Tauziehen um die Weltranglisten-Punkte im Springsport

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Simone Blum und Alice nach dem Sieg mi Großen Preis von Lausanne – das war im September. Trotz Siegen in Serie ist Simone Blum nicht unter den Top 50 der Weltrangliste. Ist das gerecht? (© www.ilhs.online)

Kein deutscher Springreiter unter den Top Ten der Weltrangliste – das hatte am Rande des Weltcup-Turniers in Stuttgart für einen medialen Aufschrei gesorgt. St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer hat sich auf Ursachenforschung gemacht und klärt auf, ob etwas dran ist an Schlagwörtern wie „Absturz“ und „Hinterher reiten“.

Das waren harte Worte, die die deutschen Springreiter beim Weltcup-Turnier in Stuttgart lesen mussten: Von „Absturz“ war die Rede und von „Hinterherreiten“. Damit wurden ihnen ihre schlechten Platzierungen auf der Weltrangliste um die Ohren gehauen. Tatsächlich ist ja seit mehreren Wochen kein deutscher Springreiter mehr unter den Top Ten, das hat es zuvor noch nicht gegeben. Den besten Platz, Nummer 14, hält Daniel Deußer. Christian Ahlmann ist 15., Marcus Ehning 22., Ludger Beerbaum 33. Sie alle haben die Weltrangliste auch schon mal angeführt. Ist ihre Zeit vorbei oder reiten sie durch ein Tal, nach dem es bald wieder bergauf geht?

Simone Blum versus Kent Farrington – ein anschaulicher Vergleich

In drei Tagen gib es eine neue Weltrangliste, dann wird man sehen, wer sich verbessern konnte. Eine auf jeden Fall: Simone Blum, die Senkrechtstarterin des Jahres 2017, die mit Alice im Herbst nochmal kräftig Punkte sammeln konnte, mit Fünf-Sterne-Sieg in Lausanne, dem zweiten Platz bei der Global Champions Tour in Berlin, mit zwei Siegen und mehreren sehr guten Platzierungen beim Weltcup-Turnier in Stuttgart. Zur Zeit ist sie die Nummer 130 der Weltrangliste, da dürften ein paar Aufwärts-Stufen auf der Erfolgsleiter drin sein. Wenn Alice jetzt ihre verdiente Pause bekommt, kann das natürlich wieder Plätze kosten. Unter die Top Ten zu kommen, ist für eine wie Simone Blum schwer bis unmöglich, solange sie nur ein einziges Top-Pferd hat. 28 Resultate stehen für sie in der Weltrangliste zu Buche, die zusammen 1100 Punkte ausmachen. Der Weltranglistenführer Kent Farrington (USA) hat seine 3273 Punkte mit 109 Siegen und Platzierungen gesammelt, natürlich auch mit mehreren Pferden und entsprechend vielen Starts. Er ist auch darin der Erste der Welt.

Idee für mehr Gerechtigkeit

Die Top 20 repräsentieren alle große Profiställe. Natürlich sind die im Vorteil, aber das ist vie­­lleicht genauso gewollt. Schließlich geht es inzwischen um Millionen-Gewinngelder und die sollen ja am liebsten irgendwie in der Familie bleiben. Die Hoheit über die Weltrangliste hat der Internationale Jumping Riders Club (IJRC) und die Debatte, wie die Punkte am besten zu verteilen sind, hört nie auf. Bei der Generalversammlung der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) Mitte November in Montevideo passierte ein Vorschlag der Reiter die Abstimmung: Nur noch ein Springen pro Tag zählt für die Weltranglisten-Punkte, das kommt den Ein-Pferde-Reitern zugute und schafft ein wenig mehr Gerechtigkeit.

Das No-Go-Wort

„Die Weltrangliste ist nicht alles“, sagt Ludger Beerbaum. Das stimmt natürlich, aber ein Platz unter den Top Ten öffnet viele Türen. So werden die Startplätze auch bei der Global Champions Tour und League zum Teil nach Weltrangliste vergeben und wer vorne mit dabei ist, ist nicht auf sogenannte Einladungen angewiesen, die ja in der Regel teuer bezahlt werden müssen, also alles andere sind, als dass, was unsereins unter einer Einladung versteht. Es ist schon erstaunlich, wie sehr die FEI die Realität komplett ausblendend, das Wort „Paycards“ zum Unwort erklärt und auf den „Invitations“ beharrt. Auch die Zahl der „Eingeladenen“ ist immer wieder umstritten. Jan Tops hat für seine Global Champions Tour eine Anteil von 60 Prozent der Startplätze ausgehandelt, die er verkaufen darf. Die FEI akzeptierte zähneknirschend, weil sie fürchtete, erneut einen Prozess vor einem öffentlichen Gericht zu verlieren.

Der Jugend eine Chance!

In Montevideo wurde die generelle Starterlaubnis neu geregelt, was vor allem bei Drei- und Viersterne-Turnieren für Deutschland erhebliche Nachteile bringt. Die Quote der „Home Riders“, also der Reiter aus dem Veranstalter-Land wird künftig erheblich niedriger sein als bisher. Zur Zeit können 50 Prozent der Reiter auf internationalen Turnieren in Deutschland Deutsche sind, künftig sind es je nach Niveau nur noch 20 bis 30 Prozent, das macht rund zehn bis 15 Reiter weniger. Bundestrainer Otto Becker: „Für uns ist das ein großes Problem, denn wo sollen unsere jungen Leute Erfahrungen sammeln und sich bewähren? In Ländern, in denen es nur wenige Reiter gibt, mag das ja passen, aber bei uns nicht.“ Die deutschen FEI-Delegierten bemühten sich zwar in Montevideo, die Quote zu der Home Riders zu erhöhen, bekamen aber wenig Unterstützung. Solidarität ist halt auch in der FEI eine seltene Tugend.


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