Weltcupfinale Dressur: Charlotte Dujardin Weltcupsiegerin, Langehanenberg Zweite

Charlotte Dujardin (GBR) und Valegro

(© Pauline von Hardenberg)

Es war spannend, aber dann doch deutlich. Mit einer nahezu fehlerfrei vorgetragenen neuen Kür hat die Britin Charlotte Dujardin mit Valegro das Finale im Weltcup der Dressurreiter gewonnen. Helen Langehanenberg wurde mit Damon Hill Zweite, vor dem Niederländer Edward Gal und Undercover.

Sie waren heute eindeutig die besten: Charlotte Dujardin (GBR) und Valegro haben mit Abstand das Finale im Weltcup gewonnen. 92,179 Prozent standen zu Buche. Das Erfolgrezept: neue Kür, neues Glück. Höherer Schwierigkeitsgrad und neue Choreographie. Filmmusik hat die Weltranglistenerste sich ausgesucht, alles aus einem Guss. Bei der Olympiakür hätten einige Menschen gefunden, es seien zu viele verschiedene Titel zusammengeschnitten gewesen, verriet Carl Hester, Charlottes Trainer, im Vorfeld. Die Wahl ist auf einen 3D-Film gefallen, in dem ein kleiner Wikingerjunge sich im Drachenzähmen übt. How to Train your Dragon, auf deutsch Drachenzähmen leicht gemacht ist ein Film mit viel irischer Flöte. Die ertönt zur Passage beim Einreiten und kommt immer wieder. Aber es gibt auch reichlich monumentale Orchesterklänge, prägnante Bläsersätze aber immer wieder mogelt sich die keltische Flöte dazu. Plötzlich einsetzende Trommeln signalisieren: Achung, Piaffe! Der Clou: Eine Passage-Traversale nach rechts, beim Erreichen der Mittellinie eine Piaffe mit 180 Grad Drehung, daraus wieder in die Passage. Valegros Schritt war in beiden Tempi, versammelt und stark, sicher im Takt. Ein Huf Übertritt, mehr ist nicht drin. Im Galopp geht es im starken Tempo auf der Mittellinie bis vor die Richter, dort setzen Streicher ein, Zeit für eine doppelte Pirouette, daraus dann 16 Einerwechsel, eine weitere nette Idee: erst die Einerwechsel und danach erst später Zweierwechsel. Dazu gibt es das volle Programm: Chorgesänge, Streicher, großes Kino. Am Ende eine Piaffepirouette mit zwei Richtungswechseln, derart zentriert und präzise, wie man es ganz selten sieht.
An diesem Ritt kam auch Helen Langehanenberg nicht vorbei, zumal ihr mehrere kleine Fehler unterliefen. Der Hengst kam in die Arena passagiert, wie kein anderes Pferd. Aber heute war der Wurm drin, nicht der ganz große, sondern viele kleine Würmchen. Schon zum Auftakt ein Missverständnis vor der ersten Piaffe, aber daraus gleich ein toller starker Trab. Da haben wir nicht zusammengefunden, ich weiß aber nicht warum. Präzise Übergänge von Passage und versammelten Trab, immer exakt zur Musik. In Sachen Grundgangarten ist der Donnerhall-Sohn allen anderen überlegen, da pendelt der Schweif auch im Moment maximaler Schwungentfaltung. Nach der kräftezehrenden Passage zeigt der Westfale einen starken Schritt in perfekter Losgelassenheit mit viel Raumgriff und Fleiß, sehr gut auch der versammelte Schritt. Leider springt Damon Hill den ersten der fliegenden Wechsel von Sprung zu Sprung nicht ganz durch, und beim Übergang in die abschließende Passage Tour hakt es nochmal. Unterm Strich zeigte Damon Hill heute einige Lektionen so gut wie nie zuvor, und andere klappten eben nicht so wie gewünscht. Helen Langehanenberg zeigte sich gewohnt kämpferisch. Ich werde nicht aufgeben. Wir haben lange keine Fehler mehr gemacht, heute aber schon. Gut, wir sind eben beide auch nur Menschen. Und die bekamen 87,339 Prozent für ihren Ritt auf Platz zwei.
Edward Gal (NED) zeigte seinen Undercover v. Ferro heute deutlich entspannter. Er sei aber immer noch recht aufgeregt gewesen, sagte der Drittplatzierte nach der Prüfung. Das Programm beginnt mit den Lektionen, die der Rappe am besten kann: Passagen und Piaffe werden begleitet nicht von Pauken und Trompeten, sondern mit Trommeln und Streichern. Im starken Trab fehlt Dehnung im Hals. Aber in den Piaffen, teilweise mit 90-Grad-Wendungen ist ein Tritt wie der andere. Der Niederländer ist immer perfekt im Einklang mit der Musik. Nach dem starken Galopp ertönt eine Sopranistin, es folgen doppelte Pirouetten und bombastische Klänge zu den Zweierwechseln. Die Einer- und Zweierwechseln legt Gal zunächst wie einfache Schlangenlinien an, reitet dann geradeaus auf der Mittelinie weiter. Einmal gibt es Fehler in den Einerwechseln, in der Wiederholung gelingen sie, kurz vor Schluss rutscht der rechte Kandarenzügel aus der Hand. Aber nichts passiert. 83,696 Prozent
Hier regiert die E-Gitarre der späten 1960-er Jahre! Zu der Rockoper Tommy von The Who hat sich die Schwedin Tinne Vilhelmson-Silfven (SWE) für ihren Hannoveraner Don Auriello v. Don Davidoff von dem Niederländer Cees Slings (auch Laura Bechtolsheimer u.a.) eine Kür zusammenschneidern lassen. Die Trabelemente gelingen alle gut im Takt, etwa die Piaffen mit Richtungswechseln, die Passagen auch im Seitwärts. Im Schritt dann See me, feel me, touch me. Doppelte Pirouetten auf der Mittellinie, dazwischen sichere Einerwechsel zu akustischer Gitarre, Platz vier 80,946