Riesenbeck: Michael Brauchle Deutscher Meister der Vierspänner-Fahrer 2019

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Michael Brauchle auf dem Weg zum Deutschen Meister-Titel 2019. (© Jan Kappelhoff)

Nach jeder Teilprüfung eine neue Führung und am Ende Michael Brauchle ganz oben auf dem Treppchen – eine äußerst spannende Deutsche Meisterschaft der Vierspänner-Fahrer ist entschieden.

Neuer Deutscher Meister im Vierspännerfahren ist Michael Brauchle aus Baden-Württemberg. Ohne einen Abwurf, lediglich mit 0,04 Strafpunkten für Zeitüberschreitung beendete der 29-jährige Hufschmied den sehr anspruchsvollen Parcours und setzte sich mit 150,51 Punkten in der Kombinierten Prüfung vor Georg von Stein.

Letzterer war nach Riesenbeck gekommen um seinen 2018 in Donaueschingen errungenen Meistertitel zu verteidigen, nun fährt er als Vizemeister nach Hause. Zwei Abwürfe im Kegelparcours machten den Traum von der Titelverteidigung zunichte. 156,38 Punkte standen zu Protokoll.

Auf dem Bronzeplatz landete überraschend Anna Sandmann, die in Riesenbeck ihre ersten Deutschen Meisterschaften mit dem Vierspänner bestritt (163,07 P.).

Deutscher Meister trotz Handicap

„Nicht schlecht für einen Invaliden, oder“? scherzte Brauchle als sein Sieg in der Deutschen Meisterschaft feststand und nahm damit Bezug auf sein geschientes rechtes Bein. Erst drei Wochen ist es her, dass er sich bei einem Sturz einen Kreuzbandriss und den Bruch des Wadenbeins zuzog.

„Natürlich hatte ich Schmerzen, vor allem beim Marathon. Ich habe auch bei Unebenheiten oder Löchern kurz an den Unfall gedacht. Aber dann ist der Adrenalinspiegel so hoch, dass die Schmerzen nicht mehr so wichtig sind.“ Die kamen dann in der Nacht umso heftiger: „Ich habe die ganze Nacht mit Eis gekühlt, darum ging es heute Morgen wieder. Morgen werde ich den ganzen Tag das Bein hochlegen, das habe ich meinem Arzt schon versprochen“.

Dann kann der Deutsche Meister 2019 davon träumen, dass 2019 ein ebenso erfolgreiches Jahr wird wie 2015, als er in Aachen Europameister und in Donaueschingen Deutscher Meister wurde.

Die erste Hürde hat er mit der Deutschen Meisterschaft schon genommen. Er gehört zum Aufgebot der fünf Fahrer, die beim diesjährigen CAIO in Aachen starten dürfen, dort ist die zweite Sichtung für die Europameisterschaft der Vierspänner im August in Donaueschingen. Qualifiziert Brauchle sich für die EM, könnte er sein Double von 2015 wiederholen.

Enttäuschter Georg von Stein

„So ist der Sport“, mit dieser Floskel versucht Georg von Stein seine Enttäuschung über den zweiten Platz in der Meisterschaft zu verarbeiten. „Eine Erklärung für die zwei Abwürfe habe ich nicht. Weder meinen Pferden noch mir kann ich einen Vorwurf machen, eigentlich lief alles rund“. Die Fahrkarte nach Aachen hat er dennoch sicher in der Tasche.

Im Hause Sandmann kennt man sich aus mit Meistertiteln, schon acht Mal stand Christoph Sandmann auf dem Ehrenpodest ganz oben. In Riesenbeck freute sich Tochter Anna riesig über die Bronzemedaille, die sie mit gleichmäßig guten Leistungen in allen drei Disziplinen errungen hat.

