Petition: Moderner Fünfkampf zukünftig ohne Reiten

Modern Pentathlon – Olympics: Day 14

Fünfkämpferin Annika Schleu mit Leihpferd Saint Boy bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021. (© Dan Mullan/Getty Images)

Mit unschönen Bildern in der Disziplin Springreiten hatte der Moderne Fünfkampf letzte Woche für negative Schlagzeilen gesorgt. Der Vorfall zog weite Kreise, nun wurde auch eine Petition ins Leben gerufen. Deren Ziel: Der Moderne Fünkampf soll zukünftig ohne Pferde ausgetragen werden.

„Hau richtig drauf“, hatte die deutsche Bundstrainerin Kim Raisner ihrer Athletin Annika Schleu zugerufen und schließlich auch selbst die Faust gezückt, als Pferd Saint Boy den Parcours nicht antreten wollte. Der Auftritt endete im Fiasko, die Bundestrainerin wurde von einer weiteren Teilnahme an den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Fünfkämpferin Annika Schleu, die vor dem Reiten auf Goldkurs gelegen hatte, sah sich inzwischen gezwungen aufgrund der Anfeindungen im Netz ihren Instagram-Account zu löschen. Auf St.GEORG-online haben wir bereits direkt nach dem Vorfall Stellung bezogen: Pferde sind keine Sportgeräte!

Das sieht auch Kerstin Gerhardt so, selbst gelernte Bereiterin FN und ehemalige Berufsschullehrerin für Pferdewirte. Daher hat sie eine Petition ins Leben gerufen, die sich an das Internationale Olympische Komitee (IOC), den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), den Deutschen Verband für Modernen Fünfkampf e.V. und den Weltverband UIPM – World Pentathlon richtet. Damit soll erreicht werden, dass das Springreiten aus dem Modernen Fünfkampf gestrichen und durch eine andere Disziplin ersetzt wird. In der Petition heißt es:

„Der Reitsport ist eine Disziplin, in der die Interaktion mit dem Partner Pferd im Vordergrund stehen muss. Dies gerät aber beim Modernen Fünfkampf völlig aus dem Fokus. Stattdessen wird das Pferd hier zum Sportgerät degradiert, das ausgelost und zugeteilt wird. Hierbei wird keinerlei Rücksicht auf die Tiere genommen. Unbekannte Reiter, getrieben vom Ehrgeiz, eine Medaille zu erringen, schwingen sich in den Sattel und versuchen auf Biegen und Brechen, das Tier zu einer Leistung zu bewegen. (…) Es kann und darf nicht sein, dass Pferde hier so missbraucht werden, um eine Medaille zu erringen.“

Mehr als 90.000 Leute haben die Petition bisher unterschrieben. Hier geht es direkt zur Petition.

  1. farlab

    Warum mischen sich immer Leute in Sachen ein, die nichts von der jeweiligen Sportart verstehen?
    Reiten beim Mod. Fünfkampf ist keine Tierquälerei!
    Bei Galopprennen stört sich niemand von Ihnen an dem Einsatz der Gerte.
    Bei der Vielseitigkeit, auch immer ein Kandidat für aufregende Bilder, stört sich ebenfalls niemand von Ihnen an dem Einsatz von Gerte und Sporen.
    Woher der Hass auf die Mod. Fünfkämpfer?

    • Frau P.

      Pferdebesitzern und Reitern generell zu unterstellen, dass sie nichts von der Disziplin Reiten verstehen, ist lächerlich – das wissen Sie bestimmt selbst. Vermutlich gibt es Prüfungsritte im Fünfkampf, die keine Tierquälerei sind, und vermutlich gibt es FN-Prüfungsritte, die auch „wir Reiter“ nicht haben wollen. Worüber wir wirklich diskutieren ist doch die Art der Auseinandersetzung mit Szenen, die kritikwürdig sind und wie sie verhindert werden können. Hierzu habe ich bisher keine einzige selbstkritische Äußerung aus dem Modernen Fünfkampf gehört oder gelesen.

      Auch bezüglich der FN-Leitlinien, denen der Moderne Fünfkampf sich entzieht, gibt es meiner Meinung nach zu Recht Kritik. Aber eine solche Szene wäre auch in einer FN-Prüfung aus vielen Gründen niemals ohne Konsequenzen geblieben. Glücklicherweise geht das Regelwerk zudem über die reine Sporenlänge und Anzahl Gertenschläge hinaus und fordert eine solide Vertrauensbasis zwischen Mensch und Pferd. Niemand kann im Ernst behaupten, dass der Moderne Fünfkampf mit dem jetzigen Format dieses Ziel ausreichend würdigt.

      Somit wäre meine Antwort auf die Frage, woher die Abneigung kommt: Bei solch einer Haltung, die jede Selbstkritik vermissen lässt, diese Szenen mit dem Wunsch nach „Spektakel“, „Historie“ und „Kontrolle“ rechtfertigt und behauptet, es wäre alles in Ordnung, ist das Problem wirklich hausgemacht.

      • farlab

        Hallo Frau P.

        vor dem Urteilen empfehle ich Ihnen die Lektür des Regelwerks:
        https://www.dvmf.de/faszination-moderner-fuenfkampf/wettkampfregeln-moderner-fuenfkampf

        Das Regelwerk ist in seiner jetzigen Form völlig ausreichend.

        Der Tierarzt hätte das Pferd nach dem ersten Umlauf aufgrund seiner Auffälligkeiten spätestens nach dem Antrag von Bundestrainerin Kim Raisner aus dem Wettkampf nehmen können – hat er aber nicht.

