Millennium stellt Siegerhengst beim Trakehner Hengstmarkt

Trakehner Siegerhengst 2021:

Trakehner Siegerhengst 2021: Impact v. Millenium (© sportfotos-lafrentz.de)

Der Millennium-Sohn Impact ist Trakehner Siegerhengst 2021. Insgesamt wurden 16 Hengste gekört. Fünf davon wurden als Prämienhengst ausgezeichnet. Der Siegerhengst kostete 100.000 Euro, ein anderer Hengst mehr als doppelt so viel.

Als Fohlen 2019 8.000 Euro im Auktionsring, zwei Jahre später 100.000 Euro an derselben Stelle: Der Trakehner Hengst Impact hat eine gewisse Wertsteigerung in 24 Monaten durchgemacht. Der hochedle, feingliedrige Millennium-Sohn hat eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Geschichte: Seine Mutter Impatie v. Vivus-Langata Express xx hätte eigentlich als junge Stute auch auf dem Trakehner Hengstmarkt in der Holstenhalle Neumünster versteigert werden sollen. Aber kurz vor der Auktion war die Stute lahm. Züchter Klaus Bustorff beschloss daraufhin, die Stute zu behalten und sie seinem Sohn Jörg zu schenken. Der ist nun Züchter des Siegerhengstes des Trakehner Hengstmarkts 2021. Und dass diese Veranstaltung rund läuft, dazu trägt maßgeblich seine Schwester Ulrike bei. Sie ist seit 30 Jahren in der Geschäftsstelle des Trakehner Verbandes tätig.

Der Millennium-Sohn war schon als Fohlen mehr als auffällig. Renate Stahnke, seit Jahrzehnten als Sprecherin eine der „Stimmen“ auf dem Trakehner Hengstmarkt, hatte ihn in ihrer Funktion im Trakehner Zuchtbezirk Schleswig-Holstein mit hohen Noten eingetragen. Und nicht nur das. Sie hatte auch Bernhard Langels angerufen. Der Landwirt, gebürtiger Niedersachse, mit einem 500-Hektar-Betrieb in Sachsen-Anhalt, sei doch genau der richtige, um solch ein Fohlen aufzuziehen, fand die Kantorin aus dem Kreis Segeberg. Der sagte im Prinzip zu, schlug aber ein „Konsortium“ vor. Gemeinsam könne man doch das Fohlen aus der Bustorff’schen Zucht großziehen.

Doch die Kunde von einem wunderschönen und bewegungsstarken Millennium-Hengstfohlen machte schnell die Runde und so kam es, dass das Fohlen für die Auktion anlässlich des Hengstmarktes zugelassen wurde. Damit hatte sich auch die Idee eines Konsortiums erledigt, erinnern sich Stahnke und Langels, dessen Frau Sabine die Dritte im Bunde der BG (Besitzergemeinschaft) Impact hätte sein sollen. Denn dass dieses Fohlen in Neumünster sicher einen Preis bei der Fohlenversteigerung erzielen würde, der über das Limit der BG hinausgehen würde, schien festzustehen.

Aber manchmal kommt es anders als man denkt. Das Millennium-Fohlen, dessen Halbbruder Instagram mittlerweile auch noch zu einem Körkandidaten herangereift war, zog die Menschen nicht in dem Maße in seinen Bann wie erwartet. Bei 7.500 Euro stockten die Gebote. Bernhard Langels bot kurz entschlossen und erhielt den Zuschlag. Erste Amtshandlung nach dem Kauf: Renate Stahnke anrufen und ihr sagen, dass er dieses Hengstfohlen selbstredend als Teil der „BG Impact“ erworben habe. Und so wuchs der Millennium-Sohn in Schäplitz in der Altmark auf, wurde von Sabines und Bernhards Sohn Richard zur Körung vorbereitet und war von Anfang an der Liebling des Publikums auf dem diesjährigen Trakehner Hengstmarkt. Klingt nach Drehbuch, zumal Impact dann tatsächlich zum Siegerhengst ernannt wurde. Ist aber die Wahrheit, ein weiteres Kapitel in dem Mythos „Trakehner Familie“.

Fünf Prämienhengste

Den Siegerhengst Impact v. Millennium-Vivus (Z.: Jörg Bustorff, Groß Buchwald), ein Pferd mit einer federleichten Trabmechanik, einem ordentlichen, immer gut geregelten Schritt und einer geschlossenen Galoppade, beschrieb der Trakehner Zuchtleiter Lars Gehrmann so: „Ein Beschäler, wie er in dieser Sorte eigentlich nur bei den Trakehnern zu finden ist. Leichtfüßig und sich immer des Besonderen bewusst. Als Edelpferd stabil und genügend kraftvoll“. Und auf den Fohlenpreis 8.000 Euro anspielend unterstrich der Geschäftsführer des Trakehner Verbandes: „Erkennen muss man sie auch“.

