Hamburg: Zweiter Derbysieg für Nisse Lüneburg

Nisse Lüneburg gewinnt mit Calle Cool das Deutsche Spring-Derby 2014.

(© Pauline v. Hardenberg)

Nach 2012 hat Nisse Lüneburg zum zweiten Mal mit seinem Holsteiner Calle Cool das Deutsche Springderby in Hamburg gewonnen. Zwei Nullfehlerritte mussten um den Sieg stechen. André Plath und Cosmic Blue wurden Zweite, vor einem Reiter, der auch gern noch einmal gewonnen hätte.

Die Familie stand am Rand und fieberte mit. Und Nisse Lüneburg, 25, mit Calle Cool v. Concerto II enttäuschte sie nicht. Seine Eltern und Geschwister genauso wenig wie die knapp 25.000 Zuschauer, die trotz kühleren Temperaturen als an den Vortagen bei bedecktem Himmel in den Derbypark in Hamburgs Westen gekommen waren. Der mittlerweile 17 Jahre alte Holsteiner Calle Cool, der zunächst unter Carsten-Otto Nagel ging und 2008 mit ihm schon Zweiter geworden war, sprang souverän den 1250 Meter langen Traditionskurs mit seinen 26 Sprüngen. Er lieferte den 149. Nullfehlerritt im Derby, das 1920 erstmals ausgetragen wurde. Würde es zu einem stallinternen Duell kommen? Nisse Lüneburg trainiert im Stall Moorhof mit Carsten-Otto Nagel. Für Nagel hat das Derby einen besonderen Stellenwert. Zweimal hat er das Blaue Band schon gewonnen, zuletzt 2010 mit dem Oldenburger Lex Lugar v. Lordanos. Der Hengst machte einen super Eindruck, sprang alle Klippen mühelos und scheiterte doch an der klassischsten aller Fehlerquellen: die Planke hinterm Wall blieb nicht liegen. „Schfehler“, analysierte der Mann aus Wedel gewohnt trocken seinen Ritt danach auf dem Abreiteplatz. Ein Trost: Mit 163,32 Sekunden lieferte er unterm Strich den schnellsten Vierfehlerritt, Platz drei und immerhin noch 15.000 Euro Preisgeld. „Er ist ja erst 14 und ich bin ja auch noch jung, da kann ja nochmal was klappen“, gab sich Nagel fürs kommende Jahr optimistisch.

Der 150. Nullfehlerritt gelang André Plath von der Insel Poel. Der 43-Jährige ritt den Chacco-Blue-Sohn Cosmic Blue, der beim Springpferdezuchtverband Oldenburg international registriert ist, ebenfalls ohne Fehler über den Kurs und freute sich schon deswegen wie ein Derbysieger. Das Publikum nicht minder Nisse Lüneburg, der nur ca. 20 Minuten Autofahrt vom Derbyparcours aufgewachsen ist und dessen Vater Präsident des Holsteiner Pferdezuchtverbandes ist, hat eine starke Holsteiner Fangemeinde vot Ort. Aber auch die Mecklenburger Reiter, die traditionell stark vertreten sind, reisen nicht ohne Unterstützer an. Schon als Plath das Speed-Derby am Samstagabend gewonnen hatte, übrigens mit einem weiteren Sohn des Mecklenburger Hengstes Chacco-Blue, war der Jubel im Hamburger Rund riesengroß der André hats geschafft. Die Zuneigung zu Chacco-Blue-Nachkommen kommt nicht von ungefähr, Plath war es, der den Ausnahmehengst Chacco Blue zunächst in den Sport gebracht hatte. Und nicht nur ihn. Plath hat schon Chacco-Blues Mutter und dessen Großmutter geritten. Die Parallelen liegen für ihn auf der Hand: „Das sind Pferde, die einfach diesen Sport wollen, die haben Herz, die sind dafür gemacht.“ Plaths Freundin kümmert sich ausschließlich um die beiden „Chaccos“, kennt die Pferde in- und auswendig. „Die legen sich hin, die haben ihre festen Ruhezeiten und meine Freundin weiß genau, ob sie gut drauf sind oder nicht. Wenn sie gut drauf sind, muss ich es nur noch sein.“

