CHIO Aachen 2017: Nationenpreissieg für deutsches Team

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Nationenpreissieg für das deutsche Team beim CHIO Aachen 2017 (© www.paulinevonhardenberg.com)

Ein Geburtstagsständchen für Philipp Weishaupt, gesungen von 40.000 Zuschauern, der zweite Nationenpreissieg beim CHIO Aachen für Otto Becker als Bundestrainer in Folge, der 28. Sieg einer deutschen Springreitermannschaft in der Soers – das war einmal ein Tag, an dem keine Wünsche offen blieben. Zumindest nicht aus Sicht der Gastgeber.

Mit dem Idealergebnis von null Fehlerpunkten deklassierten die deutschen Reiter die Konkurrenten aus sieben Nationen. Zweite wurden gemeinsam die Schweiz und die Reiter aus USA mit je acht Punkten. Marcus Ehning auf Pret a Tout, Maurice Tebbel auf Chacco’s Son und Philipp Weishaupt auf Convall gelangen doppelte Nullrunden, Marco Kutscher auf Clenur lieferte in beiden Umläufen das Streichergebnis. „Heute konnte ich nicht soviel zum Sieg beitragen und deswegen geht ein dickes Dankeschön an meine Kollegen“ sagte er. Für ihn und alle anderen überraschend zog der elfjährige Oldenburger Clenur im ersten Umlauf vor dem offenen Wassergraben die Bremse. Mit Zeitfehlern addierte sich das Ergebnis auf 12 Minuspunkte. „Ich habe es erst drei Galoppsprünge vorher gemerkt, nämlich als er stand“, sagte Kutscher. Clenur sei allein in dieser Saison siebenmal problemlos über einen offenen Graben gesprungen, davon fünfmal auf Rasen wie in Aachen. Tatsächlich war der vier Meter breite Wassergraben eines der trickreichsten Hindernisse im fast 600 Meter langen Kurs von Frank Rothenberger, schwer anzureiten aus einer Linkswendung ohne vorgegebene Distanz. „Vielleicht habe ich die Wendung zu eng genommen“, mutmaßte Kutscher. Im zweiten Umlauf fiel der Einsprung der Dreifachen, den Wassergraben überwand Clenur souverän.

Marcus Ehning liebt Wiederholungen beim CHIO Aachen

Marcus Ehning oblag es, als erster deutscher Reiter für einen guten Auftakt zu sorgen. „Ich bin der einzige aus dem Team vom vergangenen Jahr, der mit demselben Pferd wieder dabei ist“, sagte er.

Eigentlich schade, dass Ludger nicht mehr dabei ist

Marcus Ehning zu seiner neuen Rolle als Ältester in der Equipe

Der 53-jährige Ludger Beerbaum hat sich nach den Olympischen Spielen in Rio bekanntlich aus der Nationalmannschaft zurückgezogen. Von der Tribüne aus ging er mit seinem Angestellten Philipp Weishaupt die ersten Ritte durch. Er hat ihm wohl das Richtige geraten, denn Weishaupt, der Sieger im Großen Preis von Aachen 2016, hatte mit dem bildschönen zehnjährigen Holsteiner Schimmel Convall v. Colman-Cascavelle in beiden Umläufen keinerlei Probleme.

Überflieger: Maurice Tebbel und Chacco’s Son

Die größte Freude für Bundestrainer Otto Becker jedoch war das fabelhafte Abschneiden des 23-jährigen Maurice Tebbel auf dem zehnjährigen Westfalenhengst Chacco’s Son v. Chacco Blue (der ja selbst einmal im Großen Preis von Aachen recht weit vorn stand). Nervenstark und überlegen steuerte der Debütant im deutschen Aachen-Team den Braunen über den Kurs. Chacco’s Son übersprang sich ein paarmal. „Er legt einfach gerne einen deutlichen Abstand zwischen sich und die Stangen“, bemerkte Michael Rüping, Mitglied des Springausschusses. Maurice Tebbel selbst konnte sein Glück kaum fassen, riss nach Durchreiten der Ziellinie begeistert die Arme hoch, lobte sein Pferd überschwänglich. „Mein Vater hat Chacco’s Son als Fohlen gekauft, ich habe ihn von Anfang an geritten. Ich kann alles noch gar nicht realisieren, dafür gibt es keine Worte.“ Seine Feuertaufe hat er jedenfalls bestanden, einer Nominierung fürs Europameisterschaftsteam in Göteborg ist der Sohn des internationalen Springreiters René Tebbel einen Riesenschritt näher gekommen. Und Otto Becker kann für sich verbuchen, die Verjüngung des Teams erfolgreich eingeleitet zu haben.

