CHIO Aachen: Knapper Kürsieg für Matthias Rath und Totilas, Publikum feiert US-Amerikaner Steffen Peters

Matthias Rath und Totilas

Aachen Soers CHIO 17.07.2011 Dressur Grand Prix Kür (CDIO): Matthias Alexander Rath (GER) und Totilas Foto: Julia Rau Am Schinnergraben 57 55129 Mainz Tel.: 06131-507751 Mobil: 0171-9517199 Rüsselsheimer Volksbank BLZ 500 930 00 Kto.: 6514006 Es gelten ausschliesslich meine Allgemeinen Geschäftsbedingungen (© Julia Rau)

Neue Choreographie, altes Konzept: Bombastische Klänge mit sinfonischer Orchestrierung, dazu eine nicht zu komplizierte Lektionsfolge: Matthias Rath hat auch die Kür, die dritte Prüfung in Aachen gewonnen. Zweiter wurde Steffen Peters mit Ravel vor der Niederländerin Adelinde Cornelissen. Die Küren im Telegramm-Stil.

Platz eins: Matthias Rath und Totilas v. Gribaldi
Bombastische Trommelschläge, Passage bis zum Gruß. Halbe Diagonale Passage, dann die erste Piaffe, Geigen und  dann eine Trabverstärkung nicht so dynamisch wie noch im Grand Prix Special, gute Traversalen, ein donnerndes Feuerwerk hat sich der Techno DJ Paul van Dyk für den folgenden starken Trab ausgedacht, was sich aber nicht auf die Hinterhand von Totilas auswirkt. Leichte Abstimmungsprobleme in der nächsten Piaffe, die aber immer noch besser ist als so ziemlich alles, was andere Pferde zeigen, Mistral Hojris ausgenommen. Und, ja!, es ist eine neue Choreographie, nicht sonderlich kompliziert, sondern eher Reiten auf Diagonalen und langen Seiten aber mit genau diesem Konzept hat Edward Gal 90 Prozent und mehr bekommen, warum also unnötig komplizierte Lektionsfolgen planen. Die kämen für das Paar vermutlich eh noch zu früh.
Piano zum Schritt auf der Mittellinie auf die Richter zu, der starke Schritt ist gut, punktgenaues Angaloppieren auf der linken Hand, von der hinteren kurzen Seite geht es dann auf die Mittellinie: Zickzack-Traversalen, starker Galopp über die Diagonale in eine doppelte Pirouette, Fehler in den Zweierwechseln, dann wieder eine doppelte Pirouette mit anschließenden Einerwechseln. Auch die nicht ohne Fehler. Da fehlt die Routine, die Choreographie habe ich erst einmal zuhause durchgeritten. Heute war der dritte Test, da habe ich vor den Wechseln gemeint noch einmal Druck machen zu müssen, habe Totilas aber nicht geschlossen genug gehalten, sagt Matthias Rath, der in seinem Programm vor der abschließenden Passage-Tour noch eine Galoppdiagonale eingebaut hat. Eine Art Joker-Linie, die er diesmal nutzt, um saubere Zweierwechsel zu zeigen. Mal sehen, wenn mal alles ganz gut klappt, dann reite ich an dieser Stelle dann 15 Einer, grinst der 26-Jährige. Zum Abschluss dann Passage. Gruß, Applaus. 82,825 Prozent.

Platz zwei: Steffen Peters (USA) und Ravel v. Contango.
Die Choreographie ist mehr oder weniger die alte geblieben, nur an einigen Stellen wurde die WM-Kür der neuen Musik angepasst. Es ist Filmmusik von Avatar, orchestrales Klänge mit Chor an manchen Stellen erinnert das an Kirchenmusik. Und es ist eben nicht vier Fäuste für ein Hallelujah, sondern vielmehr sind es zwei feine Händchen, die den mächtigen Ravel durch das Programm steuern: Die Serienwechsel jeweils auf Bögen, die an einfache Schlangenlinien erinnern fehlerfrei! dann die Maximalschwierigkeit: Starker Galopp auf der Mittellinie, der in eine doppelte Pirouette mündet, aus der heraus Peters sofort in eine weitere Pirouette geht, nur um dann aus diesem Moment höchster Anspannung Schritt zu gehen. Alles gelingt, 82,00 Prozent Pfiffe im Publikum, das direkt zuvor Totilas gesehen hat, auch in der Siegerehrung bekommt keiner mehr Applaus, als der deutschstämmige Kalifornier. Achtmal hat er den Film Avatar gesehen und irgendwann hatte er dann soviel blaue Gesichter vor Augen, dass er Teri Gallo anrief, die Dame, die für seine Küren zuständig ist. Vor zwei Wochen kamen die Einspielungen eines Orchesters aus der Slowakei bei Peters an. So dicht an Totilas Peters glaubt, dass es noch ein paar Tage braucht, bis er das wirklich glauben kann. Er habe sich über den Applaus wahnsinnig gefreut: Das war eine große Ehre, die die Zuschauer Ravel haben zukommen lassen, und das hat er auch verdient.

