FN will Zuchtverbandsordnung ändern

Hengstleistungsprüfung: 14-Tage-Test

(© Beelitz/St.GEORG)

Keine Mindestnote mehr bei Hengstleistungsprüfungen und mehr volle Papiere für Fohlen – darüber diskutiert man momentan bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung und den Zuchtverbänden. Eine Entscheidung soll in wenigen Wochen fallen.

Anfang Mai will die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) in Hamburg tagen. Dann soll auch der Beirat Zucht über eine mögliche Anpassung der Zuchtverbandsordnung (ZVO) entscheiden. Im Fokus stehen dabei die Tierzuchtbescheinigungen und die Eintragungsvoraussetzungen ins Zuchtbuch aufgrund der Hengstleistungsprüfungen. Dazu hat sich zum einen die AG Hengstleistungsprüfung im Vorfeld Gedanken gemacht. Zum anderen haben sich die Vorsitzenden und Zuchtleiter aller der FN angeschlossenen Reitpferde-Zuchtverbände bei einer Klausurtagung bereits mit der Thematik beschäftigt.

Theodor Leuchten, Vorsitzender des Bereichs Zucht bei der FN, begründet die geplanten Anpassungen der ZVO wie folgt: „Hintergrund der Überlegungen ist ein veränderter Zeitgeist und ein damit einhergehendes verändertes Verhalten der Züchter. Sie fordern von den Zuchtverbänden mehr Liberalität. Wird ein Verband ihren Wünschen nicht gerecht, wandern sie zum nächsten ab, teilweise sogar auch ins Ausland. Das kann nicht in unserem Sinne sein.“

Was soll sich ändern?

Zum einen möchte man demnach im Mai darüber entscheiden, welche Papiere ein neu geborenes Fohlen vom jeweiligen Zuchtverband ausgestellt bekommt. Aktuell ist im Equidenpass eine Tierzuchtbescheinigung enthalten. Diese dient entweder als Abstammungsnachweis („rotes/volles Papier“) oder als Geburtsbescheinigung („weißes/halbes Papier“). Ein volles Papier erhalten bisher nur Fohlen, bei denen Mutterstute und Hengst im Stutbuch I bzw. Hengstbuch I ihres Verbandes eingetragen sind.

Nun wird jedoch diskutiert, ob zukünftig auch solche Fohlen einen Abstammungsnachweis erhalten sollen, bei denen ein Hengstbuch II-Vater mit einer Stutbuch I oder II-Stute angepaart worden ist. Der Abstammungshinweis ist zum Beispiel im Hinblick auf Turnierausschreibungen nicht ganz unwichtig. So sind unter anderem bei den Bundeschampionaten und den Weltmeisterschaften der jungen Pferde nur Tiere mit vollen Papieren startberechtigt.

„Eine solche Regelung wird von vielen Zuchtverbänden für sinnvoll und zeitgemäß erachtet“, heißt es von Seiten der FN. Dennoch wolle man in den meisten Verbänden an den Kriterien für die Eintragung in das Hengst- oder Stutbuch I grundsätzlich nichts ändern. „Die Bedeutung der Körungen soll uneingeschränkt erhalten bleiben. Das Entscheidende daran ist, dass die Eltern eines Junghengstes zum Zeitpunkt dessen Körung vollständig die altersgemäßen Anforderung an Leistung und Abstammung erfüllen müssen. Hier ändert sich im Grunde nichts “, bestätigt Leuchten.

HLP zukünftig ohne Mindestnote?

Ebenso will man darüber sprechen, ob die Mindestnote bei Hengsleistungsprüfungen abgeschafft wird. Bisher gilt die 14-tägige Veranlagungsprüfung als bestanden, wenn der Hengst diese mit einer Gesamtnote von mindestens 7,50 oder einer disziplinspezifischen Note von mindestens 8,00 abschließen konnte. Die 50-tägige Hengstleistungsprüfung hat ein Hengst erfolgreich absolviert, wenn er eine dressur- oder springbetonte Endnote von mindestens 7,80 erreichen kann.

Dass man nun überlege auf die Mindestnote zu verzichten, begründet die FN folgendermaßen: „Schon jetzt hat die HLP vorwiegend den Charakter eines ‚Qualitätschecks‘, der den Züchtern die Möglichkeit bietet, die Qualität der Hengste aufgrund mehrerer Merkmale zu vergleichen. Eine aktuelle Masterarbeit hat gezeigt, dass der Großteil der Züchter die Hengste mit den besten Ergebnissen in der HLP für ihre Stuten auswählt. Ein Verzicht auf die gemeinsame Mindestnote wird daher voraussichtlich kaum Veränderungen bringen. Die Zuchtverbände sind mehrheitlich davon überzeugt, dass man lieber die besten Hengste besonders herausstellen sollte, als sich umfangreich mit denen zu befassen, die die Mindestnote gerade eben erreicht haben oder knapp darunter bleiben. Grundsätzlich basiert jede Art gezielter Tierzucht auf der Auswahl der Besten.“

Quelle: fn-press

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.