Zwei Equipen gemeinsam auf Platz

Nicht so rund lief es für die anderen. Die hochfavorisierten US-Reiter konnten erst im zweiten Umlauf zu erwarteter Form finden, je zwei Abwürfe von Beezie Madden auf Coach und dem Weltranglistenersten Kent Farrington auf Gazelle in der ersten Runde verbauten die Siegeschance. Im zweiten Umlauf blieben dann bis auf Madden alle abwurffrei, Weltcupsieger Mclain Ward und Laura Kraut gehörten zu den sieben Doppelnullern. Umgekehrt lief es bei den Schweizern, nach dem ersten Umlauf mit den Deutschen noch gleichauf auf Platz eins. Werner Muff auf Daimler und Schlussreiter Steve Guerdat auf Hannah blieben in beiden Runden abwurffrei, wobei Daimler jedes Mal über dem Wassergraben gefährlich ins Laufen kam. Nadja Peter Stein gelang bei ihrer Aachen-Premiere auf Saura de Fondcombe im ersten Umlauf eine Nullrunde, die sie aber nicht wiederholen konnte. Martin Fuchs mit Clooney blieb mit insgesamt drei Abwürfen unter gewohnter Form.

 


CHIO Programm, Springen Freitag, 21. Juli 

12.45 Uhr: Preis von Nordrhein-Westfalen

16.05 Uhr: Preis der Sparkasse, Jagdspringprüfung über Gräben und Wälle


Noch schlechter lief es in zweiten Umlauf für die Belgier, auch sie zunächst mit vorne. Peter Devos zog Dream of India zurück, sodass die 16 Fehler von Schlussreiter Gregory Wathelet voll zählten. Sein Pferd Eldorado mähte den letzten Steilsprung komplett nieder, aus unerfindlichen Gründen wurde er nicht abgeläutet. Bei dem groben Rumpler landete Wathelet heftig auf dem Hals bzw. Widerrist des Pferdes. Das tat, dem Gesichtsausdruck des Reiters nach zu schließen, richtig weh. Auch bei den Italienern blieben nach Ausscheiden des Piergorgio Bucci nach Verweigerungen von Casallo Z im zweiten Umlauf in der Dreifachen nur noch drei Reiter in der Wertung, Platz fünf mit 22 Fehlern.

Schlimmer kam es für die Briten. Der Fuchswallach Titus des ersten Starters Guy Williams hatte bereits vier Abwürfe auf dem Konto, als er sich am linken Vorderbein eine Sehne so stark zerrte, dass er auf dem Platz notversorgt und in eine Tierklinik gefahren werden musste. Eine Rückkehr des 17-Jährigen in den Sport ist schwer vorstellbar, auch wenn das ärztliche Bulletin eine Heilung in Aussicht stellte. Auch die anderen drei Reiter konnten nicht überzeugen, am wenigsten der Grand Slam-Sieger 2015 Scott Brash, der im zweiten Umlauf seine Stute Ursula mehrfach so unter den Sprung stellte, dass sie kaum Chance hatte, ihn zu überwinden und mit 16 Fehlern nachhause kam. Die Franzosen schließlich verabschiedeten sich vorzeitig aus der Wertung. Erst gab Philipp Rozier auf Rahotep de Toscane nach Verweigerung im ersten Umlauf auf. Als Cedric Angot mit Saxo de Cour gar nicht mehr antrat, war das Schicksal des Tricolore-Teams für diesmal besiegelt. Es waren andere dran gestern in der Soers und die Zuschauer fanden das ganz in Ordnung und jubelten ihren Reitern zu.

 

 

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