Holsteiner Verbandsstutenschau – zwei Königinnen in Elmshorn

Holsteiner Verband Siegerstute Dressur 2020

Die Siegerstute Dressur des Holsteiner Verbands 2020. (© Bugtrup)

Zum ersten Mal wurden zwei Dreijährige zu Siegerinnen der Verbandsstutenschau in Elmshorn gekürt, eine für die Disziplin Springen, eine für die Dressur. Titelwürdig waren beide, auch wenn sie sich gegen zahlenmäßig schwächere Konkurrenz durchsetzen mussten als in anderen Jahren.

Kaviera, eine Tochter des internationalen Dressurhengstes Zack v. Rousseau-Jazz, aus einer Aljano-Cor de la Bryère-Mutter (Züchter und Besitzer: Zuchtgemeinschaft Ellerbrock, Kayhude) sicherte sich den Titel in der Abteilung Dressur.

Die großrahmige, 1,68 Meter große Fuchsstute imponierte durch ihren elegante Gesamterscheinung mit schönem Hals und leichtem Genick, könnte vielleicht insgesamt etwas geschlossener sein. Der Trab federnd und energisch, dabei immer in deutlicher Selbsthaltung und Bergauftendenz.

Zur Reservesiegerin kürte die Jury die 1,69 Meter große schwarzbraune Vitalis-Dolany-Tochter K-Valentina aus der Be Chirica, der Vollschwester des gekörten Dressur-erfolgreichen Hengstes De Chirico. Züchter und Besitzer ist Günther Fielmann, Schierensee.

Auch sie wusste sich zu bewegen, nicht ohne Spannung, aber mit dem gewissen Wums. Nach Absagen war der Dressurring auf sieben Stuten geschrumpft. Ausschlaggebend für die Einteilung war das dressurverheißende Pedigree.

Springstuten mit Gang

Bugtrup

Die Springsiegerin des Holsteiner Verbands 2020. (© Bugtrup)

Der Siegerstute in der Disziplin Springen bescheinigte der diesjährige Kommentator Gerd Sosath, dass sie auch auf dem Dressurring eine gute Figur gemacht hätte. Karolin v. Charleston-Casiro (Züchter: Eugen Egle, Äpfingen, Besitzer: Hans-Ulrich Wichmann, Inzighofen-Engelswies) hatte einen weiten Weg aus Baden-Württemberg hinter sich.

Schon als Fohlen wurde sie mit einer sensationellen 9,8 bewertet. Die Stutenprüfung bestand die nunmehr 1,69 Meter große blutgeprägte Braune aus dem berühmten Stamm 18A mit der Note 9,1.

Mit Karolin und einer weiteren Tochter gelang dem Cascadello I-Sohn Charleston, dem Siegerhengst des Jahres 2015, ein überzeugender Start in seine Vererberlaufbahn.

Vielleicht noch mehr Gesamtbedeutung hatte die erste Reservesiegerin Kimber v. Cascadello I-Corrado I, gezogen und im Besitz der Schweizerin Christina Trauffer. Die 1,70 Meter große Schimmelstute sahen viele als Siegerin, die leicht zehenweite Vorderfußstellung mag am Ende den Ausschlag gegeben haben.

Auch die sehr selbstbewusste Kimber konnte sich bewegen, und kann darüber hinaus eine glänzenden Stutentest vorlegen, mit fünfmal der Note „Zehn“ und der Endnote 9,6.

Zweite Reservesiegerin wurde die bunte braune Livello-Lennon-Tochter Kassandra II, Stockmaß 171, gezogen von und im Besitz der Laß AG, Leck, ein konzentrierter L-Blut Cocktail, wie Gerd Sosath hervorhob, der mit dem Hengst Lordanos selbst einst mit diesem Leistungsblut große Erfolge gefeiert hatte.

Insgesamt lobte Sosath das moderne Erscheinungsbild des Dreijährigen-Jahrgangs 2020. Die Stute waren durchweg elegant, viele blutgeprägt, obwohl das Vollblut inzwischen in die dritte und vierte Generation zurückgedrängt ist – die einzige nominierte Halbblutstute v. Cyrcon xx wurde abgemeldet. Übergroße kalibrige Pferde sah man nicht, stattdessen viele sportliche Modelle, die mit ihrem Körper umzugehen wussten.

Welchen Stellenwert hat die Eliteschau noch?

49 Stuten hatten bei den Bezirksschauen das „Go“ für das Verbandsfinale in Elmshorn erhalten. Nur 38 stellten sich am Ende den Richtern Dr. Thomas Nissen, Horst K. Helkeine und Rasmus Lüneburg. Das hatte mehrere Gründe.

Zum einen kommen jetzt die geburtenschwachen Jahrgänge ins Blickfeld. Will man bei der Qualität keine allzu großen Kompromisse machen, schrumpft das Feld automatisch.

Zum anderen verzichteten einige Züchter auf die Fahrt nach Elmshorn. Das Risiko schien ihnen zu groß, etwa eine tragende Stute durchs Land zu chauffieren.

Der Ausbruch des EVA-Virus in einigen Ställen, darunter auf der Deckstation Dägeling, die daraufhin für vier Wochen geschlossen wurde, tat ein übriges.

Und nicht zuletzt haben in der heutigen Pferdezucht reine Schauen, die sich auf das Exterieur und die beiden Grundgangarten Schritt und Trab beschränken, einfach an Bedeutung eingebüßt. Gerade Springpferdezüchter fällen ihre Entscheidungen längst nach anderen, leistungsbetonten Kriterien.