BuCha Finale fünfjährige Dressurpferde: Doppelsieg für Claudia Rüscher

Mehr Bergauf geht fast nicht

(© www.sportpferde-lafrentz.de)

Da muss ein Auge lachen und das andere weinen. Gerade noch schreibt Claudia Rüscher Bundeschampionats-Geschichte – und doch weiß sie: keine Fortsetzung folgt. Unter ihr wurde Lissaro van de Helle zum dritten Mal Bundeschampion, so etwas hat es noch nie gegeben. Zweitpferd Schumacher avancierte zum Vizechampion. Und Claudia Rüscher verlässt den elterlichen Hof.

Jedes Bundeschampionat braucht seine kleine Sensation, und die gab es am letzten Tag der diesjährigen Veranstaltung bei den fünfjährigen Dressurpferden. Noch nie ist ein Pferd dreimal hintereinander Bundeschampion geworden heute war es so weit. Das Pferd, das Bundeschampionats-Geschichte schreibt, heißt Lissaro van de Helle, stammt von Lissabon aus einer Matcho AA-Mutter ab und kassierte im Finale der fünfjährigen Dressurpferde Höchstnoten: Sein ausgezeichneter Schritt erhielt die 10,0, für den toll ausbalancierten, in allen gezeigten Tempi absolut geraden Bergauf-Galopp und die Perspektive als Dressurpferd gab es die 9,5. Der Trab wurde anders als noch bei der WM der jungen Dressurpferde, wo Lissaro Zweiter wurde, von Claudia Rüscher sehr gut, kadenziert und mit feinen Übergängen in Szene gesetzt (9,0). Obwohl der Hengst wie kein Zweiter in dieser Prüfung die Ruhe bewahrte und weder ihm noch der Reiterin der Druck anzumerken war, der auf ihnen lastete, gab es für die Durchlässigkeit nur die Note 8,5 fast zu wenig (Gesamtnote 9,3). Auf die Frage, woher dieser stark frequentierte Hengst diese Ruhe habe, antwortete der Züchter, Jürgen Dittmer aus Neuenkirchen, humorvoll: Der hat mich bei der Geburt gesehen danach konnte ihn nichts mehr aus der Ruhe bringen. Für Claudia Rüscher werden diese Bundeschampionate unvergessen bleiben, denn sie hatte noch ein zweites Eisen im Feuer, das sich im Vergleich zur Qualifikationsprüfung noch einmal deutlich steigern konnte und am Ende Vize-Bundeschampion wurde: Schumacher, ein Stedinger-Sohn aus einer Weltmeyer-Mutter (Z: Wilhelm Lambardt, Hamm), bewies nach der WM in Verden (Bronze), dass mit ihm auch künftig zu rechnen sein wird (Gesamtnote: 8,9). Er ist noch nicht so fertig wie sein Stallkollege Lissaro, in der Anlehnung hier und da nicht ganz sicher, auch die seitliche Balance geriet, etwa bei den Verstärkungen, in Gefahr: er tendierte dazu, hinten breit zu werden. Claudia Rüscher glich dies geschickt aus, gab ihm den nötigen Halt, allerdings mit der Folge, dass der Hengst in kleineren Wendungen gern etwas eng wurde. 9,0 für den Trab, 8,5 im Schritt, grandiose 9,5 für den mit sehr aktiver weit unter den Körper fußender Hinterhand gesprungenen Galopp. Die 8,5 für die Durchlässigkeit war großzügig, die 9,0 für die Perspektive dieses hochbeinigen, feinen Rappen sicher berechtigt. Es war wohl das letzte Mal, dass Claudia Rüscher im Sattel dieser beiden Pferde zu sehen war, denn schon in knapp drei Wochen verlässt sie den elterlichen Hof, wird künftig für den Stall Ramsbrock tätig sein. Man soll gehen, wenn es am schönsten ist, sagte sie. Man darf gespannt sein, unter wem die Pferde in Zukunft zu sehen sind entschieden ist noch nichts.
