Aachen: Killer Queen greift an, klassischer Sieg für Daniel Deußer

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Daniel Deußer und Killer Queen beim CHIO Aachen 2019. (© von Korff)

Der Name von Daniel Deußer wird nun auf der großen Tafel neben dem Einritt in der Aachener Soers verewigt. Wer da steht, der hat es geschafft im Springsport. Dort sind alle Sieger im Großen Preis von Aachen seit 1949 eingraviert und neben Medaillen und Siegprämien träumte Deußer wie jeder Springreiter davon, einmal dort zu stehen.

Mit einer schnellen, sicheren und souveränen Runde hat der Weltranglisten-Erste Daniel Deußer (40) auf der elfjährigen Killer Queen v. Eldorado-For Pleasure (BWP) in Aachen den Rolex Grand Prix  gewonnen, damit die Siegerprämie von 330.000 Euro und die Chance, beim nächsten Grand Slam-Turnier im Dezember in Genf die Sonderprämie von weiteren 500.000 Euro draufzupacken.

Nur ein Deutscher in Aachen im Stechen

Deußer war der einzige Deutsche unter den sieben Reitern, die das Stechen nach zwei fehlerfreien Umläufen erreicht hatten. Er hatte eine schwierige Startposition, nämlich die Nummer eins. „Da weiß man nicht, was man machen soll,“ sagte er, „man weiß, dass noch schnelle Paare kommen, man will aber auch keinen Fehler machen und zu viel riskieren. Man kann nicht sehen, wie die anderen Reiter die Distanzen nehmen. Aber ich glaube, das war heute für mich ganz gut.“

Eher ruhig sah der Ritt aus, aber Deußer steuerte seine Stute Killer Queen geschickt auf kurzen Wegen über den Kurs. 41,85 Sekunden standen am Ende für den abwurffreien Ritt zu Buche. Die Zeit wurde zwar vom Olympiasieger Ben Maher aus Großbritannien auf Explosion unterboten (4/40,67), aber der Fuchs nahm eine Stange mit, das war am Ende Platz vier. Auch der zweite Brite, Scott Brash, auf Hello Jefferson, der wegen einer Verletzung das olympische Turnier hatte vorzeitig abbrechen müssen, versuchte sein Glück mit Mut zum Risiko. Doch nach einem Abwurf nahm er sein Pferd zurück, wurde am Ende mit einem Abwurf und 44,03 Sekunden Sechster.

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Zwischen die beiden Briten schob sich die versierte US-Amazone Laura Kraut mit dem elfjährigen Hannoveraner Wallach Baloutine v. Balou du Rouet auf Platz fünf. Die Zeit hätte gereicht (41,09), aber auch bei den Mannschafts-Silbermedaillengewinnern der Olympischen Spiele in Tokio fiel eine Stange.

„Mein Pferd ist die ganze Woche phantastisch gesprungen“, sagte Deußer. Hatte er in Tokio mit einer Verweigerung im Mannschaftsspringen noch eine enttäuschende Niederlage hinnehmen müssen, so flog Killer Queen in Aachen über alles, was man ihr vorsetzte, war ja bereits als einziges deutsches Pferd im Nationenpreis ohne Abwurf in beiden Umläufen eine Klasse für sich.

Überraschender Zweiter wurde das US-amerikanische „Wunderkind“, der erst 20-jährige Brian Moggre auf Balou du Reventon, mütterlicherseits ein Halbbruder zum Hengst Balou du Rouet aus der Zucht von Paul Schockemöhle. Der Texaner hatte bereits im Nationenpreis mit zwei Nullrunden geglänzt und sich auch gestern keinen Abwurf zuschulden kommen lassen. Aber seine Zeit (0/42,16) reichte nicht ganz an die von Deußer heran. Immerhin nimmt er einen Scheck von 200.000 Euro mit nach Hause. „Ich bin außer mir vor Freude. Ich habe davon geträumt, in Aachen zu starten seit ich ein kleiner Junge war. Ich habe es mir immer im Fernsehen angeschaut. Balou hat es für mich nicht nur zu einer positiven Erfahrung gemacht, es war eine unglaubliche Erfahrung“, fasst der 20-Jährige seine Traumrunden in der Soers zusammen.

Dritter wurde der Belgier Gregory Wathelet auf Nevados (0/42,83), das gab 150.000 Euro. Er hatte den Großen Preis von Aachen 2017 gewonnen.

Kein Grand Slam für Steve Guerdat

Der Schweizer Steve Guerdat musste die Träume von der Zusatzprämie im zweiten Umlauf  an einem Steilsprung begraben. Erst eine Woche zuvor hatte er mit dem zwölfjährigen Wallach Venard de Cerisy die Grand Slam-Prüfung in Calgary, Spruce Meadows, gewonnen. Innerhalb von neun Tagen  zwei der schwersten Springen der Welt – das ist sehr viel verlangt von einem Pferd.

Nicht glücklich lief es bei den  zehn anderen deutschen Reitern, die sich für den Großen Preis qualifiziert hatten. Gerrit Nieberg haute auf dem neunjährigen Westfalen Ben v. Sylvain nach einem glänzenden Nullfehlerritt im ersten Umlauf im zweiten gleich das erste Hindernis um (4/70,33, Platz neun). Der EM-Vierte Christian Kukuk  auf Mumbai v. Diamant de Semilly wurde mit je einem Abwurf pro Umlauf 12. Als der 22-jährige Philipp Schulze-Topphoff auf der Congress-Tochter Concordess (Westf.) die erste Runde fehlerfrei blieb, lag eine kleine Sensation in der Luft, dann wurden es im zweiten Umlauf doch acht Fehler (13.).

Clintrexos Einbruch in Runde zwei

Die Erwartungen seines Reiters Christian Ahlmann und wohl auch des Bundestrainers Otto Becker enttäuschte der 13-jährige Clintrexo Z v. Clintissimo, der nach einer Nullrunde im ersten Umlauf mit vier Abwürfen aus dem zweiten kam. Vielleicht hat der Schimmel doch nicht die Qualität für ein Championatspferd, ohne die auch der beste Reiter keine Wunder vollbringen kann.

Parcourschef Frank Rothenberger schenkte den Reitern nichts, beide Parcours waren sehr schwer und bis nachts um drei hatte er noch am Stechen gebastelt, weil ihm die Linienführung auf einmal nicht mehr gefiel. „Das hast du gut gemacht“, lobte Daniel Deußer, „jedenfalls für mich.“

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