Zwei Springsieger in Westfalen und ein gelungenes Pilotprojekt

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2020 – ein in jeder Hinsicht besonderes Jahr, so gab es in Westfalen auch erstmals zwei Springsieger. Links: der Sohn des Cornet Obolensky aus der Bella Donna (Meredith Michaels-Beerbaum), rechts der Sohn des Arezzo VDL (© Reckimedia)

Man hat Westfalens Zuchtleiter Thomas Münch die Erleichterung angemerkt – auf die Initiative von ihm und seinem Team hin, wurde erstmals bei einer Körung das Freispringen mit nur einem Hindernis in einer Gasse abgehalten. Fazit 1: aufschlussreich! Fazit 2, noch eine Premiere: Es gibt zwei Siegerhengste bei den Springern. Beide hoch verdient.

Schon auf der Dreiecksbahn begeisterte die Katalognummer 51, ein nur 1,64 Meter Stockmaß messender KWPN-Hengst v. Arezzo-Cantos-Ahorn aus niederländischer Zucht und ausgestellt durch Mathieu Beckmann. Mit All I want L hat er bereits einen gekörten Vollbruder und aus dem Stamm gingen mehrere international erfolgreiche Springpferde hervor.

Wenn dieser Hengst sich so weiterentwickelt, dürfte auch er eines Tages dazugehören. So kraftvoll, wie er auf der Dreiecksbahn lostrabte, so sprang er auch. Besonders beeindruckend war sein Auftritt beim Freispringen heute. Egal, wie er an das einzeln stehende Hindernis herankam, er machte einen super Sprung! Mit einer Leichtigkeit und einem Abdruck, die ihresgleichen suchten, flog er oben drüber. Nicht krampfig, sondern einfach unbegrenzt vermögend.

Thomas Münch brachte es auf den Punkt: „Seine Einstellung, sich diesem Sport zu widmen, ist einzigartig.“ Und genau das war bei der neuen Art des Aufbaus noch viel besser zu erkennen als in der Reihe, wo ja sichergestellt ist, dass die Hengste an den letzten Oxer passend herankommen. Mit nur einem Sprung und ohne angeführt zu werden, waren die Hengste mehr oder weniger sich selbst überlassen, wurden vor der Geraden in deren Mitte das Hindernis stand, nur einmal abgestoppt und mussten dann selbst sehen, wie sie am besten über das Hindernis kamen. Schlechte Bilder gab es keine. Aber viele, die Aufschluss gaben über Einstellung, Vermögen und Technik.

Bella Donnas Sohn

So auch bei Siegerhengst Nummer zwei, einem Kind zweier sehr berühmter Eltern: dem Belgier Cornet Obolensky und der Holsteiner Stute Bella Donna. Wer sich schon immer gefragt hat, was eigentlich aus Meredith Michaels-Beerbaums Olympiastute v. Baldini II-Calido geworden ist, die ja 2014 nach Katar verkauft worden war, bekam dieser Tage die Antwort.

Diese Antwort ist als Oldenburger Springpferd eingetragen, schwarzbraun und kann springen. Offizieller Züchter des Hengstes und Aussteller sind die Quatar Armed Forces aus 53909 Zülpich. Vorgestellt wurde der Hengst von Stefan Holtwiesche. Thomas Münchs Kommentar: „Der Hengst ist sportiv, aber noch wirklich jugendlich in der Typausprägung. Ich weiß, wie meine Kollegen ihn vor zwölf Wochen noch auf der Wiese entdeckt haben. Da sah er aus, wie ein zweijähriger Junghengst im September eben aussieht …“ Da hat man ein Bild im Kopf: wenig Muskeln, zotteliges Langhaar und dreckig – aber glücklich! Eben ein Jungpferd.

Von der Masse seiner Eltern – Bella Donna war ja auch nicht gerade ein zierliches Pferd – ist bei dem Hengst in der Tat noch nicht viel zu sehen. Aber das soll in dem Alter ja auch so sein. „Darüber kann man die Springeindrücke legen“, so Thomas Münch. „Die Reaktion, die er gezeigt hat, als er eine Stange berührte, macht einen Siegerhengst aus.“

Und genetisch ist diese Nummer 63 natürlich hoch interessant, zumal man mit Comme il faut, der ja aus Ludger Beerbaums Ratina Z stammt, ja schon einmal gesehen hat, was die Kombination Cornet Obolensky mit einer bewährten Sportstute kann.

Nochmal Cornet

Insgesamt wurden drei Prämien vergeben, und auch die dritte ging an einen Sohn des Cornet Obolensky, diesmal aus einer Mutter v. Canturano-Acodetto-Carneval. Der Schimmel trat als italienisches Warmblut an, gezogen von Franka Zanetti uns ausgestellt durch den Landwirtschaftlichen Betrieb Joachim Scherer in Neunkirchen.

Auch er ließ vor allem heute seine Stärken aufblitzen. Hellwach und motiviert suchte er das Hindernis förmlich und schaffte es, aus jeder Lebenslage einen super Sprung zu machen, blitzschnell im Vorderbein und immer über den Rücken. Wie Thomas Münch lobte: „natürlich leichtfüßiges Springen“.

