Henrik von Eckermann Spring-Weltmeister, Ehning Fünfter, Wargers Neunte

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Verdienter Lohn für eine überwältigende Leistung: die Weltmeister 2022 Henrik von Eckermann (SWE) und King Edward auf der Ehrenrunde in Herning. (© Pauline von Hardenberg)

Der Schwede Henrik von Eckermann ist Spring-Weltmeister 2022. Mit King Edward setzte er sich souverän vor den Belgier Jérôme Guéry und Quel Homme de Hus. Bronze gewann der Niederländer Maikel van der Vleuten. Marcus Ehning wurde Fünfter – das beste Einzelergebnis bei Weltmeisterschaften für den Mannschafts-Olympiasieger.

Gold in Mannschafts- und Einzelwertung – Spring-Weltmeister Henrik von Eckermann sicherte sich die Maximalausbeute in Herning. Mit dem zwölfjährigen King Edward schaffte er das, was er auch schon in Tokio bei den Olympischen Spielen geschafft hat: Alles springen ohne Abwurf. Der kleine Fuchs, ursprünglich einmal angeschafft für Henrik von Eckermanns Ehefrau Janika (Sprunger), sprang in einer Liga für sich. Eckermann hatte den Edward-Sohn während der Schwangerschaft von Sprunger übernommen. Auch wenn Sohn Noah nun seine Mutter eigentlich wieder reiten lassen könnte, was diese auch tut, hat Papa Henrik die Zügel auch weiterhin in der Hand.

Weltranglistenerster und Spring-Weltmeister

Der neue Spring-Weltmeister zeigte sich begeistert, auch von den tausenden Schweden, die ihn im Fußballstadion von Herning feierten. „Alle waren so leise, als ich ritt. Ich war froh, denn mein Pferd ist sehr sensibel. Und dann nach der letzten Linie – wow!“

Thank you King Edward, ich stehe für Lebzeiten in deiner Schuld.

Mit 0,58 Strafpunkten aus dem Zeitspringen, das der stets barhuf laufende Dunkelfuchs als Fünfter beendet hatte, 1,15 Sekunden hinter dem schnellen Franzosen Julien Epaillard, gewann das Paar die Weltmeisterschaft.

Im entscheidenden Parcours nochmal alles abverlangt

Zwölf Paare waren noch in den B-Parcours gegangen. Das letzte Springen einer perfekt organisierten Weltmeisterschaft im dänischen Herning. Getragen von einem begeisterten Publikum und begleitet von ausnahmslos freundlichen dänischen Helfern auf dem Messegelände der Hauptstadt der dänischen Region Midtjylland.

Parcourschef Luois Konickx (NED) hatte noch einmal das Stadion ausgenutzt: 13 Hindernisse mit 15 Sprüngen. Diesmal eine Zweifache Kombination mit zwei Wassergräben. Einer hinter dem Einsprung, einem Steilsprung, und einer unter einem Oxer (10 a/b). Die Dreifache Kombination mit einer Triplebarre am Einsprung und einer dünnen Planke als Sprung zwei kam früh im Kurs (5a,b,c). Sie sollte viele Hoffnungen begraben. Viele Sprünge mit der Maximalhöhe 1,65 Meter.

Fünf ehemalige bzw. amtierende Weltranglistenerste waren am Start, in der Hoffnung, Spring-Weltmeister zu werden.

Silber für Jérôme Guéry

Der Belgier Jérôme Guéry profitierte vom Pech des bis zum Finale an Position zwei liegenden Schweden Jens Fredricson. Dessen Makan Cosmopolitan war mal Schulpferd an der Reitschule Strömsholm, einem universitären Ausbildungszentrum in Schweden. Der Wallach kam mit drei Abwürfen, am Aussprung der Dreifachen und beiden Hindernissen der Zweifachen Kombination, plus einem Zeitfehler aus dem Parcours. Und damit als Zehnter.

