Kommentar: Eklat beim Fünfkampf – „Hau drauf“

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Annika Schleu und Saint Boy im Parcours des Modernen Fünfkampfes bei Olympia 2021 in Tokio. (© Getty Images)

In den sozialen Medien geht derzeit ein Video viral, das bei weitem nicht nur Reitsportler aufschrecken lässt. Bei der Disziplin Moderner Fünfkampf bei Olympia 2021 in Tokio haben ausgerechnet eine deutsche Athletin und ihre (Bundes-)Trainerin für abscheuliche Bilder gesorgt. Die gehen nun um die Welt. Die Meinung von St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer zu dem Vorfall.

Saint Boy will nicht. Der braune Wallach läuft immer wieder rückwärts, im Sattel Annika Schleu, Deutsche Fünfkämpferin bei den Frauen auf Goldkurs nach Bestleistungen im Schwimmen und Fechten. Sie rammt dem Pferd die Hacken rein, schlägt hilflos ein paarmal mit der Gerte auf Saint Boy ein, um ihn in Gang zu bringen. Aber der lässt nicht mit sich reden, ist offenbar total verunsichert und bleibt in seiner Ecke. Am Rande steht eine Frau und schreit durch die Mikrofone weithin hörbar: „Hau richtig drauf!“ Es ist die Bundestrainerin, Kim Raisner. Als ob das was nützen würde! Wenn diese hässlichen Szene, die man nicht nur bei Olympia nicht sehen will, etwas Gutes hat, dann die Erkenntnis: Wenn ein Pferd nicht springen will, kann es kein Mensch der Welt dazu zwingen. Annika Schleu scheidet aus, in so einem Fall erhält sie keine Punkte in der Disziplin Reiten, fällt auf Platz 31 zurück.

Erst Feuer, bald Flächenbrand?

In einem Moment, in dem der olympische Reitsport in die Defensive geraten ist, durch den Tod des Pferdes Jet Set, das nach einem Unfall im Cross eingeschläfert werden musste, nach den Bildern des irischen Schimmels Kilkenny, der blutüberströmt aus dem Parcours galoppierte, gießen jetzt die Bilder einer Bundestrainerin, die ihre Athletin auffordert, auf ihr Pferd einzuprügeln, Öl ins Feuer, das sich, darüber sollte man sich keine Illusionen machen – zu einem Flächenbrand ausbreiten könnte.

Saint Boy war bereits mit seiner ersten Reiterin  (alle Pferde gehen zweimal), einer Russin, ausgeschieden. Das reiterliche Niveau im Modernen Fünfkampf war wie schon bei früheren Spielen sehr durchwachsen, zuweilen erbärmlich. Alle Pferde, die für den Modernen Fünfkampf im Tokyo Stadion, also nicht im Equestrian Park, eingesetzt wurden, mussten mit ihren japanischen Besitzern, die sie für 1000 Dollar zur Verfügung gestellt hatten, am Vortag einmal den Original-Parcours (L- bis M*-Niveau) absolvieren. Dabei habe es, so Parcourschef Olaf Petersen, keine besonderen Probleme gegeben.

Im Fünfkampf ist das Pferd ein Sportgerät

Das Reiten ist seit langem die Achillesferse des Fünfkampfes. Laufen, Schießen, Fechten, Schwimmen – das sind alles Disziplinen, in denen objektiv die Leistung gemessen werden kann. Einen M-Parcours auf einem zugelosten Pferd zu reiten, ist ein Vabanque-Spiel, mal klappt’s, mal nicht, und das hängt nicht unbedingt von den Reitkünsten der Athleten und Athletinnen ab. Reitsport heißt die gemeinsame Leistung von Reiter und Pferd, basierend auf Vertrauen und Ausbildung. Das ist der Wesenskern unseres Sports und sollte überall gelten, wo Pferde im Wettkampf eingesetzt werden.

Im Fünfkampf sind Pferde, was sie nie sein dürfen: Sportgeräte, wie das Gewehr beim Schießen und der Degen beim Fechten. Das haben sie nicht verdient, das verletzt ihre Würde, um es mal so hoch zu hängen. Deswegen sollte Reiten schleunigst aus dem Modernen Fünfkampf verschwinden. Man kann es ersetzen, durch  BMX-Radfahren zum Beispiel oder Klettern an der Wand oder was es sonst noch Modernes gibt. Das tut keinem weh, der Erfolg hängt nicht vom Losglück ab und niemand wird verprügelt.

