Geburtstag der Queen: Fliegeralarm, Jaguarquadrille, Musik und Wüstendudelsäcke

Eine besondere Überraschungsparty haben die Briten ihrer Königin zum 90. Geburtstag gemacht. Eine Show der Superlative. Am Donnerstag war Premiere, Sonntag kommt die Jubilarin dann selbst.

Show, das können sie, die Briten. Das haben sie gezeigt bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele. Wir erinnern uns, am Ende sprang die Queen aus einem Flugzeug per Fallschirm überm Stadion ab. Großes Kino, schließlich war Daniel, 007, Kraig auch dabei und David Beckham, Ex-Fuballer und nun Tattoo verzierter Unterhosenverkäufer fuhr ganz viel Boot. Weder James Bond noch Becks waren nach Windsor gekommen, aber u.a. eine Quadrille mit Jaguars in den Farben des Union Jack. Über die Diagonale versetzt mit Vollgas – möchte nicht wissen, was die Versicherung gekostet hat.

Drei Komponenten sollten das Spektakel zum 90. Geburtstag der Queen bestimmen, verkündeten zwei Moderatoren zum Auftakt: Die „Armed Forces“, die Truppen, deren Oberbefehlshaberin die Queen ist; Außerdem der Commonwealth, also der Staatenbund, dem die Königin noch stark verbunden ist, mit Ländern wie Australien, Kanada, Südafrika, aber auch Malta und Neuseeland. Und natürlich die dritte feste Größe in dem nun schon 90 Jahre währenden Leben der Queen: die Pferde, 900 insgesamt heißt es, andere sprechen von knapp 600. Reicht ja auch.

Eine riesengroße Multimediawand an der kurzen Seite der Arena zu Füßen von Windsor Castle fasst immer wieder bedeutende Momente des Lebens ihrer Majestät zusammen: Die anrührende Radioansprache der jungen Prinzessin Elizabeth, die im zweiten Weltkrieg den Kindern Mut zusprach, die aus London aus Sicherheitsgründen aufs Land gebracht wurden, weg von „ihren Lieben“, die Prinzessin mit Ponys, später die Hochzeit, die Krönung – dazu kamen die Originalkutschen in die Arena – und weitere Momente aus ihrem Leben. Ganz großes Kino! Beeindruckend, wie der Sieg im Zweiten Weltkrieg immer noch ein Grund zur Freude ist für die Briten und wie alles mitklatscht, wenn über 60 Mitwirkende zwischen historischen Krankenwagen und Feuerwehrautos tanzen. Vorher hatte es noch eine Sirene gegeben, Fliegeralarm, „the Luftwaffe“ überm Londoner East End. In Deutschland wäre eine solche Show schwer vorstellbar. Das meint auch mein Sitznachbar. Wir haben erst ein bisschen geplaudert, was man halt so sagt, wie „amazing“doch alles ist, „how wonderful the display of the Household Cavalry“. Tja und dann muss der Mann arbeiten und schreibt auf seinem Laptop – deutsch. Der Mann ist von der Deutschen Presseagentur und nicht gerade das, was man einen Pferdemann nennt, wie er freimütig zugibt. Zu berichten hat er viel.

Die Kombination von Commonwealth, Pferden und Streitkräften stellen beispielsweise die Kavallerie-Regimenter dar aus Ländern, die die Queen besucht hat. Entsprechend reichlich Folklore gibt es: Sogar Chile und Aserbaidschan waren dabei, letztere mit Stuntreitern. Die Kavallerie aus dem Oman ist mit vielen Reiterinnen dar mit grün-rotem Tüll ums Gesicht drapiert und Schläppchen an den Füßen. Die Herren reiten barfuß. Viele Araber haben sie, aber auch einen typischen Vertreter jener Rasse, die bekannt ist für ihre Härte in der Wüste – es ist ein Friese, auf dem der Dirigent sitzt. Klarinette, etwas Dudelsack-ähnliches (klingt als habe man einem Wüstenfuchs auf den Schwanz getreten) und Posaunen haben die Omanis im Gepäck. Schöne weite Welt …

Sechsmal war die Queen in Fidji, da ist dann schon mal ein Gegenbesuch fällig. Die Fidji Army Band in Röcken und mit freien Oberkörpern und Tänzen, die man auch für einen Fruchtbarkeitsritus oder das Aufwärmen vorm kanibalistischen Ausschwärmen zur Menschenjagd halten könnte, geben bei vielleicht noch 12 Grad alles – Respekt. Die Themse fließt keine 200 Meter entfernt vom Private Park der Queen, das merkt man, es ist ganz schön kühl. 28 mal war die dienstälteste Regentin der britischen Geschichte in Kanada, aber keine Angst. Die Mounted Police kam deswegen nicht noch dürftiger bekleidet als die Abordnung aus Fiji, sondern ganz zünftig in schwarz/rot, wie man das erwartet. Am Ende ihrer Aufführung blasen sie zur Attacke. Vorher hat die Royal Army schon Kanonen (heißen die dann Stafetten?) von Pferden hineinziehen und abfeuern lassen. „Und es hat Bumm gemacht“, und wie.