        Die Jury und der technische Deligierte hätten ebenfalls gemäß Regelwerk eingreifen können – haben sie aber nicht.

        Mehr Regeln oder gar der Verzicht auf die Disziplin Reiten lösen den Konflikt nicht.

        Meine Meinung ist, dass die Reiter die Reitprüfungen bis einschließlich M ablegen sollten und Tierarzt, Jury und Technischer Deligierter ihre Pflicht tun.

  2. Doris

    Mit Verlaub Herr/Frau/Divers Farlab,
    warum so harte Worte? Hass…??? Sie haben m.E. nicht verstanden, worum es geht. Sind Sie nicht der Meinung, dass es auch ggü. den (menschlichen) Athleten fairer wäre, wenn deren Endresultat weniger vom Faktor „Glück“ oder „Pech“ abhängig wäre? Die Fünfkämpfer müssten schon im Eigeninteresse dafür kämpfen, dass das Springreiten durch eine Disziplin ohne Pferd ersetzt wird. Wer Pferde liebt/mag, lehnt Gewalt und ungerechtes Verhalten diesen ggü. generell ab – egal wie/wo/wann. Insofern ist Ihre Behauptung unrichtig.
    Und dass Reiter vom Reiten nichts verstehen… die Behauptung finde ich schon ziemlich anmaßend.

    • farlab

      Hallo Doris,
      Mod. Fünfkämpfer sind keine Deppen. Ein Mod. Fünfkämpfer, der gut im Reiten ausgebildet ist, kann fast jedes Pferd reiten.
      Ich wäre auf Ihre Antwort sehr gespannt, ob Sie auf Wassertrense sowie ohne Sporen und Gerte reiten.
      Warum sollten Mod. Fünkämpfer also auf’s Reiten verzichten?

  3. Johanna

    @FARLAB: Wer sich die Antwort auf diese plakativ gestellte Frage nicht selbst geben kann, disqualifiziert sich von vorneherein für weitere Diskussionen.
    Es ist absolut kein „Hass auf die Modernen Fünfkämpfer“, sondern ein Ablehnen der Disziplin Springreiten in einem völlig antiquierten Regelwerk, in dem das Wort „modern“ wie Hohn anmutet.
    Die Sportler, die man im Fünfkampf sieht, sind zum großen Teil keine Reiter, sitzen unbalanciert und steif auf den Pferden und es ist eher die Leistung der Vierbeiner, dass einige heil durch den Parcours kommen. Das Pferd dient nur als Transportmittel, eben als Sportgerät, und dies ist strikt abzulehnen. Wenn es schon nicht möglich ist, das Reiten ganz zu streichen und stattdessen eine Disziplin anzubieten, welche kein weiteres Lebewesen involviert, dann müssen eben die Pentathleten in Zukunft auch Reiter sein. Das heißt, eine fundierte reiterliche Grundausbildung haben, mehrfach die Woche (wenn nicht täglich) auf dem Pferd sitzen und auch ein festes Pferd mit in den Wettbewerb bringen. Alles andere ist eine Respektlosigkeit sondergleichen gegenüber den Tieren und mit heutigem Wissensstand nicht mehr zu rechtfertigen. Wer solche Leistungen mit dem Pferd erbringen will, muss auch den entsprechenden Aufwand betreiben.

    Viele der Menschen, die sich aufregen, sind übrigens auch gegen die weiteren genannten „Sportarten“, in denen Pferde zum Teil bis an die Grenzen und darüber hinaus getrieben werden, aber hier ist immerhin als kleinste gemeinsame Basis ein Pferd-Reiter-Team vorhanden, das sich in der Regel sehr gut kennt und Vertrauen zueinander hat. Die Reiter sind extrem gut ausgebildet, was einen himmelweiten Unterschied zu den gesehenen Ritten im Fünfkampf darstellt.

    • farlab

      Hallo Johanna,
      ich muss Sie enttäuschen. Gerade im Galoppsport ist es Gang und Gebe, einen „besonderen“ Jockey zum Rennen anzuheueren, der z. B. viele Siege hat.
      Kennen tut der das Pferd nicht und wird nur zum Rennen drauf gesetzt.

      Ich bin ganz bei Ihnen, dass die Mod. Fünfkämpfer die Reitprüfungen bis zu Klasse M ablegen sollten. Leider konnte man sich bis heute in den letzten 40 Jahren nicht dazu durchringen.

      Als Insider darf ich Ihnen versichern, dass die Pferde keineswegs als Transportmittel gesehen werden.

      Ich darf Ihnen dazu als Lekture das Regelwerk empfehlen, u. a.

      4.4 Die Durchführung des Wettkampfes, Beurteilung der Leistungen
      4.4.1 Behandlung der Pferde
      Fünfkämpfer müssen die Pferde sorgsam, fair und ohne Brutalität behandeln. Ein Fünfkämp-fer/eine Fünfkämpferin, der/die eine Brutalität gegenüber einem Pferd begeht, wird bestraft.

  4. Susanne

    Im Galoppsport ist es ganz genau geregelt ob und wie und wie oft eine Gerte eingesetzt werden darf. Und jedes Vergehen wird mit mind. 50€ bestraft. Kommt noch Gefährdung anderer dazu, dann wird ein Reiter auch mal für 14 Renntage mit Reitverbot zusätzlich bestraft.

    Würde ein Rennreiter so auf das Pferd einwirken wie es jetzt bei Olympia zu sehen war, dann würde er dafür hart bestraft werden.

