BuCha 2012: Klare Entscheidung bei den vierjährigen Hengsten, knappe Kiste bei den Stuten und Wallachen

Heute war der Tag der Vierjährigen auf dem Reitpferdeviereck der Warendorfer Bundeschampionate. Bei den Hengsten ging die Schärpe an Deutschlands einstigen Fohlenchampion Franziskus. Bei den Suten und Wallachen gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Damon’s Satelite und der Quali-Siegerin De la Beauté. Und ein reines Donnerhall-Finale.

Alle drei Finalpferde bei den vierjährigen Stuten und Wallachen führen das D des großen Oldenburgers auf der Vaterseite ihres Pedigrees. Erst im Fremdreitertest konnte sich der Westfalenwallach Damon’s Satelite v. Damon Hill-Rubin-Royal (Z. u. B.: Fam. Becks, Senden) mit Helen Langehanenberg im Sattel an der auf Donnerhall ingezogenen Oldenburgerin De la Beauté v. Don Romantic-Depardieu (Z. u. B.: Bernd Lampe, Emstek) unter Andrea Müller-Kersten vorbeischieben. Im A-Finale hatten beide Pferde mit großer Losgelassenheit beeindruckt, waren sicher in der Anlehnung, Damon’s Stelite hätte man vielleicht noch mehr Maultätigkeit gewünscht. Aber ansonsten boten die beiden das Bild gut gerittener und dem Alter entsprechend ausgebildeter Pferde.

Damon’s Satelite ist wie seine beiden Vollschwestern, die zweifache Bundeschampionesse und Vize-Weltmeisterin Damon’s Devine und Damon’s Delorange, ebenfalls Reitpferde-Finalistin und aktuell Favoritin auf den Titel bei den fünfjährigen Dressurpferden, ein Fuchs. Helen Langehanenberg kennt quasi die ganze Familie. Mit Vater Damon Hill war sie jüngst eine tragende Säule der Londoner Olympiamannschaft, Damon’s Divene ritt sie bei den Weltmeisterschaften (die beiden Bundeschampionatstitel holte die Stute noch unter Reitmeisterin und Langehanenberg-Ausbilderin Ingrid Klimke, die auch Damon Hills erste Grand Prix Siege verzeichnen konnte), Damon’s Delorange hat sie von Anfang an ausgebildet und ist jetzt zum dritten Mal mit ihr in Warendorf dabei. Nun also der dritte im Bunde, Damon’s Satelite.

Es gibt auch noch ein zweijähriges Nachwuchstalent aus der Anpaarung. Das noch jüngere Geschwister fiel leider einem Unfall zum Opfer, und in diesem Jahr hat die Stute das Fohlen im sechsten Trächtigkeitsmonat verloren, berichtete der Züchter, Christian Becks. „Da haben wir ein bisschen Pech gehabt“, bedauert er, korrigiert sich aber gleich, denn schließlich hat seine Erfolgszucht heute einen Bundeschampionatstitel gewonnen und morgen geht Damon’s Delorange als Qualifikationssiegerin ins Finale der fünfjährigen Dressurpferde. Außerdem ist die Mutter des Erfolges erst neun Jahre alt. Da können noch eine Menge Damon Hill-Rubin-Royal-Kinder in den Sport kommen. Die älteste, Damon’s Divene, ist jetzt auf dem Weg zur Klasse S.

Der Fuchs hat fast keine Abzeichen, kommt daher eher schlicht daher, besticht aber durch ein schönes Gesicht mit ruhigem klugen Auge. Außerdem ist er „hochmodern mit großen Linien, einer guten Sattellage und guter Halsung“ wie die Richter erklärten – 8,5.

Sein Trab besticht mit großem Grundschwung, lockerer Taktsicherheit, viel Energie und Elastizität, 9,0. Der Galopp ist bergauf angelegt, rhythmisch und ebenfalls energisch abfußend. Lediglich das Zulegen hätte man sich etwas ergiebiger gewünscht, 8,5. Der Schritt ist rundum „sehr gut“ ergiebig, durch den Körper, mit großem Raumgriff, 9,0. Hinsichtlich der altersgemäßen Ausbildung lobte die Jury das Gleichmaß und die Balance der Bewegungen. Weil man sich eine regere Maultätigkeit gewünscht hätte, gab es hier „nur“ eine 9,0. Für das Temperament und die Perspektive wurde eine 9,0 vergeben. Machte zusammen eine 8,83 vor dem B-Finale.

Als Fremdreiterinnen waren Uta Gräf und Anja Rietbrock angetreten. Uta Gräf ist häufig auf dem Reitpferdeviereck als Fremdreiterin im Einsatz, wenn sie nicht selbst reitet. Anja Rietbrock betriebt einen eigenen Ausbildungsstall, hat sich auf junge Pferde spezialisiert und zeichnet unter anderem für die Grundausbildung von Andreas Ostholts Vier-Sterne-Vielseitigkeitspferd Franco Jeas verantwortlich.

