Berufsreiterchampionat Springen: erneuter Sieg für Judith Emmers

Rollte das Feld von hinten auf: Judith Emmers mit Tindorette.

(© Susanne Müller)

Nach dem Finalritt auf dem eigenen Pferd war sie noch
sicher, dass diesmal jemand anders die Siegerehrung des Berufsreiterchampionats
Springen anführen würde – als Einzige hatte  Judith Emmers mit dem eigenen Pferd einen Abwurf zu
verkraften. Dann jedoch räumte sie das Feld von hinten auf und siegte zum
zweiten Mal in Folge. Silber gab es für Henrik Griese, Bronze erreichte
Hans-Jörn Ottens.

Enttäuscht von sich selbst schüttelte die 25-jährige Pferdewirtschaftsmeisterin nach ihrem ersten Ritt im Finale den Kopf. Das war mein Fehler, schimpfte sie, als sie mit vier Fehlerpunkten auf dem eigenen Pferd, der zwölfjährigen KWPN-Stute Tindorette den Parcours verließ. Ihre beiden Kollegen, Henrik Giese mit Laskara R (gezüchtet und im Besitz von Hartwig Rellensmann), und Hans-Jörn Ottens mit Arcado, hatten einen besseren Start im Finale des diesjährigen Berufsreiterchampionats der Springreiter im westfälischen Bad Oeynhausen. Sie konnten befreit ohne Fehlerpunkte in den spannenden Teil des Finales starten, in dem jeder jedes Pferd nach nur fünf Minuten öffentlicher Vorbereitung und maximal vier Probesprüngen durch einen Zwei-Sterne-S-Parcours bringen musste.

Emmers war die Einzige im Feld, die nach ihrem letztjährigen Sieg Erfahrung mit dem Pferdewechsel hatte. Henrik Griese, 31 Jahre alt, Betriebsleiter des Gestüts Falkental in Lemgo, war zwar schon einige Male in Bad Oeynhausen am Start, aber ich hab es wohl immer zu sehr gewollt, sagt er, mit dem Ergebnis, dass ihm ein Finalstart bisher verwehrt worden war. Knapp konnte Griese mit der neunjährigen Lordanos-Tochter Laskara ins Finale rutschen. Nur einen Punkt mehr hatte er nach den zwei Qualifikationen auf S** und S***-Niveau als sein Berufskollege Felix Haßmann, den nach sehr guten Runden erst im Stechen der zweiten Qualifikation das Glück verließ. Der nahm es mit Humor, schlug sofort ein, als Judith Emmers ihn um Schützenhilfe fürs Finale bat. Ich helfe Dir gern aber dann musst Du auch gewinnen, war seine Ansage nicht wissend, dass Emmers ihr Versprechen halten würde…

Auf den beiden Fremdpferden ließ sich die Chefbereiterin von Christian Ahlmann keinen Fehler mehr zuschulden kommen, weswegen schon zu Anfang der dritten Runde im Pferdetausch klar war: An dieser Frau kommt keiner vorbei.

Spannend bis zum letzten Hindernis wurde es im Kampf um Silber und Bronze: Denn sowohl Henrik Griese als auch Hans-Jörn Ottens starteten mit je acht Strafpunkten in die letzte Finalrunde. Ottens hatte das jüngste Pferd mit ins Finale gebracht, den achtjährigen Argentinus-Sohn Arcado. Rang eins in der ersten Qualifikation und ein dritter Platz in der zweiten Qualifikation, die im Stechen entschieden wurde, ließen den 49-jährigen Profi aus der Nähe von Bremerhaven auf ein gutes Finalergebnis hoffen. Ottens verbindet mit dem Springturnier in Bad Oeynhausen diverse außergewöhnliche Momente: Dort gewann er als Junger Reiter 1983 sein erstes S-Springen,  auch seinen zehnten S-Sieg (und damit der Erwerb des Goldenen Reitabzeichens) feierte der Ausbilder, der einst beim ehemaligen Bundestrainer der Springreiter, Herbert Meyer, gelernt hatte, im Sielpark.

Am letzten Sprung in der dritten Runde fiel aber bei Ottens, der in der letzten Runde Grieses Pferd Laskara durch den Parcours steuerte, die Stange und damit die Entscheidung: Ihm blieb mit insgesamt drei Abwürfen der Bronzerang, Griese gelang mit einer fehlerfreien Schlussrunde auf Fremdpferd Tindorette von Judith Emmers bei seinem Final-Einstieg gleich Platz zwei.

Rund 5000 Zuschauer hatte die Prüfung in den Sielpark gelockt. Bundestrainer Heinrich-Hermann Engemann, selbst in den Jahren 2000 bis 2004 Veranstalter des Berufsreiterchampionats der Springreiter, ließ es sich nicht nehmen, allen drei Finalisten auf dem Abreiteplatz mit Tipps hilfreich zur Seite zu stehen. Er verfolgt das Championat seit Jahren, denn hier in Bad Oeynhausen sieht man früh den guten, hoffnungsvollen Nachwuchs, so Engemann. Besonders bei Judith Emmers hat sich dies mehr als bestätigt: Nach ihrem letztjährigen Sieg hatte sie die beste Saison ihrer bisherigen Karriere, wurde Deutsche Vizemeisterin bei den Springreiterinnen und westfälische Meisterin. Ehrensache, dass sie das in diesem Jahr zu toppen versucht.

Mehr Infos zum Turnier im Sielpark finden Sie hier.

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