Offener Brief in Sachen Wolf von der Pferdeland Niedersachsen GmbH an Umweltminister Olaf Lies

Wolf

(© www.st-georg.de)

Die Pferdeland Niedersachsen GmbH berichtet, dass ihr bestätigt wurde, dass die zwei toten Jährlinge im Raum Nienburg tatsächlich einer Wolfsattacke zum Opfer gefallen sind. Daraufhin hat sie zusammen mit der FN und dem Landvolk Niedersachsen einen offenen Brief an Umweltminister Olaf Lies formuliert.

Am 15. Juni war eine zehnköpfige Großpferdeherde aus ihrer Weide ausgebrochen, die zehnjährige Leitstute, zwei zweijährige Wallache und sieben Jährlinge. Der Grund war, wie man nun nachweisen konnte, tatsächlich ein Wolfsangriff, wahrscheinlich sogar durch mehrere Tiere, wie die Pferdeland Niedersachsen GmbH berichtet: „Auf unsere Nachfrage bei einer zuständigen Stelle wurde uns bestätigt, dass zwei Pferde Wolfsrissen zum Opfer gefallen sind. Parallelspuren, die sich bei der Begutachtung der Weide fanden, weisen darauf hin, dass mehrere Wölfe die Pferde gejagt haben.“

Die anderen acht Pferde konnten entkommen. Sie wurden später „völlig entkräftet und teilweise verletzt“ wieder eingefangen. Eines der Pferde sei so schwer verletzt worden, dass es nicht sicher sei, ob es durchkommt. Die Weide sei ordnungsgemäß eingezäunt gewesen. Im Sinne eines Wolfsmanagementplans sei die Herde als wehrhaft einzustufen gewesen.

War sie aber offensichtlich nicht. Darum hat die Pferdeland Niedersachsen GmbH nun zusammen mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und dem Aktionsbündnis aktives Wolfsmanagement und Landvolk Niedersachsen einen offenen Brief an Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) formuliert, der fordert, dass nun mit Nachdruck an einer Lösung für die „Wolfsproblematik“ zu suchen. Hier der Brief im Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Minister,

als Vertretung der niedersächsischen Pferdesport- und Zuchtverbände möchten wir das Wolfsrissereignis vom 15.06.2020 im Landkreis Nienburg nicht unkommentiert lassen. Das Entsetzen darüber unter unseren Mitgliedern können Sie sich sicherlich vorstellen.

Wir arbeiten seit mehreren Jahren mit Ihnen und Ihrem Ministerium in Bezug auf die Wolfsproblematik zusammen. Wir haben uns bisher in der Zusammenarbeit stets im Sachlichkeit bemüht. Wir wollen eine Lösung und uns war immer klar, dass es kein einfacher und auch langwieriger Weg wird. 

Die Weidetierhalter haben in den letzten Jahren in Bezug auf den Schutz des Wolfes vieles hinnehmen müssen und sich mit vielem arrangieren müssen. Teilweise finanziell existenzbedrohend, auf jeden Fall aber emotional stark belastend.

Inzwischen denken wir allerdings, dass die Priorität, unter der das Thema Wolf im Ministerium behandelt wird, nicht den Stellenwert hat, der ihm zusteht. Die Zeit, die inzwischen zur Findung einer Problemlösung verstrichen ist, entspricht in keinem Fall der Entwicklung der Lage. Anberaumte Sitzungen, die immer wieder aufgeschoben worden sind, zeugen von der Priorität, die dem Problem in Ihrem Hause zugewiesen wird. Diese Verzögerungen sind auch nicht allein Corona geschuldet. Die Wolfsverordnung befindet sich immer noch in der Ressortbeurteilung.

Das Ereignis vom Montag zeigt in erschreckender Deutlichkeit, dass es nun wirklich fünf vor zwölf ist. Die jährlichen Risszahlen belegen es. Die Tatsache, dass immer mehr große Weidetiere dem Wolf zum Opfer fallen, steht klar dafür. 

Diesmal hat es eine Herde von 10 Pferden getroffen, die in ihrer Zusammensetzung als wehrhaft im Sinne eines möglichen Wolfsmanagementplans gelten würde. Die gesamte Herde ist aus ihrer Weide ausgebrochen, zwei Pferde sind von Wölfen (Parallelspuren weisen darauf hin, dass im Rudel gejagt wurde) getötet worden und ein Pferd hat sich auf der Flucht so stark verletzt, dass noch nicht klar ist, ob es eingeschläfert werden muss.

Ein solcher Übergriff muss jetzt deutliche und schnelle Konsequenzen haben. Es ist Ihre Aufgabe, diese Konsequenzen zielführend durchzusetzen. Diese Erwartung haben wir ganz deutlich Ihnen gegenüber. Es kann nicht sein, dass auch dieser Übergriff wieder ohne Konsequenzen bleibt. 

Im Sinne unserer Mitglieder fordern wir deshalb dazu auf, die Wolfsproblematik mit der wirklich notwendigen Priorität zu behandeln. Für das kürzlich eingetretene Rissereignis erwarten wir eine entsprechend konsequente Handlung.“ 

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