    Zu dem Rest muß man nichts mehr sagen, daß haben meine Vorschreiber schon sehr schön dargelegt.

    • farlab

      Hallo Susanne,

      2x leichter Springgerteneinsatz? Das liegt noch locker unter der Grenze für Jockeys.

      Ich empfehle Ihnen ebenfalls das Reglement als Lektüre:

      4.4 Die Durchführung des Wettkampfes, Beurteilung der Leistungen
      4.4.1 Behandlung der Pferde
      Fünfkämpfer müssen die Pferde sorgsam, fair und ohne Brutalität behandeln. Ein Fünfkämp-fer/eine Fünfkämpferin, der/die eine Brutalität gegenüber einem Pferd begeht, wird bestraft.

      Für die Einhaltung ist die Jury mit dem technischen Delgierten verantwortlich. Diese sind in keinem Fall bei den Olympischen Spielen eingeschritten. Warum nicht? Weil es keinen Fall von Brutalität oder gar Tierquälerei gab.

  5. berndride

    Da das ganze ja „moderner Fünfkampf“ heisst: Wie wäre es mit Geländestrecke auf Motorrad oder Bike? Macht auch Spaß, man kann sogar runter fallen und billiger ist es wahrscheinlich auch noch. Ok, es wäre weniger traditionell von wegen Baron de Coubertin und so, aber Mut, Kraft, Ausdauer und Geschicklichlichkeit erfordert es auch. Persönlich fände ich Motocross gut. Da könnten die auch bei der Sportkompanie bestimmt ein paar Freaks finden die sich da gut auskennen.

    • farlab

      Hallo Berndride,

      finde ich vom Prinzip als Gedanke gut – warum nicht mal in die Richtung denken.

      Der Virus des Mod. Fünfkampf habe ich mich jedoch damals aus folgenden Gründen infiziert:
      – Schießen – die Ruhe und Konzentration
      – Fechten – das Flexible, die Schnelligkeit
      – Schwimmen – das Element Wasser
      – Laufen- das Element Erde
      – Reiten – die Interaktion mit einem Lebewesen – bei mir Liebe

      Ich für meinen Teil kann mich an fast alle Pferde erinnern, die mir zugelost wurden. Zu jedem gibt’s eine unvergessene Geschichte (z. B. ich war sehr dankbar, dass der Schimmel mich in Leverkusen im Pulvermanns Grab nicht in den Sand geschickt hatte, Arabelle, die niemals nie eine Kombination sprang). Kein Pferd wurde durch mich verletzt oder gar schlecht behandelt. Und wenn ich gekonnt hätte, hätte ich mir gerne das eine oder andere gekauft.

  6. Pferdefreund

    ein Armutszeugnis für die Jury. In solchen Situationen, mit oder ohen Kamara sollte abgebrochen werden. Schade, dass sie nicht mehr Kenntnisse haben. Da sieht man wieder, welch unfähige Richter die Bewebe bewerten.

    • farlab

      Hallo Pferdefreund,

      mir wäre es auch lieb gewesen, wenn Annika von der Jury abgeläutet worden wäre, da man ihr die Überforderung angesehen hat.

      Dann wäre dem Mod. Fünfkampf die Kollektivhaftung erspart geblieben.

  7. Victoria Beil

    @Farlab
    beim restlichen Reitsport sind auch keine ZUGELOSTEN Pferde, da sind Reiter* und Pferd (im Idealfall) eine Einheit. Sieht man besonders schön bei einigen der deutschen Profireiter*.
    Den Rest haben meine Vorschreiber* schon erwähnt.

    @Berndride
    Die Idee ist nicht schlecht – aber ein Motorrad eher kontraproduktiv, Stichwort Klimawandel. Vielleicht ein E-Bike? Oder ein normales Mountainbike. Das wäre mal wirklich körperliche Leistung!

  8. farlab

    Hallo Victoria,

    Mountainbike zerstört die Wälder und verstört die Rehe.

    Zu Ehrenrettung muss ich hinzufügen, so bald man das Pferd gelost hat, kann man das Pferd lückenlos begleiten:
    4.3.12 Begleiten der ausgelosten Pferde
    Die Fünfkämpfer sind berechtigt, das gezogene Pferd auf dem Aufwärmplatz zu Beginn des Auf-wärmens während des Traben zu beobachten. Die internationalen Kampfrichter und die Mitglieder der Berufungsjury werden die Pferde ebenfalls beobachten.

    Diese Zeit kann (und wird er sinnigerweise) nutzen, um sein Vertrauen zu gewinnen. Gespräche mit dem Eigentümer/Betreuer des Pferdes sind erlaubt und erwünscht.
    Zäumung, Sporen, Gerte – alles wird vom Eigentümer vorgegeben! Eigenauswahl ist nicht erlaubt.

    Die beschrieben 20 min beziehen sich nur auf die Zeit nach dem Aufsitzen.

    Letztlich ist es überhaupt kein Problem. Die Situation ist vergleichbar mit dem Stallbetrieb:
    Das Schulpferd „Alf“ ist bereits 1 Stunde gegangen. Ich habe „Alf“ noch nie geritten und steige zu meiner Reitstunde in seinen Sattel. Das Pferd ist aufgewärmt. Da ich M/S reiten kann, fange ich mit „Alf“ nach 20 min mit lockeren Sprüngen in L/M an.
    Wo ist der Unterschied zum gelosten Pferd? Richtig, es gibt keinen.

