Nach Freispruch in Aachen: Edward Gal erwägt Klage gegen PETA

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PETA hatte vor dem Landgericht Aachen zum wiederholten Mal gegen den niederländischen Dressurreiter Edward Gal eine Klage angestrengt. Und wieder verloren. Es ging um das blutige Maul des Pferdes Undercover anlässlich der Europameisterschaft 2015. Nun überlegt Gal seinerseits rechtliche Schritte anzustreben.

Edward Gal und PETA werden wohl niemals beste Freunde. Mehrfach hatte die Tierschutzorganisation eine Klage wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gegen den niederländischen Championatsreiter wegen der Vorkommnisse bei den Europameisterschaften 2015 angestrengt. Bei der EM, die auch wegen der krassen Fehlbeurteilung des lahmenden Totilas in die Geschichtsbücher eingegangen ist, hatte Gals Pferd Undercover aus dem Maul geblutet und war abgeläutet worden. Zuvor hatte der hoffnungslos verspannte Wallach in der Prüfung Höchstnoten bekommen.

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PETA hatte mehrfach den niederländischen Dressurreiter verklagt, jedesmal ohne Erfolg. Auf ihrer eigenen Webseite schreibt die Organisation zum heutigen Verfahrenstag, er sei zustande gekommen, weil PETA „Druck“ ausgeübt habe. Im Vorfeld gab sich die klagende Seite optimistisch: „Es ist ein Meilenstein, dass ein Tierschutzfall mit einem prominenten Täter nach über sechs Jahren vor Gericht kommt. Edward Gal hat sich massiv und sogar mit einem eigenen Gutachten dagegen gewehrt, die Verantwortung zu übernehmen. Vermutlich hat auch sein Promi-Status dazu geführt, dass die Strafjustiz das Verfahren hinausgezögert und die Misshandlung des Pferdes somit viel zu lange legalisiert hat. Wir hoffen nun auf eine harte Strafe für Edward Gal“.

PETA verliert abermals gegen Edward Gal

Heute wurde vorm Landgericht Aachen wieder verhandelt. Wie die niederländische Webseite horses.nl meldet, verlor PETA auch diesen Prozess. PETA hatte argumentiert, Undercover sei zu lange in Rollur-Position geritten worden. Zu lange, das würde mehr als zehn Minuten in Folge bedeuten. So lange sah das Reglement des Weltreiterverbandes (FEI) die erzwunge enge Kopf-Hals-Haltung damals als tolerabel an. Die Richter wollten dieser Argumentation der klagenden Organisaton nicht folgen. PETA veröffentlichte dazu nach der Urteilsverkündung auf seiner Website ihre Sicht der Dinge: „Ein unvermeidbarer Verbotsirrtum, da sich der niederländische Dressurreiter damals noch „gerade so“ an die zu jener Zeit geltenden Standards gehalten habe“.

Nach Angaben von horses.nl hatte unter anderem Jacques van Daele, der belgische Steward, der damals verantwortlich in Aachen war, in einem Statement ausgesagt, es sei „nichts Ungewöhnliches vorgefallen“. Jacques van Daele ist auch internationaler Richter. Er war 2021 auf dem internationalen Turnier in Opglabbeek im Einsatz. Dort beurteilte er Total US unter Edward Gal in der Kür mit über 85 Prozent.

Am Abend meldete horses.nl, dass nunmehr Edward Gal überlege, rechtliche Schritte einzulegen. Der niederländische Dachverband KNHS wird zitiert: Zwar habe die „Gerechtigkeit gewonnen, aber sein (Gals) Image könnte durch die negative Publicity in Deutschland beschädigt worden sein. Vor allem, weil in der deutschen Presse falsche Informationen veröffentlicht wurden.“ Hinter dieser Formulierung steht die Behauptung, deutsche Medien hätten ein einem der früheren Prozesse berichtet, Gal sei für schuldig befunden und zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Anm. d. Red. Wir haben uns während des gesamten Tages um eine Stellungnahme seitens der Pressestelle des Landgerichts Aachen bemüht, haben aber auf keinen unserer diversen Kontaktanfrage über unterschiedliche Kanäle eine Reaktion erhalten, deswegen können wir uns nur auf die zitierten Quellen berufen.

  1. Sabine Brandt

    „Wir haben uns während des gesamten Tages um eine Stellungnahme seitens der Pressestelle des Landgerichts Aachen bemüht, …“

    was soll ein Gericht dazu schon sagen?
    die waren nicht dabei, es fehlt die Sachkenntnis, dort gilt die Interpretation eines theoretischen Regelwerks.

    „Zuvor hatte der hoffnungslos verspannte Wallach in der Prüfung Höchstnoten bekommen.“

    schlüssig argumentiert hiesse das, man hätte die Richter verklagen müssen.
    solange verspanntes Reiten mit Höchstnoten bewertet wird, müssen wir uns über das schlechte Image des Sports in der öffentlichen Wahrnehmung nicht wundern.

    solange verspanntes Reiten mit Höchstnoten bewertet wird, kann man keinem Reiter einen Vorwurf machen, dass er nach den Regeln eines kruden Wettbewerbs gewinnt.

    solange verspannte Tritte schon in Warendorf mit Höchsnoten bewertet werden, müssen wir uns über all dies nicht wundern.

    der eigentliche Skandal ist doch, dass überhaupt erst eine umstrittene Organisation wie PETA den Finger in die Wunde legen muss, während alle anderen stumm zusehen.

    „Bei der EM, die auch wegen der krassen Fehlbeurteilung des lahmenden Totilas in die Geschichtsbücher eingegangen ist, …“

    Beschämend für eine ganze Reitsportnation.
    Um schlechte Presse macht der Reitsport sich ganz allein verdient.

