Überraschungssieg für Fabienne Graefe im Großen Preis von Gahlen

Damit hätte die Siegerin selbst nicht gerechnet – Fabienne Graefe ließ am Wochenende die Konkurrenz alt aussehen im Großen Preis von Gahlen.

Der Große Preis von Gahlen ist traditionell ein Höhepunkt zum Jahresauftakt hierzulande, ausgeschrieben als Springprüfung Klasse S*** mit Stechen über 1,50 Meter. 23 Paare waren am Start, darunter bekannte Namen wie die ehemaligen Deutschen Meister Angelique Rüsen und Felix Haßmann, Hans-Thorben Rüder und weitere. Aber sie alle waren an diesem Tag chancenlos gegen Fabienne Graefe und Lavignon.

Die beiden waren letztes Paar im Stechen und schafften das, was zuvor vier weiteren Kollegen im Stechen nicht geglückt war: Sie schnappten Johannes Ehning und der zehnjährigen DSP-Stute Classic Donna v. Mylord Carthago den Sieg weg. Ehning war 37,89 Sekunden schnell gewesen, Graefe und ihr 14-jähriger Oldenburger v. Lord Pezi schafften es noch schneller: 37,59 Sekunden, klarer Sieg. An dritter Stelle reihte sich in 38,07 Sekunden Hans-Thorben Rüder im Sattel von Courage (v. Captain Fire) ein.

Die 26-jährige Siegerin berichtete später, sie habe in Gahlen schon einmal einen Großen Preis gewonnen, allerdings im Ponysattel. Dementsprechend liegt dieses Erlebnis bereits mindestens zehn Jahre zurück. Sie hatte auch nicht damit gerechnet, dieses Wochenende hier den Jackpot zu knacken, eher im Gegenteil.

Sie war mit einer Erkältung angereist und Lavignon ist eigentlich gar nicht ihr Pferd. Erst seit rund einem Jahr reitet sie den Wallach. Er gehört ihrem Lebensgefährten Clemens Büscher. Als der einen berufsbedingten zeitlichen Engpass hatte, stieg Fabienne in den Sattel – mit gemischten Gefühlen: „Ich habe das Pferd anfangs einfach für ihn bewegt, und das war am Anfang so gar nicht mein Pferd. Wir hatten viele komische Fehler.“ Die aber offensichtlich inzwischen behoben sind. „Inzwischen passen wir perfekt zusammen.“ Und Clemens Büscher gab zu, seine Freundin reite das Pferd besser als er selbst.

Fabienne Graefe stammt aus einer Züchterfamilie, reitet also viele junge Pferde. Halbtags arbeitet sie zudem im Büro. Vor wichtigen Turnieren fährt sie zum Training zu Markus Merschformann.

Die anderen beiden eingangs erwähnten prominenten Namen, Felix Haßmann und Angelique Rüsen, haben das Stechen verpasst. Rüsen ritt ihren Routinier, den inzwischen 17-jährigen Ogano Sitte-Sohn Arac du Seigneur, aber dank einer schnellen Nullrunde auf Rang acht noch ins Geld. Felix Haßmann hatte hingegen nicht den besten Tag erwischt. Zwei Pferde hatte er am Start, beide kamen mit zwölf Fehlern aus dem Parcours. Das war zum einen die neunjährige Oldenburger Stute Elli v. Eldorado van de Zeshoek, mit der er im vergangenen Jahre Siege in Serie geholt hatte, sowie der KWPN-Wallach SIG Hawkeye v. Amadeus, den Haßmann auch schon seit seinen ersten Springpferdeprüfungen 2016 unter dem Sattel hat.

Weitere Ergebnisse

Das Finale der mittleren Tour über 1,45 Meter (S**) sicherte sich der ehemalige Berufsreiterchampion Martin Sterzenbach auf dem neunjährigen Holsteiner Wallach Cassin v. Cassilano in 36,33 Sekunden. Für Sterzenbach ist Gahlen gewissermaßen ein Heimspiel. Um in Gahlen Turnier zu reiten, muss er nur einmal die Straße überqueren. Gestern war er drei hundertstel Sekunden schneller als Hendrik Dowe auf der achtjährigen, ebenfalls holsteinisch gezogenen Clarimo-Tochter Clariquada T. Dritte wurde Angelique Rüsen auf dem neunjährigen Iren Mr. Lincoln B v. Aganix du Seigneur (36,88)

In der „Junge-Pferde-Tour“ ging es über 1,40 Meter mit Stechen. Hier hatte Angelique Rüsen auf der achtjährigen Hannoveraner Perigueux-Tochter Pocahontas die Nase vorn, die sie in den letzten Monaten abwechselnd zusammen mit ihrem Chef Christian Ahlmann auf Turnieren vorgestellt hat. Mit dem siebenjährigen Dominator Z-Sohn Diabolo van Bets Z wurde sie zudem Vierte.

Dazwischen platzierten sich Markus Renzel auf Coconetta v. Colestus und Hendrik Dowe im Sattel der À la Carte-Tochter Askala, die zugleich bestes siebenjähriges Pferd war.

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