Großer Preis von Aachen 2017 an Belgier Gregory Wathelet, Kreuzer bester Deutscher

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Der Belgier Gregory Wathelet und seine elfjährige Cornet Obolensky-Tochter Coree gewinnen den Großen Preis von Aachen 2017 (© Pauline von Hardenberg)

Der 37-jährige Belgier Gregory Wathelet hat auf der elfjährigen westfälischen Stute Corée den Großen Preis von Aachen gewonnen. Vier Reiter hatten das Stechen erreicht. Shooting Star Laura Klaphake wurde als zweitbeste Deutsche 13.

Mit dem schnellsten fehlerfreien Ritt im Stechen in 46,60 Sekunden hat Gregory Wathelet den Großen Preis von Aachen und damit 330.000 Euro Preisgeld gewonnen. Zweite wurde die für Portugal reitende, in Deutschland lebende Luziana Diniz (47) auf der 13-jährigen Hannoveraner Stute Fit for Fun (0/47,40). Deutlich langsamer im Stechen war der Dritte, der Niederländer Marc Houtzager auf Calimero (0/53,66). Patz vier bleib für die US-Reiterin Laura Kraut auf der zehnjährigen Holsteiner Stute Zeremonie (4/48,01). Sie wurde auf dem Abreiteplatz unterstützt von ihrem Lebensgefährten, dem britischen Olympiasieger Nick Skelton, der vor vier Jahren hier gewonnen hatte und sich im Frühjahr aus dem Sport verabschiedet hatte.

„Mein Pferd kann alles springen, ich musste auf volles Risiko gehen, denn Luciana war sehr schnell,“ sagte Wathelet nach seinem Ritt. „Gregory hat sich heute nicht als Gentleman erwiesen“, fand Diniz, „ich war kurz davor dass ein ganz großer Traum von mir wahr wurde.“ Houtzager erklärte seine ungewohnt ruhige Stechrunde: „Eigentlich kann ich schneller reiten, aber wegen des Bodens wollte ich zum Mercedes Benz-Oxer nicht zu eng wenden.“

 


SPRINGHIGHLIGHTS CHIO AACHEN 2017

Preis von Europa an Eric Lamaze
Deutsche Equipe siegt im Nationenpreis
Preis von NRW an Nummer Eins der Welt aus USA
Maurice Tebbel siegt bei den Jungen, Christian Ahlmann bei den „Alten“
Noch mehr Aachen in der August Ausgabe des St.GEORG, im Handel ab 3. August oder hier im Shop.


Die Deutschen erwiesen sich als allzu gute Gastgeber und hatten mit der Entscheidung nichts mehr zu tun. Bester Deutscher auf Platz fünf war Andreas Kreuzer mit dem zehnjährigen Hengst Calvilot v. Calvaro Z, der beide Umläufe mit je einem Zeitfehler beendete und deswegen nicht am Stechen teilnehmen konnte. „Im ersten Umlauf habe ich mich tierisch geärgert“, sagte er, „aber im zweiten habe ich den Zeitfehler in Kauf genommen, um auf jeden Fall Null zu bleiben.“

Pauline von Hardenberg

Mit der Zeit im Nacken ritt Andreas Kreuzer groß zum letzten Hindernis im ersten Umlauf, Calvilot sprang beherzt ab. Die athletische Meisterleistung hat sich gelohnt: Bestes deutsches Paar, Platz fünf (© Pauline von Hardenberg)

Starkes Debüt für Laura Klaphake

Als zweitbeste Deutsche auf Platz 13 konnte Laura Klaphake mit ihrem Aachen-Debüt auf Catch me if you can sehr zufrieden sein. Obwohl noch mehr drin gewesen wäre. Sie war bis dahin in allen Springen im Umlauf ohne Abwurf geblieben, hatte nur zweimal im Stechen gepatzt. Ausgerechnet im Großen Preis an einem auf einen Galoppsprung weniger auf groß angerittenen Oxer fielen die Stangen erneut. „Das war sehr ärgerlich“, sagte sie, „aber ich bin doch glücklich, wie gut es alles in allem hier für mich gelaufen ist.“

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Laura Klaphake und Catch me if you Can wurden 13. beim Debüt im Großen Preis von Aachen. (© Pauline von Hardenberg)

Unterm Strich gestaltete sich der Große Preis für das siegreiche deutsche Nationenpreisteam von Donnerstag desaströs. Nur Marcus Ehning mit Pret A Tout konnte sich für den zweiten Umlauf qualifizieren, verbaute sich aber mit einem weiteren Abwurf am letzten Oxer die Chance auf einen vorderen Platz und wurde am Ende 15.

