Vogue Bundeschampion der dreijährigen Hengste 2022

HKM Bundeschampionate 2022

Vogue – Leonie Richters dritter Bundeschampion bei den Reitpferdehengsten seit 2021. (© Sabine Wegener/Equitaris)

Keine Überraschung war der Triumph von Vogue im Bundeschampionat der dreijährigen Hengste. Auf den weiteren Plätzen hat sich allerdings einiges getan im Vergleich zur Qualifikation.

Mit einer Endnote von 9,1 sicherte sich der großrahmige Hannoveraner Vogue v. Vitalis-Fidermark aus der Zucht der ZG Werth und Besitz der Helgstrand Dressage A/S den Bundeschampionatstitel der dreijährigen Hengste. In seinem Sattel saß Leonie Richter, die mit ihrem eigenen Dos Amigos gestern bereits den Bundeschampion der siebenjährigen Dressurpferde stellte.

Vogue zeigte sich heute nicht ganz so souverän wie noch in der Qualifikation, war nicht so gleichmäßig in der Anlehnung und verlor zwischendurch kurzzeitig die Balance und rettete sich in den Galopp. Aber das änderte nichts an der überragenden Grundqualität des Hengstes, aufgrund derer er ja im vergangenen Jahr auch Preisspitze der Körung in Münster-Handorf geworden war. Was er dort an der Hand zeigte, setzt er auch unter dem Sattel um.

Wie Wolfgang Egbers für die Richter kommentierte: „Der Trab aus einem ruhigen Takt entwickelt, groß im Raumgriff, heute noch nicht ganz ausbalanciert, aber er wusste immer wieder durch seinen Antritt zu überzeugen, 9,0.“ Die Höchstnote 10,0 gaben die Richter (neben Egbers auch Gerd Wolfgang Sickinger und Catrin Wingender) für den Galopp, vor allem, wegen des „guten Anschlusses“ der Hinterhand in den Verstärkungen wie auch den Rückführungen. Im Schritt hätten sie sich mehr Zug zur Hand gewünscht. „Der Hengst wirkte etwas matter“, 8,5. Aufgrund der leichten Balanceprobleme, die es heute gab, wurde auch die Rittigkeit mit 8,5 bewertet. Und in Sachen Exterieur – „da haben wir uns gefragt, was finden wir noch an dem?“, so Egbers und meinte damit natürlich, was es da noch zu bemängeln geben sollte. 9,5 die Note hier.

Leonie Richter bestätigte, dass auch sie Vogue die Tage hier auf dem Bundeschampionat angemerkt hat. Aber sie sagt vor allem: „Ein Pferd mit der Qualität ist ganz, ganz selten. Er ist super rittig und von Schritt eins an da.“ So groß er losmarschiert, so wendig sei er auch. Und wer den Eindruck hatte, das Temperament des Hengstes sei schwer im Griff zu halten, dem kann sie entgegenhalten: „Er ist ,an‘. Aber so wollen wir die Pferde ja auch haben! Er ist ,an‘ im positiven Sinne, dabei total klar im Kopf und schon sehr abgeklärt.“ Sie muss es wissen, wenn sie von einem Ausnahmepferd spricht. Schließlich hat sie im letzten Jahr gleich beide Reitpferde-Titel bei den Hengsten für Stall Helgstrand gewonnen, mit For Real und mit Vitalos.

Vogue konnte ja dieses Jahr nicht in Deckeinsatz gehen, weil die Samenqualität nicht ausreichte. Ulf Möller, der die deutsche Dependance von Helgstrand Dressage leitet, berichtete, der Hengst werde nun erst einmal in Dänemark seine Prüfung machen. „Und dann werden wir es nächstes Jahr nochmal probieren. Das hat man ja schon mal, dass der Samen sich verändert, wenn die Hengste älter werden.“ Mit dem Ergebnis der Untersuchung werde man genauso transparent umgehen, wie dieses Jahr. Die Anfrage für den Hengst sei enorm gewesen, so Möller. „Hätte er decken können, wäre er heute nicht hier gewesen. Dann wäre die Belastung zu groß gewesen.“ Insofern darf man wohl doppelt gespannt sein, ob es nächstes Jahr ein Wiedersehen mit Vogue auf dem Reitpferdeviereck gibt.