  1. Nancy

    Meine Güte….ich war entsetzt, als ich diese maßlose Tierquälerei gesehen habe….!Man kann nur hoffen, dass das Ganze in Deutschland ein böses Nachspiel für die Athletin (kann man so etwas überhaupt als Mensch bezeichnen???) und die Trainerin hat. Nie wieder dürfen solche Tierquäler an einem Wettbewerb teilnehmen!
    Ich wäre am liebsten in den Fernseher gesprungen und hätte die Alte selbst mit der Gerte vermöbelt.
    Hoffentlich kümmern ich „die richtigen Stellen und Leute“ nun um solche Subjekte….ich hab echt die Hasskappe auf….schäm dich, du Tierquälerin!

  2. A.M.

    Ich stimme diesem Kommentar 100% zu. Diese Vorstellungen haben mit guter Reiterei nichts zu tun. Es war gut zu erkennen, dass das Pferd von der Kulisse beeindruckt war und nach einigen unpassenden Distanzen völlig das Vertrauen zur Reiterin verloren hatte. Unter diesen Umständen „Draufhauen“, um die Medaillenchancen zu wahren, ist unreiterlich und erbärmlich.

  3. Birgit Hügli-Herrmann

    Annika Schleu‘s Prügel-Attacke ist erbärmlich , für diese Tierquälerei sollte sie lebenslang gesperrt werden. Auch die Bundestrainerin, die ihre Athletin noch anfeuerte „hau richtig drauf“ gehört mit sofortiger Wirkung ihres Amtes enthoben.
    Bei allem Respekt, aber die Würde des Pferdes muss über dem verbissenen Willen stehen eine Medaille zu erringen.

  4. Pia B

    Ich sehe das genauso. Reiterin und Trainerin gehören gesperrt, und zwar auf Dauer! Eine ordentliche Strafe aufgrund Tierquälerei noch oben drauf! Bin total traurig, soetwas gesehen zu haben. Den Reitsport und auch unser Land so in den Dreck zu ziehen. Unglaublich!

  5. Ralf Claus

    Hallo Frau Pochhammer,
    solche Bilder wollen wir alle nicht sehen. Reiterin, als auch Trainerin werden sich bestimmt noch für Dieses zu verantworten haben. Diese Pferde im Fünfkampf können einem nur Leid tun. Frau Werth hat sich auch hierzu auf Sport1 geäußert. Ein solches Verhalten dieser zwei Personen schädigen nur das Ansehen des Pferdesports.

  6. Monika Gollor

    Gibt es tatsächlich irgendjemanden, der sich der Forderung von Fr. B. Hügli-Herrmann nicht anschließen mag? Wohl kaum. Jeder, der die Minuten im Live-Stream gesehen hat, kann nur zu diesem Schluss kommen.
    Kritik müssen sich dabei auch die Richter der Prüfung gefallen lassen. Es ist wirklich sehr bedenklich, dass die Reiterin nicht früher gestoppt wurde, sie das Pferd am Rand und während des Parcours schlagen durfte und tatsächlich erst nach der letzten Verweigerung abgeläutet wurde. Spätestens nach Verlassen der Bahn hätten Reiterin und Trainerin wegen grober Unsportlichkeit und Tierquälerei vom Wettkampf ausgeschlossen werden sollen.
    Überraschend und erschreckend sind zudem die Reaktionen in späteren Interviews.
    Schleu spricht von „fiesen Nachrichten in ihre Richtung“. Sie habe schon „diverse Hassnachrichten erhalten“. Sätze wie „Holt das Mädchen vom Pferd runter“ und sich übergebene Smileys würden dabei noch zu den gemäßigten Botschaften gehören. Dabei sei sie sehr „tierlieb …. mit einem guten Gefühl für Pferde“. Sie betonte zudem nach dem Laser-Run in der ARD, die Bilder könnten einen falschen Eindruck vermittelt haben und stellt klar: „Wir deutschen Fünfkämpfer sind als gute, solide und einfühlsame Reiter bekannt.“ Und sie fährt fort: „Es bricht uns das Herz, dass wir es nicht zeigen können. Ich denke, die Leute können es einfach nicht richtig einschätzen.“ Was soll man über diese Selbsteinschätzung noch sagen?
    Was dem Fass dann völlig den Boden ausschlägt, ist dann aber die Reaktion der Trainerin. Sie erklärt die Lage so: “Ich hab gesagt, hau drauf. Aber sie hat das Pferd nicht gequält, in keinster Weise” und wiederholt: Es sei jetzt “keine Quälerei, dass man mal mit der Gerte hinten draufhaut. Sie hat dem Pferd nicht im Maul gerissen. Sie hatte keine scharfen Sporen dran. Pferde quälen sieht anders aus.”
    Abgesehen davon, dass die Trainerin mal zählen lernen sollte- auf dem live-stream- Video sind neben dem Sporeneinsatz 10 Gertenschläge vor dem Losgaloppieren zum Start zu erkennen – Worte der Einsicht in die Verwerflichkeit der Tat werden schmerzlichst vermisst.
    (Zitate nach RTL-news und eurosport)

