Deutsche Vierspännerfahrer werden Dritte in Aachen, Ijsbrand Chardon siegt

CHIO Aachen-schwartz

Kos de Ronde aus dem niederländischen Team, das im Fahren den Nationenpreis in Aachen gewonnen hat. (© CHIO Aachen/Steinle)

Strahlendes Sommerwetter, spannender Fahrsport auf höchstem Niveau und wie immer ein fachkundiges Publikum bei der letzten Entscheidung auf dem Fahrviereck in der Soers waren die perfekten Rahmenbedingungen für einen höchst unterhaltsamen Sonntagvormittag, an dem Pferde und Fahrer glänzen konnten.

Am Ende wurde es noch eng für die deutsche Mannschaft beim Nationenpreis der Vierspännerfahrer in Aachen. Beim abschließenden Kegelfahren sicherte Mareike Harm immerhin den dritten Platz (352,52 Punkte) hinter den Belgiern (346,44) und den siegreichen Niederländern (315,98). Mit 170,57 Punkten in der Einzelwertung fuhr Mannschaftseuropameisterin Mareike Harm zugleich ihre beste Platzierung in der Kombinierten Wertung der Vierspänner in Aachen ein (170,54).

Der Sieg des Niederländers Ijsbrand Chardon (164,00) in der Kombinierten Wertung war keine Überraschung. Selbst einen Abwurf konnte er sich locker leisten, zu groß war sein Vorsprung nach Dressur und Marathon. Damit steht sein Name nunmehr zum zwölften Mal auf der Siegertafel in der Aachener Soers. Im Jubeln hat der Mannschafts-Europameister also schon Übung, seine und die Freude seiner Fans nach dem Sieg war dennoch wie beim ersten Sieg.

Übermächtige Vierspännerfahrer aus den Niederlanden

Mannschaftskamerad Koos de Ronde sicherte sich den zweiten Platz (167,17), er bewies mit einer strafpunktfreien Runde im Kegelparcours seine derzeit gute Form und trug damit bei zum respektablen Vorsprung der niederländischen Mannschaft. Dritter Fahrer im niederländischen Team war Bram Chardon, Sohn des Siegers und amtierender Europameister, Siebter in der Endabrechnung (175,63).

Auf einem ungewohnten dritten Platz in der Einzelwertung reihte sich der Australier Boyd Exell ein, konnte sich aber immerhin noch mit einer strafpunktfreien Runde im Kegelparcours vom vierten auf den dritten Platz schieben (167,96), hauchdünn hinter Koos des Ronde. Schon neunmal stand der Australier in dieser traditionsreichen Prüfung in Aachen vorn. Dieses Mal musste er sich aufgrund seiner wenig gelungenen Geländefahrt mit Platz drei abfinden. Der fünffache Weltmeister der Vierspännerfahrer stellte im Kegelparcours erneut seine Fahrkunst unter Beweis und fuhr mit einer gelungenen Runde vor Mareike Harm, die einen Abwurf kassierte. Dennoch eine ganz starke Leistung der Holsteinerin, die in den letzten Wochen in allen drei Disziplinen in guter Form fährt.

Unsichere Pferde in von Steins Gespann

Den zweiten Platz nach Dressur und Gelände wollten die deutschen Vierspännerfahrer unbedingt verteidigen, aber schon die Fahrt des ersten Fahrers für das Team, Georg von Stein, verlief alles andere als wunschgemäß. Der Pferdewirtschaftsmeister aus Hessen kassierte 10,08 Strafpunkte für Abwürfe und Zeitüberschreitung in dem von Parcourschef Dr. Wolfgang Asendorf anspruchsvoll gebauten Kurs. „Aufgrund der eng bemessenen Zeit musste man von Beginn an ein hohes Tempo fahren, das ist mit meinem jetzigen Gespann noch nicht so einfach. Ich habe zwei junge Pferde dabei, die sehr ehrgeizig sind und sich aus hohem Tempo noch nicht immer so sicher zurücknehmen lassen wie das hier erforderlich ist. Sie haben ganz viel Perspektive, aber die absolute Sicherheit fehlt noch“, bedauert er sein Ergebnis.

Noch schlechter erging es Michael Brauchle, auch er von Hause aus ein sicherer Kegelfahrer. Ihm fehlt in erster Linie seine Stute Carola, sein absolutes Verlasspferd. Carola war Anfang des Jahres verletzt, ist aktuell auch wieder im Training, eine so anspruchsvolle Prüfung wie in Aachen ist ihr jedoch noch nicht wieder zumutbar. Und sein erfahrener Wallach Hennessy, der in Budapest zu dem Gewinn der Mannschafts-Silbermedaille bei der Europameisterschaft beigetragen hat, ist ebenfalls angeschlagen, konnte die Reise nach Aachen nicht antreten. Deshalb musste in der Soers der noch recht unerfahrene Smiley antreten. Schon nach der Geländefahrt äußerte sich Brauchle recht sparsam über Smileys Einsatz, bezeichnete ihn als „nett“, im Kegelparcours war es nicht anders. 13,39 Strafpunkte sammelte der Schmied aus Schwaben, Streichergebnis in dieser Disziplin. Nach diesen enttäuschenden Ergebnissen im Kegelparcours war nicht nur Equipechef René Poensgen am Ende froh, dass es für das Team noch zum dritten Platz gereicht hat.

Belgier fahren auf Platz zwei

Das junge, ehrgeizige belgische Team belegte den zweiten Platz vor allem aufgrund der besseren Ergebnisse im Kegelfahren. Mit Glenn Geerts, Dries Degrieck und Tom Stakmans haben unsere Nachbarn drei ehrgeizige junge Männer am Start, die in allen drei Disziplinen nach vorn fahren können.

Die acht besten Fahrer aus dem Umlauf fahren in Aachen in einer Winning Round um den Sieg im Kegelfahren. Das Ergebnis zählt nicht für den Nationenpreis oder die Einzelwertung, wird aber extra dotiert. Der Schnellste in der Siegerrunde war der Tscheche Jiri Nesvacil, der sein prachtvollen Kladruber Schimmelhengst-Gespann in sensationellen 68,95 Sekunden zum Sieg steuerte.

„Das ist nichts für meine Nerven“, seufzte der erstmalig als Equipechef agierende René Poensgen nach Beendigung dieses spannenden Wettkampfs und war erleichtert, dass es noch zu Platz drei gereicht hat.