Hagen: Fürstano gewinnt Louisdor Preis-Etappen-Qualifikation

Gleich in der ersten Gruppe der Qualifikation für die Louisdor Preis-Etappe bei den Horses & Dreams in Hagen, der Grand Prix-Serie für Nachwuchsdressurpferde, wurden die Frühaufsteher mit einem Highlight belohnt. Aber wer den Sieger sehen wollte, musste fast bis zum Schluss ausharren.

Der Sieg ging schlussendlich an das vorletzte der insgesamt 24 Paare, den Hannoveraner Fürstano v. Fürst Heinrich-Brentano II mit Juliane Brunkhorst im Sattel. Der schicke Fuchs überzeugte unter anderem in der Piaffe-(wobei die zweite besser gelang als die erste)-Passage-Tour und mit seinen fliegenden Wechseln. Sowohl die zu zwei Sprüngen, als auch die Wechsel von Sprung zu Sprung waren ein echtes Highlight – schnurgerade, energisch bergauf und mit Ausdruck. Die Passagen waren im Gleichmaß mit guter Lastaufnahme, ebenso die Piaffen. Die waren – wie es die Aufgabe erlaubt – noch etwas im Vorwärts angelegt. Alles in allem eine Vorstellung, die von großer Selbstverständlichkeit, auch in den schwierigen Lektionen geprägt war und einige Höhepunkte enthielt. Unter dem Strich kamen 73,289 Prozent zusammen.

Die Starterlisten weisen Fürstano immer noch als Hengst aus, tatsächlich wurde er aber vor rund einem Jahr gelegt. Juliane Brunkhorst, die den Hengst reitet, seit er sechs Jahre alt ist und zusammen mit ihrem Trainer und Lebensgefährten Hartwig Burfeind in den Grand Prix-Sport begleitet hat, sagt: „Das war die richtige Entscheidung. Bei manchen Hengsten mag es funktionieren, Sport und Zucht zu vereinbaren. Hier ging das nicht. Seitdem er gelegt ist, hat Fürstano Riesensprünge nach vorne gemacht.“ Sie hält den Fuchs für ein Pferd mit allen Möglichkeiten. Fragt man sie nach dem, was sie als Highlight in der heutigen Aufgabe empfunden hat, sagt sie: „Die Leichtigkeit, mit der er die schwierigen Lektionen wie Piaffe und Passage bewältigt. Ohne viel Druck gelingt ihm das. Ich habe das Gefühl, es macht ihm Spaß.“

Platz zwei ging an das Paar, das wie eingangs angesprochen, gleich in der ersten Gruppe für Aha-Momente sorgte: Oliver Oelrich auf dem ebenfalls in Hannover gezogenen Don Frederico-Weltruhm-Sohn Doktor Schiwago. Der großrahmige Rappe gehört der Nachwuchsreiterin Florine Kienbaum. Mit dem DOKR-Junioren- und Junge Reiter-Trainer Oelrich im Sattel zeigte er sich in Hagen locker und elastisch (wenngleich auch mit leicht bügelndem Vorderbein im Trab) und mit der vielleicht besten Piaffe-Passage-Tour des Tages. Bis zu den fliegenden Wechseln zu zwei Sprüngen war die Galopptour durchgängig „ziemlich gut“. Die Zweierwechsel gelangen so, wie man sie sich wünscht: sicher durchgesprungen, gerade und bergauf. Das gab von allen Richtern ein „Gut“. Die Einer fingen gut an. Doch statt der vorgeschriebenen elf Wechsel, sprang Doktor Schiwago nur neun. Das kostete wertvolle Punkte. Dennoch, alles in allem eine sehr sichere Runde eines talentierten Pferdes, das zu Recht ausführlich von seinem Reiter gelobt wurde, als die beiden ihre Aufgabe beendet hatten. Das Ergebnis: 71,684 Prozent.

