Erste Medaille für deutsche Para-Reiter

Michele George riding Best of 8

Gold für Michele George (BEL) auf Best of 8, für Deutschland wurde es Bronze (© FEI/Gregg)

Bei den Paralympics in Tokio sind die letzten Medaillen für die Para-Dressurreiter verteilt worden. Einen Podiumsplatz sicherte sich Regine Mispelkamp.

Nachdem die deutschen Para-Reiter in den ersten Olympiatagen gleich zweimal knapp an den Medaillen vorbeigeschrammt waren, hatte Regine Mispelkamp am letzten Tag das Glück auf ihrer Seite. Nach Platz vier in der Einzelwertung sicherte sich die zweifache Deutsche Meisterin in Grade V mit einer ausdrucksstarken Kür auf ihrem Dunkelfucks Highlander Delight’s die Bronzemedaille (76,82 Prozent) . „Lights hat sich so toll angefühlt und die Musik passte auf die Sekunde“, schwärmte Regine Mispelkamp nach ihrem Ritt. Dennoch gab es eine Schrecksekunde: „Nach dem starken Galopp bin ich durchpariert zum Trab und zu einer Volte abgebogen, da galoppierte er plötzlich los, war aber sofort wieder bei mir. Zum Glück, denn so klappte die Traversale einwandfrei und die zählt ja doppelt.“ Dass es mit einer Medaille geklappt hat, wurde ihr aber erst später bewusst. „Ich war gerade im Interview, da kam unser Bundestrainer Bernhard Fliegl und hat es mir gesagt. Wir sind uns erst einmal um den Hals gefallen und haben ein bisschen geweint“, sagte die 50-jährige Pferdewirtschaftsmeisterin, die an Multipler Sklerose erkrankt ist.

Gold ging mit 80,59 Prozent an die 47-jährige Belgierin Michele George. Bereits 2012 hat sie mit Rainman bei den Paralympics in London gewonnen. Ihr aktuelles Championatspferd Best of 8 fand sie im Stall von Isabell Werth. Ganz dicht auf den Fersen war ihr der Niederländer Frank Hosmar. Mit 80,24 Prozent sichert er sich mit seinem 16-jährigen Alphaville die Silbermedaille.

Erneut der undankbare Platz vier für Dresing (Grade II)
Bis zur letzten Starterin musste die bereits 66-jährige (!) Heidemarie Dresling um ihre Bronzemedaille zittern, denn mit 74,867 Prozent mischten sie und La Boum ganz vorne mit. Nur die 25-jährige Britin Georgia Wilson, die an Zerebralparese leidet, erzielte auf Sakura 76,754 Prozent und verdrängte als letzte Starterin somit die bis dahin drittplatzierte Dresing aus den Medaillenrängen. „Ein dritter Platz wäre durchaus möglich gewesen. Aber wenn man das nicht bringen kann, was man eigentlich drauf hat, wird man halt Vierter“, konstatierte Dresing. „Auf dem Vorbereitungsplatz ist sie einmal richtig im Galopp losgeschossen. Sie ist sehr geräuschempfindlich und hat sich erschrocken, als die Engländer lautstark ihr Pferd gelobt und abgeklatscht haben. Das Problem ist ja, dass wir in Grade II nur wenige Startmöglichkeiten haben, um solche Turniersituationen zu üben. Und hier ist die Atmosphäre mit den leeren Rängen natürlich noch eine ganz besondere. Auf jeden Fall haben wir hier sehr viel Erfahrung sammeln können. Und jetzt geht es eben weiter.“

Sechster Platz für Saskia Deutz (Grade IV)
An der niederländischen Titelverteidigerin Sanne Voets kam in Grade IV niemand vorbei. Voets hatte mit ihrem 13-jährigen Vivaldi-Sohn Demantur bereits die Einzelwertung gewonnen – und schließlich auch  die Kür. Die 34-Jährige, die mit einer Schwäche in den Gelenken und Beinen geboren wurde, ist mehrfache Welt-, Europa-, wie nun auch Olympiasiegerin. Die Silbermedaille nahm die Schwedin Louise Jakobsson mit in die Heimat. Im Sattel des zehnjährigen Goldstrike B.J erzielte sie 75,935 Prozent. Der Bronzerang war es am Ende mit 75,680 Prozent für die Einzel-Vizeeuropameisterin Manon Claeys. Gleich zwei Bronzemedaillen erkämpfte sich die 35-jährige Belgierin insgesamt bei ihren ersten Paralympics.
Auf dem sechsten Platz rangiert sich die Deutsche Saskia Deutz. Die 48-Jährige erzielte bei ihrem allerersten Championat 73,485 Prozent. Besonders in ihrer Galopptour mit fliegenden Wechseln zu dem Lied „Ain’t Nobody“ von Chaka Khan blühten sie und ihre Stute Soyala förmlich auf. „Es ist ein schmaler Grat, eine positive Grundspannung im Pferd zu haben und dass diese nicht umschlägt. Vielleicht habe ich ein bisschen zu viel gewollt und dann hat sie sich etwas gesucht, woran sie sich störte – ein Schatten am Boden und eine Fliege“, sagte die Ärztin von der Insel Rügen nach ihrem Ritt. „Ich habe zum Glück schnell zur Musik zurückgefunden, sie war dann schön vor meinen Hilfen und hatte viel Ausdruck. Aber es ist schon ärgerlich, wenn man sich hinterher überlegt, was ohne die Fehler möglich gewesen wäre. Jetzt gibt es nur eine Devise: weitermachen!“

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