Uta Gräf: Dressurreiten mit Spaß und Erfolg

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Uta Gräf: Erfolg mit Spaß und Gelassenheit. (© www.toffi-images.de)

Als Uta Gräf in die nationale Spitze aufstieg, war mancher vom Punk-Schopf unterm Zylinder geschockt. Unter dieser blonden Wuschelmähne steckt ein Kopf, der sich viele Gedanken macht, wie man was (noch) besser machen kann.

Ihr Pfälzer Dialekt und die charakteristische Stimme zählen ebenso wie die Frisur zu Uta Gräfs Markenzeichen – der wasserstoffblonde Punkschopf hat es ja sogar schon in gezeichneter Form auf das Cover von Gräfs Buch geschafft. Der 200-Seiten-Schmöker ist den meisten wegen seines Untertitels im Gedächtnis geblieben: „Schlammkruste abkratzen und (Grand Prix) reiten“. Offiziell heißt das Buch „Feines Reiten auf motivierten Pferden“.

Und genau darum geht es auf dem Gut Rothenkircherhof, das ist der Anspruch der Kaderreiterin und ihres Ehemanns Stefan Schneider. Diesen Anspruch leben sie und freuen sich, dass dank Utas Popularität immer mehr Reiter feststellen, dass das Bewegungstier Pferd möglichst wenig in Einzelhaft gehalten werden sollte und dass sportliche Erfolge durchaus auch mit Vierbeinern zu bewerkstelligen sind, die in der Gruppe auf der Weide stehen. „Am besten aber schon nach Geschlechtern getrennt“, wie Stefan Schneider rät.

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Der Hengst Le Noir ist Uta Gräfs Erfolgspferd und Paradebeispiel der sorgfältigen Ausbildung. (© www.toffi-images.de)

Erfolgspferde Dandelion, Le Noir und Damon Jerome

Das „Dandelsche“ war einige Zeit die neue Nummer Eins im Stall von Uta Gräf. Der braune Oldenburger hatte erfolgreich an dem Stuhl des Hengstes gesägt, mit dem Uta Gräfs Karriere so richtig los ging, und zwar von Le Noir. Le Noir steht nun nach seiner sportlichen Karriere seit 2016 den Züchtern auf dem Landgestüt Zweibrücken zur Verfügung, so dass Dandelion nachrücken konnte.

Mit dem Sieg in Grand Prix (72,6 Prozent) und Special (76 Prozent) beim K+K Cup in Münster hatte Le Noirs Nachfolger Dandelion eine Duftmarke setzen können. Mit dem Sieg im Grand Prix Special von Mannheim eine weitere. Das war 2014 und der Auftakt zu den besten Grand Prix-Jahren des Oldenburgers.

Dabei sind Dandelion und der Leandro-Sohn Le Noir zwei ganz unterschiedliche Charaktere. Während der schwarze Holsteiner ein gesundes Phlegma hat, liegen „beim Dandelsche“ schon mal die Nerven blank. Entsprechend ist auch auf Le Noir die Wahl gefallen, als es um das Model für das Cover von Uta Gräfs und Stefan Schneiders neuestem Projekt ging, eine DVD. Titel: „Das unerschrockene Dressurpferd“.

Mittlerweile ist das „Dandelsche“ bei Uta Gräf aus- und seiner Besitzerin in der Nähe von Gut Rothenkircherhof eingezogen, so dass jetzt Damon Jerome im Stall Gräf wieder in den Fokus gerückt ist. Der Fuchs galt lange Zeit als große Nachwuchshoffnung, war Finalist bei der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde, ging später im Finale des Nürnberger Burg Pokal. 2016 musste er pausieren und kam dann 2017 wieder zurück in den Sport, in der Kleinen Tour.

Gelassenheitstraining mit Uta Gräf und Dandelion

Dandelions Ohren schnellen nach vorne. Und da bleiben sie auch. Denn Dandelion
 hat etwas gesehen. Etwas, das gestern nicht an der Stelle war. Es ist ein Schild am Hufschlag des Dressurvierecks: „Hugo das Gespenst“ steht darauf. Ein Scherz?

Dandelion kann darüber gar nicht lachen. Er geht zwar tapfer weiter, aber beschäftigen tut ihn das Schild doch. Das kann man ihm ansehen. Seine angespannten Ohren reagieren erst einige Meter später auf die etwas heisere Stimme aus dem Sattel, die dem De Niro-Sohn signalisiert: Alles in Ordnung. „Brav, Dandelsche!“ Das innere Ohr wandert in Richtung Reiter.