Den Gefallen eines zweiten Siegs konnte der Mann von der Ostseeinsel Poel seinen Fans aber nicht machen. Nisse Lüneburg hatte gut vorgelegt, blieb auch im Stechen fehlerfrei in 51,45 Sekunden. Doch André Plaths Cosmic Blue, dem kompakten und geschickten Kraftpaket, unterlief gleich am ersten Sprung ein Springfehler damit war der zweite Sieg im Deutschen Springderby für Nisse Lüneburg pefekt: „Unglaublich, was das Pferd hier heute wieder geleistet hat. Sein Wille und seine unglaubliche Einstellung, ich kann mich nur bei ihm bedanken! Bei ihm und bei Carsten-Otto. Ich muss Calle Cool nur fit halten, gelernt hat er ja alles bei Carsten-Otto“, so Nisse Lüneburg. Großes Lob zollte Paul Schockemöhle dem Sieger: „Nisse hat heute zu keiner Sekunde etwas falsch gemacht, das war ein reitsportliches Kaviarbrötchen!“

Der Derbyzweite André Plath strahlte. Vor zwei Jahren hatten die Reiterkollegen aus Mecklenburg ihn noch etwas überreden müssen, in Hamburg zu reiten. Schon damals hat er Cosmic Blue, damals gerade acht Jahre alt über den Kurs geritten. Mit lediglich einem Springfehler. Diesmal haben wir uns voll auf Hamburg konzentriert, meine Freundin hat viel Galopptraining für die Kondition gemacht, dann haben wir Redefin geritten, das ist ja auch ein Platz, auf dem die Pferde schon ans Galoppieren kommen. Das gezielte Training hat sich ausgezahlt, Platz zwei, 20.000 Euro Plath wird das Derbyturnier 2014 sicher nicht vergessen.

Vor dem Derby hatte es Absagen gehagelt. Der Ire Michael Duffy, der sensationell die beiden Qualifikationen gewonnen hatte, hatte Westland Ruby zurückgezogen, um sein Pferd zu schonen. Auch die britische Legende John Whitaker, 1989 Sieger in Klein Flottbek, hatte auf einen Start verzichtet. 31 Kombinationen bewarben sich um den Sieg im 85. Deutschen Springderby.

 

Es war ein weitestgehend (nord-) deutsches Springen. Die Großen der Welt, gestern noch in Hamburg bei der Global Champions Tour am Start, sind schon wieder auf dem Weg nach Hause, bzw. nach Fernost: Am kommenden Wochenende macht die Global Champions Tour in Shanghai Station für die Pferde heißt das einmal um die halbe Welt fliegen, für die Reiter Chopsuey statt Fischbrötchen. 26 Deutsche gingen in den Traditionsparcours, drei Iren, eine Finnin und ein Pole komplettierten das Feld.

Platz vier ging an Gerald Nothdurft im Sattel des Holsteiners Amazing v. Askari Holsteiner (4/176,04). Der Mecklenburger Thomas Kleis, Sieger im Jahr 2009, ritt mit Quick Vainqeur v. Quick de Baussy das wohl größte Pferd der Konkurrenz über den Kurs: Der 1,84 Meter-Hüne aus Brandenburger Zucht kam auch mit nur einem Abwurf ins Ziel (4/180,93). Bester Ausländer wurde der Ire Shane Breen mit dem quirligen französischen Galoppiermaschinchen Courcelle v. Kannan (12/157,09) auf Platz sechs. Siebter wurde mit André Thieme ein weiterer Derbyveteran. Nach drei Siegen in den Jahren 2007 bis 2011 mit Nacorde konnte heute mit Quonschbob v. Querlybet Hero Siebter werden (12/162,74).

87.400 Zuschauer kamen insgesamt in den fünf Tagen nach Hamburg Klein Flottbek. Das ist ein neuer Rekord.
Nach dieser Etappe der Riders Tour 2014 liegt Carsten-Otto Nagel vor Holger Wulschner und Nisse Lüneburg auf PLatz eins der Gesamtwertung.

St.GEORG GRATIS LESEN!

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist! Das bietet der
St.GEORG Newsletter. Jetzt abonnieren und Sie erhalten eine Ausgabe
St.GEORG als ePaper gratis - zum immer und überall lesen.