Silber an Elastic

Der eine hatte schon in der Qualifikation seine große Stunde, die des anderen schlug heute – Silber ging an den von Maxi Kira von Platen vorgestellten westfälischen Escolar-Dimaggio-Sohn Elastic (Z.: Daniela Werheit-Wagemeyer), der sich heute gelassener und offener im Rahmen präsentierte, als noch in der Qualifikation. Seine Reiterin sagte: „Eigentlich ist er alles andere als schüchtern, aber da war er doch etwas beeindruckt von der Kulisse. Ich dachte mir, ich reite auf Sicherheit, Hauptsache ich schaffe es ins Finale.“ Der Plan ging auf, und heute wurden die Karten neu gemischt. Welche Möglichkeiten im Trab in dem Hengst stecken, wurde vor allem beim Zügel aus der Hand kauen lassen deutlich. Maxi Kira von Platen, die seit rund einem Jahr im Team Helgstrand reitet, schwärmte: „Das war heute ein unglaubliches Gefühl. Er war total locker und konzentriert.“

Die Richter gaben für den Trab eine 9,0, für den Galopp sogar eine 9,5. Auch hier lobten sie unter anderem die Balance sowohl beim Verlängern als auch in der Rückführung der Galoppsprünge. Den Schritt bewerteten sie heute großzügiger als in der Qualifikation (da war es die 7,0) mit 8,0. „Heute mit entsprechender Losgelassenheit dehnte er sich besser zur Hand. Dadurch kam mehr Schulterfreiheit, der Raumgriff wurde besser“, so Egbers.

Großes Lob gab es für die Reiterin, als es zur Erklärung der Rittigkeitsnote von 9,5 kam: „Die altersgemäße Erfüllung dieses Hengstes war kaum zu übertreffen. Aber wir hatten uns gewünscht, und Frau von Platen konnte uns dieses auch präsentieren, dass der Hengst sich in sich ruhend, losgelassen in den Verstärkungen präsentierte. Die Reiterin kam nach jedem Übergang sofort zum Reiten und der Hengst ließ auch immer sofort los, 9,5.“

Zusammen mit der 9 fürs Gebäude wurde es unter dem Strich eine glatte 9,0 und Silber.

Bronze an Glamdale

Viele Fans hatte der zweite Westfale des Spitzen-Trios, der Glamourdale-Sohn Glamdale, gezogen von und im Besitz der ZG Pleines aus einer Vollschwester zur ehemaligen Körungspreisspitze Maracanà v. Millennium, und vorgestellt von Stefanie Ahlert.

Ähnlich wie Elastic schien der bildschöne Rappe sich heute um Welten wohler zu fühlen im Warendorfer Viereck, was möglicherweise auch daran lag, dass er an der Tête ging. Er präsentierte sich viel gleichmäßiger und schöner in der Anlehnung, was die Richter auch entsprechend honorierten: 9,5 im Trab, 9 im Galopp, 8 im Schritt, 9 in Sachen Ausbildung („Die Reiterin hat sehr gut in Szene gesetzt, wie das Pferd auf feinste Hilfen reagiert“), 8,5 für Typ und Qualität des Körperbaus. Hier wunderte man sich doch etwas. Die Richter fanden die Oberlinie „etwas weich“ und das Fundament hätten sie sich trockener gewünscht. So die Begründung. Alles in allem ergab das eine 8,8.

Stefanie Ahlert war übrigens diejenige, die in dieser Prüfung den BMEL Tierschutzpreis für besonders fairen Umgang mit ihrem Sportpartner Pferd erhielt.

Die weiteren Plätze

Ein rundum sympathisches Pferd ist der Brandenburger DSP-Wallach Bloomingdale v. Belantis-Rubin-Royal aus der Zucht und im Besitz des Haupt- und Landgestüts Neustadt/Dosse, der hier allerdings für seine Interimsheimat Celle ging. Wunderbar in Szene gesetzt wurde er von Catja Thomsen. Allerdings war der hübsche Schimmel heute deutlich müder als noch in der Qualifikation. Dennoch, die locker durch den Körper schwingenden Bewegungen, die gleichmäßige vertrauensvolle Anlehnung, der allgemeine Eindruck der Zufriedenheit des Schimmels gefielen. Mit einer Endnote von 8,5, wobei der Schritt den Richtern eine 9 wert war, wurde Bloomingdale heute Vierter.

Dahinter landeten die beiden 2022er-Körkandidaten aus München, der Spitzenpreisler Benison v. Benicio-Don Diamond (Z.: Franz Galneder) unter Anna-Catherine Schöffner (8,3), und der Siegerhengst aus München, der Rappe Dream Royal v. Don Royal-Quadroneur (Z. u. B. Dr. Frank Klakow) mit der Italienerin Beatrice Arturi im Sattel und der Endnote von 8,1 auf der Anzeigentafel.

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