  7. Hugo

    Warum wird hier immer die Athletin angegriffen? Diese bringt eine gigantischeee Leistung, führt mit immensem Vorsprung. Alles dahin, weil ihr absolut unfähiges Sportgerät zur Verfügung gestellt wird. Lächerliche Regeln. Mir tut die Athletin unendlich leid.

    • Sabine

      Mir tut das Pferd – übrigens ein Tier und kein Gerät und mit Sicherheit auch nicht „unfähig“ – unendlich leid.

      Für die Athletin kann ich beim besten Willen kein Mitgefühl aufbringen. Sie gehört gesperrt und die Trainerin entlassen.

    • Kathrin

      Ein Lebewesen als „Sportgerät“ zu bezeichnen ist der Gipfel an Überheblichkeit. Was wir uns als Menschen herausnehmen ist schrecklich. Keine Achtung vor anderen Wesen.!
      Als Athletin sollte sie mit gutem Beispiel vorangehen.
      Das Prinzip von Gewalt und Unterwerfung ist in unserer angeblich so zivilisierten Zeit absolut unangebracht.
      Sie hätte absteigen und aufgeben sollen.
      Das wäre ein gutes Beispiel gewesen und hätte athletische Größe bewiesen.

    • Alien1

      Ach Hugo, deine Aussage ist so traurig und dennoch so wertvoll. Sie erinnert uns daran wie Krank, dumm und erbarmungslos wir Menschen sind. Ich hoffe eine intelligente Außerirdische Lebensform benutzt dich einmal als Sportgerät.

