Pferdeweide richtig pflegen – Management ist das A und O

Weidehaltung

Damit das Gras gut wächst und der Boden den Strapazen standhält, bedarf es eines guten Pferdweiden-Managements. (© Fotolia)

Die Weidesaison beginnt – endlich gibt es wieder Abwechslung im Alltag. Damit der Weidegang auch wirklich zur Erholung wird, haben wir das Wichtigste rund ums optimale Weidemanagement zusammengestellt.

Je nach Wetterlage geht die Weidesaison von April bis Oktober eines Jahres. Doch bevor die Pferde angeweidet werden können, muss die Pferdeweide gecheckt werden: Zäune, Maulwurfshügel, Giftpflanzen, Tränken bzw. Wasserquellen – die Liste ist lang und länger. Der Weidefachmann spricht von Erhaltung der Grasnarbe, von Besatzdichte und Überweidung. Die optimale Weide – darauf kommt es an.

Vor dem ersten Weidegang

„Bevor die Pferde das erste Mal hinaus dürfen, sollte man sich die Weide genau anschauen“, erklärt Dirk Winter, Professor für Pferdewirtschaft an der Hochschule Nürtingen. „Um Maulwurfshügel und Trittschäden einzuebnen und einzelne Gräser zum Bestocken anzuregen, muss die Weide abgeschleppt werden. Wichtig ist, dass vorher der Pferdekot abgesammelt wurde, damit er nicht durch das Schleppen auf der Weide verteilt wird und so möglicherweise Parasiten (z.B. Wurmlarven) flächendeckend verteilt werden.

Die Weide zu walzen macht Sinn, wenn der erforderlichen Bodenschluss wieder hergestellt werden soll. Dazu sollte die Weide gut abgetrocknet sein. Dann sollte man prüfen, ob es kahle oder schlecht bewachsene Stellen gibt. In diesem Fall sollte man eine Reparatursaat ausbringen, die auf Pferdeweiden abgestimmt ist. Als letzten Schritt sollte man anhand einer Bodenanalyse die Mineralstofflagen ermitteln und einen darauf abgestimmten Düngeplan erstellen. Gedüngt werden kann je nach Witterungslage ein bis zwei Wochen nach dem Schleppen. Auf die Weide dürfen die Pferde dann zwei bis drei Wochen nach dem Düngen, sofern die Bodenverhältnisse es zulassen.“

Achtung – Überweidung vermeiden

Viele Pferde auf kleinster Fläche – das kann nicht „Weide“ genannt werden, da dem Bewegungsdrang der Tiere nicht Rechnung getragen wird, und die intensive Bewirtschaftung zur Überweidung führt. Folge kann eine vollkommene Erschöpfung der Weide sozusagen ein Totweiden der Grasnarbe sein. Die Grasnarbe bezeichnet den geschlossenen Bewuchs einer Weidefläche. „Dieser Bewuchs sollte überwiegend aus verschiedenen Gräsern bestehen, die im Boden durch das Wurzelwerk miteinander verflochten sind“, erklärt Jürgen Lamp. „So gewinnt die Weide ihre Leistungsfähigkeit hinsichtlich Trittfestigkeit, Nährstoffausnutzung, Humusbildung und Ertragsleistung.“ Stehen zu viele Tiere auf einer zu kleinen Fläche, kommt es zu Trittschäden oder es entstehen vereinzelte Fressschäden an der Grasnarbe. Die Weide verunkrautet, die Artenvielfalt nimmt ab. Auch eine lange Weidedauer oder mangelnde Nährstoffversorgung kann zur Überweidung führen.

Unterweidung – wenn der Boden zu locker wird

Gutes Weidemanagement heißt aber nicht nur, eine Überweidung zu vermeiden, sondern auch: keine Unterweidung. Denn ist eine Weide zu wenig frequentiert, führt das zu starkem Grasaufwuchs mit Überalterung der Gräser. Stellen mit üppigem Pflanzenwuchs werden als Geilstellen bezeichnet, die durch Stickstoffanhäufung beziehungsweise Exkremente der Tiere verursacht werden. Umgeknicktes Gras führt dazu, dass unter die Halme kein Licht mehr kommt. „Dadurch fault die Grasnarbe. Die Narbe bekommt Lücken, in die Lücken fallen Unkrautsamen und ergo wird die Weide schlechter“, warnt Jürgen Lamp. Bei Unterweidung kann der Boden zu locker werden, wodurch die Narbe ebenso leidet.

