Dressurmannschaft: Silber für deutsche Reiterinnen

Mädels

(© Julia Rau)

„Wir haben nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen“ sagte Helen Langehanenberg. „Wir sind sehr stolz“. Recht hatte sie, die Briten freuten sich über Gold, die Niederländern nahmen Bronze mit nach Hause.

Überzeugend haben die britischen Dressurreiter in London die Mannschaftsgoldmedaille gewonnen Mit 79,979 Prozentpunkten setzen sich Carl Hester auf Uthopia, Laura Bechtolsheimer auf Mistral Horjis und Charlotte Dujardin auf Valegro vor die deutschen Reiterinnen Dorothee Schneider auf Diva Royal, Kristina Sprehe auf Desparados und Helen Langehanenberg auf Damon Hill mit 78,216 Prozent, Bronze ging an die Niederlande (78,216). Erstmalig wurden die Noten vom Grand Prix und vom Grand Prix Special zusammengezählt. Mit dem Olympiagold haben die jahrzehntelang das Dressurviereck beherrschenden Deutschen auch den letzten internationalen Titel abgeben müssen, Weltmeister sind die Niederländer, Europameister die Briten. Aber das war gestern kein Grund zum Trübsal blasen. Ein junges Team war in London angetreten, ohne Olympiaerfahrung, brillante Reiterinnen mit talentierten Pferden, die hochklassige Ritte ablieferten. Wir haben nicht Gold verloren, wir haben Silber gewonnen. Wir haben einen guten Job gemacht und sind stolz auf das Ergebnis., sagte Helen Langehanenberg. Dazu hatten sie allen Grund.

Die brave Diva Royal von Dorothee Schneider, deren internationale Karriere quasi erst vor einem Jahr begonnen hat, ging losgelassen, aufmerksam und gehorsam. Sie ließ sich nicht den allerkleinsten Fehler zuschulden kommen. Die Stute hat es mir so leicht gemacht, , sagte die Ausbilderin aus Framersheim, der Druck war weg, ich wollte jetzt nur noch in die Kür kommen. Das ist gelungen, alle drei deutschen Teamreiterinnen sind auch für das Einzelfinale, die Musikkür am Donnerstag, qualifiziert, Schneider liegt auf Platz sechs (77,571, Langehanenberg auf Rang vier (78,937) und Sprehe auf Platz sieben (76,254), exakt punktgleich mit dem besten US-Reiter Steffen Peters und Ravel. Nur Anabel Balkenhol wird am Donnerstag nicht mehr dabei sein, sie erhielt 73,032 Punkte für einen sauberen schwungvollen Ritt, der durch den etwas hastigen Schritt gemindert wurde. Ich war sehr sehr zufrieden mit meinem Pferd, sagte sie. Mit meinen Noten weniger. Für mich war es kein gutes Turnier. Sie rangierte am Ende auf Platz 19, nur die 18 Besten kommen in die Kür, aber nur maximal drei Reiter pro Nation.

Der Rapphengst Desperados von Kristina Sprehe legte bei einer ansonsten sehr ausdrucksvollen und harmonischen Vorstellung einen unplanmäßigen Bocksprung in der Passage ein. Das war teuer, sagte die 26-jährige Studentin aus Dinklage, das hat mich schon geärgert. Nach diesem Ritt war eigentlich klar, dass der Vorsprung der Briten aus dem Grand Prix nicht mehr einzuholen war.

Einmal zeigte auch Damon Hill von Helen Langenhanenberg, dass Dressurpferde keine Maschinen sind. Nach einer Piaffe hüpfte er nach vorne, war dann aber gleich wieder bei der Sache. Beide Hengste bekommen nach den Spielen ein Pause, beziehungsweise werden ihren Pflichten in der Zucht nachkommen. Auf die Frage, ob das Gold mit Totilas und Matthias Rath womöglich hätte gerettet werden können, sagte Equipechef Klaus Roeser diplomatisch: Wir haben gute Reiter hier und auch gute Reiter zuhause. Es ist nicht meine Aufgabe zu spekulieren.

Die Medaille für die britischen Dressurreiter, Nummer 20 für das britische Olympiateam und die erste olympische Dressurmedaille, kam nicht überraschend, nachdem die Briten 2011 bereits überzeugend in Rotterdam Europameister geworden waren. Für den 45-jährigen Carl Hester, die Säule des Teams, waren es die vierten olympischen Spiele. Das Pferd, mit dem Hester im olympischen Viereck von Greenwich Mannschaftsgold gewann und womöglich am Donnerstag auch eine Einzelmedaille, ist der niederländische Hengst Uthopia. Mit einem sehr schwungvollen ausdrucksstarken Ritt, bei dem wie schon im Grand Prix die Trabverstärkungen imponierten, aber auch die Piaffen etwas matt ausfielen, lag Hester im Special auf Rang drei. Charlotte Dujardin brillierte als Tagesbeste, Valegro in besserem, weiteren Rahmen als im Grand Prix, Piaffen, Passagen und Übergänge wie ein Uhrwerk sie geht als hohe Favoritin in den Einzelwettbewerb, bei dem alle Reiter wieder bei Null anfangen.

Hinter ihr platzierte sich die besten Niederländerin Adelinde Cornelissen mit Parzival (81,968 Prozent) auf Platz zwei, mit einer kraftvollen, energischen und schwungvollen Vorstellung. Helen Langehanenberg, deren Damon Hill häufiger als Maul aufmachte und in den ersten beiden Piaffen deutlich nach vorne ging, ansonsten übers Viereck flog und auch die Galoppwechsel ohne Fehler sprang, liegt auf Platz vier vor Laura Bechtolsheimer mit dem 17-jährigen Mistral Horjis, bei dem Fehler in den Einerwechseln auf die Noten drückte.

Platz vier ging mit deutlichem Abstand an die Dänen, denen im Vorfeld auch eine Medaille zugetraut worden war, wie in Hongkong, als sie Bronze gewannen. Das beste Ergebnis erreichte Nathalie zu Sayn Wittgenstein mit dem selbstgezogenen Digby (75,730), auch Anna Kasparzak mit dem früher von Christoph Koschel gerittenen Donnperignon zeigten ansprechende Ritte, aber die Piaffen bleiben ein Problem. Schweden (72,706), USA (72,435) und Spanien (72,287) folgen dicht auf den nächsten Plätzen.

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