Auf Damon’s Satelite fühlten die beiden sich offenbar äußerst wohl, denn sie gaben dem Fuchs 19 Punkte, womit sich sein Konto auf 72,5 Zähler belief.

Als Reitpferde-Vizebundeschampionesse wird De la Beauté OLD im Oktober die Kollektion der Oldenburger Herbst Elite-Auktion in Vechta bereichern. Die Stute ging mustergültig. Wäre da in den Wendungen noch etwas mehr Selbsthaltung zu erkennen gewesen, hätten die Richter sich vielleicht sogar zu einer 10,0 hinreißen lassen. Diesen Punkt führten sie aber an und gaben eine 9,5, die Tageshöchstnote in diesem Bereich. Die einzige Acht vor dem Komma gab es für das Gebäude der Stute, da sie aktuell wohl wachstumsbedingt ein wenig überbaut ist. Ansonsten sprechen dreimal die 9,0 für alle drei Grundgangarten für sich. Die leichtfüßigen und flüssigen Bewegungen der Stute begeistern und auch die Hinterhandaktivität könnte kaum besser sein. „Sehr gut“ war auch die Einschätzung der Perspektive des Pferdes und die Beurteilung ihres Temperamentes, welches sich einerseits durch Gelassenheit, andererseits aber auch durch „Ehrgeiz, Energie und Ausruck“ auszeichnete.

Unter dem Strich bedeutete das eine 8,92. In Punkten ausgedrückt, bedeutete dies 53,50 Zähler, mit denen sie ins B-Finale einzog. Hier erhielt die Siegerin beider Vorprüfungen heute „nur“ 17,5 Punkte. MAcht ein Summe 71,0 Punkte. Das war zu wenig für den Bundeschampionatstitel, reichte aber für Silber.

Bronze ging an den Hannoveraner Dance in Black, der seinem Namen alle Ehre macht. Don Frederico-Lauries Crusador xx lauetet die Blutkombination des von Adolf Bachmann in Wesenberg gezogenen Rappen, den Ann-Christin Wienkamp sehr gefühlvoll vorstellte. Ein echtes Highlight, welches die Richter in ihrer Kommentierung auch noch mal hervorhoben war das Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen im Galopp. Eine solche Dehnungsbereitschaft ohne dabei an Takt und Fleiß zu verlieren, hat man so selten gesehen. Da der Rappe aber beim ersten Angaloppieren verspätet reagierte, war die Ausbildungsnote „nur“ 8,0. Dafür punktete Dance in Black mit seinem Galopp als solchem – „rhythmisch, bergauf, dynamische Verstärkungen“ waren die Richterkommentare, 9,0. Die Trabverstärkungen hätten ergiebiger sein können, dann wäre hier sicher auch eine Neun drin gewesen. Nun wurde es die 8,5, die auch für den Schritt vergeben wurde. Die Perspektive des Pferde sahen die Richter mit einer 8,5, so dass es am Ende eine 8,42 wurde.

Es war offenkundig, dass die Fremdreiter sich auf dem elastischen Schwarzen pudelwohl fühlten. Sie gaben ihm 19 Punkte. Doch auch damit konnte er nicht mehr an der Silbergewinnerin vorbeiziehen Platz drei mit 69,50 Zählern.
Hengste

Eine Bilderbuchkarriere hat der neue Bundeschampion der vierjährigen Hengste bis jetzt hingelegt. Der Hannoveraner Franziskus v. Fidertanz-Alabaster aus der Zucht von Elisabeth Albers in Löningen wurde Deutscher Fohlenchampion beim Championat in Lienen. Mit zweieinhalb Jahren wurde er in Westfalen gekört und prämiert. Seine ersten Fohlen wussten zu überzeugen. Unter anderem stellte er in diesem Jahr den Fohlenchampion bei den Hengsten. Und nun Warendorf.

Schon in der Qualifikation meldete der bildschöne Braune Titelansprüche an. Im Finale selbst „war er dann etwas auf Sendung“, wie seine Reiterin, Johanna Klippert, es ausdrückte. Klippert arbeitet auf der Hengststation Holkenbrink, Franziskus‘ Heimat. Die angehende Pferdewirtschaftsmeisterin hat den Hengst kurz nach dem Anreiten übernommen und ihn seither unter ihren Fittichen. In diesem Jahr sind die beiden bereits von Erfolg zu Erfolg geeilt, münzten fast jeden Start in einen Sieg um. Franziskus‘ Grundgangarten sind zweifellos erste Sahne. Doch war der Hengst von der heutigen Kulisse am Reitpferdeviereck sehr beeindruckt. Dadurch spannte er sich, ging gegen die Hand, verwarf sich zeitweise und machte seiner Reiterin kein leichtes Leben als er beim Angaloppieren losbuckelte. Aufgrund „geringfügiger Spannungen“ gaben die Richter eine 8,5 in der Duchlässigkeit. Diese Spannungen drückten auch die Schrittnote, in der man sich mehr Gelassenheit und Dehnung gewünscht hätte, 8,0.

