VOLTIGIEREN Deutsches Team in Front, Einzelvoltigierer auf aussichtsreichen Rängen

In der Konzerthalle „Zenith“ hat das Voltigieren begonnen

Team AUT, Alessio L Amabile, Maria Lehrmann - Squad compulsory - Alltech FEI World Equestrian Gamesª 2014 - Normandy, France. © FEI/Hippo Foto Team - Dirk Caremans (© FEI/Hippo Foto Team - Dirk Caremans)

Auf Goldkurs ist das deutsche Team aus Neuss-Grimlinghausen nach dem Pflichtprogramm und der ersten Kür. Mit 8,39 Punkten führen die Vize-Weltmeister hauchdünn vor Titelverteidiger Schweiz.

8,357 Punkte haben die Eidgenossen, das sind gerade einmal 0,033 Punkte Vorsprung für Deutschland. Zwar mussten sich die Neusser in der Kür den Schweizern geschlagen geben, platzierten sich jedoch deutlich vor den nach der Pflicht führenden Österreichern und voltigierten sich somit in die Pole-Position. Die guten Noten der acht Richter gab es vor allem für die großen Schwierigkeiten der Neusser Kür, in der Durchführung lagen die Schweizer vorn.

Unter dem Motto „Eine neue Dimension“ präsentierte sich das Team in spacigem Outfit mit passender Musik. Ein Thema in allen Bereichen kompromisslos durchzuziehen ist offensichtlich unabdingbar, um international Erfolg zu haben. Die Zeiten, in denen ein Team uniform in sportlichen Trikots auftauchte, gehören endgültig der Vergangenheit an. Wer beeindrucken will, zieht sein Thema kompromisslos durch, angefangen bei der Kleidung, über die Musik bis zur Choreographie.

Großen Anteil am Erfolg hat Delia, die neunjährige Fuchsstute von De Niro-Wittinger. Sie trägt, vorbildlich unterstützt an der Longe von Jessica Schmitz, nicht nur jede Menge Verantwortung, sondern auch eine große Last, wenn zeitweise drei Athleten gleichzeitig ihre herausragenden Übungen auf dem Pferderücken turnen. Bis zu 5,60 Meter hoch ist die elfjährige Mona Pavetic, Deutschlands jüngstes Teammitglied, über der Erde, wenn die Gruppe ihre Hebefiguren aufbaut.

Damen es ecclet mal wieder
Im Einzelvoltigieren bei den Damen liegt die Titelverteidigerin und Favoritin Joanne Eccles aus Großbritannien erwartungsgemäß vorn, 8,619 Punkten nach der Pflicht und dem ersten Kürprogramm. Die amtierende Europameisterin Rikke Laumann aus Dänemark rangiert mit 8,544 auf Platz zwei vor der Schweizerin Simone Jäiser, 8,439. Die deutschen Damen, Corinna Knauf mit Fabiola und Kristina Boe mit Highlander liegen auf Platz fünf und sechs. Die Rangierung entspricht den Erwartungen, die Damen bringen persönlich sehr gute Leistungen, konnten jedoch bisher noch nicht so recht an die Weltspitze heranrücken. Das soll beim heutigen Technikprogramm besser werden.

Ein Exot lässt aufhorchen

Bei den Herren begeistert ein junger Mann aus Mauritius. Lambert Leclezio ist erst 17 Jahre alt, noch fehlt es seinen Vorstellungen mangels Erfahrung an Ausdruck. Klein und zierlich bewegt sich der Mauritianer wie eine Feder auf dem Wallach Timothy, zeigt ganz großes Talent. Mit 7,801 Punkten an achter Stelle rangierend hat er zwar bei dieser Weltmeisterschaft mit der Vergabe der Medaillen noch nichts zu tun, lässt aber hoffen dass hier ein ganz Großer heranwächst. Vielleicht verdrängt er eines Tages den Titelverteidiger Nicolas Andreani aus Frankreich, der, bisher auf dem zweiten Platz liegt und durchaus noch Chancen auf eine weitere Goldmedaille hat. 8,300 Punkte bekam der Franzose von der Richtergruppe, dazu trug auch die gute Note für sein Pferd Just A Kiss bei, das die beste Tagesnote bekam. Anderanis Kür erinnerte an den legendären Auftritt von Ex-Weltmeister Kai Vorberg als Mozart: Titel seiner Kür war Einstein, grau gepuderte Haare und die Formel der Relativitätstheorie e=mc2 auf dem T- Shirt seiner Longenführerin Joosten Dupont machten auch dem unvorbereiteten Zuschauer klar, welches Thema die Choreographie vermitteln sollte. Wer es immer noch nicht gemerkt hatte, war spätestens bei der herausgestreckten Zunge im Thema. Wiederholtes Kopfschütteln und die Auflösung in einem fulminanten Abgang erzählten in weniger als zwei Minuten die ganze Geschichte des Nobelpreisträgers. Das war schon großes Kino! Wäre der Abgang geglückt, hätte es sicher die Führung bedeutet, so sprang wegen einer leichten Unsicherheit der zweite Platz heraus.
In Führung bleibt der Favorit der diesjährigen Weltmeisterschaft, Andreanis Landsmann Jacques Ferrari. Erik Oese aus Radebeul, der beste deutsche Einzelvoltigierer, hat sich vom fünften Platz nach der Pflicht mit seiner ersten Kür auf den dritten Platz vorgearbeitet. Der 26-jährige Gymnasiallehrer ist Vize-Welt- und Vize-Europameister. Mit dem 14-jährigen Calvados v. Campari-Lenz und Longenführer Andreas Bäßler ist Oese hochmotiviert, in den Medaillenrängen zu bleiben. Es wird ganz schwer werden, die Franzosen, die im eigenen Land vom Publikum euphorisch unterstützt werden, zu schlagen. Die überarbeitete Kür soll morgen den Durchbruch bringen.

Pas de deux: Starke Österreicher
Im erstmals auf Weltreiterspielen durchgeführten Pas de Deux-Programm liegen nach der ersten Wertungsprüfung die Österreicher Jasmin Lindner und Lukas Wacha mit 9,083 deutlich vor dem Rest des Feldes. Die Richterin bei C, Anita Flamand aus – genau – Österreich vergab eine 10 für das Paar, die zweitplatzierte Kombination aus Deutschland, Gera Marie Grün und Justin van Gerven, hingegen bekamen nur eine 7,475 von dieser Jurorin. Insgesamt haben sie 8,631 Punkte und liegen noch vor den Eccle-Schwestern aus Großbritannien (8,57). Die Deutschen Pia Engelberty und Torben Jacobs, denen auch Medaillenchancen zugetraut werden, sind Fünfte mit 8,516 Zählern.
Dann gehen in allen Wettbewerben nur noch die Besten an den Start, anschließend ist die Medaillenvergabe, denn morgen ist Volti-Tag, Finalentscheidungen im Stundentakt.

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