Die unterschiedlichsten Rassen, Kutschen und Anspannungsformen werden gezeigt, immer in Bezug zum einem Lebensabschnitt der Queen. Die kommt allerdings erst am Sonntag, am Donnerstag ist ihre Tochter der royale Stargast, „The Princess Royal“, Anne, Mutter der Vielseitigkeitsreiterin Zara Tindall geborene Phillips. Sie sitzt dort, wo am Sonntag, wenn aus der Megashow dann vermutlich das ultimative Spektakel wird, ihre Mutter thronen wird. Wobei das, wie man hinter vorgehaltener Hand hört, noch ein kleines Problem darstellt. Die Queen zählt nicht zu den längsten Einwohner des Vereinigten Königreichs und es kann sein, dass die Balustrade vor den Sitzen der Royal Enclosure, der königlichen Loge, etwas zu hoch ausgefallen ist. Aber bis Sonntag wird sicherlich auch das geregelt sein. Dann werden unter anderem Shirley Bassie („Diamonds are forever“) und die kleine Australierin Kylie Minogue erwartet. Eine Polizeitruppe aus Südaustralien, ohne Pferde, spielt zunächst „Rule Britannia“ (bekannt aus der „last Night oft he Proms“ und die heimliche Nationalhymne) und schafft einen gleitenden Übergang zu Kylie Minogues „I should be so lucky“. Das Publikum rast! Da wollen sich die Mounties, bzw. die Polizeikappelle aus Kanada sich nicht lumpen lassen, sie springen von Marschmusik zum „Säbeltanz“ und dann zu „Do the conga“ von der Miami Sound Machine. Die ganze Bandbreite der „Marching Bands“, jener musikalisch grandiosen Militärkapellen wird dargeboten, auch die tänzerischen Fähigkeiten. Zum Brüllen!

Dann wieder Pferd. Ascot, die nicht weit von Windsor gelegene königliche Rennbahn, ist das Thema. Ein Landauer fährt ein, dann kommen Rennpferde – mehrere Gruppe I Sieger hat die Queen selbst gezüchtet. Ein BBC Kommentator bespricht das Rennen, in dem ausschließlich Sieger der Queen aus mehreren Jahrzehnten Vollblutzucht an den Start gehen, live. Tosender Applaus.

Ferien macht die Queen auf Balmoral in Schottland. Die typisch schottischen Sportaktivitäten, die Highland Games, dürfen also auch nicht fehlen. Dazu kommen nicht nur mit Baumstämmen und Wackersteinen um sich werfende Quilt-Träger (was der Schotte halt so macht an einem kühlen Donnerstagabend) und zwei Tauzieh-Mannschaften in die Arena, sondern auch zwei kräftige Kleinpferde mit ordentlich Behang und hübschen Köpfen: zwei Highlandponys aus den Stallungen der Queen in Schottland.

Polo, klar, auch das muss sein, mit Verweis auf Sandringham, wo auch Vollblüter zur Welt kommen. Und die Themse mit Ruderbooten. Und seltene Rinderrassen – mit Glitzerspray im Fell, dann Fellponys, ein Viererzug, Dressurpferde, Hunter aus dem Gestüt National Hunt, Heavy Weight Hunters, Stuten mit Fohlen – Hunde sind auch noch da. Grandios!

Am Donnerstag war die Queen wie gesagt noch nicht da, aber auf der Horse Show war sie. Und sie hat gewonnen. In einer Prüfung für ehemalige Rennpferde siegte einer ihrer Vollblüter. Für den Besitzer des Pferdes gab es einen Einkaufsgutschein über 50 Pfund von Tesco, was in Deutschland ungefähr Aldi entspricht. Darüber haben die britischen Zeitungen am nächsten Tag noch mehr berichtet als über die grandiose Geburtstagsfeier-Show, an deren Ende am Donnerstag James Fox und andere britische Stars was sangen – na klar, erst „Happy Birthday“ und dann die Nationalhymne, „God save the Queen!“ Congratulation, Her Majesty!