„Ein weiteres Problem: Pferde bevorzugen kurz gefressene Parzellen und fressen dort selektiv. So werden einige Weideabschnitte kurz, zum Teil bis in den Wurzelbereich abgefressen, andere kaum angerührt.“ Zu kurz gefressene Gräser können die im Blatt gebildeten Fruktane nicht in die Wurzel abführen, es besteht Hufrehegefahr. Wichtig zu wissen ist, dass Unterweidung auch zu Bewegungsmangel des Pferdes bei einem Futterüberschuss führen kann. Ein übermäßiges Futterangebot führt einfach dazu, dass die Tiere nicht wirklich laufen müssen, um satt zu werden. Bei Pferden mit Rehe oder anderen Erkrankungen ist die enge Zusammenarbeit mit einem Tierarzt zu empfehlen.

Die optimale Pferdeweide

Doch wie sieht die Beschaffenheit einer optimalen Pferdeweide aus? „Sie hat eine geschlossene Grasnarbe mit weniger als 30 Prozent Kräuterflächen und keine Verunkrautung beispielsweise durch Ampfer, Diesteln und vor allem Jakobskreuzkraut“, so Jürgen Lamp. Das Ziel ist ein gleichmäßiges Futterangebot. Wie viel Fläche pro Pferd nötig ist, kann man pauschal nicht sagen. Karl-Hermann Höfkens, der sich seit Jahren mit moderner Pferdehaltung beschäftigt rät, zunächst die Rahmenbedingungen festzulegen. Fragen Sie sich: „Was gibt der Boden her? Wie intensiv soll gedüngt werden und wie gut ist die tatsächliche Weidepflege? Soll von der Fläche auch Heu gewonnen werden und soll die Weide auch im Winter bereitstehen? Und vor allem: Stehen die Pferde stundenweise oder 24 Stunden draußen?

Aus den Antworten ergibt sich eine Bandbreite von 0,1 bis 1 Hektar je Pferd. Wenn der Boden z.B. wenig hergibt, er aber durch intensive Beweidung das ganze Jahr über stark belastet wird, oder die Fläche auch zur Heuernte dienen soll, muss pro Tier eine größere Fläche eingeplant werden als bei einem reichhaltigen Boden, der häufige Ruhephasen bekommt, weil er nur zeitweise als Weide genutzt wird.

Wasserversorgung

www.galoppfoto.de

Neben Wasserbottichen gibt es zahlreiche Alternativen für die Wasserversorgung auf Weiden. (© www.galoppfoto.de)

Wasseransammlungen wie Tümpel oder Teiche müssen umzäunt sein. Bei Koppeln an Waldrändern, Graben- oder Gartenhecken muss mit Giftpflanzen wie Eiben oder Goldregen gerechnet werden. Auch zuviel Fallobst, nicht nur Äpfel und Birnen, sondern ebenso Eicheln und Kastanien, sind für den Pferdemagen nicht gut. Neben der Futterversorgung ist ein perfektes Wassermanagement notwendig. „Pro Tier und Tag sollte eine Menge von 50 Litern bereitstehen“, erklärt Karl-Hermann Höfkens. „Das Wasser in den Behältern sollte regelmäßig gewechselt werden.“  

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Pferde mit Wasser auf Weiden zu versorgen:

Automatische Tränkebecken müssen trittfest sein und regelmäßig gereinigt werden. Ansonsten siedeln sich Grünalgenbeläge an, die eine Nahrungsgrundlage für toxische Bakterien und Pilze bieten. Dies kann zu Durchfall, Kolik und Atemproblemen führen.

Wasserbottiche sind meist sehr robust und fassen rund 50 Liter Wasser. Sie müssen ebenfalls regelmäßig gereinigt werden.

Ein Wasserwagen mit Tränkebecken hat ein Fassungsvermögen zwischen 400 und 3000 Liter und kann mit Zugfahrzeug auf die Weide gefahren werden. Abgestandenes Wasser muss ausgewechselt werden.

Stehende, flache Gewässer oder Pfützen können giftige Blaualgen enthalten, die als „Matten“ an der Oberfläche schwimmen und bei Aufnahme tödlich wirken.

Fließende Gewässer können als natürliche Wasserquelle genutzt werden, wenn sie leicht zugänglich sind (flacher, gleichmäßiger Boden) und die Strömung nicht zu stark ist.

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