Vorjahrssieger Philipp Weishaupt kam mit drei Abwürfen seines Hengstes Convall aus dem Kurs. Noch schlimmer traf es den Jungstar dieser Aachen-Woche, den 23-jährigen Maurice Tebbel, der bis dahin nur geglänzt hatte, vor allem mit zwei Nullrunden im Nationenpreis, aber auch in den anderen Prüfungen. In der Dreifachen patzte der zehnjährige Hengst Chacco’s Son am Einsprung, knickte nach dem zweiten vorne ein und konnte nicht mehr abspringen. Tebbel gab auf, hatte sich zuvor vergewissert, dass sein Pferd unverletzt war.

Pauline von Hardenberg

Da sah noch alles gut aus: Maurice Tebbel und Chacco’s Son hatten wenig später in der Dreifachen Kombination eine Verweigerung. (© Pauline von Hardenberg)

Kaum besser erging es Ludger Beerbaum auf Chiara, am Mittwoch noch knapp geschlagener Zweiter im Preis von Europa. Die Schimmelstute erschien lustlos und ließ keinerlei Ehrgeiz erkennen, die Stangen liegen zu lassen, sodass Beerbaum nach drei Abwürfen aufgab. Trotz eines Abwurfs in beiden Umläufen konnte Meredith Michaels-Beerbaum mit Daisy sehr zufrieden sein. Die erst neunjährige Stute hat noch sehr wenig Erfahrung und schlug sich mehr als wacker. Im ersten Umlauf verlor sie ein Eisen, im zweiten kam sie an ein Hindernis ein bisschen zu dicht, aber unterm Strich konnte die sie feststellen: „Sie hat auch nach dem Fehler weitergekämpft und nicht aufgegeben, das sagt schon sehr viel.“ Platz 17 war besser, als er klingt, denn dafür war die Zeit des zweiten Umlaufs ausschlaggebend, und die meisten Reiter legten erst nach einem Abwurf im Tempo zu, um noch möglichst viel von dem Preisgeld von einer Million Euro mitzubekommen. Die Mannschaftsdritte von Rio, deren Olympiapferd Fibonacci bekanntlich verkauft ist, kann nun mit Daisy weiter ihre sportliche Zukunft planen.

Für Bundestrainer Otto Becker, der nach dem siegreichen Nationenpreis noch voller Optimismus auf einen gelungenen Generationswechsel hoffen konnte, ist die Auswahl für die Europameisterschaft in Göteborg nun ein schwere Aufgabe geworden. Die Entscheidung soll diesmal so spät wie möglich getroffen werden, erst kurz vor dem endgültigen Nennungsschluss in zwei Wochen.

Neuer Modus im Rolex Grand Slam

Mit der 2017-er Auflage des Großen Preis von Aachen gilt ein neues Reglement im „Rolex Grand Slam of Showjumping“. Zu den bisherigen Stationen dieser wertvollen Serie im internationalen Springsport, Aachen, Calgary und Genf, ist eine vierte hinzugekommen, ‘s-Hertogenbosch in den Niederlanden. Gewinnt ein Reiter drei dieser Turniere in Folge, so wie es dem Briten Scott Brash 2015 gelungen ist, sind ihnm eine Million Euro als Extrabonus zu den üppigen Siegprämien, die es bei diesen Klassikern des Springsports zu gewinnen gibt, sicher. Sollte ein Reiter das Unvorstellbare schaffen und sogar alle vier Springen in Folge gewinnen, hat er nicht nur die Million für die Triple Crown in der Tasche, sondern wird mit einer weiteren Million Euro belohnt. Gregory Wathelet ist nun der erste, der dieses Unterfangen angehen kann. Deswegen ist er nun auch nicht mehr sicher, wie seine weitere Turnierplanung aussehen soll. „Eigentlich sollte Coree bei den Europameisterschaften gehen, vielleicht müssen wir das jetzt neu besprechen“, sagte der 37-Jährige bei der Pressekonferenz zum Abschluss des CHIO Aachen. Mehr als 357.000 Zuschauer kamen an den zehn Turniertagen in die Aachener Soers.

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