Global Equestrian Group übernimmt Reitsportmagazin The Chronicle of the Horse

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Symbolbild

Die Global Equestrian Group (GEG) um Andreas Helgstrand und Ludger Beerbaum hat die Übernahme des international bekannten Reitsportmagazins The Chronicle of the Horse bekanntgegeben. Dessen Besitzer Mark Bellissimo investiert schon seit über einem Jahr in die GEG. Einen Kommentar von St.GEORG-Chefredakteur Jan Tönjes finden Sie unterhalb der Meldung.

Mark Bellissimo war seit 2013 Eigentümer von Chronicle of the Horse, ein weitläufig bekanntes Reitsportmedium, das mittlerweile 85-jähriges Bestehen feiern kann. Aber nicht nur das: Bellissimo war auch Miteigentümer des Palm Beach International Equestrian Centers (PBIEC). Das riesige Turniersportgelände erwarb die GEG bereits im Sommer 2021. Im Gegenzug, so vermeldete es die GEG damals, würden die Wellington Equestrian Partners, die hinter dem PBIEC stehen und von denen Bellissimo ein Teil ist, in die Global Equestrian Group investieren.

Nun also folgt die Übernahme eines journalistischen Reitsportmediums durch die GEG. Chronicle of the Horse soll  über eine umfangreiche Präsenz in den sozialen Medien verfolgen sowie über eine der der größten Online-Zielgruppen der Branche mit jährlich Millionen von Besuchern auf ihre Website ziehen. Andreas Helgstrand, CEO der Global Equestrian Group, sagt zu dem Geschäft: „Wir sehen dies als eine perfekte Ergänzung, um unsere Präsenz in den USA zu erweitern und in die Medienszene einzusteigen mit einem Unternehmen, das eine lange Geschichte und unglaubliche Expertise im Pferdesport hat.“ Die GEG sehe „viele Möglichkeiten“ mit Chronicle of the Horse.

Mark Bellissimo, der laut der Pressemitteilung auch weiterhin in GEG investieren wird, sagt: „COTH hat ein großartiges operatives Team unter der Leitung von Beth Rasin und ist eine wichtige Organisation in der Reitsportlandschaft, sowohl was die Inhalte als auch die Gemeinschaft betrifft. Zusammen mit der starken Vision von GEG für den Pferdesport auf der ganzen Welt war ich überzeugt, dass sie perfekt zusammenpassen.“

Der kaufmännische Direktor der GEG, Anders Bech, sieht das Potenzial von COTH für die GEG vor allem im Digitalen, und zwar vor allem für Werbetreibende: „COTH bietet eine Publikumsreichweite, die in der Branche unübertroffen ist. Obwohl Dänemark ein kleines Land ist, ist die Medienindustrie des Landes sehr innovativ in der digitalen Entwicklung, und viele dieser Ideen können in den USA umgesetzt werden, um einen großen Schritt nach vorn zu machen, zugunsten der Leser, der Anzeigenkunden und anderer Interessensgruppen.“

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Kommentar von St.GEORG-Chefredakteur Jan Tönjes

In eigener Sache: Wer macht Meinung?

Pressefreiheit ist ein wichtiges Gut. Was gleichgeschaltete Medien verursachen können, hat die deutsche Geschichte gezeigt und wird uns – Stichwort „Scheinreferenden”, kein „Krieg” sondern eine „Militäroperation” in den russisch besetzten Teilen des souveränen Staates Ukraine – alltäglich vor Augen gehalten. Der Vergleich ist sicherlich etwas gewagt, aber dass die Global Equestrian Group (GEG) nun das große US-Pferdemedium „The Chronicle of the Horse” übernimmt, lässt aufmerken.
Der „Chronicle” wie Pferdeleute in den USA das Blatt kurz nennen und das jeder kennt, der wettkampfsportlich aktiv oder interessiert ist, besteht seit 1937. Schon seit längerem stand die Publikation im Besitz von Mark Bellissimo, dem Mann, der die verkorksten Weltreiterspiele in Tryon 2018 zu verantworten hatte. Viel heiße Luft, wenig fertig gestellte Gebäude und kaum eingehaltene Versprechungen waren die Markenzeichen dieser vorerst letzten Weltreiterspiele, ein Giganten-Event, für dessen Durchführung sich spätestens seit dem Bellissimo-Bluff kein Veranstalter mehr findet.
Bellissimo ist auch einer der Teilhaber an der GEG, insofern ist sein Einfluss schon vorher vorhanden gewesen. Aber wenn es heißt, die GEG haben den Chronicle übernommen, um „ihre Präsenz auf dem US-amerikanischen Markt auszubauen und eine Plattform zu bieten, um das Interesse am Pferdesport weltweit zu steigern”, muss man den zweiten Teil auch lesen. Dass andere Protagonisten innerhalb der GEG, etwa Andreas Helgstrand und Ludger Beerbaum, ein großes Interesse daran haben, das „Interesse am Pferdesport weltweit zu steigern”, ist legitim. Sie sind Pferdehändler und leben davon, dass äußerst reiche Menschen (beispielsweise die Besitzer von Ecco-Schuhe, Familie Kasprzak) für hohe Summen Pferde in ihren Ställen einkaufen und sie dann auf Turnieren, auch häufig solchen, die die GEG oder Teile ihrer Anteilseigner organisieren, an den Start bringen.
Wie dort geritten wird, was beim Abreiten auffällig war, wie die Pferde sprangen, piaffierten und was für einen Eindruck sie hinterließen, darüber berichtet die freie Presse. Man kann nur hoffen, dass das auch so bleibt. Denn Charme-Offensiven auf Instagram-Kanälen und gezielte, gekaufte, PR-Berichterstattung nehmen schon heute an Umfang zu.
Es heißt also wachsam sein und einmal mehr hinzuschauen, wer hinter welcher Information steckt.
In der Weltpolitik. Und im globalen Pferdesport mit seinen Ausläufern bis in den Regionalbereich.

Jan Tönjes
Chefredakteur St.GEORG

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Jan Tönjes, Chefredakteur St.GEORG (© st-georg.de)