    • Sylvia

      Oh doch, es gibt einen ganz gewaltigen Unterschied – und das ist die Wettkampfsituation. Oder saßen Sie jedes Mal hysterisch heulend auf „Alf“, wenn er nicht so wollte wie Sie? Waren Sie dann auch dermaßen aufgelöst, dass Ihnen in dem Moment jedes Mittel recht war, um „Alf“ zum Funktionieren zu bewegen? Ich hoffe es nicht!
      Ein Schulbetrieb mit Schulpferden ist zum Lernen unter Aufsicht bzw. Anweisung da. Mehr muss man wohl dazu nicht sagen.

    • Jana

      Der Unterschied zwischen einem Schulbetrieb und der Situation in Tokio?

      In Tokio waren viele Reiter eben nicht M/S-Niveau, sondern eher E-Niveau, aber sind trotzdem munter gegen die L-Sprünge gescheppert. Im Unterschied zur Reitschule stand in Tokio leider auch keine Reitlehrerin in der Mitte, die in jeder Reitschule diese Horror-Show im Interesse des Pferdes beim ersten groben Reiterfehler abgebrochen und in Grundlagen-Unterricht für den Reiter umgewandelt hätte.

      Wenn die Reiter entsprechend ausgebildet ist, sind Fremdpferde und Pferdetausch ja normalerweise kein großes Problem – siehe Studententurniere, oder die früheren Weltcup-Springen mit Pferdetausch der besten vier Reiter. Mit so schlecht ausgebildeten Reitern, wie man sie in Tokio bei den Fünfkämpfern gesehen hat (bis auf wenige Ausnahmen), geht das aber eben nicht.

      • farlab

        Hallo Jana,

        stimmt genau.

        Deshalb muss man jedoch nicht das Reiten beim Mod. Fünfkampf abschaffen, sondern z. B. mit verpflichtenden Reitabzeichen das Level der Sportler sicherstellen.

  9. Jana

    Ich denke, die Fünfkampf-Bilder aus Tokio sprechen einfach insgesamt eine zu deutliche Sprache: 18 unfassbar brave und willige Pferde, die aus jeder noch so unmöglichen Distanz abspringen und riskieren, sich dabei die Knochen zu brechen, während sie von ihren völlig unausbalancierten Reitern nach Kräften behindert und im Maul gerissen werden. Pferde, die voll in den Sprung gedonnert werden, wieder und wieder, und dabei pro Runde mehrfach mit ihren Beinen schmerzhaft gegen die soliden Holzstangen schlagen. Unzählige Stürze. Ein gestürztes Pferd, das vor Schock und Schmerz einfach liegen bleibt, wird ruppig auf die Beine gezogen, die Reiterin hüpft wieder drauf und weiter geht’s. Reiter, die das Pferd, das ihnen gerade eben im Parcours mehrfach den Ar… gerettet hat, nach dem Ziel keines Blickes mehr würdigen, sondern abspringen und ohne einen Dank an das brave Tier einfach weggehen.

    Aus irgendeinem Grund scheint nur Annika Schleu zur Zielscheibe der Kritik gegen diesen Sport geworden zu sein. Nur weil sie kamera-wirksam heult und mit der Gerte wedelt – was ihrem Saint Boy nicht halb so wehgetan haben wird wie ihr komplettes Vermetern bei den Sprüngen, so dass er mehrfach voll gegen die Stangen geknallt wurde (wie die meisten anderen Pferde ja auch – nur haben die ihr Leid mit weniger Gegenwehr ertragen).

    Es wäre so schön, wenn die Fünfkämpfer auf diesem Niveau wirklich durchgängig passable Reiter wären, die sich in ein fremdes Pferd einfühlen können, und die ein gut ausgebildetes fremdes Pferd mit einem ruhigen Sitz und leichter Hand durch den Parcours steuern könnten. Das gibt es als Wettkampf-Format ja durchaus schon, z.B. bei Studententurnieren, und da sieht man nicht solche grausamen Bilder. Aber so wie in Tokio kann es einfach nicht weitergehen, das ist schlicht Tierquälerei.

    • Amena Rauf-Vater

      Bravo Jana, genauso !
      Es geht nicht um Frau Schleu allein, sondern die Horrorbilder seit Jahrzehnten. Schluss damit ab sofort. Kein guter Reiter würde so etwas unter einer Wettkampfsituation mit fremdem Pferden auf diesem Niveau wagen. Zudem ist bei uns nach einem normalen Sturz sofort Schluss. Und zur Rennreiterei: Das sind Profis (obgleich ich den Mist auch widerlich finde)- die rennen und schwimmen nicht vorher, sondern konzentrieren sich ausschließlich auf ihre Starts – und die Pferde müssen nur geradeaus laufen.

  10. Sylvia

    Oh doch, es gibt einen ganz gewaltigen Unterschied – und das ist die Wettkampfsituation. Oder saßen Sie jedes Mal hysterisch heulend auf „Alf“, wenn er nicht so wollte wie Sie? Waren Sie dann auch dermaßen aufgelöst, dass Ihnen in dem Moment jedes Mittel recht war, um „Alf“ zum Funktionieren zu bewegen? Ich hoffe es nicht!
    Ein Schulbetrieb mit Schulpferden ist zum Lernen unter Aufsicht bzw. Anweisung da. Mehr muss man wohl dazu nicht sagen.

