Interview mit Luigi Baleri, dem Besitzer unter anderem von Martin Fuchs‘ Clooney

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Luigi Baleri (2. von rechts) wurde 2019 als "Owner of the Year" vom International Jumping Owners Club (IJOC) ausgezeichnet. (© Claire Simler)

Luigi Baleri ist der Mann hinter einem Großteil der Erfolge des Schweizer Springreiters Martin Fuchs, denn er fördert den 29-Jährigen schon seit dessen Kindheit. Aber Baleri ist auch selbst ein Pferdemann, wie er im Interview mit Rolex verraten hat.

Woher stammt Ihre Leidenschaft für Pferde und das Springreiten?

Das ist eine lange Geschichte … Ich habe schon von klein an Pferde gemocht und in der Nähe unserer Wohnung gab es ein Trainingscenter. Ich habe meinen Eltern ständig in den Ohren gelegen, ob wir nicht mal da hingehen könnten, aber das konnten wir uns nicht leisten. Irgendwann habe ich Pferde völlig vergessen. Ich habe angefangen zu arbeiten und mit 20 Jahren war ich einmal eine Woche im Tessin in Urlaub. Es hat dort nur geregnet und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Es gab dort ein Reitzentrum und da kamen meine alten Erinnerungen wieder hoch und ich habe mich zu einem einwöchigen Kurs angemeldet. Ich wollte alles darüber lernen, aber der Trainer meinte, eine Woche würde nicht reichen, um alles zu lernen. Von da an habe ich angefangen, richtig hart zu trainieren. Leider war ich zu alt für eine vollständige Reitausbildung, aber ich wollte an Turnieren teilnehmen, und letztendlich habe ich dann an ein paar regionalen Wettkämpfen teilgenommen.

Dann habe ich Thomas Fuchs kennengelernt. Er war nämlich mein Bankier. Als Autohändler hatte ich oft mit meiner Bank zu tun und während unserer vielen Gespräche wurden wir schließlich Freunde. Wir haben uns ein bisschen aus den Augen verloren, als ich nach Freiburg gegangen bin, um bei Beat Grandjean zu trainieren. Dort bin ich 15 Jahre geblieben. Nach meiner Rückkehr nach Zürich habe ich dann ein Pferd von Thomas Fuchs gekauft. Ich habe auch weiterhin nebenher geritten, hatte aber auch noch meine Arbeit. Bei Thomas ist das so: Wenn man ein Pferd von ihm kauft, trainiert man auch bei ihm.

So haben Sie dann Martin Fuchs kennengelernt?

Genau! Eines Tages trainierte ich gerade mit Thomas und er wollte, dass ich fünf Galoppsprünge zwischen zwei Hindernissen reite. Ich bekam es nicht hin und er meinte, sogar ein Kind würde das schaffen. Ich habe ihm nicht geglaubt, also holte er ein Kind, um es mir zu beweisen. Natürlich ist es dem Jungen gelungen und ich habe sagte: „Das war vielleicht nur Glück.“ Also hat er es noch mal probiert und hat es fantastisch gemeistert. Dann meinte er zu mir: „Ich kann das auch 10-mal machen, wenn du willst.“ Und dieser Junge war Martin Fuchs. In genau diesem Augenblick wusste ich, dass ich kein Pferd für mich kaufen musste, sondern für ihn.

Ein paar Tage später brach Martin mit einem meiner Pferde zu den Olympischen Jugendspielen in Griechenland auf. Bei seiner Rückkehr hat er zu mir gesagt: „Es war fantastisch, aber du musst ein leistungsfähigeres Pferd kaufen, wenn wir eine Chance haben wollen.“ Ab da haben wir angefangen, viele Wettkämpfe zusammen zu besuchen. Ein Turnier folgte dem anderen, und ein Pferdekauf folgte dem anderen. Ich habe noch eins gekauft, dann noch eins und so weiter. Das war der Beginn meiner Zusammenarbeit mit Martin.

Wie läuft dieser Prozess zwischen Ihnen und der Familie Fuchs ab?

Die Familie Fuchs trifft alle Entscheidungen rund um das Pferd. Manchmal kommt Martin zu mir und sagt: „Da ist dieses Turnier, findest du, wir sollten hinfahren?“ Aber er muss die Entscheidung selbst treffen, denn ich vertraue ihm mit den Pferden mehr als jedem anderen. Ich mag diesen Ablauf sehr, denn ich kann mich auf die Familie Fuchs verlassen, weil sie die besten in ihrem Metier sind.

Was ist Ihr stolzester Augenblick als Besitzer?

Da gibt es keinen speziellen. Ich habe das große Glück, in beinahe allen Meisterschaften und Majors eine Medaille gewonnen zu haben. Da kann ich mich unmöglich auf einen Moment festlegen. Ich sage immer gern, dass der letzte Sieg immer der beste ist, weil er einen dazu anspornt, es noch mal zu versuchen. Ich bin immer stolz, Martin gewinnen zu sehen. Von Regionalmeisterschaften bis hin zu den Spitzenturnieren unseres Sports. Wenn ich mich unbedingt entscheiden müsste, würde ich sagen, dass der Sieg 2019 im Rolex Grand Prix beim CHI Genf ein ganz besonderer Augenblick gewesen ist, und zwar wegen der Art und Weise, wie es dazu kam: vor den besten Reitern der Welt und dann natürlich, weil es ein Heimsieg war.

Welche Bedeutung hat der Rolex Grand Slam of Show Jumping für Sie?

Für mich repräsentiert der Rolex Grand Slam of Show Jumping die ultimative Herausforderung für ein Pferd. Besser als das geht es nicht. Ich muss dabei an die Formel Eins denken, bei der eine ganz besondere Art von Spannung herrscht.

www.rolexgrandslam.com