Genf: Rolex Top Ten für Kent Farrington

Kent Farrington (USA) und Voyeur

(© Kent Farrington USA und Voyeur)

Heute waren Kent Farrington und sein fantastisch springender KWPN-Wallach Voyeur das herausragende Paar beim Rolex Top Ten Springen in Genf.

Die aktuell zehn besten Springreiter der IJRC (International Jumping Riders Club) Rangliste treten im Rolex Top Ten Springen gegeneinander an. Hier ist die zwei- und vierbeinige Prominenz des Springsports also unter sich. Am Ende gelang es drei Paaren in beiden Umläufen des Springens um die 110.000 Schweizer (gut 101.000 Euro) Franken für den Sieger fehlerfrei zu bleiben. Und der schnellste kam aus den USA: Kent Farrington mit Voyeur, seinem großartigen 13-jährigen KWPN-Wallach, der ihm schon so viele Siege beschert hat. Auch heute zelebrierte der Tolano van’t Riethof-Sohn das Stechen geradezu. Deutlich mehr als eine ganze Sekunde nahm das Paar dem Zweitplatzierten ab. Bei jeder Distanz schien er einen Galoppsprung weniger zu machen als die Konkurrenz. Auf den dritten Sprung, einen mächtigen Oxer wurde es so groß, dass man kurz den Atem anhielt. Aber der Dunkelbraune sprang souverän und kam noch nicht einmal in die Nähe einer Stange. Die Fabelzeit: 37,54 Sekunden. Damit wurde Farrington zumindest für heute Abend zur Nummer eins der Welt.

Platz zwei ging an den EM-Dritten und Weltanglisten-Vierten, Simon Delestre (FRA), auf seinem Spitzenpferd Hermes Ryan. Als der zehnjährige Franzose v. Hugo Gesmeray in die Bahn trabte, hätte man ihm noch nicht wirklich zugetraut, wie er wenige Sekunden später explodierte – am mehr oder weniger langen Zügel, zockelte er gemütlich in die Mitte, warf noch einmal Ballast ab, während sein Reiter grüßte und galoppierte dann im Kartoffelgalopp an. Die Gangart änderte sich schlagartig als Hindernis eins in Sichtweite kam. Als hätte er tausend Beine kurvte er in engsten Wendungen um die Hindernisse zum nächsten Sprung, um dann genauso locker-lässig hinüber zu fliegen wie der Kollege. Aber an dessen enormen Galoppsprung kommt der Fuchs einfach nicht heran. Die Uhr stoppte bei 38,97 Sekunden.

Dritter wurde Daniel Deußer auf einem Pferd, bei dem die Formkurve in jüngster Zeit wieder steil nach oben zeigt: First Class van Eckelghem, der Deußer 2014 zum Deutschen Meister-Titel trug. Der schlaksige bunte Fuchs v. Balou du Rouet-Feinschnitt wirkt immer etwas ungelenk, kann aber gewaltig springen, was er auch heute wieder unter Beweis stellte. Es gab zwar Paare, die schneller waren als seine 39,36 Sekunden, aber die nahmen unterwegs eine Stange mit.

Dieses Schicksal ereilte unter anderem nämlich auch Christian Ahlmann auf Codex One, die beiden Sieger der Weltcup-Etappe in Stuttgart. Der Hannoveraner Contendro-Sohn zeigte sich auch heute von seiner besten Seite. Ehe es losging, ritt Ahlmann noch einmal kurz zwei Einerwechsel, blickte sich konzentriert noch einmal um, grüßte und ließ es gehen. Der Fehler passierte am vorletzten Hindernis, einem Steilsprung, vor dem Ahlmann eng gewendet hatte. Vielleicht fehlte dem Hengst da ein bisschen der Schwung. Auf jeden Fall fiel die Stange und so wurde es mit der Zeit von 39,34 Sekunden Platz vier.

Fünfte wurde Frankreichs Powerfrau im Sattel, Penelope Leprevost auf Flora de Mariposa (0/4/39,37) vor der Nummer eins der Welt und aktuellen Rolex Grand Slam Gewinner, Scott Brash (GBR), mit seinem Superstar Hello Sanctos. Den wollte er heute wohl ein wenig schonen in Hinblick auf den Großen Preis, der nur die erste Etappe des neuen Rolex Grand Slam ist. 2014 hatte Brash mit dem Sieg in Genf den Grundstein für den Millionengewinn zehn Monate später in Spruce Meadows gelegt. Er hatte im Vorfeld angekündigt, „noch immer hungrig“ zu sein. Heute jedenfalls war er noch recht entspannt, leistete sich einen Abwurf und galoppierte nach 40,75 Sekunden durch Ziel.

Das war genau eine hundertstel Sekunde schneller als der irische IJRC Top Ten-Final-Debütant Bertram Allen. Der hatte vor kurzem noch in Genf gestanden und davon geträumt, eines Tages bei diesem Springen starten zu dürfen. Heute war es so weit und er schlug sich gut mit seiner Kannan-Tochter Molly Malone. Auch die hatte allerdings einen Abwurf.

Der EM-Zweite Gregory Wathelet hatte sein Championatspferd Conrad de Hus heute im Stall gelassen und stattdessen auf den zehnjährigen KWPN-Wallach Algorhythem v. Tampa gesetzt, der im zweiten Umlauf leider zwei Stangen mitgehen ließ, Platz acht.

Luciana Diniz und Fit For Fun, die beiden Sieger der Global Champions Tour 2015, hatten heute nicht ihren besten Tag erwischt. Hier schepperte es gleich im ersten Umlauf zweimal, Rang neun.

Zehnter wurde Ludger Beerbaum, dessen 16-jähriger KWPN-Hengst Chaman v. Bloubet du Rouet in beiden Parcours je einen Abwurf hatte.