Für 100.000 Euro wurde er an die Hamburgerin Renate Weber verkauft. Man wird ihn dann wohl bald unter Paula de Boer im Sport erleben.

Die Hengstlinie des Kostolany – Großvater von Totilas und Urgroßvater der Olympiasiegerin Dalera – war bestimmend bei den Trakehnern im Jahr 2021.

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Auch der Reservesiegerhengst, Dein Erbe v. Hirtentanz-Singolo (Z.: Philipp von Schöning, Ueckermünde), geht auf diesen Hengst zurück. Kostolany ist übrigens auf dem Gestüt Hämelschenburg geboren bei Otto Langels, dem Vater von Bernhard Langels. Der 90-Jährige wurde im Rahmen des Galaabends zum Ehrenmitglied im Trakehner Verband ernannt. Nicht ohne Stolz wusste er zu vermelden, dass sieben von 16 Pferden in den ersten vier Generationen von Dalera in Hämelschenburg gestanden haben, das Gros ist dort sogar zur Welt gekommen.

Auch der Reservesiegerhengst hat eine eigene Geschichte, zumindest was seinen Namen anbelangt: „Dein Erbe“ heißt so, weil die Mutter seines Züchters, Veronika von Schöning, am Tag seiner Geburt ebenfalls Geburtstag hatte. Der Rappe war ein mittelrahmiges Pferd, das patent zu springen verstand aber mit den Tagen an Kraft verlor. Zuchtleiter Gehrmann attestierte dem Rappen, „große Linien, mit drei überdurchschnittlichen Grundgangarten. Ein Hengst, von dem wir viel erhoffen und erwarten.“ Er kostete 60.000 Euro und wir künftig in Bayern zuhause sein.

Nicht zu verkaufen war ein weiterer Millennium-Sohn, Kenneth, aus einer Shavalou-Mutter (Z.: Britta Stiegemeyer, Rödinghausen). Der Braune, der sich sehr elastisch und schwungvoll über die Tage präsentierte, wurde vom Gestüt Sprehe ausgestellt. Dort steht auch sein Vater Millennium. Der Hengst stand nicht zum Verkauf. Gehrmann bilanzierte die Auftritte von Kenneth in Neumünster so: „Exzellent entwickelter Hengst mit herrlichem Gesicht und hohem Maß an Unterarmfreiheit, akurat in der Selbsthaltung – da passt alles zusammen“.

Bernhard Langels konnte sich über einen weiteren Prämienhengst freuen: Goldfieber v. Le Rouge-Shavalou. Der Braune war in Sachen Trakehner Typ nicht gerade das Aushängeschild der Veranstaltung – aber in Sachen Abfußen im Hinterbein und kraftvoller Schwungentfaltung sehr wohl. Die Halsung hätte man sich großzügiger gewünscht. Gehrmann Laudatio: „Ungemein sportiver Hengst im großen Rahmen – Takt, Schwung und Mechanik- Er nimmt von Natur aus Last auf dem Hinterbein.“ Er prophezeite Goldfieber, dass ihm „sicher auch eine große Dressurkarriere“ bevorstünde.

Ein Brauner aus Dänemark komplettierte das fünfköpfige Prämienlot, Imperial Valley v. Preußentanz-Schiffon (Z.: Andres Dahl, DK-Braband). Für Gehrmann „einer der komplettesten des ganzen Jahrgangs“. Der Zuchtleiter lobte sein „kraftvolles Abfußen“ und die drei gleichmäßig überdurchschnittlichen Grundgangarten. Er erzielte mit 210.000 Euro den Spitzenpreis bei der Versteigerung. Er bezieht einen Stall im Rheinland.

Edelblut

Zwei der elf weiteren gekörten Hengste wurden besonders herausgestellt aufgrund ihres hohen Anteils von Edelblut: Kadre Blanc v. Bonaparte AA-Herzglanz (Z.: Werner Nitz, Gladenbach), dessen Vater schon das Deutsche Spring-Derby bestritten hat, war der einzige Dreijährige. „Interessante Blutkombination“, der Hengst mit dem höchsten Spezialblutanteil, „ein Hengst mit viel Aufsatz und viel Körper“, lobte Zuchtleiter Lars Gehrmann den Schimmel und sein Springen, „ein Sportler der Zukunft“. Er wurde als bester Springhengst des Jahrgangs ausgezeichnet, außerdem erhielt er auch den Dr. Eberhard von Velsen-Zerweck-Gedächtnispreis, weil kein Hengst mehr Vollblutgene aufwies als er. Er wird sein sportliches Debüt unter Andreas Ostholt im Vielseitigkeitssport geben.

