BuCha 2017: Diaron und Cocominka sind die Springpferdebundeschampions 2017

Patrick Stühlmeyer und Katrin Eckermann haben es wieder getan. Sie haben wieder die Bundeschampions der fünf- und sechsjährigen Springpferde präsentiert. 2016 stellte Patrick Stühlmeyer mit Lissino den Bundeschampion vor der Fünfjährigen vor, 2017 „hat er Diaron in Szene gesetzt“, wie Stadionsprecher Rainer Kohaus den Auftritt sehr treffend beschrieb.

Seit April ist Stühlmeyer Bereiter in Mühlen, genauso lange reitet er Diaron v. Diarado-Come On, den er überschwänglich lobt: „Diaron ist sehr intelligent. Er lernt schnell und ist immer bereit, das Gelernte auch umzusetzen. Sein tolles Temperament und sein guter Charakter machen die Arbeit mit ihm sehr angenehm, er will immer alles richtig machen. Beim Springen ist er sehr vorsichtig, das macht es noch einmal einfacher.“ Der Sieg ist deshalb für ihn Grund zu großer Freude, aber keine große Überraschung. Kommentator Joachim Geilfus begründete die hohe Note 9,5 im ersten Umlauf der Spezialspringpferdeprüfung der Kl.M** so: „Viel besser geht`s nicht. Der Hengst sprang losgelassen, großzügig und mühelos. Das war eine tolle Runde.“ Damit ging der Schimmelhengst in Führung. „Natürlich war ich angespannt vor dem zweiten Umlauf, aber auch sehr zuversichtlich. Ich war mir recht sicher, dass Diaron seine Form bestätigen würde“, beschreibt Patrick Stühlmeyer sein Gefühl vor dem zweiten Umlauf, und er hatte sich nicht geirrt. Wieder absolvierte Diaron eine souveräne Runde, wieder stand eine 9,5 im Protokoll. In Summe die Endnote 19,0 und der Oldenburger trug Siegerschleife und -schärpe auf die Ehrenrunde. Seiner Züchterin Manuela Lachnit wurde ebenso gratuliert wie dem Besitzer Paul Schockemöhle, beide strahlten wie die Sonne auf das Championatsgelände.

Riesensätze

Vize-Bundeschampion wurde United Touch S unter Hendrik Dowe (18,7 Endnote), der das Publikum mit seinen Riesensätzen staunen ließ und auch etwas ins Grübeln brachte. Joachim Geilfus stellte dem Kommentar der Vorstellung eine Erklärung voran: „Um hier allen Spekulationen vorzubeugen, sagen wir jetzt erstmal, dass der Hengst diese Woche jeden Parcours so gesprungen ist wie heute. So springt er einfach. United Touch S war die ganze Zeit unter strenger Aufsicht der Stewards.“ Damit war das Thema durch, Geilfus konnte die Note 9,1 begründen mit der sehr guten Galoppade, die den Richtern im zweiten Umlauf zusammen mit dem großzügigen Springen sogar eine 9,6 wert war. Punkten konnte der Westfale (Züchter und Besitzer Julius-Peter Sinnack) auch damit, dass er trotz seiner üppigen und zeitraubenden Sätze über die Sprünge in der geforderten Zeit blieb.

Bronze für Concordia

Andreas Kreuzer hatte es mit zwei Pferden ins Finale geschafft, die Württembergerin Concordia (Züchter und Besitzer Klaus Isaak) ritt er auf den Bronzeplatz. Der Deutsche Meister von 2016 ließ die Schimmelstute richtig glänzen. „Bei Concordia hat uns die Rittigkeit beeindruckt. Sie steht immer sicher an den Hilfen ihres Reiters, springt gleichmäßig und losgelassen“, begründete Geilfus die Note 9,1. Noch besser gelang der zweite Umlauf. „Concordia ist durchlässig, beweglich und bewältigt die ihr gestellten Aufgaben selbstverständlich und natürlich. Das war uns eine 9,5 wert“, lautete der Kommentar. Damit wurde nicht nur die Colorit-Cassini I Tochter gelobt, sondern auch ihr Reiter. Dieser wurde übrigens vom Bundeslandwirtschaftsministerium ausgezeichnet für besonders faires und pferdegerechtes Vorbereiten auf dem Abreiteplatz.

Mit vierzig Startern war das Finale zahlenmäßig stark besetzt, vor allem vor dem Hintergrund, dass nur 85 Fünfjährige insgesamt auf der Burandtwiese angetreten waren. Im Ganzen gesehen ein guter Jahrgang, waren sich die Fachleute einig. Wie immer waren auch 2017 um die 30 Prozent Teilnehmer dabei die entweder die Anforderungen eines Bundeschampionats unterschätzt haben oder deren Pferde nicht in Form waren, die Anzahl der herausragend guten Pferde war jedoch erfreulich hoch. Das unterstrichen die zahlreichen Ritte die mit einer 9,0 oder besser benotet wurden ebenso wie die Anforderung einer 8,7 oder besser, um den zweiten Umlauf des Finales zu erreichen. Dort unterstrichen ausnahmslos alle angetretenen Pferde ihre gute Kondition.

