WM Junge Dressurpferde: Desperado ein wirklich „glücklicher Athlet“

Was für eine Galoppade! Weltmeister Desperado OLD und Nadine Plaster

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Vor zehn Monaten erstanden Nadine Plaster und ihr Lebens- und Geschäftspartner Simon Kohlenbrenner auf der Oldenburger Eliteauktion in Vechta den damals vierjährigen Wallach Desperado. Jetzt wurde der Wallach Weltmeister der fünfjährigen Dressurpferde in Verden. Auf den Plätzen folgten der Trakehner Hengst Imperio mit Anna Sophie Fiebelkorn und die Oldenburger Stute Silberaster mit Helen Langehanenberg. Von 15 Finalisten stammten acht aus deutschen Zuchtgebieten, drei aus den Niederlanden, zwei aus Dänemark, einer aus Finnland und einer aus Schweden.

Das Reinvestment hat sich gelohnt! Mit einem weinenden und einem lachenden Auge hatten Nadine Plaster und ihr Partner Simon Kohlenbrenner im vergangenen Jahr die Stute FBW Dejavu v. Dacaprio nach Großbritannien verkauft. Mit der großrahmigen Fuchsstute, die vierjährig Bundeschampionesse in Warendorf gewesen war, hatte Nadine Plaster hocherfolgreich an den Weltmeisterschaften der jungen Pferde teilgenommen. Doch ein Teil des Erlöses wurde flugs in ein anderes Pferd investiert, in Desperado. Für 210.000 Euro erhielt das Paar den Zuschlag. Übrigens war Sissy Max-Theurer, die als Richterin in dieser Prüfung fungierte, seinerzeit die Vorbieterin. Mit einer guten Runde setzte sich der Dressage Royal-Sohn heute an die Spitze des Feldes. Eine „Vorstellung wie aus einem Guss“ attestierten die Richter. Desperado habe sich als ein wirklicher Happy Athlete gezeigt. Sie lobten die Bergauftendenz, die auch im Außengalopp (Galopp: 8,6)  noch vorhanden war, die Taktsicherheit und die Rittigkeit, die mit 8,8 zu Buche schlug. Schritt und Trab wurden mit 8,9 bewertet. „Imponierend“, so die Juroren, sei der gleichbleibende Kontakt zwischen Reiterhand und Pferdemaul gewesen.
„Als ich ihn das erste Mal geritten habe, habe ich ihm gleich eine 10,0 gegeben“. Das breite Grinsen ihn Anna-Sophie Fiebelkorns Gesicht spricht Bände. Den Trakehner Imperio, Reservesiegerhengst der Körung 2005, hat die Verdenerin im vergangen Juli als Fremdreiterin beim Trakehner Bundesturnier erstmals unter dem Sattel gehabt. Da „ihr“ Bundeschampion 2007, der Hannoveraner Benetton Dream, seit Anfang des Jahres über die Station Poll vertrieben wird, bekam die Auktionsreiterin den Connery-Sohn in Beritt. „Ein Dressurpferd seltener Eleganz“, das im Trab eine Schwungentfaltung zeigt, „wie man sie selten sieht“, sagten die Richter und zogen konsequenterweise die 9,2 für den Trab – die Höchstnote des Tages. Im Galopp hätte die Kruppe tiefer sein dürfen (8,2), dafür war der Schritt den Juroren eine 8,7 wert. Der Hengst steht im Besitz des Landgestüts Schwaiganger und der Station Hörem. 2007 war er um wenige Hundertstel Punkte am Fremdreitertest im Bundeschampionatsfinale vorbeigeschrammt. Damals hatte ihn noch Friederike Schulz-Wallner vorgestellt. Seitdem firmiert der im deutlichen Rechteckrahmen stehende schmucke Braune bei der Trakehner Fangemeinde unter dem Begriff der „Bundeschampion der Herzen“.
Es ist immer wieder faszinierend, wie durch neutrales Losen eine Startreinfolge entsteht, die Spannung bis zum letzten Ritt garantiert. Das ist bei Championaten des Weltreiterverbandes FEI fast immer der Fall und das war in Verden auch nicht anders. Silberaster, die Oldenburger Sandro Hit-Tochter, die als zweifache Bundeschampionesse und Zweite der Qualifikation zu den Topfavoriten zählte, ging unter Helen Langehanenberg als Letzte an den Start. Es war nicht die Sternstunde der Stute. Sie wieherte nahezu unentwegt, ohne allerdings dabei aus dem Takt zu geraten. Trotzdem musste Helen Langehanenberg mächtig „Qualm machen“, leider auch vor den Richtern beim Kurzkehrt. Die Schenkelhilfen waren nicht zu übersehen. „Mehr Energie“ hätten sich die Richter gewünscht. Helen sicherlich auch. Der Schritt allerdings war unschlagbar: 9,0 für sicheres Schreiten, das war vorbildlich.
Die Richtergruppe Dr. Vincenzo Truppa (ITA), Elisabeth Max-Theurer (AUT), Isabelle Judet (FRA) und Dr. Dietrich Plewa (GER) richtete vorbildlich: Die Kommentare waren verständlich, die Rangierung nachvollziehbar. Das war nicht immer so bei den Weltmeisterschaften. Dr. Plewa wurde nicht müde zu hoch aufgerichtete Hälse und mangelnde Rückentätigkeit zu geißeln.

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