    • farlab

      Hallo Sylvia,

      nein, nur frustriert heulend. Weil meine Ausbildung noch nicht ausreichend war, dem Pferd meinen Wunsch zu vermitteln. Das Pferd kann nichts dafür, wenn ich unzulänglich bin.
      Mein Gewissen könnte es gar nicht ertragen, wenn dem Pferd etwas passieren würde.
      Mein Reitlehrer war übrigens Gerd Schröter, der selbe Reitlehrer wie von Annika Schleu. Der hat mich vom Pferd geholt, wenn ich angefangen habe, Mist zu bauen. Da war die Reitstunde zu Ende.
      Pferd immer vor Reiter.
      Daher durfte ich in Berlin auch die Pferde Korrekturreiten oder neue an die neue Umgebung gewöhnen – Korrekturreiten, was für ein blöder Begriff.
      Dem Pferd sein Selbstvertrauen und das Vertrauen in den Menschen wiedergeben würde es eher treffen.

      • Sylvia

        Prima, dass Sie den Unterschied zwischen einem „zugelosten“ Pferd bei Olympia und in einer Schulstunde selbst so gut rausgearbeitet haben! Wo Sie doch der Meinung waren, es gäbe keinen, aber anscheinend haben Sie sich selbst überzeugt.
        All‘ diese Aspekte, die Sie anführen, teile ich. Genau das hat aber eben in der Wettkampfsituation zu keinem Zeitpunkt stattgefunden.
        Hätte es sich doch so zugetragen, hätte die Trainerin Annika Schleu ebenfalls vom Pferd geholt. Hätte das Pferd vor den Reiter gestellt. Hätte ihr klar gemacht, dass Pferd weder Selbstvertrauen in sich, noch Vertrauen in den Reiter hatte.

  11. Doris

    „Farlab“ kann nur ein fake sein. So b…. kann doch kein Mensch sein. Denke, wir sollten alle unsere Zeit besser nutzen, als sie mit diesem Quatsch zu vergeuden. Widmen wir uns lieber u/geliebten Pferden :-).

    • farlab

      Hallo Doris,

      ganz sicher bin ich kein Fake.

      Ich mag nur keine Pauschalverurteilungen.

      Früher kamen viele Radfahrer zwischen den LKW-Reifen ums Leben. Hat man deshalb Fahrradfahren oder LKWs verboten – nein natürlich nicht.
      Sondern man hat mit Abweisern zwischen den Reifen dafür gesorgt, dass sich die Situation verbessert.

      Wieso sollten also ALLE Fünfkämpfer dafür kämpfen, dass das Reiten aus dem Fünfkampf gestrichen wird, nur weil ein paar Dösbattel zu wenig Reitausbildung haben?

      Die Frage an Sie, ob Sie nur mit Wassertranse und immer ohne Sporen und Gerte reiten ist noch offen :-0

      • Sylvia

        Von pauschal kann hier aber keine Rede sein, so ehrlich muss man dann auch zu sich selbst sein, und so fair zu den Pferden. Die Ritte sind im Gros keine schönen, man sieht einem Großteil der Reiter/innen an, dass sie nicht genügend qualifiziert, und dem Großteil der Pferde an, dass sie mit der Situation überfordert sind. Annika Schleu hat zwar den negativen Höhepunkt gebildet, bei ihr ist die grundsätzliche Problematik eskaliert – aber die zahlreichen Verweigerungen sowie Stürze sind doch keine Einzelfälle! Und auch keine Zufälle.
        Ich bitte auch immer noch zu unterscheiden, dass sich jeder Radfahrer im vollen Bewusstsein des Risikos auf’s Rad setzt. Für die Pferde entscheiden wir Menschen – da ist maximale Fairness Voraussetzung.

  12. Monika Gollor

    Hallo Farlab,
    schön, dass bei Ihnen der Reitunterricht erfolgreicher war als bei anderen, so dass Sie jetzt die verrittenen Pferde „retten“. Gerade deshalb überrascht es, dass Sie sich so dafür aussprechen, dass Ihre Sportkollegen munter weiter Pferde an den Rand des Wahnsinns bringen dürfen, bei mehr als 10 Gertenstrichen sich immer noch als „tierlieb“ bezeichnen und im Grunde über entgangene Medaillen jammern.
    Dieses Olympia und auch schon das davor hat doch eben gezeigt, dass es nicht „ein paar Dösbattel“ im Sinne von ein paar wenigen sind, sondern die Mehrheit der Olympioniken nicht in der Lage ist, unter Turnierbedingungen ohne Gefährdung der Pferde ein L/M Springen zu reiten.
    Wie auch? Ich weiß zwar nicht, welche Reiter/innen welche Reitabzeichen besitzen, aber wenn man in Rimondo mal die deutschen Namen eingibt, zeigen sich keine Turnierteilnahmen. Wo also soll die Routine herkommen, die man für stressige Situationen auf fremden Pferden in einem fremden Parcours braucht?
    In Deutschland zumindest kann man im Übrigen überhaupt nicht in L/M Springen starten, ohne sich die nötige LK erarbeitet zu haben. Welche LK haben denn die deutschen Olympiateilnehmer? Ein paar Sprünge über die entsprechende Höhe zuhause in der Reitstunde, am besten noch mit einem vom Bereiter „hingestellten“ Pferd, nützen da nicht wirklich was. Mit 2 Mal die Woche Reiten ist die nötige LK auf jeden Fall nicht zu schaffen.
    Über die Reitausbildung in anderen Ländern kann man im Weiteren generell nur mutmaßen. Allerdings hat dieses Olympia auf jeden Fall sehr viele Reiter gezeigt, die in Deutschland Schwierigkeiten hätten, das Reitabzeichen zu bestehen.
    Dass die Olympioniken die Besten ihren Landes sind, steigert überdies auch nicht gerade das Vertrauen, dass es den Pferden bei den Qualifikationsturnieren generell gut oder wenigstens zufriedenstellend geht.
    Zu guter Letzt schreiben Sie ja selbst: “ Fünfkämpfer müssen die Pferde sorgsam, fair und ohne Brutalität behandeln. Ein Fünfkämpfer/eine Fünfkämpferin, der/die eine Brutalität gegenüber einem Pferd begeht, wird bestraft.“ Nun : mehr als 10 Gertenstriche schon vor Überreiten der Startlinie und mehrfaches Vermetern im Parcours dürften diesen Sachverhalt locker erfüllen!
    Insgesamt ist mir nicht klar, was gegen ein bmx-Radrennen oder einen Rad-Geschicklichkeitsparcours sprechen sollte. Hier ist jeder Sportler nur von seinen eigenen Fähigkeiten abhängig und nicht vom Losglück oder der Startreihenfolge. Auch das körperliche Anforderungsprofil würde sich viel besser mit den anderen Sportarten überschneiden (Kraft, Ausdauer, Gleichgewicht), was für die Trainingsumfänge des Sportlers wichtig ist. Mehr als 2 Mal pro Woche kann man die verschiedenen Sportarten des 5-Kampfes wohl kaum trainieren. Durch den Wald fahren, muss man für bmx übrigens nicht unbedingt – es gibt genügend Trainingsparcours in der Stadt.
    Ein Änderung in Richtung bmx würde Pferden, Pferdebesitzern, Sportlern und der Chancengleichheit nur gut tun!

