Deutschland führt bei Springreiter-Europameisterschaft, Ahlmann Vierter

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Christian Ahlmann und Clintrexo Z, Zeitspringen EM Rotterdam 2019 (© Pauline von Hardenberg)

Nach dem Zeitspringen, der ersten Wertung zur Springreiter-Europameisterschaft in Rotterdam, liegt das deutsche Team in Führung. Drei Reiter kamen unter die Top 10. Christian Ahlmann war als Vierter der beste. Titelverteidiger Peder Fredricson aus Schweden führt.

Nach dem Zeitspringen, der ersten vor drei Wertungsprüfungen der Springreiter-Europameisterschaft, gingen die deutschen Springreiter in Rotterdam mit umgerechnet 4.22 Punkten in Führung. In der Einzelwertung belegen sie vorläufig Platz vier (Christian Ahlmann auf Clintrexo Z , 72, 63 Sekunden umgerechnet 1.19 Minuspunkte), sieben (Daniel Deußer mit Tobago, 73,20/ 1,47), acht (Marcus Ehning mit Comme il Faut, 73,83/ 1.56) und 13 (Simone Blum mit Alice, 74,68/2.21). Alle vier blieben ohne Abwurf über einem Kurs, der in den Abmessungen noch nicht das Äußerste forderte, aber durch viele „halbe“ Distanzen doch anspruchsvoll genug war.

Frankreich und Schweden hinter Deutschland

In Zeitspringen wird jeder Abwurf mit vier Strafsekunden geahndet, die der gebrauchten Zeit hinzugefügt werden; anschließend werden die Sekunden in Strafpunkte umgerechnet. Auf den Mannschaftsplätzen folgen Frankreich (5,39) und Schweden (6,81).

Pauline von Hardenberg

Führt als Titelverteidiger: Peder Fredricson (SWE) und All in (© Pauline von Hardenberg)

Die Einzelwertung wird derzeit vom schwedischen Titelverteidiger Peder Fredricson auf All In angeführt (70,25). Der Österreicher Max Kühner ist nach seiner Schulteroperation wieder rechtzeitig fit geworden. Auf Chardonnay liegt er an zweiter Stelle (71.06). Der Brite Ben Maher ist mit Explosion Dritter nach dieser ersten Wertung der Springreiter-Europmeisterschaft (71,49).

Toller Auftakt von Simone Blum und Alice

Als erste deutsche Reiterin ritt Simone Blum auf der zwölfjährigen DSP Alice in die Bahn. „Das ist meine Lieblingsposition“, sagte die Weltmeisterin. „Alice ist ein sehr temperamentvolles Pferd und anfangs ist auf dem Abreiteplatz noch nicht soviel los.“ Sie legte von Beginn an ein flüssiges Tempo vor, die Askari-Tochter sprang souverän und konzentriert. „Alice ist ein grundschnelles Pferd, das kann man in so einem Springen nutzen.“ Sie schielte nur einmal von der Seite zu einer unfreundlichen schmalen blauen Mauer, die sie aber zuvor bereits souverän überwunden hatte. „Das passiert bei Alice schon mal“, sagte Blum nach ihrem Ritt, „aber nur von der Seite, nicht von vorne, wenn sie irgendwo drüberspringen soll, guckt sie nicht.“ Trotz der guten Leistung war es am Ende Position 13, das Streichergebnis. Aber wie ihre drei Kollegen liegt Blum weniger als einen Springfehler von der Führung entfernt.

Pauline von Hardenberg

Simone Blum und Alice, EM Rotterdam 2019 (© Pauline von Hardenberg)

Alle dicht beieinander

Ein Abwurf kann allerdings einiges durcheinander bringen. Nach der ersten Wertung der Springreiter-Europameisterschaft weisen die ersten 22 Reiter im Ranking ein Ergebnis unter vier Punkten auf.

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Simone Blum und Alice, von der es heißt, sie sei „grundschnell“. EM Rotterdam 2019 (© Pauline von Hardenberg)

Als zweiter deutscher Starter galoppierte Christian Ahlmann ins Stadion, das nur spärlich besetzt war. Ahlmann kam in äußerst flottem Galopp hineingeprescht. Sein Schimmelhengst Clintrexo lässt sich auf dem Abreiteplatz leicht von anderen Pferden einschüchtern. „Ich reite nur ein bisschen rum und versuche zu galoppieren, wann immer ich Platz habe. Ich habe nur zwei Sprünge vorher gemacht,“ sagte Ahlmann. Im Parcours flog der zehnjährige Schimmelhengst hoch über die Sprünge und war, auch dank der kurzen Wege, am Ende schnellster Deutscher, Platz vier.

Marcus Ehning konnte es nach den guten Runden von Blum und Ahlmann ohne Druck angehen. „Schnelle Null“ war die Vorgabe, die er mit dem eifrig galoppierenden Hengst Comme il faut glänzend erfüllte. Und „Commie“ buckelte sogar noch übermütig wenige Galoppsprünge vor der Startlinie. Mehrfach ließ er das Herz der deutschen Fans kurz heftiger schlagen: Comme il faut kickte mit den Hinterbeinen in der Flugphase aus. Bundestrainer Otto Becker: „Marcus Pferd war fast schon zu vorsichtig“.

 

Auch Daniel Deußer und Tobago unter den Top 10

Schlussreiter Daniel Deußer rundete auf Tobago die hervorragende Teamleistung ab. „Für mich ist es natürlich einfacher, wenn die drei Reiter vor mir Null waren. Aber ich wollte auch für ein gutes Einzelergebnis möglichst weit vorne sein,“ sagte der Zweite des Großen Preis von Aachen 2019.

Bundestrainer Otto Becker konnte am Ende mit seinem Quartett mehr als zufrieden sein. „Wenn’s nach mir ginge, könnte die EM jetzt zu Ende sein“, grinste er. Für die kommenden beiden Mannschaftsrunden am Donnerstag und Freitag hält er aber den Ball flach: „Man darf nicht vergessen, dass die Hindernisse heute maximal 1,50 Meter hoch waren, morgen werden sie 1,60 sein.“

Olympia Tokio 2020 schwebt über Springreiter-Europameister

Für viele Nationen ist die Europameisterschaft zugleich die letzte Chance, sich für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 zu qualifizieren. Drei Plätze sind noch zu vergeben. Nach der ersten Wertung haben hinter den zweitplatzierten Franzosen die Briten, vorläufig Vierte, und die Iren, vorläufig Sechste, die besten Chancen das Ticket nach Japan zu lösen. 24 von 70 Reitern bewältigten den Kurs ohne Abwurf. Deutschland war das einzige Team, das keinen Abwurf zu verzeichnen hatte.

Für ein Championat war die Anmutung des Parcours eher bescheiden: Luftige, unaufwändige und wenig phantasievolle Hindernisse, ausschließlich in den niederländischen Landesfarben orange, weiß und blau mit sehr sparsamem Blumenschmuck. Da ist für die kommenden Tag noch Luft nach oben.

Nationenpreis: Entscheidung am Freitag

Morgen Vormittag ab 10 Uhr steht der erste Umlauf im Nationenpreis auf dem Zeitplan. Deutschland hat den populären letzten Startplatz gezogen. Vermutlich wird die Reihenfolge innerhalb des Teams beibehalten, so Bundestrainer Otto Becker. Demnach würde Simone Blum beginnen, gefolgt von Christian Ahlmann, Marcus Ehning und Daniel Deußer. Die Entscheidung fällt am Freitagnachmittag in der zweiten Runde ab 15 Uhr.

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