Nur ein Zehntel dahinter auf dem Bronzerang ein weiterer, edler Rappe: Mit 8,8 wurde der Hochadel-Matcho AA-Sohn Horatio unter Dorothee Schneider aus dem Viereck entlassen (Z: Susanne Buroch, Holste). Manche hätten den eleganten Wallach gern weiter vorn gesehen einerseits, weil er im Verlauf der Prüfung immer besser wurde, andererseits, weil seine Reiterin einen tollen Job gemacht hat. Die erste Trabrunde noch etwas angespannt, nach der ersten Verstärkung gewann der Hengst an Selbstbewusstsein und Ausstrahlung (Trab: 8,5). Er war einer von wenigen, deren Hinterhand auch in den Verstärkungen schmal fußte, positiv fiel außerdem auf, dass sein Maul trotz der anfänglichen Anspannung während der gesamten Aufgabe geschlossen kaute und dass er sehr geschmeidige Übergänge zeigte. Seine Galoppade ist raumgreifend, nach oben, auch hier nahmen die Hinterbeine viel Last auf alles Faktoren, die für eine viel versprechende Zukunft sprechen. Dies wurde von den Richtern auch so gesehen, für seine Perspektive als Dressurpferd bekam Horatio die 9,0, ebenso für die Gangarten Schritt und Galopp. Das Zünglein an der Waage war die Note für die Durchlässigkeit: 8,5 vergaben die Richter, was so mancher als etwas streng empfand. Den Besitzer Sven Rothenberger wird der Bronzerang auf jeden Fall freuen, denn von Anfang an, nachdem er den Rappen auf der Hannoveraner Frühjahrsauktion telefonisch ersteigert hatte, war Horatio als Nachwuchspferd für seine Tochter Sanneke vorgesehen. Auf Rang vier mit 8,7 fand sich der Vizebundeschampion des Vorjahres wieder Sarkozy, ein Sandro Hit-Weltmeyer-Sohn unter Eva Möller, die schon bei den Sechsjährigen gezeigt hatte, was sie kann (Gold und Silber, wir berichteten). Schwarz, groß, mächtig und geschmeidig zeigte sich der von Arno Mester, Menslage gezogene Rapphengst im Viereck, im versammelten Trab mit aktiver Hinterhand, in den Verstärkungen tendenziell etwas breit werdend im Zulegen fehlt noch etwas Balance, kommentierte Christoph Hess. Der schön durch den Körper fließende Schritt mit langem Hals und offener Ganasche bescherte dem Hengst, aus dessen erstem Fohlenjahrgang schon ein Bundesreservesieger hervorging, die Note 9,5, auch seine Perspektive schätzten die Richter hoch ein: 9,0. Das gelegentliche Verwerfen und die noch nicht voll gefundene Balance führten zu einer 8,0 in der Durchlässigkeit. Schritt und Galopp bewerteten die Richter mit 8,5. Eine ausgesprochen harmonische Runde bescherte der Don Schufro-Tochter Donna Charian unter Nadine Plaster (Z: Dieter und Heike Blessing, Köngen) Rang fünf mit der Gesamtnote 8,5. Die Hand stets vorfedernd, gelang es Plaster perfekt, die Dunkelfuchs-Stute mit hohem Genick, sauberer Anlehnung und feinsten Hilfen zu zeigen. Die Stute schwebte vielleicht nicht so elastisch wie der Sieger dieser Prüfung, aber ihre Leistungs- und Versammlungsbereitschaft, besonders in Trab und Galopp, beeindruckte. Die Übergänge nicht nur zwischen den Gangarten, sondern auch zwischen den verschiedenen Tempi waren bei keinem Paar so harmonisch wie bei diesen beiden, für alle drei Grundgangarten gab es die 8,5. Das ist unsere Antwort auf Totilas, kommentierte Christoph Hess, und fügte hinzu: Da ist nichts Spektakuläres zu sehen, und darum gehen wir ran an den Speck. Damit konnte er nur die Perspektive des Pferdes meinen, die den Richtern die 9,0 wert war. Dass bei so viel Lob für die Durchlässigkeit des Pferdes nur eine 8,0 vergeben wurde, sorgte im Publikum für erstauntes Raunen.
