Sönke Sönksen: Ein Urgestein des deutschen Reitsports wird 80 Jahre alt

Reiter-Jaeger-20180307163306

Sönke Sönksen mit seinem Erfolgspferd Kwept. (© St.GEORG)

Sein Name ist unzertrennlich mit dem deutschen Springsport verknüpft: Sönke Sönksen konnte am 2. März seinen 80. Geburtstag feiern. Wir gratulieren herzlich!

Wer Sönksen schon einmal persönlich erleben durfte, behält sicher seinen sympathischen Dialekt im Ohr. Die Herkunft kann er nicht verstecken: Er ist Norddeutscher durch und durch, wie er selbst sagt: „Oben in Holstein hinterm Nordseedeich geboren.“ 1938 in Mellendorf (Schleswig-Holstein) als Sohn von Landwirten zur Welt gekommen, ermöglichten ihm seine Eltern schon als Kind den Reitsport.

Gerne erinnert sich Sönksen daran zurück, wie er im zarten Alter von elf Jahren mit Reiterfreunden das erste Mal zum Turnier nach Aachen fuhr. Als Teilnehmer wohlbemerkt! Damit dürfte er bis heute der jüngste Starter aller Zeiten bei dem Traditionsturnier sein.

Die Reise im Eisenbahnwagon nach Aachen dauerte damals übrigens ganze drei Tage. Und die Pferde, mit denen er damals in den Parcours ritt, verrichteten unter der Woche noch landwirtschaftliche Arbeit im elterlichen Betrieb.

Im Jahr 1952, also mit 14 Jahren, feierte der junge Sönke dann seine ersten großen Erfolge, als er in Aachen eines der Hauptspringen gewinnen konnte. Und das trotz großem Teilnehmerfeld – damals war es nämlich noch erlaubt, gleich bis zu vier Pferde im Großen Preis an den Start zu bringen.

Abenteuer in der Jugend

Wenige Jahre später ging der junge Sönksen auf große Reise: Als auf dem Hamburger Derby das Konsulat aus Kolumbien mit einer besonderen Bitte an ihn herantrat, zögerte er nicht lange mit der Zusage: Eine kolumbianische Kommission kaufte Pferde in Deutschland, Sönksen sollte die Tiere sicher in ihre neue Heimat begleiten. Erst ging es mit dem Eisenbahnwagon nach Amsterdam, anschließend 22 Tage mit dem Schiff nach Südamerika. Ein richtiges Abenteuer also!

Das ursprünglich nur für drei Wochen geplante Visum wurde so oft verlängert, dass Sönksen schließlich ein ganzes Jahr in Kolumbien verbrachte. Dann kam der Anruf von zu Hause: Neue Aufgaben warteten bereits auf ihn.

1966 folgte er dem Schimmel Odysseus, den der Vater ein Jahr zuvor an den Fleichwarenfabrikanten Werner Stockmeyer verkauft hatte, nach Versmold in Westfalen. Stockmeyer wurde für die nächsten 13 Jahre nicht nur zum Sponsor und Chef, sondern auch zu einem guten Freund für Sönksen. Gemeinsam mit Lutz Merkel leitete er sehr erfolgreich den Turnierstall für Stockmeyer.

Die größten Erfolge

Zu den bekanntesten Pferden seiner Karriere zählt sicher der mächtige irische Schimmel Kwept. In seinem Sattel feierte Sönksen auch die größten Erfolge: 1975 wurden die beiden Mannschaftseuropameister in München und gewannen Einzelbronze.

Im Jahr darauf folgte die Silbermedaille mit der Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Montreal. Auf dem Treppchen stand er damals im Übrigen gemeinsam mit seinen Teamkollegen Hans Günter Winkler, Alwin Schockemöhle und Paul Schockemöhle.

1978 konnten Kwept und Sönksen ihrer Karriere mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft der Springreiter einen weiteren Meilenstein hinzufügen. Insgesamt war der Mann aus dem Norden bei 25 Nationenpreisen für Deutschland am Start.

Karriere nach dem Sport

Nach dem Tod von seinem langjährigen Sponsor Stockmeyer, wurde Sönksen von dem Unternehmerpaar Rau unterstützt, welches ebenfalls in der Nähe von Versmold eine Lebensmittelfabrik betrieb. „Statt Wurst gab es nun Margarine“ – aber davon könne man ja auch ganz gut leben, erinnert sich Sönksen an die Zeit zurück. Als der Rücken dann aber immer mehr schmerzte, ermöglichte ihm das Ehepaar den Rücktritt aus dem aktiven Sport.

Schon damals bot man ihm an, drei Tage pro Woche in Warendorf Springtrainer zur werden. Aber Sönksen blieb seinen Prinzipen treu und lehnte das Angebot – getreu dem biblischen Sprichwort „Niemand kann zwei Herren dienen“ – ab. Erst als auch die Familie Rau leider verstorben war, folgte er dem Ruf aus Warendorf.

Für über zehn Jahre übernahm er die Rolle des verantwortlichen Springtrainers beim Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei. Nach dem Mauerfall 1989 wurde Sönksen auch oft in die neuen Bundesländer entsandt, um dort den Sport zu fördern. Lange Jahre begleitete er zudem die deutschen Springreiter als Equipe-Chef zu Turnieren in aller Welt.

Den von ihm gerne zitierten Spruch „Langeweile gibt’s nicht!“ hat Sönksen sein Leben lang wörtlich genommen. Neben seinen Aufgaben als Honorartrainer, war er mehr als 20 Jahre als Bereichsleiter für die Springprüfungen bei den Bundeschampionaten zuständig, sowie als internationaler Turnierrichter im Einsatz.

Für seine Verdienste wurde Sönksen 2015 von der FN mit dem Deutschen Reiterkreuz in Gold und anlässlich des Turniers der Sieger in Münster mit dem renommierten „Friedensreiterpreis“ ausgezeichnet.

Bis heute beschäftigt sich das Urgestein des deutschen Reitsports aktiv mit dem Pferdesport: Lediglich den Springsattel hat er inzwischen gegen einen Sulky ausgetauscht. Auf dem Hof Schulze Althoff in Warendorf trainiert Sönksen fast täglich seine Traber.

Ein Pferdemann durch und durch eben.

St.GEORG GRATIS LESEN!

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist! Das bietet der
St.GEORG Newsletter. Jetzt abonnieren und Sie erhalten eine Ausgabe
St.GEORG als ePaper gratis - zum immer und überall lesen.