  8. Helmold Baron von Plessen

    was da heute beim modernen Fuenfkampf i.d. Disziplin Reiten von einer Deutschen Sportsoldatin, die von sich auch noch behauptet, ein besonders tiergerechte Bindung zu Pferden zu haben, angefeuert von einer Deutschen Bundestrainerin, Spezialgebiet Reiten, der sportlich interessierten Weltoeffentlichkeit dargeboten wurde, verschlaegt einem eigentlich die Sprache. Darf sie aber nicht. Im Gegenteil. Sie muss laut und deutlich erhoben werden. Zum Erhalt einer an sich uralten Disziplin, i.d. der sich kein, heute Athlet, frueher meist Soldat, genau wie im Biathlon, sosehr als kompletter Wettkaempfer beweisen kann. Zu Wasser u. Land, mit der Waffe i.d. Hand und auf dem Ruecken des Partners, der seid urvordenklichen Zeiten dem Menschen seine Schnelligkeit, sein untruegliches Erinnerungsvermoegen, ( da behauptet doch tatsaechlich ein Kommentator, „Saint Boy“ wuerde das O.S. Stadion, welches er aus irgendwelchen unerfindlichen Gruenden nicht mochte auf der Weide bald wieder vergessen. Welch Hohn. Die Menschen, die ihn sinnlos sporniert und u. flennend vermoebelt haben, die wird er sein leb lang nicht vergessen und zum Glueck wohl auch nie wieder erleben. Die Deutsche Sportsoldatin und ihre Bundestrainerin, Spezialgebiet Reiten) seine Bereitschaft, dem Menschen auch in schwierigsten Lagen ein echter Kamerad zu sein, so dieser Zugang zu Ihm findet. Diesen Zugang hatte die Deutsche Sportsoldatin, eine erfahrene Fuenfkaempferin, auch nach vielen Jahren intensiven Trainings, angeblich auch i.d. Disziplin Reiten, offensichtlich nicht. Seydlitz u. Ziethen wuerden sich im Grabe umdrehen, wenn sie haetten mit ansehen muessen, was aus ihren pferdeverstehenden Meldereitern geworden ist. Geschossen wird im modernen Fuenfkampf heute schon mit der Laser Pistole. Wird das Lebewesen Pferd auch noch eliminiert, nimmt man ihm das was ihn m. E. eigentlich ausmachen soll : den/die kompletten/e Athleten/in bei dem der aelteste Gefaehrte des Menschen seinen ihm gebuehrenden Platz einnimmt. Dies kann kein BMX-Rad. Der Teil Reiten sollte mit eine hoeheren Koeffizienten bedacht werden, sodass auf die reiterliche Ausbildung der Wettkaempfer/innen von vorn herein mehr Sorgfalt verwandt wird. Ausserdem sollte jedes Pferd nur einen Parcours absolvieren muessen, damit die Tiere sich nicht auf einen neuen Menschen einstellen muessen. Hat das zukuenftige „Fuenfkampfpferd“ erst mal einen hoeheren Stellenwert, ist das auch fuer Zuechter und Ausbilder interessanter. Gute Voltigierer sind auch nicht billig. Auch sollte der Pacours maximal L-Niveau u. nicht zwischen L u. M. Niveau haben. Auch auf die Gefahr hin, als unverbesserlicher Traditionalist, vielleicht sogar hippologischer Romantiker, verschriehen zu werden, moechte ich eine Lanze fuer den modernen Fuenfkampf brechen, in seiner bisherigen Form. Abscheuliche Bilder wie heute, die den gesamten Pferdesport, in diesem Fall zu recht, diskreditieren, darf es nicht mehr geben ! Da sind vor allem die Verbaende gefragt, um dem Einhalt zu gebieten. Auch die Bundeswehr, als Dienstherr der Sportsoldatin. Bei der Kavallerie gab’s fuer eine Druckstelle, hervorgerufen durch einen unterm Sattel nicht sorgfaeltig genug gefalteten Woilach, drei Tage Arrest bei Wasser u. Brot. Soviel zum Wohlbefinden von Kamerad Pferd i.d. auch nicht immer „guten alten Zeit“. Den Pferden ist’s auch in frueheren Zeiten nicht immer nur gut gegangen. Aber sie haben fast alles mit einem durch gestanden, wenn man sie auf seiner Seite hatte. Genau so wie heute. Siehe Dalera u. Amanda de B’Neville. Ich lebe seit ueber 15 Jahren i. Paraguay, sozusagen in einer hippologischen Diaspora. Was die beiden Damen beim Fuenfkampf heute angerichtet haben, mag aus einer WhatsApp Nachricht meines Sekretaer’s, der mit Pferdesport wirklich nichts am Hut hat, reiner Fussballer, hervorgehen. Ich zitiere : Sie haben es bestimmt gesehen von Annika Schleu. Wie erklaert sich das ? Zitatende. Wasser u. Brot, ob das wohl ausreicht fuer die Deutsche Sportsoldatin u. die Deutsche Bundestrainerin Disziplin Reiten, beim Fuenfkampf ??????? Drauf hauen darf man ja heute nicht mehr.

  9. Mi

    Zitat Hugo:
    Warum wird hier immer die Athletin angegriffen? Diese bringt eine gigantischeee Leistung, führt mit immensem Vorsprung. Alles dahin, weil ihr absolut unfähiges Sportgerät zur Verfügung gestellt wird. Lächerliche Regeln. Mir tut die Athletin unendlich leid.

    Dass A. Schleu ein Pferd zugelost bekam, das den Parcours offensichtlich nicht springen wollte/konnte, war Pech. Aber kein Grund, mit der Gerte auf dieses Tier (!!!! nicht „Sportgerät“ !!!!!) einzuprügeln.

    PS. Vielleicht hätte man Saint Boy nach seinem Ausscheiden mit der russischen Reiterin aus dem Wettbewerb nehmen sollen? Erlauben das die Fünfkampf-Regeln oder muss da wirklich jedes Pferd auf der Liste unter zwei Reitern gehen?