Selige Anna Sandmann

Mit diesem Erfolg hatte die junge Bürokauffrau ganz und gar nicht gerechnet, zu groß war vor dem Kegelfahren der Abstand zu der vor ihr rangierenden Mareike Harm. Nach Beendigung des Kegelparcours (1.99 P.) stieg Anna Sandmann sogar auf die Kutsche zu Mareike Harm und berichtete, wie sie mit den Klippen des Parcours zurechtgekommen war.

Genützt hat es der sonst so sicheren und schnellen Kegelfahrerin Mareike nicht. Zwar war sie zunächst auf einem guten Weg, dann aber gab es ein Missverständnis zwischen Pferden und Fahrerin, die Pferde zogen ein falsches Hindernis an. Mareike Harm konnte gerade noch rechtzeitig bremsen, bevor das Hindernis komplett durchfahren war, musste rückwärts richten um auf dem richtigen Weg fortzufahren.

„Ich kann nicht erklären, wie es dazu kam, die Pferde haben einfach das falsche Hindernis angezogen“, sagt sie kopfschüttelnd. Damit addierte sich ihr Gesamtergebnis auf 164,13 Punkte, Platz vier in der Meisterschaft. In Aachen ist sie aufgrund ihrer guten Vorleistungen dennoch dabei.

Als fünfter deutscher Fahrer wurde Christoph Sandmann für einen der begehrten Startplätze beim CAIO in Aachen nominiert. Da er in Riesenbeck schon in der Dressur den Wettkampf abgebrochen hat, muss Sandmann vor Aachen noch ein internationales Turnier erfolgreich beenden. Gelingt das nicht, gibt es auch für den erfolgreichsten deutschen Fahrer keine Rechtfertigung für eine Teilnahme beim Weltfest des Pferdesports. Als „Nachrücker“ steht René Poensgen auf der Liste.

Gesamtsieg in die Niederlande

Erfolgreicher als für Familie Sandmann lief es in Riesenbeck für Vater und Sohn Chardon aus den Niederlanden, am besten für Sohn Bram. Mit 132,70 Punkten gewann er die kombinierte Prüfung vor seinem Vater Ijsbrand (136,10 P.).

In dieser Reihenfolge standen die beiden auch bei der Siegerehrung beim Deutschen Fahrderby, das traditionell beim CAI Riesenbeck ausgetragen wird. Dazu gehören die drei Prüfungen der Kombinierten Prüfung, ergänzt um eine „Jagd um Punkte“, die Bram Chardon ebenso gewann wie den Marathon. Vier Siege bei seinem ersten Start in Westfalen, viel besser geht es kaum.

Der junge Niederländer ist auf dem besten Weg in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vaters zu treten, er macht ihm jetzt schon das Siegen schwer.

Viele gute Gründe sprechen dafür: In der Familie dreht sich alles um den Fahrsport, der Pferdevirus liegt dort offensichtlich in den Genen. Im Fahr-und Ausbildungsstall Chardon gibt es beste Trainingsbedingungen, das Pferdepotential ist groß und von hoher Qualität. Mit Vater Ijsbrand steht ständig ein hochqualifizierter Trainer zur Verfügung. Dauerhaft stellt sich der Erfolg aber auch bei den besten Bedingungen nur mit Talent und viel Fleiß ein, beides bringt Bram ein.

Der US-Amerikaner Chester Weber siegte 2018 in der kombinierten Wertung, in diesem Jahr stand er auf dem dritten Platz (138,10 P.). Die Dressur hatte er überlegen gewonnen, auch im Kegelfahren stand er vorn, allein im Gelände verlor er zu viel Zeit.

Mit dem Fahrturnier stemmen die Riesenbecker Veranstalter eine gewaltige Aufgabe, die sie in diesem Jahr (mal wieder) hervorragend bewältigt haben. Alle Fahrer sind des Lobes voll, dankbar über die Möglichkeit hier ihren aufwändigen Sport auf so hohem Niveau ausüben zu können. Und weil über das ganze Turnier kein Eintritt erhoben wird, kommen auch die Zuschauer wieder zahlreich.

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