Für „Dandelsches“ Nervenkostüm ist heute ein Tag permanenter Herausforderungen. Denn anders als Le Noir, dem weder raschelnde Goldfolien noch Regenschirme etwas ausmachen und der sogar einen auf ihn zu kommenden Sonnenschirm nicht fürchtet, sondern maximal mit einem kurzen Ohrenspitzen quittiert, ist Dandelion anders. Ganz anders.

Julia Rau

Die Goldfolie ist für das „Dandelsche“ eine echte Herausforderung. (© Julia Rau)

Die goldene „Killerfolie“

Dandelion hat mittlerweile gelernt, dass sich hinter den Schildern am Rand des Dressurvierecks weder Bergtrolle noch sonstige Gespenster verstecken. Aber ob das auch für Regenschirme, eine flatternde Goldfolie, Absperrbänder und Verkehrskegel gilt, muss er erst noch überprüfen.

Sein Pulsschlag steigt, die Anspannung ist nicht zu übersehen. Wieder sind die Ohren auf Anschlag. Dandelion hat nur Augen für die wehende Goldfolie am Zaun.

Die Folie tanzt im Wind, sie knistert und raschelt. Mal türmt sie sich auf, dann hängt sie schlaff da, unschuldig. Nur um sich ebenso schnell wieder mannshoch aufzutürmen und dick und bedrohlich vom Zaun flüchten zu wollen – Launen der Natur.

Dandelions Geduld hat ein Ende, er geht in die Knie wie ein Bordercollie und will einen großen Satz nach schräg vorn machen. Uta Gräf sorgt dafür, dass er nicht wegstürmt, ohne dabei zu hart einzugreifen.

Das entscheidende aber ist: Sie lächelt. Weil ihre Mundwinkel generell die Tendenz in Richtung Ohren haben, egal was sie tut, ist das nicht so bemerkenswert. Und es ist es doch. Denn es zeigt ihre eigene Lässigkeit, ihre Losgelassenheit im Umgang mit der „Killerfolie“.

Zwei Lernziele in einer Übung

Dandelion lernt hier zweierlei: Er darf zunächst durchaus Angst haben, aber nicht wegstürmen. Und: Es ist wohl doch nicht so schlimm, schließlich ist seiner Reiterin ja das Lachen noch nicht vergangen.

Schritt für Schritt, präziser Tritt für Tritt, pirschen sich beide näher an das Problem heran. Schultervorartig trabt Uta Gräf an dem Foliendrachen vorbei. Ihre Stimme signalisiert Ruhe, der innere Schenkel hält Dandelion einigermaßen auf der Spur. Einigermaßen – denn zunächst reicht es aus, wenn der Wallach sich näher an die Gefahr herantraut. Zur Belohnung wird der Druck von oben geringer.

„Pressure and release“ – Druck und Entspannung heißt das im Vokabular der „Gurus“ aus Übersee: Geht man beispielsweise mit einer raschelnden Plastiktüte immer wieder an das Pferd heran, wird es zunächst ausweichen. Da es aber schon gelernt hat, dass Flüchten zwecklos ist, wird es zwar nicht eben begeistert sein, aber auch nicht wegrennen.

In dem Moment, in dem es innehält, idealerweise die Ohren neugierig in Richtung des furchteinflößenden Gegenstands richtet, verharrt dieser in Ruhe – nach dem knisternden „Pressure“-Moment, ist das der Zeitpunkt der Entspannung, des „Release“.

Nicht anders arbeitet Uta Gräf aus dem Sattel heraus bei Dandelion und den anderen. Die Botschaft lautet: Alles eigentlich doch harmlos.

Videobeispiel: Damon Jerome und der Applaus

Damon Jerome, der Damon Hill-Sohn, mit dem Uta Gräf schon zweimal beim Finale des Nürnbeger Burg- Pokals am Start war, hatte zum Beispiel Probleme mit Applaus. Bei der Weltmeisterschaft der Jungen Dressurpferde hatte er einfach zu viel davon bekommen. So kam Uta Gräf die Idee, ihrer DVD auch eine Geräusch-CD beizulegen.

 Im Training hat sie mit dem Dunkelfuchs immer wieder Einreiten und Halten bei X geübt, dann setzte Applaus ein. „Damon Jerome mochte das Anfangs gar nicht, aber er hat nicht nur gelernt damit umzugehen, sondern versteht allmählich, dass das sogar etwas Positives ist, eine Anerkennung seiner Leistung.“ Wie sie das erreicht hat: „Mit Ruhe, der nötigen Zeit und viel Loben!“

Für Interessierte gibt es Utas Geräusch-CD für`s eigene Training zusammen mit der DVD direkt beim FN-Verlag.

 

Gelassenheitstraining mit der goldenen „Killerfolie“

Ausbildung mit „Pressure and Release“

Trainingstipps für die eigene Arbeit

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