Sechsjährige Springpferde

Katrin Eckermann ist die ebenfalls Wiederholungstäterin. 2016 gewann sie mit Quin das Bundeschampionat, dieses Mal ritt sie ihr eigenes Pferd zum Sieg. Die couragierte junge Frau reitet gern in höherem Tempo, ihr kommt es sehr entgegen, dass die sechsjährigen Springpferde gegen die Uhr gehen müssen. 14 der 40 angetretenen Paare erreichten in der Finalspringprüfung der Kl.M** das Stechen. Hier legte Eckermann als erste Starterin mit Cocominka EST ohne Strafpunkte in 37,71 Sekunden ein Ergebnis vor, das für ein richtig spannendes Stechen sorgte, jedoch von keinem ihrer Konkurrenten zu toppen war. Die im Rheinland von Sjaak Bindels gezogene Stute ist eine Tochter des Cassini Boy Junior, Muttervater Sandro Boy. Weil die Braune im Besitz der Reiterin ist, konnte Katrin Eckermann nicht nur Schleife und Ehrenpreis, sondern auch das Preisgeld in Höhe von 1300 Euro einstecken.

Kreuzer zum Zweiten

Für Andreas Kreuzer war der Sonntag des Bundeschampionats ein arbeitsreicher Tag. Zwei Pferde bei den Fünfjährigen, zwei bei den Sechsjährigen im Finale, da blieb keine Zeit zum Kaffeetrinken. Der Einsatz hat sich gelohnt, nach dem dritten Platz bei den Fünfjährigen mit Concordia ritt er Quickborn bei den Sechsjährigen auf den zweiten Platz. 0/38,24 Sekunden trennten das Paar zwar deutlich vom Siegerpaar, das Ergebnis reichte aber zum Titel des Vize-Champions für den OS eingetragenen Hengst von Quintender, Muttervater Cardino. Werner Tapken heißt der Quickborns Züchter, Besitzer ist die LH Reitsport GmbH & Co.KG.

„Komm Lütti, komm!“

Im Umlauf spornte Thomas Holz De Lütt mit der Stimme an „Komm, Lütti, komm“, forderte er die Stute auf, sich auch bei der letzten Kombination noch richtig anzustrengen. Der deutliche Stimmeinsatz lohnte sich, die Holsteiner Tochter des prominenten Vaters Casall (MV Cassini I) strengte sich mächtig an und sicherte sich und ihrem Reiter zunächst den Einzug ins Stechen und dort ohne Strafpunkte in 38,36 Sekunden den dritten Platz. Matthias Meuser hat De Lütt gezüchtet, Seongyun Lim heißt ihr Besitzer.

„Knackig“ lautete das Urteil vieler Reiter nach Abgehen des Parcours. Hoch und breit waren die Sprünge, einer Springprüfung der Kl.M** die bis 1,40 m ausgeschrieben ist, angemessen. Schlussendlich ließ sich alles gut reiten, zumal die erlaubte Zeit ohne große Eile einzuhalten war. Vierzehn Starterpaare waren dennoch eine Menge, sie stellten die Klasse der angetretenen Pferde unter Beweis. Zehn wurden platziert und bekamen Geld, die anderen Stechteilnehmer hatten das Nachsehen. So gesehen war die Zeit im Umlauf wohl doch etwas großzügig bemessen.

101 sechsjährige Springpferde waren in der ersten Qualifikationsprüfung an den Start gegangen, auch hier ist die Anzahl in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Sicher braucht man nicht, wie in früheren Jahren schon vorgekommen, mehr als die doppelte Anzahl, ein paar Dutzend mehr dürfen es doch sein. Folgen der kleineren Starterfelder sind nicht nur ungewohnt große Pausen auf dem Springplatz, sondern auch deutlich weniger Zuschauer. Züchter, Besitzer und häufig auch Fans der angetretenen Pferde wollen in der Regel ihr Pferd nicht nur bei Clip my horse sehen sondern dabei sein, wenn ihr Zuchtprodukt/ Sportler / Lieblingspferd an den Start geht. Sie fehlen auf den Tribünen. Ganz ungewohnt, dass man bei den Finals der Springpferde so bequem auf der Tribüne Platz nehmen konnte wie in diesem Jahr. Das darf gern wieder anders werden. Sicher kann man das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen, die alten Zeiten, in denen die Spitzenreiter beim Bundeschampionat an den Start gehen, kommen bestimmt nicht zurück. Aber die Attraktivität z.B. für Ausbildungs- und Handelsställe wieder zu erhöhen könnte u.a. ein Thema sein bei der noch im September anstehenden Klausurtagung Bundeschampionat sein.

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