Guery ritt den 16-jährigen Holsteiner Hengst Quel Homme de Hus v. Quidam de Revel souverän über den Kurs. Selbst ohne den Zeitfehler in der ersten Runde des Nationenpreises hätte er nicht mehr Weltmeister werden können. Guérys Sohn Mathieu hüpfte vor Begeisterung aus der Kiss & Cry Corner ins Stadion und wieder zurück.

Das Podium komplettierte der Niederländer Maikel van der Vleuten mit dem fantastisch springenden Beauville Z v. Bustique. Bronze kennt der Routinier, mit dem Zangersheider Wallach hatte er auch in Tokio auf dem Treppchen gestanden. Ein einziges Mal war es bei dieser Runde etwas knapp: an einer der größten Klippen des Parcours, der Hans Christian Andersen-Kombination. Die Zweifache Kombination mit zweimal Wasser und der kleinen Meerjungfrau am Einsprung und dem Autor selbst am Aussprung erwies sich als fehlerträchtig.

Aber van der Vleuten hatte Glück und profitierte auch von dem Fehler, der dem Hengst Faltic unterlief. Am 1,65 Meter hohen Steilsprung des Titelsponsors Ecco rollte die Stange aus der Auflage – damit verpasste der Brite Ben Maher das Podium (9,72). Allerdings hätte auch er es nicht aus eigener Kraft auf das lila gestrichene Podest geschafft. Max Kühners Elektric Blue P nahm den Hans Christian Andersen-Oxer mit. Der Österreicher wurde mit 10,49 Strafpunkten Sechster, Glück für Olympiasieger Maher.

Marcus Ehnings bestes WM-Resultat

Marcus Ehning hatte es als Zwölfter noch gerade ins Finale um den Titel Spring-Weltmeister geschafft. Die souveräne Nullrunde, bei der der Stakkato Gold-Sohn einmal keck den Hintern hoch warf, sollte am Ende aber deutlich mehr Wert sein als viele zunächst dachten. Immer mehr der Top-Reiter patzten. Und Ehning rollte das Feld von hinten auf. 10,4 Strafpunkte bedeuteten in der Endabrechnung Platz fünf. Das ist das beste Einzel-Resultat von Ehning bei seiner sechsten Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Ohne die zwei Abwürfe im Mannschaftsfinale, die sich niemand so recht erklären konnte, hätte es sogar eine Silbermedaille werden können.

Stargold, so erläuterte Ehning schon nach seinem tollen Auftakt in die WM-Tage, vereine viele Qualitäten, die die Pferde hatten, die ihn in seiner Karriere begleitet hätten. Der Oldenburger springt ökonomisch. Heute wackelte es ein paar Mal in der ersten Runde. Nach der zweiten Runde freute sich Ehning über seinen Hengst. Während der mit gespitzten Ohren im Stadion unterm Applaus des Publikums galoppierte, klopfte ihn Ehning ununterbrochen und strahlte zufrieden.

Pauline von Hardenberg

Lob von Ehning, Freudensprünge von Stargold nach der zweiten Nullrunde am Finaltag der WM Herning 2022. (© Pauline von Hardenberg)

Spitzen Debüt für Jana Wargers bei Spring-Weltmeisterschaft

Jede der Runden von Jana Wargers war eine Augenweide. Stilistisch feines Reiten mit hohem Genick und einem Pferd, das gern mit hoher Nase rhythmisch seine Runde zieht. Limbridge mag keine Gebisse und springt aus dieser Haltung am besten. So auch heute. Zwei Zeitfehler kamen heute im letzten Parcours hinzu. Auch im Nationenpreis war Wargers einmal nicht ganz in der Zeit geblieben. Drei Zeitfehler in den sechs Springen weniger und Wargers und ihr Holsteiner Hengst hätten noch einen Platz weiter vorn stehen können. „Beim nächsten Mal sind wir dann etwas schneller“, so das Fazit der in Belgien lebenden Springreiterin.

Aber ein Top 10-Platz (9./15,08) beim Debüt in der deutschen Championatsequipe – Chapeau!

Das Endergebnis von Spring-Weltmeister Henrik von Eckermann und Co. finden Sie hier.