Angst um Holsteiner Pferd: Offener Brief fordert von Verband Direktwahl

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Offener Brief an den Holsteiner Verband, 13.12.2021

In den Reihen des Holsteiner Verbandes herrscht im Teilen Unzufriedenheit mit der aktuellen Verbandsführung. In einem offenen Brief fordern „Freunde des Holsteiner Pferdes“, darunter einige Promis aus Zucht und Sport, ein Umdenken und mehr Demokratie.

Vergangene Woche war Harm Sievers von seinem Amt im Vorstand des Holsteiner Verbandes zurückgetreten. Er sah für sich in dem fünfköpfigen Gremium keine Gestaltungsmöglichkeiten mehr. Auf diesen Umstand nimmt ein Schreiben Bezug, das nun an die Adresse des Holsteiner Verbandes gesendet wurde. Der offene Brief liegt dem St.GEORG vor. Die Liste der Unterstützer verzeichnet einige prominente Namen. Allesamt Menschen, die dem Holsteiner Pferd züchterisch und sportlich seit langen Jahren aufs engste verbunden sind.

Kritik am Holsteiner Verband

Sie kritisieren unter anderem das Delegiertensystem. Dies habe dazu geführt, dass die Satzung des Holsteiner Verbandes „ad absurdum geführt“ würde. Angedeutet werden Vorteilnahme im Amt, außerdem wird auf die Einkaufspolitik der Holsteiner Hengsthaltungs GmbH eingegangen, die nach Eindruck der Unterstützer, „auffällig viele Fohlenkäufe (…) in der Vergangenheit bei Amtsträgern des Holsteiner Verbandes“ getätigt habe.

Angst macht den „Züchtern, Mitgliedern, Delegierten und Freunden des Holsteiner Pferdes“ darüberhinaus der Rückgang der Bedeutung des Holsteiner Pferdes sowie der Umstand, dass der Holsteiner Verband seit 2018 bereits drei Präsidenten, fünf Geschäftsführer und 20 Vorstandsmitglieder gehabt habe. Das öffentliche Ansehen des Verbandes habe darunter gelitten.

Die Unterstützer fordern ein Mitspracherecht durch eine basisdemokratische Direktwahl des Verbandsvorstands und nicht wie aktuell durch die Delegiertenversammlung.

Unter denjenigen, die ihren Namen unter diesen offenen Brief gesetzt haben, finden sich unter anderem Olympionike Tjark Nagel, Jochen Tietz, der in Sachen Holsteiner Pferd seit Jahrzehnten unermüdlich im Einsatz ist, Bernd Mohr, Hinerk Köhlbrandt, Dressurausbilder Wieger de Boer oder Friedrich, „Fide“, Dehn Großvater von Junioren-Europameister Nane Nikolaus Dehn. Darüberhinaus viele Züchter, Aufzüchter und Ausbilder aus dem Land zwischen den Meeren.


Hier der Brief im Wortlaut

Offener Brief an den Holsteiner Verband e.V.
Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes e.V.
Steenbeker Weg 15
24106 Kiel

13.Dezember 2021

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großer Sorge verfolgen wir, die Züchter, Mitglieder, Delegierte und Freunde des Holsteiner Pferdes die aktuelle Entwicklung im Holsteiner Verband e.V. Durch den Rücktritt des Vorstandsmitgliedes Harm Sievers wurde in der Züchterschaft eine große Diskussion ausgelöst. Ferner haben engagierte Mitglieder der Delegiertenversammlung ebenfalls ihren Rücktritt von ihrem Amt angekündigt.

Die Wahlergebnisse der Verbandsmitglieder in den einzelnen Körbezirken im Rahmen der letzten Vorstandswahlen fanden nur sehr begrenzt Beachtung.

Vorstandsamt-, Körbezirksamt- und Delegiertenamt werden durch Postenanhäufung von 2 aktuellen Vorstandsmitgliedern zeitgleich ausgeführt. Da die Entlastung des Vorstands durch die Delegiertenversammlung erfolgt, wird die Satzung des Holsteiner Verbandes ad absurdum geführt.

Die GOOD GOVERNANCE Verhaltensrichtlinien werden nicht umfassend beachtet. Ehrenamtliche Funktionsträger/innen sowie hauptamtliche Mitarbeiter/innen haben ihre Entscheidungen für den Verband und seine Tochtergesellschaften hiernach unabhängig von sachfremden Überlegungen, d.h. von persönlichen Interessen oder Vorteilen zu treffen. Auffällig viele Fohlenkäufe der Hengsthaltungs GmbH wurden in der Vergangenheit bei Amtsträgern des Holsteiner Verbandes – hier insbesondere – bei Mitgliedern der Delegiertenversammlung getätigt. Hier bedarf es u.E. einer eingehenden Überprüfung des Gesamtsachverhaltes.

Seit 2018 hatte der Holsteiner Verband 3 Präsidenten, 20 Vorstandmitglieder sowie insgesamt 5 Geschäftsführer. Zahlreiche Berichte in der Fachpresse haben dem Ansehen des Holsteiner Verbandes sehr geschadet. Die Zahlen der Verbandsmitglieder, die Zahl der eingetragenen Zuchtstuten und der registrierten Fohlen sind seit Jahren stark rückläufig. Es hat in den letzten 20 Jahren deutliche Veränderungen in der internationalen Pferdezucht gegeben. Andere Stutbücher haben mit Hilfe der Holsteiner Genetik enorme Fortschritte erzielt, der Holsteiner Verband hingegen leider nicht.

Das in der Satzung des Holsteiner Verbandes verankerte Delegiertensystem, auf das die Rechte der Mitgliederversammlung übertragen worden sind, fördert die Möglichkeit der Einflussnahme auf die relativ kleine Zahl der Delegierten und erschwert den Mitgliedern den Einfluss auf die Ausrichtung ihres Verbandes bzw. schließt sie nahezu aus.

Wir fordern alle Gremien des Verbandes unverzüglich auf, allen Mitgliedern des Holsteiner Verbandes durch Direktwahl (Basisdemokratisch) die Möglichkeit einzuräumen am züchterischen und wirtschaftlichen Fortbestand des Holsteiner Verbandes teilzunehmen.

Für den Fortbestand des Holsteiner Verbandes erscheint es uns unerlässlich, dass die Mitglieder geschlossen und zielorientiert die Zukunft ihres Verbandes selbst gestalten können.

Unterstützer

Peter Schütte, Peter Wieting, Siegfried Banka, Inken Reimers, Isabell Jahr, Karel Krezl, Jan Meves, Sander Lübbers, Cord Meiners, Tjark Nagel, Mirko Conrad, Wolfgang Braun, Knut Stuhldreier, Thomas Pfefferle, Bernd Mohr, Hinerk Köhlbrandt, Berndhard Schwörer, Detlef Dahlke, Manfred Jessen, Katja Beck, Katharina Lüders, Helmut Evers, Jochen Tietz, Felix Einhaus, Fide Dehn, Annette Beckmann, Magnus Beeken, Hermann Weißbach, Tjeert Rijkens, Birgit Becker, Björn Biedermann, Wieger de Boer, Franz Becker, Anne Batjen, Tobias Hanken, Michael Krüger, Ulli Barthel Janssen, Sven Feil sowie weitere Personen, die ihre Unterstützung zugesagt, deren Namen bis Redaktionsschluss aber noch nicht übermittelt wurden.