    • Kim

      Wir greifen hier nicht die atlehtin an wir wollen nur nicht mit ansehen wie ein Tier wegen einer Medaille verprügelt wird und es sind keine Maschinen . Also wenn ein Pferd zu schlagen eine gute Leistung ist dann weiss ich auch nicht

  10. etc

    Die Blumen des bösen (Sturzes)

    Was ist der Sinn der Disziplin REITEN im „Modernen Fünfkampf“?
    Die Kombination von unerfahrenen Reiter*innen auf unbekannten Pferden die über einen L Parcours gehen, ist nur eins: furchtbar gefährlich. Niemand im Reitsport würde das im eigenen Stall mit ihm anvertrauten Personen und Pferden, Pferden und Personen (Wer kommt zuerst? Man müsste diese Worte übereinanderschreiben) machen. Wenn nicht aus Verantwortungsgefühl, dann zumindest aus Haftungsgründen.

    Der Sinn ist also Spektakel? Sollen die Zuschauer*innen im Jahr 2020 immer noch Spaß an der Gefährdung von Reiter*innen- und Pferdeleben haben, wie es die militarisierte Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts offensichtlich hatte? Daran, dass ein Pferd über eine gestürzte Reiterin läuft? Daran, dass wir wissen, wenn die Regie wieder minutenlang die japanische Kirschblüte an Sprung zwei zeigt, dass entweder Reiter*in oder Pferd schwer verletzt oder tot sind? Für welches Publikum wird hier gedreht? Offenbar nicht für das, das bei der Fußball-EM so viel Mitgefühl für den Fall Erikson gezeigt hat.

    Reiten im Fünfkampf soll Gleichgewichtssinn, Einfühlungsvermögen und Feingefühl der Athlet*innen unter Beweis stellen. Im Vordergrund steht stattdessen die Angst. Die Angst der Reiter*innen, der Zuschauenden, der Kommentierenden („Oh Gott..“, „Haaa…“). Wer unberechtigter Weise keine Angst um sein Leben hat, reitet konzentrierter, erfolgreicher. Ist das der Sinn von Sport? Ist das noch ein Sportspiel, ein olympisches Spiel?

    Gleichgewichtssinn, Einfühlungsvermögen und Feingefühl: Kommt da nicht auch Contact-Impro als fünfte Disziplin in Frage? Da ist es auch nicht schlimm, wenn Eine/r aus der Nase blutet und der Kommentator den Kommentar dazu verweigert. Der Partner muss auch nicht „erlöst“ werden, wenn man ihn verletzt.

    Der moderne Fünfkampf sollte dringend postmodern werden.

  11. Sigrid

    Ich habe mich versucht zu informieren und es scheint wohl so, dass ein Pferd erst nach 4 ! Verweigerungen oder 2 Reiter-Stürzen durch ein Ersatzpferd ersetzt werden muss ! Also, die erste Reiterin scheidet nach 3 Verweigerungen aus und man mutet dem verunsicherten Pferd noch eine weitere fremde Reiterin zu. Ohne Worte…. und auch sicher für die betreffende Reiterin kein gutes Gefühl. Der Tierarzt hatte sich das Pferd angesehen und keinen Grund gesehen, es auszuschliessen….(aber er hätte doch einen finden können, wenn er ein bißchen Pferdeverstand hätten walten lassen.)
    Richter schauen sich die Ritte an und läuten nicht ab, Funktionäre sind vor Ort und hoffen wohl nur auf die Medaille.
    Alle sind mitverantwortlich.

    Hass-Tiraden auf die Reiterin siehe Kommentar von Nancy sind für mich aber ebenso völlig indiskutabel. Wer die „Alte“ kaum noch als Mensch bezeichnet und diese gerne verprügeln möchte, ist für mich auch keine ethische Leuchte. Also körperliche Gewalt gegen Tiere ist nicht OK, aber gegen Menschen schon ?

    Ich hätte Frau Scheu die innere Stärke gewünscht, die Hand zu heben und auf den Versuch zu verzichten, denn ihr musste nach der Vorgeschichte und dem Verhalten des Pferds beim Einreiten klar sein, dass das nicht gut ausgehen würde.