    mfG

    Monika Gollor

  13. Axel Henrich

    Zum Fünfkampf einmal allgemein:
    Der moderne Fünfkampf entstand aus der Soldatenreiterei, er simuliert einen Meldereiter der seine Meldung REITENd durch feindliche Linien bringen muß.
    Auf dieser Strecke verliert er sein Pferd und er muß sich LAUFENd weiter bewegen, hierbei wird er vom Feind angegriffen, und er verteidigt sich SCHIESSENd mit der Pistole.
    Als die Munition ausgegangen ist greift er zum Säbel (FECHTEN), um an sein Ziel zu kommen muß er noch einen Fluß durchqueren (SCHWIMMEN) bevor er dann entgültig seine Meldung überbringen kann.
    Es war eine Sportart für Soldaten, die Pferde wurden von den jeweiligen Kavallerieeinheiten gestellt, sie waren alle gleich, und gleichmäßig ausgebildet, und konnten den (damals noch) 5000mtr. Geländeritt mit den entsprechenden Hindernissen, sozusagen im Schlaf abspulen.
    Die Reiter waren ebenfalls nach den entsprechenden Reitvorschriften alle gleich ausgebildet, konnten also beliebig ausgetauscht werden, jeder Reiter gab die gleichen Hilfen, auf die jedes Pferd gleich reagierte, somit war die Verlosung der Pferde keine Glücksache, sondern die Pferde gingen so gut, wie der jeweilige Reiter sie ritt!

  14. M. Bach

    Vielen Dank für die Hintergrundinformationen zur Geschichte des Fünfkampfs.
    Hierdurch lässt sich erkennen, wo die Unterscheide zum heutigen Sport liegen:

    Reiter und Pferde „waren alle gleich, und gleichmäßig ausgebildet … nach den entsprechenden Reitvorschriften, konnten also beliebig ausgetauscht werden, jeder Reiter gab die gleichen Hilfen,
    auf die jedes Pferd gleich reagierte, somit war die Verlosung der Pferde keine Glücksache, sondern die Pferde gingen so gut, wie der jeweilige Reiter sie ritt!“

    Und nicht zu vergessen: es handelte sich um Kavalleristen, also Berufsreiter – sehr viele von ihnen zeichneten sich auch durch „Horsemanship“ aus, fühlen sich ihren Pferden kameradschaftlich verbunden, waren sogar mit Pferden aufgewachsen, in einer weniger technisierten Welt.

    Mit zwei bis drei Trainingsstunden zu Pferde in der nächstgelegenen Reitschule und wildfremden Pferden, schafft das heute niemand mehr ein Springen der Klasse L bis M.

    Also, höchste Zeit, diesen Sport an unsere nun einmal gegebenen Bedingungen anzupassen.
    Solch eine Anpassung hat es ja offensichtlich zuvor auch schon einmal gegeben, oder? Die Reihenfolge wurde geändert: heute steht das Reiten nicht mehr am Anfang, sondern mittendrin.
    Warum sollten weitere Anpassungen nicht möglich sein?

    Im aktuellen Regelwerk des Fünfkampfs, sind mir persönlich vier Verweigerungen und zwei Stürze pro Reiter/in definitiv vier, bzw. zwei zu viel. Vor allem zeigt dies ja, dass man schon von vornherein davon ausgeht, dass kaum ein Paar problemlos durch die reiterliche Aufgabe kommt. Man nimmt also „Kollateralschäden“ billigend in Kauf? Ich denke, dass wir (Gott sei Dank) derzeit in einer Zivil-gesellschaft leben, die andere Vorstellungen hat, und solche Bilder von völlig überforderten Pferden und Reitern wie in Tokyo nicht mehr sehen möchte.

    Vorschlag:
    Eine gekürzte A-Dressur mit Gehorsamkeitssprung, und alle haben damit genug zu tun.
    Die Pferde müssen auch schon einige Tage vorher kennengelernt werden, und nicht nur 20 Minuten.
    Vielleicht sogar in Anwesenheit der Pferdebesitzer. Ein Disziplintrainer FN „Reiten“ muss dabei sein, dem vielleicht noch andere Ideen zu Problemlösungen einfallen, als unterstützender „Faustkampf“.
    So viel Hilflosigkeit auf allen Seiten, war schrecklich anzusehen.

