London Olympia: Frederic Wandres schlägt Charlotte Dujardin in Weltcup-Kür, Kurz-Grand Prix in Diskussion

Frederic-Wandres-London-Olympia-2018

Frederic Wandres und Duke of Britain, London Olympia 2018 (© www.olympiahorseshow.com)

Mit über 80 Prozent in der Weltcup-Kür von London hat sich Frederic Wandres selbst vorab das schönste Weihnachtsgeschenk gemacht. Mit Duke of Britain erzielte er 80,030 Prozent. Das waren zwar genauso viel wie die Britin Charlotte Dujardin mit Delicato bekam. Dennoch bedeutete es den Sieg. Und dann war da noch der neue Kurz-Grand Prix am Tag zuvor.

Drei Richter hatten den 31-Jährigen auf Platz eins gesehen. Das gab den Ausschlag für Frederic Wandres, der für den Hof Kasselmann reitet. Dieses Ranking ließ Charlotte Dujardin auf Platz zwei „abrutschen“. Mit dem elfjährigen Hannoveraner Duke of Britain hat sich Frederic Wandres langsam aber stetig nach oben vorgearbeitet. Einmal hatte er in einer Kür, im polnischen Zarkow, schon mehr als 79 Prozent gehabt. Aber die 80 Prozentmarke, der Sprung in die Weltspitze, der ist nun vollzogen. A-Noten für den technischen Wert gab es zwischen 72,0 und 76,75 Prozent für den Ritt des Paars aus Hagen am Teutoburger Wald. In der B-Note zückte Chefrichter Stephen Clarke sogar eine 88,8. Für Olympiasiegerin Dujardin, die hier schon dreimal mit Valegro gewonnen hatte und den sie bei Olympia auch vor zwei Jahren verabschiedet hatte, gab Clarke für den künstlerischen Eindruck hingegen 85,6 Prozent. Insgesamt war die B-Note höher ausgefallen, das bedeutete den Sieg.

Frederic Wandres verzaubert London Olympia

Dass damit der Sieg nicht an die Favoritin des Publikums ging, war schon etwas Besonderes. Die Zuschauer in der altehrwürdigen Veranstaltungshalle „Olympia“ in London Kensington waren nach der Bewertung der Kür von Charlotte Dujardin und Delicato aus dem Häuschen gewesen. Eigentlich ist Delicato v. Diamond Hit das Pferd ihres Trainers Carl Hester. Der hatte den Hannoveraner auch bei den Weltmeisterschaften in Tryon geritten. Aber da ihre Stute Freestyle hustet, hatte sich Dujardin entschieden, Delicato zu reiten. Es war die erste Weltcup-Kür für das Paar. Und man darf sagen: Zurückhaltend fielen die Noten nicht aus. Das Pferd ist unerfahren, entsprechend ist das Programm kein Feuerwerk an technisch anspruchsvollen Abfolgen. Die Galopppirouetten waren recht groß, Piaffen und Passagen zählten zu den Höhepunkten. Sicherlich kann dieses Paar, oder auch der Wallach mit Carl Hester im Sattel, einmal 80-Prozent-Küren erreichen, aber hier schien vorweihnachtliche Euphorie mit im Spiel gewesen zu sein. Die Wertungen lagen zwischen 78,175 (Katrina Wüst, Deutschland, Platz 1) und 81,425 (Maribel Alonso, Mexiko, Platz 1, sowie Stephen Clarke, Großbritannien, Platz 2).

Spektakel: Richterurteile à la X-Factor

London Olympia hatte gestern mit einem Test begonnen. Erstmals wurde ein verkürzter Grand Prix geritten. Der soll zuschauer- und TV-freundlicher sein. Das TV übertrug gestern nicht. Das kann noch kommen. Die neue Aufgabe ohne Rückwärtsrichten und ohne Zickzack-Traversalen und zwei statt drei Piaffen wird in Deutschland nahezu unisono kritisch gesehen. Das Aussterben der Rittigkeits-Prüfsteine scheint aber anderen Nationen weniger schwer im Magen zu liegen, hört man sich hinter den Kulissen von London Olympia um.

Noch mehr hatte die Arena zu bieten. Gestern mussten die Reiter ihre Ritte sofort im Anschluss selbst kommentieren. Grandiose Idee, finden viele. Dass Interviews in Deutschland – schon mal Clipmyhorse gesehen? – schon lange Usus sind, wissen dabei längst nicht alle. Dabei sind Nürnberger Burg-Pokal und Louisdor-Preis durchaus international ein Begriff. Bei der Olympia Horse Show gab es die Noten auf der Videoleinwand unter dröhnender Musik und mit dem Konterfei des jeweiligen Punktegebers eingeblendet. Nebelmaschinen und Discokugel fehlten noch. X-Factor meets The Voice meets … ja was eigentlich? Dressur 2.0? Der Sport muss und soll sich weiterentwickeln. Die Frage ist, in welche Richtung. Denn unstrittig dürfte sein, dass in kürzerer Zeit Lektionen abzuspulen für Pferd und Reiter die Aufgabe nicht gerade einfacher macht. Die Harmonie der Dressur, in den vergangenen Jahren gerade erst wiederentdeckt, könnte schon bald abermals in Schieflage geraten. Es wird weiter diskutiert. Mal sehen, was das neue Jahr bringen wird.

Dritter wurde Hans Peter Minderhoud mit seinem WM-Pferd Dream Boy v. Vivaldi (77,99). Der Niederländer, der die Premiere des Kurz-Grand Prix gewonnen hatte, setzte sich knapp vor die Britin Hayley-Watson Greaves und Rubins Nite v. Rubin Royal (77,705). Der Mann, der maßgeblich an der Entwicklung der neuen Aufgabe mitgewirkt hat, der Brite Richard Davison, kam mit dem selbstgezogenen Bubblingh v. Lingh auf 75,68 Prozent und wurde Fünfter.

Ergebnisse finden Sie hier.

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  1. Alexandra Baumann

    Hallo,
    gibt es kein schöneres Bild von Frederic Wandres und Duke of Britain, welches man für diesen Artikel hätte nutzen können?
    Man beachte Maul, Lage des Kandarengebisses, Gesichtsausdruck des Pferdes, Sitz des Reiters etc.
    Sofern es sich um eine Trabverstärkung handeln soll, fehlt die Rahmenerweiterung bzw. wird nicht zugelassen. Darüber hinaus zeigt das Pferd auf diesem Bild eine Taktstörung.
    Den Ritt habe ich nicht gesehen, daher kann ich nur diese Momentaufnahme kommentieren und finde es schade, dass dieses Bild zum Artikel gewählt wurde. Entweder wird dieses Bild dem Siegesritt nicht gerecht und ist sehr unglücklich gewählt oder dieses Bild gibt den Ritt sehr gut wieder, dann wurden wohl die Noten sehr unglücklich gewählt.
    Des Weiteren scheint es so, als wäre der Bereich der Schenkellage (über den hinteren Schabrackenrand hinaus?) beim Scheren ausgespart worden. Der Rest des Pferdes ist komplett geschoren, ein Schelm wer Böses dabei denkt…
    LG AB


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