Die Young Riders Academy feiert Jubiläum

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Die Young Riders Academy gibt dem talentierten Springreiternachwuchs die Chance, quasi unter Anleitung in den ganz großen Sport hereinzuwachsen. Nicht nur die frischgebackene WM-Medaillengewinnerin Laura Klaphake zählt zu den ehemaligen Stipendiantinnen. St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer war beim Jubiläum dabei.

Sie heißen Harry, Guido, Darragh, Francesca, Lisa oder Laura, sie kommen aus 14 verschiedenen europäischen Ländern und haben sich heute abend richtig schick gemacht. Zwei Dutzend junge Leute zwischen 18 und 25 Jahren, die Jungs im dunklen Anzug, manche sogar im Smoking, die Mädchen aufgebrezelt in langen Glitzerkleidern oder ganz kurz und blumig. Reiterpräsident Breido Graf zu Rantzau hat sie in sein Schloss Breitenburg geladen, die jungen Springreiter der „Young Riders Academy“, die in Elmshorn an zwei Tagen um begehrte Startmöglichkeiten zu Fünf-Sterne-Turnieren kämpfen. Höflich, polyglott und begabt im Sattel, es gibt also auch mal was Erfreuliches vom springreitenden Nachwuchs zu berichten, jenseits der Generation LKW-Party.

Das tut richtig gut und man hofft insgeheim, dass sie hier nicht nur den besten Fuß vorsetzen, weil sie schwer beeindruckt sind. Vom großen Saal, den festlich mit Silber und Kristall gedeckten Tischen und der Rantzau’schen Ahnengalerie aus fünf Jahrhunderten, besonders vom wandhohen Ölgemälde jenes verwegenen Schimmelreiters, der für den in die Jahre gekommenen französischen König Ludwig XIII. einsprang und seiner Gemahlin Anna von Österreich zum ersehnten Stammhalter verhalf. Deswegen seien die Bourbonen nichts anderes als Bastarde der Rantzaus aus Schleswig-Holstein. Eine schöne Geschichte, vom Hausherren immer wieder gern erzählt.

Vorbildfunktion inklusive

Das Treffen in Breitenburg war das erste kleine Jubiläum der vor fünf Jahren gegründeten Young Riders Academy, einem Programm, das gezielt junge Springreiter fördert, nicht nur im Sattel, sondern auch durch ein umfassendes Bildungsprogramm. Pate standen Graf Rantzau und Eleonora Ottaviani, Direktorin des International Jumping Riders Club (ISJC).  Die elegante Italienerin ist seit vielen Jahren die gute Fee des Reiter-Clubs, die organisiert, antreibt, Ideen entwickelt und wie eine Löwenmutter für die Belange ihrer Springreiter kämpft.

Die Ziele der Young Riders Academy sind hochgesteckt. Sie sollen Botschafter ihres Sports sein, künftige „Role Models“, also Vorbilder. Fünf bis zehn junge Leute werden jedes Jahr durch die Riders Academy gefördert. Bis es soweit ist, müssen sie sich bei zwei möglichen Turnierterminen einem Auswahlverfahren stellen. Dort werden sie beobachtet, ihre Leistungen ausgewertet, aber auch in einem Interview geprüft, ob sie es sie es ernst meinen mit der Profi-Karriere. „Jemanden, der im nächsten Jahr lieber Federball spielt, können wir nicht gebrauchen“, sagt Graf Rantzau.

Die Eckdaten

Das Auswahlgremium wechselt jedes Jahr, für 2018 waren es Bundestrainer Otto Becker, der Franzose Jean Maurice Bonneau, der Belgier Dirk Demeersamn und der Niederländer Emile Hendrix, früher internationaler Topreiter, jetzt Turnierveranstalter. Sportmanager ist der Schwede Sven Holmberg, unter anderem Erster FEI-Vizepräsident von 2010 bis 2014. Maximal drei Reiter pro Nation kommen in den Genuss des Stipendiums. Dank des großzügigen Sponsors Rolex kann die Academy vieles möglich machen, was für das eine oder andere Talent sonst immer ein Traum bliebe, etwa eine Trainingszeit mit zwei Pferden bei einem internationalen Spitzenreiter wie Markus Beerbaum, Jos Lansink, Ben und Wim Schröder, Marco Kutscher, Franke Sloothaak oder Rodrigo Pessoa, die ihre Schützlinge dann auch mal mit zu großen Turnieren nehmen können.

Aber das ist nicht alles. Es gibt ein maßgeschneidertes Ausbildungsprogramm, zum Teil von Universitätsdozenten. Auf dem Stundenplan stehen alle Fragen, die ein Profi wissen sollte: Wie manage ich meinen Stall, wie plane ich die Turniersaison und wie vermeide ich, dass ich ungewollt in die Dopingfalle tappe? Manche Reiter nehmen nur an diesem theoretischen Programm teil. „Es ist einfach toll, die Zeit hat mir unheimlich was gebracht“, sagte Laura Klaphake, die schon jetzt zum „Role Model“ taugt: Ein Jahr nach ihrer Förderung durch die Akademie – trainiert hat sie mit Franke Sloothaak – nahm sie an der EM in Göteborg teil, zwei Jahre später gewann sie mit dem deutschen Team ihre erste Championatsmedaille bei der WM in Tryon. „Das Schöne ist, dass es nach dem Jahr nicht vorbei ist, wir kommen immer wieder zusammen, und man kann sich weiter mit alle  Fragen an die Academy wenden.“

So geht es weiter

In Breitenburg und Elmshorn geriet das Fünfjahres-Jubiläum dann zu eine Art Familientreffen. Und wie in jeder guten Familie gehört auch ein bisschen Wettkampf dazu. Wer ergattert eine Startgenehmigung zu einem großen Fünfsterne-Turnier? Vier Prüfungen bis 1,45 Meter gaben dafür den Ausschlag. Der Belgier Pieter Clemens darf nach Calgary zu einem der Sommer CSI 2019, der Ire Eoin Mac Mahon fährt zum CHI Genf 2018, und Jonathan Gordon, ebenfalls Ire, im Frühjahr 2019 nach Hertogenbosch. Auch nach dem Förderjahr sollen die jungen Leute, wie in einer guten Familie,  nicht allein mit ihren Problemen bleiben, das ist vielleicht das Wichtigste, was sie mit nach Hause nehmen. Und vielleicht erinnert sich der eine oder andere später noch an die Worte von Emile Hendrix bei seiner Tischrede, der ein John F. Kennedy-Motto abwandelte: „Frage nicht, was dein Pferd für dich tun kann, frage, was du für dein Pferd tun kannst.“


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