    Aber so, wie es in Tokyo war, schafft sich der Fünfkampf selber ab – und schadet dem Reitsport allgemein, der schon in der Vergangenheit genug durch reiterliche Auftritte von bestimmten Reitern mit ihren Pferden gelitten hat, und abzudriften drohte.

    Es war ein hartes Stück Arbeit, diverse Auswüchse wieder unter Kontrolle zu bringen, und auf den richtigen, klassischen Weg zurückzukehren: das geschah an der Nahtstelle zwischen Totilas und Valegro. Wir sind jetzt reiterlich endlich wieder auf einem guten Weg mit Reiter*innen wie Jessica von Bredow-Werdl und Charlotte Dujardin, Henrik von Eckermann, Ben Mahar und Steve Guerdat, Michael Jung und Julia Krajewski.

    Auf diesen Weg zurückzufinden, wünsche ich mir auch vom Fünfkampf, der sich dann auch gerne wieder „modern“ nennen darf.

  15. Sylvia

    Finde ich ebenfalls einen konstruktiven Kompromiss. An einer Stelle bin ich allerdings anderer Meinung: dass wir grundsätzlich auf einem guten Weg sind in der Reiterei. Es reicht noch lange nicht aus! Annika Schleu hat nicht das einzige zweifelhafte Bild bei dieser Olympiade geliefert.
    Zwar legen die o.g. Reiter/innen einen Weichzeichner über grundsätzliche Problematiken, aber mehr auch nicht. Es gibt noch immer zahlreiche gruselige und ruppige Ritte, solche, die nicht viel mit der klassischen Ausbildung zu tun haben und nach wie vor viel (!) zu hoch bewertet werden, weil die Technik und Mechanik im Vordergrund steht.
    Dies könnte allerdings ein sehr sinnvoller Ansatz sein: https://www.pferderevue.at/aktuelles/sport/dressur/2021/08/comeback-der-schlussnoten-im-dressurprotokoll-.html

  16. M. Bach

    So, und da haben wir den „Salat“:

    Der Deutsche Tierschutzbund hat Strafanzeige gegen Annika Schleu wegen Tierquälerei, und gegen Bundestrainerin Kim Raisner wegen Beihilfe zur Tierquälerei, gestellt.

    Und dann wird vom Tierschutzbund das im Prinzip nachvollziehbare Vorgehen,
    aber auch gleich „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet“:
    Der Präsident des Tierschutzbundes Thomas Schröder, ist der Auffassung, dass in einem leistungsorientierten Wettkampf zwischen Menschen, Tiere nichts zu suchen hätten.
    Seine Anzeige soll „auch der grundsätzlichen Klärung dieses Problems“ dienen.

    Also künftig keinerlei Reit- und Dressurturniere mehr? Nur noch Hobbyreiterei?
    Welche Konsequenzen hat das für die Pferde, die Züchter, Ausbilder und Berufsreiter, die Richter?

    Herzlichen Dank an die vollkommen uneinsichtigen Fünfkämpfer!

  17. Manfred Ullmann

    Das Problem liegt doch eindeutig im System des sogenannten „Moderner Fünfkampf“.
    Wie soll hier ein im Lossystem zugewiesenes Pferd vertrauensvoll in einer Stresssituation Wettkampf-Olympia mit einer völlig unbekannten Reiterin in dieser Umgebung auch noch fehlerfrei einen Parcours bewältigen können.
    Entweder die Fünfkämpfer reiten mit den eigenen Pferden welche durch den ständigen Umgang auch bekannt und vertraut sind, oder dieser Prüfungsteil ist mit einer Disziplin zu ersetzen bei der ausschließlich der Athlet die Leistung zu bringen hat.
    Hier jedenfalls hat die gesamte Organisation im Hintergrund der Disziplin Fünfkampf vollkommen versagt und ein nicht mehr gut zumachendes Schreckensbild weltweit präsentiert, diese Organisation gehört angeklagt.
    Die Fünfkämpferin und die Trainerin nun als Täter an den Pranger stellen zu lassen und selbst untätig in Deckung zu gehen ist absolut beschämend und unterste Schublade.
    Sollte sich generell hier am Fünfkampfsystem nichts ändern, sollte diese Art von Wettkampf generell verboten werden.
    Hier eine Strafanzeige gegen die Reiterin und Trainerin zu stellen ist absolut deplatziert und zeugt von unüberlegtem Übereifer des Tierschutzbundes, dessen Verantwortlichen ich hiermit meine bisherige Unterstützung aufkündige.