    Der Fisch stinkt am Kopf zuerst.
    FEI.
    FN.
    deren beauftragte Richter.
    sicher nicht die eines zivilen Landgerichts.

  2. M. Bach

    Sabine Brandt, Ihr Kommentar trifft die Situation ganz genau.
    Aber: steter Tropfen höhlt den Stein, und es gibt doch noch positive Veränderungen:

    Die „Glock-Crew“ um Herrn Gal & Co. schaffen es seit längerer Zeit nicht mehr, in die Spitzengruppe zu kommen. Andere reitartverwandte Reiter haben sich wegen eigener Erfolglosigkeit mehr oder weniger unauffällig aus dem Spitzensport zurückgezogen, und umorientiert in Richtung Pferdezucht und Pferdehandel.

    Jedenfalls sind die Verdienste von Charlotte Dujardin mit Valegro und Carl Hester mit Utopia gar nicht hoch genug zu bewerten. Valegro, der vom Typ und Habitus Totilas ähnelt und demonstrierte, wie ein Pferd dieses Kalibers in klassischer Reitweise aufblüht, und in höchster Schönheit, Harmonie und Zufriedenheit vorgestellt werden kann. Der Unterschied war krass.

    Das war ein Wendepunkt, für den der Reitsport nicht dankbar genug sein kann. Es sah seinerzeit tatsächlich so aus, als würde die klassische und pferdegerechte Reitweise eines Tages völlig in Vergessenheit geraten.

    Reiter*innen wie Charlotte Dujardin, Carl Hester und Catherine Dufour – und auch Uta Gräf und Hubertus Schmidt nicht zu vergessen, haben unter anderem Jessica von Bredow-Werndl und Dalera den Weg bereitet, der diese nun sogar an Isabell Werth vorbei geführt hat.

    Und die Zukunft sieht mit Frederic Wandres, Raphael Netz, Rose Oatley und vielen anderen jungen Reiters auch recht gut aus.

  3. brigitte retzer

    Schluss mit dem Sport mit Tieren dann gibt’s solche Quälerei nicht mehr. Wunschgedanke ich weiss. Zumindest sollten aber weit schärfere Tierschutz gesetze her. Keine Kandaren keine Rollkur. Weder im Training nicht auf dem Abreiteplatz. Viel strengere Kontrollen in die Ställen der Besitzer.

  4. Volpert Beyer

    Grandiose Vereinfachung, die Waffe, die alle Schlafschafe aufweckt: Sport ist Mord. Wäre da nicht der Sport, dann wäre das Pferd im Tausch gegen Traktor und Co zum Tode verurteilt gewesen und nur noch im Zoo zu besichtigen und auch nicht artgerecht gehalten. Es wäre besser zusammen und gemeinsam gegen tierquälerisches Verhalten vorzugehen dort wo es passiert und nicht zu verallgemeinern.

  5. Ellen

    Solange sich nicht Grundliegendes in der Richterei ändert, werden wir weiterhin viel zu viele unschöne Bilder zu sehen bekommen. Das Grundproblem ist, dass viele Richter m.E. befangen sind. Solange Richter (als Besitzer, Besitzerfreunde, Verkäufer, Vermittler etc.) am lukrativen Kuchen des Pferdegeschäftes mitverdienen, bleibt es sehr, sehr schwierig. Leider verschließt sich auch mancher Entscheidungsträger der FN sinnvoller Neuerungen. Ich denke hier z.B. an das von vielen Aktiven geforderte Losverfahren bei den Turnierrichtern. Der Vorwand, in ländlichen Gegenden seien nicht genug Richter verfügbar, ist m.E. und basierend auf eigenen Erfahrungen nicht zutreffen. Und bei den „großen“ Turnieren kann davon sowieso keine Rede sein. Wünschenswert wäre allerdings, auch mal neue Gesichter von mutigen Richtern zu sehen, die nicht im alten Fahrwasser weiterdümpeln.

  6. Edmund Haferbeck

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    es ist schon verwunderlich, was man hier und auch in niederländischen Reitergazetten so zu lesen bekommt:

    Es hat nie eine Klage von PETA vor dem Landgericht Aachen gegeben, es hat ohnehin nie eine „Klage“ gegeben, das einzige, was es gegeben hat, und darüber wurde damals, 2015, auch breit berichtet, waren die beiden Strafanzeigen von PETA gegen die Höllenritte von Rath auf Totilas und Gal auf Undercover im August 2015. In der Zeit von 2015-2020 fand dann, nicht öffentlich, eine Gutachter- und Beschwerdeschriften-„Schlacht“ statt, in deren Folge dann das NRW-Justizministerium über die Generalstaatsanwaltschaft Köln die Staatsanwaltschaft Aachen anwies, Anklage zu erheben, was dann vor ca. 1 1/2 Jahren dann auch mit einem Strafbefehl geschah. Aufgrund der Corona-Situation hat sich dann alles noch einmal um längere Zeit verzögert. Das Verfahren endete allein deshalb mit einem Freispruch, weil man Gal, aber nur für die Situation vor Ort 2015, einen unvermeidbaren Verbotsirrtum zubilligte, eine schwere Last für einen mehrfachen Welt- und Europameister. Grund: 7 Richter hätten damals die Möglichkeit gehabt, das zu beenden, doch keiner seit eingeschritten, somit Verbotsirrtum. Und es wurde deutlich, dass damals immerhin die Scouts Gal aufgefordert hatten, sich mit der Rollkur zurückzunehmen. Und: Heute wäre dieser Ritt strafbar!

    Ich verweise gleichzeitig auf die unter Mitwirkung von PETA entstandene und gerade veröffentlichte dreiteilige Dokumentation über den Pferdereitsport, Rath, Totilas, Gal, Linsenhoffs, Schockemöhle usw. auf RTL.


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