Mit Spannung erwartet worden war das letzte Paar der Prüfung, das schlussendlich mit 71,632 Prozent recht knapp geschlagen auf Rang drei landete: die Burgpokal-Siegerin Weihegold OLD unter Isabell Werths Bereiterin Beatrice Buchwald. Die Oldenburger Don Schufro-Sandro Hit-Tochter überzeugt mit geschmeidigen, soliden Grundgangarten, einem aktiven Hinterbein und viel Talent in den schwierigen Lektionen Piaffe und Passage. Ein bisschen schade war heute, dass man bisweilen den Eindruck hatte, die Reiterin wirke mit der Hand nach rückwärts ein. Dem Umstand mag es auch geschuldet sein, dass die Stute in der Trabtour zweimal mit dem Kopf schüttelte.

Platz vier ging an den Hannoveraner Hengst Flynn PCH v. Falsterbo-Walt Disney unter Hubertus Schmidt. Der Dunkelfuchs war einst von Schmidts Bereiter Marcus Hermes in den Sport gebracht worden, ging mit ihm beim Bundeschampionat und den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde. Seit einiger Zeit sitzt der Reitmeister selbst im Sattel und Flynn hat der Hengst deutliche Fortschritte gemacht, vor allen Dingen in Sachen Losgelassenheit und Gleichmaß in den Bewegungen. Die Silhouette war geradezu vorbildlich. Lediglich zeitweise schlug Flynn noch mit dem Schweif und knirschte mal mit den Zähnen. Ansonsten überzeugten die beiden vor allem in den nach vorne angelegten Lektionen. In der Piaffe-Passage-Tour müsste Flynns Hinterbein noch mehr unter den Körper arbeiten. Alles in allem gab es heute 71,50 Prozent.

Schmidt ritt auch das Pferd auf Platz fünf (69,789 Prozent): Estobar NRW, den NRW-Siegerhengst von 2006 v. Ehrentusch-Ferragamo. Die Elastizität und der Ausdruck des imposanten Hengstes konnten nicht verhehlen, dass das Hinterbein heute besonders in den Verstärkungen eher nach hinten herausarbeitete als unter den Schwerpunkt. Außerdem hatte der Mannschaftsolympiasieger unglücklicherweise die falsche Aufgabe gelernt, denn schon während der ersten Passagetour schlug er den falschen Weg ein, den er unterbrechen musste, um nach der korrekten Linienführung zu fragen. Das kostete wertvolle Punkte. Einige davon machte Estobar NRW im Galopp wieder gut. So energisch bergauf wie dieser Westfale springen nur wenige Pferde. Dass Estobar dies an seine Nachkommen weitergibt, beweist sein Sohn, der Doppel-Bundeschampion Escolar.

Gefallen hat auch das Paar auf Rang sechs: der Oldenburger Hengst Spirit of the Age OLD v. Stedinger-Donnerhall unter Bernadette Brune insgesamt sehr losgelassen und gleichmäßig im Bewegungsablauf, stabil in der Anlehnung mit schöner Silhouette (okay, von Zeit zu Zeit war das Maul leicht geöffnet, aber das trübte nicht den Gesamteindruck). Alles in allem eine schon recht lektionssichere Vorstellung mit Höhepunkten, für die es 69,289 Prozent gab.

Platz sieben teilten sich zwei Paare mit jeweils 68,921 Prozent: Jan-Dirk Gießelmann auf dem Pferd, das heute mit Trabverstärkungen wie aus dem Lehrbuch glänzte, dem hannoverschen Rubin-Royal-De Niro-Sohn Real Dancer, und Susan Pape mit dem ebenfalls hannoversch gebrannten Rousseau-Rotspon-Sohn Fiorano. Letzterer hätte noch mehr Punkte bekommen, wenn er nicht in der Ecke bei A ein pferdefressendes Gespenst erblickt hätte, das ihn kurzzeitig zum rückwärts Piaffieren verleitete.

Weitere Ergebnisse kann man hier einsehen.