  18. Manfred Ullmann

    Das Problem liegt doch eindeutig im System des sogenannten „Moderner Fünfkampf“.
    Wie soll hier ein im Lossystem zugewiesenes Pferd vertrauensvoll in einer Stresssituation Wettkampf-Olympia mit einer völlig unbekannten Reiterin in dieser Umgebung auch noch fehlerfrei einen Parcours bewältigen können.
    Entweder die Fünfkämpfer reiten mit den eigenen Pferden welche durch den ständigen Umgang auch bekannt und vertraut sind, oder dieser Prüfungsteil ist mit einer Disziplin zu ersetzen bei der ausschließlich der Athlet die Leistung zu bringen hat.
    Hier jedenfalls hat die gesamte Organisation im Hintergrund der Disziplin Fünfkampf vollkommen versagt und ein nicht mehr gut zumachendes Schreckensbild weltweit präsentiert, diese Organisation gehört angeklagt.
    Die Fünfkämpferin und die Trainerin nun als Täter an den Pranger stellen zu lassen und selbst untätig in Deckung zu gehen ist absolut beschämend und unterste Schublade.
    Sollte sich generell hier am Fünfkampfsystem nichts ändern, sollte diese Art von Wettkampf generell verboten werden.
    Hier eine Strafanzeige gegen die Reiterin und Trainerin zu stellen ist absolut deplatziert und zeugt von unüberlegtem Übereifer des Tierschutzbundes, dessen Verantwortlichen ich hiermit meine bisherige Unterstützung aufkündige.
    Jedenfalls haben diese unschönen Bilder alle anderen vorbildlich mit ihren Pferden umgehenden Menschen in den Verruf gebracht Tierquäler zu sein…………

  19. Monika Gollor

    Strafanzeige tatsächlich übertrieben?
    Viele Vorredner stellen zu Recht fest, dass das gesamte System versagt hat und noch immer versagt. Dem ist auch nichts hinzuzufügen. Auf die Änderungen darf man gespannt sein.
    Aber warum sollte hier die Strafanzeige für eine so augenfällige und schreckliche Entgleisung durch den Tierschutzbund übertrieben sein?
    Das Gegenteil ist hier doch der Fall: wer einem ihm anvertrauten Tier Leid zufügt, und dies vor den Augen der (Welt-)Öffentlichkeit ganz in Verkennung seiner Vorbildfunktion, der kann nicht ungestraft davonkommen.
    Überdies lässt sich in der Presse bis heute ein zu niedriges Unrechtsbewusstsein der Reiterin und im Wesentlichen auch der Trainerin nachlesen. So gibt die Athletin in einem Interview zwar wenigstens schon zu, sie hätte „etwas (!) besonnener agieren können.“, überwiegend wiederholt sich aber, was z.B. die dpa heute 18.00 Uhr veröffentlicht:
    „Ich habe das Pferd nicht extrem hart behandelt. Ich hatte eine Gerte dabei, die vorher kontrolliert wurde. Genauso wie die Sporen. Ich bin mir wirklich keiner Tierquälerei bewusst“, wehrt sich die 31-Jährige jüngst im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“(11.8.21) gegen die harschen Vorwürfe.

    Schläge damit zu normalisieren bzw. zu legitimieren, dass sie mit einer regelkonformen Gerte erfolgen, ist wirklich eine seltsame Einstellung. Und wenn die Reiterin auch Tage später noch nicht weiß, dass es Tierquälerei ist, ein verängstigtes Pferd mit Hieben in einen Parcours zu hetzen, verschlägt es einem schier die Sprache.
    Vermutlich wird nur durch die Strafanzeige verhindert, dass sich bei Reiterin und Verband der Mantel des Schönredens und Vergessens in Sekundenschnelle über die Untat senkt und letztlich doch weitergemacht wird wie bisher.

  20. M. Bach

    Hallo Monika,

    ich habe es nicht so gemeint, und ich habe die anderen hier auch nicht so verstanden, dass die Strafanzeige wegen Tierquälerei an sich in Frage gestellt wird. Das Vorgehen des Tierschutzbundes ist schon gut und richtig, und führt hoffentlich zu einer allgemeinen Sensibilisierung.

    Die Kritik richtet sich dagegen, dass „keinerlei Wettkämpfe zwischen Menschen unter Beteiligung von Tieren“ mehr stattfinden sollen, bzw. verboten werden. Die Reiterei wird damit z.B. Stierkämpfen, und was es sonst noch alles so gibt, gleichgestellt. Dieser Kommentar zur Klageerhebung kann durchaus so interpretiert werden, dass das Verbot nicht nur die Olympischen Spiele und den Fünfkampf betrifft, sondern sämtliche Reit- und Springturniere: von der Führzügelklasse bis zum Grand Prix.

    Und die Auswirkungen davon, mag ich mir auch wirlich nicht vorstellen, wie schon gesagt:
    für die Züchter, die Aufzüchter, die Reiter, die Pferde, Reitvereine, Reitschulen, Tierärzte, Hersteller von Nahrungsmitteln und Medikamenten, Hufschmiede, Sattler, Ausstatter, Bau von Reitanlagen, Pferdetransporter, Medien, Ausrichter von Events, Messebaufirmen, Gastronomie und Hotellerie.
    Sie alle würden das zu spüren bekommen. Das ist ein eigener Wirtschaftsbereich, den es da trifft.

    Wenn es keine Turniere mehr gibt, werden auch nur noch wenige Pferde für den Freizeit- und Hobbybereich gebraucht, und zwar gerade nicht die Begnadeten wie z. B Valegro und Dalera, Alice und Chipmunk, die der normale Freizeitreiter vielleicht gar nicht sitzen und reiten kann.

    Und was wird dann aus denen? Geht es ihnen wie den Pferden damals, als sie (Gott sei Dank) nicht mehr für die Kavallerie, und auch nicht mehr in der Landwirtschaft benötigt wurden. Die Oldenburger Pferde, z. B. hatten nur noch eine Handvoll Stuten, nachdem fast der gesamte Bestand auf den Schlachthöfen geopfert wurde.

    Ich denke mal und hoffe aber auch, dass es so weit nicht kommen wird. Wirtschaftlich starke Unternehmen wie „Schocke-Strand“ und Co. werden da sicherlich intervenieren.


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