19 Hengste gekört

Ehe er die Körurteile verkündete, hielt Thomas Münch eine kleine Ansprache. Aus seiner Erleichterung ob des gelungenen Tages heute machte er keinen Hehl: „Sie haben eine Premiere gesehen, die wir noch nicht fest installiert haben, ein Pilotprojekt, an dem ich und die Körkommission gerne festhalten würden. Denn die Erkenntnisse, die wir heute morgen gesehen haben, haben doch auch Aufschluss gebracht – uns als Körkommission und ich denke auch Ihnen als Züchter und Ihnen als Hengstaufkäufer. Ich denke, dass die Art und Weise des Freispringens, wie wir es heute morgen erleben durften, wesentlich aufschlussreicher war als das, was wir in den Jahren vorher vielleicht gesehen haben.“

Er bedankte sich ausdrücklich nicht nur bei der Freispringmannschaft, sondern auch bei den Ausstellern der Hengste, dass sie ihre Pferde nicht zurückgezogen haben. „So haben wir vielleicht heute das eine oder andere positive Körurteil mehr, als es denn der Schärfe der Selektion und der Körung gewollt gewesen wäre“, erklärte Münch weiter. „Am Ende selektieren Sie als Züchter am ehesten und ich denke der Markt wird es am Ende zeigen, wer wirklich der Sieger ist.“ Und nicht nur der Markt, auch die Vererbungsleistung der Hengste tage am Ende zur Selektion bei.“

Gekört wurden in Summe 19 Youngster. Neben den drei genannten waren das die folgenden:

  • Nr. 53 Westf. v. Balounito-Arpeggio-Paradox (Z.: Gripshöver GbR, A.: Sascha Hahn, Bramsche)
  • Nr. 55 Westf. v. Big Star-Quintender-Acord II (Z.: Philipp von Thaden, Kutenholz, A.: Pascal Kandziora, Spelle)
  • Nr. 6o KWPN v. Comthago-Vigo d’Arsouilles-C-Indoctro (Z.: C. C. Meegdes, Hudbergen/NL, A.: Wiepke van de Lageweg, Niederlande)
  • Nr. 61 Westf. v. Cornado-Aletto-Drosselklang II (Z.: Ulrich Bruns, Wagenfeld, A.: Gabriele Reil, Tirschenreuth)
  • Nr. 62 Westf. v. Cornado-Chin Champ-Chicago Z (Z.: Gerd Wüst, Borken, A.: Heinrich Ramsbrock, Menslage)
  • Nr. 66 Westf. v. Diamant de Semilly-Cornet Obolensky-Ligorett (Z.: ZG Sterthoff, Hamm, A.: BG Rosendahl, Odenthal)
  • Nr. 67 Zangersheider v. Dominator Z-Fortinbras-Landadel (Z. u. A.: Rothenberger im Gestüt Erlenhof OHG – die Mutter ist Sönke Rothenbergers international erfolgreiches Springpferd Liza Minelli)
  • Nr. 68 Westf. v. Grand Slam-Sheraton-Hinault (Z.: G. Omvlee, NL, B.: Antonius Johanngieseker, Verl)
  • Nr. 69 Hann. v. Hickstead White-Stakkato-Contender (Z. u. A.: Heinrich Ramsbrock, Menslage)
  • Nr. 70 KPWN v. Irvington-Tolan-Burggraaf (Z.: J. Bloemert/NL, A.: Ausbildungsstall Hendrik Zurich, Schüttorf)
  • Nr. 71 Westf. v. Johnnie Walker-Don Diablo-Cantos (Z. u. A.: Hans Lufting, NL)
  • Nr. 72 Westf. v. Los Arpeggio-D’Inzeo-Di Versace (Z.: Bernhard Voßkort, Greven, A.: Josef Tebbel, Emsbüren)
  • Nr. 73 BWP v. Nixon van het Meulenhof-Cumthago C-C-Indoctro (Z.: ZG Segers-Verhoeven, Geel/BEL, A.: AusbildungsstalllHendrik Zurich, Schüttorf)
  • Nr. 74 OS v. Ogano Sitte-Cornet Obolensky-Contender (Z. u. A.: Jochen Willen, Löningen)
  • Nr. 75 Westf. Stakkato Gold-Balou du Rouet-Ramiro (Z.: Henk van Wijlick, NL, A.: Heike Pleines, Uedem)
  • Nr. 77 KPWN v. Zirocco Blue-Numero Uno-C-Indoctro (Z.: C. de Dreu, NL, A.: Wiepke van de Lageweg, NL)

Siegerhengste bleiben in Deutschland

Bei der anschließenden Auktion brachte der Sohn der Bella Donna 250.000 Euro. Rebecca Gutman sicherte sich das Talent mit der Superabstammung für ihr Gestüt Bonhomme vor den Toren Berlins.

Auch sein Kollege mit Siegerschärpe, der Arezzo-Sohn, kostete mehr als 200.000 Euro. 210.000 waren es, um genau zu sein. Er wurde zwar nach Österreich zugeschlagen, soll sein Vererber-Debüt aber im Landgestüt Celle geben.