    Viel wichtiger ist aber jetzt eine umgehende Änderung der Regeln. Nirgendwo im Springsport wartet man 4 Verweigerungen oder 2 Stürze ab.( Selbst beim Reitabzeichen kann ein Richter einen Pferdewechsel anordnen, wenn ein Tier absolut nicht will, egal ob es die Tagesform oder das Vermögen ist.)
    Fachkundige Richter müssen nach Ermessen einschreiten können und man muss den Pferden und Reitern auch nicht solche Parcours in den Weg stellen. Über die Abmessungen kann man diskutieren und auch über die abschreckende Hindernisgestaltung. Da gab es schon viel zu sehen.
    Und warum nicht ein Training am Vortag mit dem zugelosten Pferd auf dem Turnierplatz, damit sich beide aneinander und die Atmosphäre gewöhnen können ?
    Das Training findet wohl mit dem Besitzer des Pferdes statt, aber dem vertraut das Pferd ja auch, einem Fremden vielleicht nicht, der noch dazu unter immensem Stress steht, was das Pferd definitiv merkt.

  12. Selja

    Sehr guter Kommentar, liebe Sigrid.

    Ich sehe da auch 2 Komponenten – eine Athletin, die in Führung liegt und dann voller Adrenalin merkt, es läuft nicht und leider komplett die Nerven verliert. Das ist bitter, für die Reiterin und für das Pferd.

    Was mich mehr schockiert, sind die Umstehenden: eine Trainerin, die nur „draufhaut“, statt Ruhe in die ganze Sache zu bringen, ein Kampfgericht, das zuschaut, anstatt abzuklingeln… Warum ist bei einem olympischen Finale niemand in der Lage, einer Reiterin, die offensichtlich nicht mehr kann, die Hand zu reichen und die Situation zu entschärfen. Warum draufhauen, warum sagt keiner „Durchatmen, langsam….“

    Fragen über Fragen…

  13. ursula machner

    sehr enttäuschend die leistung unserer springreiter. aber wenn man an die vergangenen turniere, die auch im fernsehen übertragen wurden, denkt, so war das kein überraschender ausgang. deutschland monatelang immer nur unter ferner liefen…. man konnte – wenn überhaupt – nur auf eine bronzemedaille hoffen. fragt sich nur, was andere nationen für pferde haben, und wie sie trainieren. vielleicht müßten mal neue trainer her, endlich mal weg von der vorgabe „langsam und vorsichtig“ hin zu “ mutig und flott vorwärts“. die anderen können das doch auch. bin überzeugt daß tebbel mehr gekonnt hätte, er wäre sicher für eine nullrunde gut gewesen. wie ist es möglich, daß z.b. mclaind ward´s pferde fast nie springfehler machen? wer trainiert ihn, und vor allem wie…..?

  14. Simone

    Ich bin sehr überrascht über die Kommentare zu Annika Schleu und musste mir die Augen reiben, als ich Frau Werths Anmerkung gelesen habe.

    Im Vergleich zu dem, was im professionellen Dressur- und Springsport abläuft, ist die Szene ein Witz.

    Man muss es ja nicht übertreiben: das war ein Klopfen mit der Gerte, um das Pferd aus der Ecke weg zu bekommen und noch recht zaghaft im Vergleich zu solchen Szenen in ländlichen L und M, wie man sie jedes Wochenende im Dutzend hat.

    Ich brauche das wirklich nicht, aber es ist klar ersichtlich, dass das eine Ausnahmesituation war. Und mit einem fremden, steigenden Pferd verstehe ich wohl, dass jemand zuerst mal vorwärts will: nächste Eskalationsstufe des Rückwärtsgangs: Steigen.
    Und das Steigen endet schon mal im Überschlagen. Jeder, der länger geritten hat oder mal ein Turnier gesehen hat, kennt das.

    Dazu lief das Pferd m.E. auf Wassertrense.

    Dagegen wird die Mehrheit der „Profi-Pferde“ mit scharfen Gebissen, Schlaufen und oft in Demutshaltung geritten und einfach zuhause schon so abgerichtet, dass ihnen solche Lebendigkeiten ausgetrieben sind.