Und wo war der Favorit auf den Vizetitel geblieben? Im Vorfeld war Damon Jerome unter Uta Gräf hoch gehandelt, in der Qualifikation als Zweitplatzierter sehr gelobt worden, besonders für seine Losgelassenheit aber heute war nicht sein Tag. Schon beim Einreiten machte der von Willi Schneider, Laubach gezogene Fuchs klar, dass er sich lieber auf die Außenwelt als auf seine Reiterin konzentrieren würde etwas, das man bei dem Damon Hill-Sohn bisher nicht kannte. Das Halten zappelig, gleich in der ersten Ecke scheute er kein guter Anfang. Die Trabtour hindurch verbesserte sich der Hengst zunehmend, man konnte das Aufatmen der Reiterin förmlich hören. Die Aufregung schien sich zu legen, der Schritt wunderbar im Takt, weit überfußend. Danach ging eigentlich gar nichts mehr: Im ersten Mittelgalopp sprang er um, in der gesamten Galopptour auf der linken Hand sah der Hengst Gespenster da war nichts zu machen. Das ist das Reiterleben, bedauerte Christoph Hess, bevor er die Noten für diesen Ritt bekannt gab. Mit einer 9,5 für den Trab und einer 10,0 für den Schritt war das Pferd sehr gut bedient, ein hoch begabtes Pferd, lobte Hess. Der Galopp war quasi nicht zu bewerten, 6,5, die Durchlässigkeit 5,0. Auch die Note der Perspektive litt unter den Spannungen denn dort fließt auch die Harmonie der gesehenen Vorstellung mit ein (7,0). Mit der Gesamtnote von 7,6 musste sich Uta Gräf in dieser Prüfung ganz hinten einreihen. Rang sechs mit 8,3 teilten sich der Dimaggio-Sohn Harmonys Desiderio unter Susan Pape (Z: Georg Sieverding, Emstek) und Riccidoff, ein Hannoveraner Hengst von Riccione-Davidoff unter Kira Wulferding (Z: Gestüt Lewitz, Steinfeld). Bei Ersterem war der Name Programm Harmonie stand an oberster Stelle. Besonders bemerkenswert war dies im Trab, der in jedem Tempo toll federte. Die Übergänge aus den Verstärkungen in die Versammlung waren fließend, das Pferd nahm Last auf und wurde größer 9,0 war das verdiente Lob dafür. Im Schritt bewegte sich der Hengst in der Prüfung nicht so ungezwungen wie nach dem Schlussgruß schade, hier hätte das Paar eine ganze Note mehr bekommen können, so gab es für den etwas gebundenen Schritt nur die 7,5 (weitere Noten: Galopp 8,0, Durchlässigkeit und Perspektive 8,5). Riccione hatte seine Höhepunkte im Schritt: weit vorfußend, mit offener Ganasche, dennoch in die Hand hinein schreitend 9,0. Der Trab eigentlich auch herrlich federnd, leichtfüßig, ein Pferd, das zum entspannten, kraftarmen Reiten einlädt. Doch in Trab und Galopp braucht der Hengst noch mehr Balance jeweils 8,0. Neun der insgesamt 16 Finalisten erreichten Noten über 8,0 ein guter Schnitt, der der Qualität der Pferde entsprach. Der Jahrgang der Fünfjährigen war insgesamt überzeugender als die Altersklasse der Sechsjährigen. Die Ergebnisse dieser Prüfung finden Sie hier.

St.GEORG GRATIS LESEN!

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist! Das bietet der
St.GEORG Newsletter. Jetzt abonnieren und Sie erhalten eine Ausgabe
St.GEORG als ePaper gratis - zum immer und überall lesen.