Noch ein Hengst mit viel Spezialblut wurde gekört: Elanolos v. Lossow-Esteban xx (Z.: Simone Lindemeier-Trippel), ein brauner, mittelrahmiger Trakehner mit deutlichen Reitpferdepoints. Seine Großmutter ist eine reine Araberstute.

Dreimal Sixtus-Blut im Vaterstamm

Graf  von Falkenhöh v. Blanc Pain-Hirtentanz erhielt ebenfalls die Zuchtzulassung. Der schicke Rappe (Z.: Karl-Friedrich Peters, Wust) zählte zu den Hengsten mit der besten Galoppade. „Sehr imponierend das Bergauf, das den Hengst sehr auszeichnet“, so Zuchtleiter Gehrmann in seiner Körkritik.

Wuchtig und kräftig zeigte sich Eichengold v. Schwarzgold-Gribaldi (Z.: Ferdinand Poll, Hörem), in Gehrmanns Worten klingt das so: „Beschälermodell aus dem Bilderbuch – Format, Komfort verbindet sich mit Hengstausdruck“. Der Schwarzgold-Sohn habe „eines der hochwertigsten Pedigrees des diesjährigen Katalogs“, so der Zuchtleiter weiter. Kein Wunder – die Mutter dieses Braunen ist eine Vollschwester zum Trakehner Hengst des Jahres Easy Game. Und der ist sowohl der Vater von Dalera als auch von Millennium.

Ebenfalls zu der kräftigeren Sorte zählte Sky Prince v. Speedway-Sixtus (Z.: Silke Wagner, Bernsdorf). „Ein Hengst, der mit höheren Gaben für die spätere reiterliche Entwicklung gesegnet ist, taktbeflissen, ein Gleichgewichtspferd“, schwärmte Gehrmann über den Hengst aus dem ersten Jahrgang des siebenjährigen Vererbers Speedway.

50-Prozent-Körquote

Auf den Linienbegründer Arogno ging nur ein Hengst zurück, El Presidente v. Bourani-Kentucky, (Z.: Gabriele Pothen, Haltern am See). Dem großrahmigen Rappen hätte man etwas mehr Schluss aus der Hinterhand gewünscht. „Ein komfortables Bergaufpferd mit komfortablem Temperament. Eines von zwei Hengstfohlen, die der Hengst in dem Jahrgang gezeugt hat. Dazu sei die Mutter Emma Peel (Anm. der Redaktion, eine ehemalige Jahressiegerstute), eine „Vorzeigestute erster Klasse“, und verdiene besondere Erwähnung, so Gehrmann in seiner Hengstlaudatio.

Fünf weitere Kostolany-Nachfahren

Gekört wurde weiterhin Raureif v. Freiherr von Stein-Perechlest (Z.: Hans-Ernst Wezel, Burgkirchen). Die Familie dieses Dunkelfuchses stammt ursprünglich aus dem Hauptgestüt Trakehnen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde dann dieser Stamm im russischen Gestüt Kirow am Don und anschließend in Tschechien gepflegt. Dort hatte der Züchter die Urgroßmutter des Hengstes, der im österreichischen Besitz steht, entdeckt – Trakehner Geschichten sind eben immer auch ein Stück Geschichte.

Mit einem rekordverdächtigen Schritt zog einer der jüngsten Hengste des Jahrgangs die Blicke auf sich: Sacre Diamant v. High Motion-Exclusiv (Z.: Bernhard Langels, Schäplitz), „dieser Schritt ist lehrbuchreif und repräsentiert auch die mentale Stärke des Hengstes“, so Zuchtleiter Gehrmann, der auch die „großen, gut eingeschienten Gelenke“ hervorhob.

Aus dem Stamm der Vollbluthengste Narew xx und Noble Roi xx ist New Boy v. Ivanhoe-Monteverdi (Prof. Dr. Sabine Kliesch, Münster) hervorgegangen. „Aus einer der vielleicht besten Halbblutstuten der Trakehner Population“, wie Gehrmann sagte. Sein Bruder New Wonder wurde im vergangenen Jahr gekört.

Auch der dritte Millennium-Sohn, Augenblick aus einer Cadeau-Mutter (Z.: Bernd Eisenmenger, Bubenheim) wurde gekört. Gehrmann schwärmte: „In herrlicher Aufmachung mit dem unverkennbaren Überguss seiner Rasse“, „stets im Gleichgewicht mit gutem Auge, ein hochattraktiver Hengst“, so der Zuchtleiter.

Das Lot der gekörten Hengste beschloss Kind of Magic v. Zauberreigen-Perechlest (Z.: Kurt und Michael Weippert, Pfedelbach). Der Schimmel, aus dessen Mutter der ehemalige Siegerhengst Kattenau stammt, sei ein „Veredlertyp mit herrlichem Gesicht“, der über die  „gewünschte Hinterbeinaktivität“ verfüge. Das Publikum feierte den nicht zu großen Schimmel.


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