    Mit Verlaub, sich da als Moralapostel zu betätigen, finde ich äußerst fragwürdig. Ich kenne Berufsreiter, die selber nicht zimperlich sind und über das Training in den Top-Ställen sagen:
    „Willst du nicht wissen, was da hinter geschlossenen Hallentoren läuft, wenn die Lichter aus sind.“
    Und ehrlich gesagt: der Abreiteplatz oder das links-rechts Gezerre vor Beginn der Springritte jetzt in Tokio vor laufenden Kameras reicht mir auch schon.

    Da sagt keiner was. Sorry, aber da nehme ich lieber das Gertenklopfen von Annika Schleu.

    • Sylvia

      Ich gebe insofern Recht, dass das „Gertenklopfen“ im Vergleich zu manch anderen Dingen im Reitsport vermutlich harmlos ist.
      Zum einen geht es aber auch mehr um die ganze Situation. Nicht nur jeder mit Pferdeverstand, sondern jeder mit Augen im Kopf hat gesehen, dass das Pferd völlig verängstigt und verunsichert war. Das Pferd dann mit den Mitteln „überzeugen“ zu wollen, zeigt, wie wenig Empathie und Bezug vorhanden ist, wie wenig Ahnung, wie sehr das Pferd einfach funktionieren soll und wie die Reiterin nebst Trainerin ihre nicht mehr kontrollierten Emotionen am Pferd ausgelassen haben.
      Zum anderen ist das wirklich whataboutism. Die weiteren Missstände gehören aufgedeckt und abgestellt, aber das eine Unheil macht das andere nicht weniger schlimm.

  15. Kim

    Hey Leute ich finde nur weil man so ne blöde Medaille haben will muss man keinem Tier weh tun und die Trainerin so Schlag mal richtig drauf also wenn ich die Besitzer dieses Pferdes wäre ich würde die so anschreien und sagen die soll aufhören meinem Pferd weh zu tun so Was geht gar nicht diese Frau hätte es verdient rausgeworfen zu werden ich selber reite auch und benutz die ger te nur im Notfall # Pferde schlagen geht gar nicht .

  16. Eileen

    Ich schließe mich den Kommentaren von Sigrid und Selja an. In einem Interview aus dem Jahr 2014 von Lena Schöneborn, damals schon Olympiasiegerin, habe ich gelesen, dass sie 2x pro Woche reitet/ritt. Sicher ein realistischer Wert, wenn vier weitere Disziplinen trainiert werden müssen. Wenn man vor diesem Trainingshintergrund die doch erheblichen Anforderungen (L-Springen nach Fehlern und Zeit auf nahezu unbekanntem Pferd) in den Wettkämpfen sieht, muss man sich über manche Bilder nicht wundern. Als Zuschauerin würde ich stattdessen lieber etwas weniger Spektakuläres sehen, z. B. eine Dressurreiterprüfung (vielleicht noch mit Gehorsamssprung/ -Sprüngen) oder eine Stilspringprüfung auf A-Niveau oder eine Art Caprillitest. Mit einem Fremdpferd immer noch herausfordernd. Damit könnte man Einfühlungsvermögen und Geschicklichkeit genauso gut abfragen. Und es gäbe vielleicht weniger überforderte Reiter und Pferde.

    • Claudia Reher

      gut geschrieben! vor allem ein gute Kompromissvorschläge!

      (aber am liebsten würde ich die Reitsport-Disziplin ganz vom 5Kampf herausgenommen sehen.)

  17. Brigitte

    Liebe Simone, das Pferd lief auf Aufziehtrense, nicht auf Wassertrense.
    Wo sind eigentlich die Vorgaben zu Ausrüstung festgelegt? Und klopfen mit der Gerte sieht anders aus.

  18. Jürgen Klostermann

    Man sollte die Modernen Fünfkämpfer nicht mit Pferdesportlern verwechseln.
    Das Wenigste was sie können ist reiten.
    Nehmt ihnen die Pferde weg, denn sie werden immer wieder mit Reitern verglichen und somit
    in einen Topf geworfen werden.

