldes, das im Nachhinein vom Sprecher als außergewöhnlich groß und qualitativ hochwertig bezeichnet wurde. Ihnen gelang heute alles. Kommentar der Richter, die sich Zeit ließen mit der Verkündung der Note: „Wir haben hier auf hohem Niveau über die Bewertung diskutiert. Eine wirklich mustergültige Runde von einem Pferd, das das hier ganz selbstverständlich absolviert hat mit ganz gleichmäßigem Tempo und Rhythmus. Beeindruckend auch, dass das Pferd ganz ehrlich auf die Hilfengebung wartete. Raumgreifende, kraftvolle Galoppade. Mit Übersicht und ganz sicherer Manier hat er die Sprünge überwunden. Wertnote ein glattes ,Sehr gut‘.“

Damit übernahmen Antonia von Baath und Dark Gambler mit 37,8 Punkten die Führung. Aber zum Freuen war es noch zu früh, denn da kamen noch einige sehr sehr gute Paare, wie beispielsweise der Sieger der Qualifikation, der Contendro-Heraldik xx-Sohn ChinTonic unter Julia Krajewski.

Doppelter Erfolg für Pia Münker

Tatsächlich lieferte ChinTonic die zweitbeste Geländeleistung mit einer 9,1. Aber das reichte am Ende trotzdem nicht für einen Medaillenplatz. Mit 36,7 Punkten wurden sie Fünfte.

Gute Chancen auf den Titel hatte man auch Pia Münkers Hannoveraner Hengst Abraxas v. Araldik-Now od Never M (Z.: Manfred Schäfer) eingeräumt, der als Prämienhengst die Hannoveraner Körung verlassen hatte und im Besitz des Gestüts Fohlenhof steht. Er ging eine tolle Dressur (7,9) und legte heute eine Bilderbuchgeländerunde hin, die die Tageshöchstnote von 9,2 erhielt. Zusammen mit 11,1 Punkten aus dem Springen reichte das aber nicht, um an Antonia von Baath und Dark Gambler vorbei zu ziehen. Abraxas gewann Silber mit 37,401 Punkten.

Bei der Siegerehrung der besten drei wurde ein Pferd an der Hand hereingeführt, denn auch dieses war von Pia Münker vorgestellt worden und die konnte ja nicht auf zwei Pferden sitzen. Ihr zweites Pferd unter den Top drei war Balou’s Mascot M v. Balou du Rouet-Cook du Midour AA. Der Mann, der die Stute am Zügel hatte, hatte hier gleich drei Funktionen: Er ist Züchter der Hannoveranerin (der dritte Hannoveraner in den Medaillenrängen!), Besitzer und er ist der Vater der Reiterin: Franz-Josef Münker. Er hatte allen Grund stolz auf seine beiden Zuchtprodukte zu sein. Tochter Pia präsentierte Balou’s Mascot M mit gleichmäßig guten Leistungen in allen Teildisziplinen, für die es am Ende 37,4 Punkte gab.

Vierter wurde mit 37,2 Punkten Jens Hoffrogge im Sattel seines selbst gezogenen Westfalen-Hengstes Areion H – eines von drei Pferden, die Hoffrogge für das Finale qualifizierte, die allesamt von seinem Hengst Asagao xx abstammen. Auch das ist eine besondere Leistung!

Und dann auch noch Gold für Münker

Als letzte Starter des mit nur acht Paaren besetzten Finales der sechsjährigen Vielseitigkeitspferdes rollten Pia Münker und die Holsteiner Stute Camisa Negra v. Cascadallo II-Contender das Feld von hinten auf. Sie hatten eine starke Dressur gezeigt (8,5) und auch im Gelände machte die Stute aus der bekannten Zucht von Reimer Detlef Hennings, der ja auch den Vater Cascadello II und dessen älteren Vollbruder gezogen hat, wirklich alles richtig! Eine 8,8 gaben die Richter, die beste Geländeleistung, der Sieg, Bundeschampionesse.

Thies Kaspareit lobte in seinem Kommentar: „Eine Runde mit einem ganz interessanten Pferd, das mit leichtfüßiger Galoppade überzeugen konnte, immer vor der Reiterin, mit leichter Anlehnung. Das war schon mal die Basis für eine erfolgreiche Runde.“ Lobende Erwähnung fand auch die Tatsache, dass die Stute sich auch dann nicht aus Fluss und Rhythmus bringen ließ, wenn sie mal anschlug oder wie an der Heckenkombination etwas dicht an ein Hindernis heran kam.

Silber ging an Jens Hoffrogge auf dem bildschönen Trakehner Hengst Ibsen v. Checkpoint-Michelangelo aus der Zucht und im Besitz vom Gestüt Webelsgrund. Camisa Negra hatte am Ende 36,15 Punkte auf dem Konto gehabt. 35,50 waren es bei Hoffrogge und Ibsen.

Bronze sicherten sich der OS-Wallach Lou Daymen v. Landor S-Come Back II aus der Zucht und im Besitz von Anja Mauchert und vorgestellt von Linn Sophie Mauchert. Die beiden kamen am Ende auf 33,75 Punkte.