Topnoten gab es dann in allen weiteren Kriterien. Das zweifesohne beeindruckende Erscheinungsbild des Pferdes wurde von Kommentator Dr. Dietrich Plewa, mittlerweile traditionell das Sprachrohr der Richter bei den Reitpferden, mit folgenden Attributen beschrieben: „Das Pferd lässt an Modernität nichts zu wünschen übrig. Das ist ein Pferd, das sich den Namen Herzensdieb wirklich verdient hätte. Note: 9,0.“
Im Trab würdigte man die Bergauftendenz, die „kaum zu überbietende Schulterfreiheit“ und die aktive Hinterhand. Wäre der Hengst in den Verstärkungen nicht „geringfügig breit“ geworden, wäre es wahrscheinlich die Idealnote für seinen Trab gewesen. So belohnten die Richter das Pferd mit 9,5 für den Trab. Der Galopp sei von „kaum geringerer Qualität“, 9,0. Und schließlich gab es noch ein weiteres „sehr gut“ für die Perspektive des Pferdes. Unter dem Strich bedeutete das eine quasi uneinholbare Führung vor dem Finale mit Pferdewechsel.

Hier änderte sich nichts an der Rangierung nach dem A-Finale. 19,5 Punkte gaben die beiden Fremdreiterinnen, Uta Gräf und Anja Rietbrock, dem neuen Bundeschampion. Das bedeutet, eine der beiden hat dem Hengst eine 10,0 gegeben, eine eine 9,5. Dass die beiden sich wohl fühlen auf dem gewaltig trabenden und galoppierenden Braunen war so offensichtlich, dass sie Szenenapplaus des Publikums bekamen. Unter dem Strich kam Franziskus auf 72,50 Punkte.

Geklatscht wurde auch für den Silbermedaillengewinner, den Oldenburger Sir Heinrich, der in Westfalen gekört wurde und im Landgestüt Warendorf stationiert ist. Sir Heinrich ist ein Sir Donnerhall-Fürst Heinrich-Sohn aus der Zucht von Paul Wendeln in Garrel. Die Vollschwester des Hengstes, Cindy, trumpfte dieses Jahr bei der Oldenburger Stutenschau auf, wo sie Reservesiegerin wurde.

Sir Heinrich selbst ist ein Pferd, das man mit nach Hause nehmen würde. Die Kooperationsbereitschaft steht ihm einfach ins Gesicht geschrieben. Und auch in Bewegung überzeugt der nicht zu groß geratene hübsche Fuchs. Immer locker, immer fleißig und geschmeidig erhielt er von den Richtern in allen Teilkriterien eine 8,5. Besonders gefiel, dass alle Bewegungen bei ihm wirklich durch den Körper gehen. Die Vorstellung sei „von innerer und äußerer Losgeslassenheit“ geprägt gewesen, wobei der Hengst „immer auf die Reiterin konzentriert war.“

Dass Sir Heinrich ein Wohlfühlpferd ist, konnten die Femdreiterinnen bestätigen mit 19 Punkten, fast perfekt und damit der zweite Platz mit insgesamt 70 Zählern.

Über den Bronzeplatz konnte sich der einst als Fohlen für den Rekordpreis 120.000 Euro auf der Auktion an das Ehepaar Hereth in Baar verkaufte und in Hannover bei der Körung prämierte Quaterback-Wolkentanz-Sohn Quasar de Charry freuen. Der Hannoveraner Fuchshengst aus der Zucht von Erika Lütjen in Grasberg ist auf der Hengststation Pape in Hemmoor aufgestellt und wurde von Susan Pape vorgestellt.

Dr. Dietrich Plewas Kommentierung begann mit dem Exterieur des optisch von seinem Vater geprägten Fuches: „Ein Pferd mit viel Ausstrahlung, korrekt im Fundament, der Hals etwas zu tief angesetzt, 8,5“. Weiter ging es mit dem Trab. Hier lobte man das energische Antreten, die Schulterfreiheit und den Ausruck, gleichwohl wünschte man sich etwas mehr Rückentätigkeit (8,5). Der energisch bergauf gesprungene Galopp in immer gleich bleibendem Rhythmus wurde mit einer 9,0 bedacht. Im Schritt verkroch Quasar de Charry sich etwas hinter dem Zügel und trat nicht mehr ans Gebiss heran. So kam er auch nicht wirklich zum Schreiten. Der Takt war jedoch zu keiner Zeit gefährdet, so dass er trotzdem noch eine 8,0 erhielt. Wegen der Anlehnungsprobleme im Schritt gab es auch im Bereich Ausbildungsstand „nur“ ein glattes Gut. Bei der Note für die Perspektive griff das Richterkollegium zur 8,5, so dass Quasar de Charry mit einer 8,42 ins Fremdreiterfinale zog.

Hier gab es dann noch mal 17,5 Punkte für den Hengst, die bei weitem nicht ausreichten, um den vor ihm liegenden gefährlich zu werden. Unter dem Strich kam er auf 68 Zähler.

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