  19. Sa Vo

    Diesen Live-Stream hatte auch ich gesehen, und die vorherigen Athleten gesehen.
    Auch andere sind sehr unwürdig mit den Pferden umgegangen, eine sprang direkt nach ihrem katastrophalen Ritt vom Pferd und überließ es am Ausgang sich selbst. Ich dachte nur, komische Sportart, geht es jetzt direkt zum Rad oder Laufen wie beim Triathlon oder wie? Es gab kein Lob kein Tatscher nix fürs Pferd, tja und dann kam die Deutsche …..sehr traurig das Ganze.
    Bei Olympia mitmachen heißt auch eine mentale Stärke zu haben und Nervenstark in schwierigen Situationen zu sein, das habe ich nun gar nicht verstanden wie ihr so die Nerven durchgehen konnten. Sie fing ja sofort an zu Weinen. Ich denke dass sie genug gestraft ist, da alles so durch die Medien gezogen wird. Und sie tut mir auch leid. (Nicht das ich das gutheiße was sie getan hat! Auf keinen Fall) Aber wir alle sollten auch immer sachlich beim Thema bleiben, um wirklich was zu bewirken. Und vor allen Dingen im eigenen Leben und Turnierumfeld mutig sein und Dinge anprangern. Nur so kann es besser werden! Das wünsche ich uns allen. Herzlichste Grüße

  20. Sabine Vollbrecht

    Diesen Live-Stream hatte auch ich gesehen, und die vorherigen Athleten gesehen.
    Auch andere sind sehr unwürdig mit den Pferden umgegangen, eine sprang direkt nach ihrem katastrophalen Ritt vom Pferd und überließ es am Ausgang sich selbst. Ich dachte nur, komische Sportart, geht es jetzt direkt zum Rad oder Laufen wie beim Triathlon oder wie? Es gab kein Lob kein Tatscher nix fürs Pferd, tja und dann kam die Deutsche …..sehr traurig das Ganze.
    Bei Olympia mitmachen heißt auch eine mentale Stärke zu haben und Nervenstark in schwierigen Situationen zu sein, das habe ich nun gar nicht verstanden wie ihr so die Nerven durchgehen konnten. Sie fing ja sofort an zu Weinen. Ich denke dass sie genug gestraft ist, da alles so durch die Medien gezogen wird. Und sie tut mir auch leid. (Nicht das ich das gutheiße was sie getan hat! Auf keinen Fall) Aber wir alle sollten auch immer sachlich beim Thema bleiben, um wirklich was zu bewirken. Und vor allen Dingen im eigenen Leben und Turnierumfeld mutig sein und Dinge anprangern. Nur so kann es besser werden! Das wünsche ich uns allen. Herzlichste Grüße

  21. Marlis

    Mal ein anderer Aspekt zu diesem Thema: ich würde niemals mein Pferd für den modernen Fünfkampf zur Verfügung stellen. Was ist das für ein Stress, mit zwei völlig fremden Reiern innerhalb kurzer Zeit zwei M Parcours gehen zu müssen! Und wenn ich mir vorstelle, ich hätte mitansehen müssen, wie eine völlig überforderte Reiterin mein Pferd verprügelt…ich könnte mir nie verzeihen, ihm das angetan zu haben!

  22. Hasso Trzeciak

    Hasso
    Wie ich den Videos entnehmen konnte, hat Frau Schleu das Pferd nicht geschlagen. Es war ein Getätschel. Sie hat die Gerte noch nicht einmal umgegriffen. Bei Ungehorsam sind u. U. abmah-nende Hiebe angezeigt. Auf der Weide verpassen sich die Pferde ganz andere Rippentritte. Diesem Pferd fehlt aber auch die elementare Dressurausbildung. Springpferde werden heute fast nur noch gesprungen. Sie sind nicht am Schenkel. Die jetzt jammern, sind meist gerade die Produzenten solcher Problempferde. Wobei, wenn man die heutige Reiterei angefangen insbesondere in der Dressur sieht, schreit keiner auf!! Hier werden die Pferde heute fast ausschließlich gequält!! Sie werden fast ausschließlich (oder mit Tendenz) auf dem Kopf geritten!! Hierdurch entstehen Schmerzen und irreparable Schäden an Halswirbeln , Atlas, Rücken und Hinterhand, und dies wird von fast allen sog. Spitzenreiten vorgemacht. Fast ausschließlich wird hinter die /der Senkrechte/n geritten, weil man/frau nicht in der Lage ist, das Pferd aus dem Schenkel und Kreuz zu reiten. Die Nase hat immer vorne zu sein!!! Piaffieren kann erst recht keiner. Aber für all das gibt es tatsächlich Schleifen.
    Heute gibt es fast nur noch Problempferde!!!


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