Platz drei: Adelinde Cornelissen (NED) und Parzival v. Jazz
Die amtierenden Weltcupsieger mit Schwanensee im Schritt bis zum Gruß. Zum Nussknacker halbe Diagonale starker Trab und dann rein in die Passagen und Piaffen. Die ersten Piaffen heute sehr gut, Pferd setzt sich mehr als an den Vortagen, nimmt Last auf, auch die Anlehnung ist weniger stramm. In der Rechtstraversale galoppiert der Jazz-Sohn einmal an. Das passiert dann wenig später noch einmal. Das kostet Punkte. Dreien und Vieren habe ich da bekommen, sagt Cornelissen. Dadurch gerät sie etwas hinter die Musik, pünktlich zum Übergang in den sicheren starken Schritt ist sie aber wieder synchron, sehr guter versammelter Schritt. Jetzt der Galopp: dynamischer starker Galopp über die Diagonale, Piano zur zweifachen Pirouette, dann die Zweierwechsel auf der Mittellinie, die gut gelingen. Jetzt spiegelbildlich die gleiche Folge nur jetzt mit Einerwechseln nach der Pirouette. In der Galopptraversale geringfügig eng. Starker Trab etwas strampelig, dann der schwierigste Teil: Eine flüssige Piaffe-Pirouette mit zweifachem Richtungswechsel. 81,775 Prozent

Platz vier: Laura Bechtolsheimer (GBR) und Mistral Hojris v. Michellino
Kurzer Halt, Apache 60er Jahre Gitarrenhit , im ersten starken Trab galoppiert Alf an, dafür gelingt die nächste Trabdiagonale sehr gut. Übergang zur Passage. Die Übergänge in die Piaffe Wahnsinn! I believe in women zum Schritt, vor der Schrittpirouette, die einen Richtungswechsel von der einen Diagonale auf die andere einleitet, auch ein kleine Störung. Im Galopp ist der Fuchs immer wieder zu eng. Die Zweierwechsel gelingen, gute doppelte Pirouetten, anschließend misslingen die Einerwechsel in Aachen die Trauma-Lektion, die den Vize-Weltmeistern in keiner Prüfung fehlerfrei gelang. Immerhin nach dem Richtungswechsel funktionieren sie im zweiten Versuch. Abschließend tolle Piaffen und Passagen, nur zeitweise leicht hinter der Senkrechten dabei. 79,825 Prozent

Platz fünf: Christoph Koschel und Donnperignon v. Donnerhall
Roxanne singt Sting und Pepe trabt los, dann der Musikwechsel zu Every breath you take und Passage und Piaffen (mau), wieder ein Wechsel  Doodooodooo, dadadada Traversale und wieder Passagen und Trabverstärkungen Passagen im Wechsel , Piaffe diesmal leicht im Vorwärts. Hundertprozentige Übereinstimmung mit der Musik. Schritt  müsste von Anfang an ergiebiger sein. Das Pizzicato kündigt Englishman in New York an, die Zweierwechsel sind gut, hat man aber schon dynamischer bei dem Paar gesehen. Starker Galopp gut, doppelte Pirouette daraus auch gut. Interessanterweise gelingt die zweite Drehung bei allen doppelten Pirouetten besser als die erste, die stets eine Idee zu groß ist. Am Ende ein Übergang aus einer Galopppirouette in eine Piaffepirouette die beste Piaffelektion, die der Dunkelfuchs an diesem Wochenende in Aachen gezeigt hat. Zum Abschluss der Kür dann das, was Pepe am besten kann: Passagieren. Das tut Christoph Koschel denn auch und zwar mit einer geschickten Choreographie, diversen halben Volten und Schlangenlinien. Schlussgruß breites Grinsen, ein zufriedener Christoph Koschel winkt ins Publikum. Viel Applaus. 79,60 Prozent.