Raphael Netz ist auch 2022 Europameister Dressur U25

FEI EUROPEAN CHAMPIONSHIP 2022 – CH-U25

U25 Europameister 2022: Raphael Netz (© FN/Lukasz Kowalski)

Titel verteidigt! Im U25-Lager heißt der neue Dressur-Europameister wie der alte: Raphael Netz. Mit Ferdinand BB setzte er sich im ungarischen Pilisjászfalu an die Spitze. Alina Schrader wurde Vierte.

Mit persönlicher Bestleistung ritt Raphael Netz im Sattel von Ferdinand BB in Pilisjászfalu zu seinem zweiten Einzeltitel in der Alterklasse bis 25 Jahre. Bereits im vergangenen Jahr war er in Hagen Europameister in der Einzelwertung geworden. Damals war er mit Elastico am Start.

Nach Ungarn hatte Netz den Hannoveraner Ferdinand BB mitgebracht. Schon beim Mannschaftssieg des deutschen Teams hatten die beiden sich als Anchor des Gold-Teams bewiesen. Das Zweitpferd von Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl hatte Netz zuvor in Kronberg und Elmlohe geritten. Wie lange „Raphi“ noch das Vergnügen haben wird, den Florencio-Sohn zu reiten, bleibt abzuwarten. Seine durchtrainierte Chefin sitzt bereits drei Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Ella wieder täglich im Sattel.

Lange hatte der Ritt von Raphael Netz nach einer Deklassierung des Feldes ausgesehen. Der Abstand zum bis dahin führenden Spanier Alejandro Oliva Lázaro und Decor v. Detroit betrug in den Zwischenwertungen mitunter knapp drei Prozent. Decor, gleichfalls Hannoveraner, hatte das Viereck am ersten Prüfungstag mit 72,615 Prozent verlassen. Der Spanier gewann schlussendlich Silber.

Raphael Netz und Ferdl machen es spannend

Der Beginn der Prüfung von Raphael Netz und Ferdinand BB verlief, abgesehen von einer kleinen Unsicherheit zu Beginn, nach Plan. Geschmeidige Trabtraversalen, ausdrucksstarke Passagen, die konstant im Bereich um 8,0 beurteilt wurden, auch die beiden ersten Piaffen noch mit genügend Fleiß, die zweite flüssiger und minimal im Vorwärts. Das Duo aus Aubenhausen steuerte klar in Richtung 75-Prozent-Marke. Auch noch zu Beginn der Galopptour mit guten fliegenden Galoppwechseln zu zwei Sprüngen und Pirouetten mit aktiv repetierendem Hinterbein. Doch bei der Einleitung der Einerwechsel stimmte die Chemie zwischen Pferd und Reiter kurz nicht. Erst nach einem Haker fanden die beiden zueinander und absolvierten dann eine Diagonale mit sicheren Einerwechseln – allein, der Auftakt zählt nun einmal auch. 4,9 für die Lektion, damit, und mit einer abschließenden Piaffe, der man deutlich mehr Fleiß und diagonales Abfußen gewünscht hätte, waren es am Ende 73,462 Prozent. Und damit die Goldmedaille.

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Die deutsche Meisterin Alina Schrader mit Paola OLD hatte die Bronzemedaille zum Greifen nahe. Mit 71,718 Prozent hatte sie einen guten Ritt abgeliefert. Aber ein sicherer Medaillenrang war das noch nicht. Die Lord Loxley-Tochter punktete vor allem in den Serienwechseln im Galopp mit flüssig und energisch gesprungenen Zweier- und Einerwechseln auf der Diagonalen. Die fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung, wie auch die flüssig gezeigten Pirouetten, gehen mit dem Faktor zwei multipliziert in die Wertung ein. Geritten wird der U25 Grand Prix. Auch im starken Schritt, gleichfalls Faktor zwei im Notenbogen, wusste Paola OLD zu punkten.

In den Piaffen ist die Oldenburger Stute aber nicht die Allerstärkste. Die Braune tritt rhythmisch auf der Stelle. Was man ihr wünschte wäre das, was in der englischen Richtersprache als „lift“ bezeichnet wird: Eine ausdrucksstärkere Verwendung des Unterarms und aktiveres Abfußen der Hinterhand.

Es war die vorletzte Starterin, die Dänin Thea Bech, die Traum von einer zweiten Medaille fürs deutsche Team platzen ließ. Und die Skandinavierin machte es mit ihrem 14-jährigen Niederländer Dionisos richtig spannend. Der Spielberg-Sohn verfügt über viel Talent für Piaffen und Passagen. Gerade zu Beginn der Prüfung war er aber nicht ganz spannungsfrei, was sich in wiederholten ungleichen Tritten im Hinterbein in der Passage niederschlug. Aber spätestens die zweite Piaffe machte klar: Hier hat jemand Ambitionen!

Doch dann baute sich im versammelten Schritt die Spannung weiter auf, der Wallach piaffierte statt anzugaloppieren. Plötzlich zeigte das Zwischenranking nicht mehr Platz zwei, sondern Rang 17. Die Aufholjagd begann. Meter für Meter erkämpfte sich die Zwanzigjährige wieder Punkte. Mit einer lebhaften Piaffe kurz vorm Schlussgruß war dann klar: Bronze geht nicht nach Deutschland, sondern nach Dänemark. Platz vier an Alina Schrade und Paola OLD.

Alle Deutschen in den Top 10

Deren Teamkollegin Alexa Westendarp und die von ihrem Vater Johannes gezüchtete Four Seasons beendeten die Prüfung mit 70,615 Prozent. Four Seasons ist übrigens in mehrfacher Hinsicht ein Familienprodukt. Alexas Mutter Ines hat Fürstenball, den Vater der EM-Stute, ausgebildet und zum Bundeschampion gemacht. Als Achtplatzierte wird die 23-Jährige im Kürfinale am Sonntag dabei sein.

Helen Erbe und Carlos, noch Zweite in der Intermédiaire II, der Mannschaftsaufgabe, landeten in der Endabrechnung auf Rang neun. Ihre 70,487  Prozent reichten also noch für eine Top 10-Platzierung. Damit ist Helen Erbe aber trotzdem nicht mehr in der Kürentscheidung am Sonntag mit von der Partie. Hier dürfen nur jeweils drei Reiterinnen pro Nation an den Start gehen.

Die Ergebnisse finden Sie hier.