Hannoveraner Körung: Der Markt brummte

Bei der Hannoveraner Körung in Verden wurden 52 Hengste
gekört. Mit einer Prämie wurden 17 Hengste ausgezeichnet. Siegerhengste gibt es
schon länger nicht mehr in Hannover. Sechs Pferde wurden zu Preisen von über
100.000 Euro zugeschlagen, vier davon kosteten sogar 200.000 Euro oder mehr –
allesamt aus dem Dressurlager. Das begehrteste Pferd war ein Rappe v. Dancier,
der einem Liebhaber schwarzer Hengste aus Niedersachen zugeschlagen wurde.

Paul Schockemöhle hatte den längsten Atem: Erst als bei 320.000 Euro kein anderer Interessent mehr gegenhalten wollte, gab er sich zufrieden. So viel zahlte der Hengsthalter aus dem oldenburgischen Mühlen gemeinsam mit dem dänischen Pferdehändler Andreas Helgstrand für den großlinigen Rapphengst, Stockmaß 1,70 Meter, der aus einer Rotspon-Wolkenstein II-Mutter bei Jan-Niclaas von Holten in Langen gezogen wurde. Der Hengst trabte vom ersten Tag, der Musterung auf der großzügigen Dreiecksbahn, mit viel Kadenz, stolz in der Pose, den Hals weit oben, dabei unerschütterlich im Takt. Auch am Sprung schon abstammungsgemäß nicht seine Spezialdisziplin blieb der Kopf stets oben, an die Stangen kam der Rappe nie. Er ging guten Schritt. Gelegentlich zeigte er beim Freilaufen Kreuzgalopp. Damit war er nicht alleine. Die Innenmaße der Niedersachsenhalle sind eng. Beim Freilaufen auf einer Acht-Linie wird durch das aufgebaute Freispringen zusätzlich Platz an einer langen Seite benötigt. Außerdem sind sehr große Bereiche im Innenraum mit Dressurgattern und Fangständern abgetrennt. Das gibt den jungen Pferden einerseits den Weg vor, engt sie aber andererseits auch ein, zumal viele Peitschenführer als Lotsen fungieren, was der Ruhe des einzelnen Hengstes nicht immer entgegenkam. Die Dressurbedeutung des Hengstes wird durch seinen Mutterstamm unterstrichen, aus dem viele, teilweise international erfolgreiche Dressurpferde hervorgegangen sind.

Es wurde eine breite Varianz an Junghengsten zur Zucht zugelassen: Die 34 gekörten Dressurhengste stammten von 24 unterschiedlichen Vätern aus elf Linien, wobei jeweils acht Hannoveraner Hoffnungsträger aus dem Geburtsjahrgang 2010 auf Donnerhall (darunter drei Dancier- und zwei Desperados-Söhne) und Florestan (davon drei Floriscount-Kinder) zurückgingen also keine rein hannoverschen Linien. Die waren eher dünn gesät. Auf Bolero gingen fünf (je zweimal Belissimo M und Benetton Dream) Hengste zurück, auf die Oldenburger Quando-Quando und Sandro Hit je drei. Ein Halbblüter von Albaran xx, mit 14.000 Euro Zuschlagpreis ein Schnäppchen, wurde zur Zucht zugelassen. Lauries Crusador xx tauchte lediglich einmal über Londontime (25.000 Euro) auf. Lediglich Dancier, De Niro, Christ und Canstakko tauchten als Väter mit hannoverschem Schenkelbrand in den Pedigrees der prämierten Hengste auf.

Die weiteren teuersten Hengste im Preisgefüge:

Celles Landstallmeister Dr. Axel Brockmann ersteigerte gemeinsam mit der Hengststation Poll in Hörem einen in deutlichem Rechteckrahmen stehenden Dunkelfuchs, den Hans Heinrich Schnadt, Rinteln, gezogen hat. Der Sohn des Niederländers Vivaldi (v. Krack C-Jazz) stammt aus einer Donnerhall-Eiger Mutter. Der Fuchs ist nicht nur wunderhübsch, er kann mit dem Vorderbein dank seiner Schulterfreiheit auch Bewegungen zeigen, wie es andere nicht können. Der insgesamt noch recht jugendlich wirkende Fuchs, der 260.000 Euro kostete, muss im Hinterbein noch an Kraft gewinnen und zeigte einen guten Schritt.

Ein mit begeisternder Trabmechanik ausgestatteter Sohn des Oldenburgers Diamond Hit (aus einer Florestan-Sunset Boulevard xx-Mutter, Z.: Nicole Wanning, Schüttorf), der an Elastizität und kraftvollem Abfußen in seiner Paradegangart kaum zu überbieten war, gelangte für 220.000 Euro ebenfalls ins Landgestüt Celle. Noch einen Sechsstelligen sicherte sich der Mann aus Celle, einen in jeder Bewegungsphase unwahrscheinlich locker und geschmeidig auftretenden Sohn des Oldenburger Fürst Grandios (Z.: Karl Lehing. Wagenfeld), Vollbruder des 2011 gekörten Fletscher (Gestüt Blue Hors, Dänemark). Allerdings war dieser Erwerb ein Gemeinschaftskauf: Dreimal A Antje Kerber (Gestütsleiterin Redefin), Dr. Astrid von Velsen-Zerweck (Landoberstallmeisterin Marbach) und eben Dr. Axel Brockmann ersteigerten den Braunen als Besitzertrio für 110.000 Euro.

Schon im Vorfeld viel besprochen und auf Youtube viel angeklickt, war ein weiterer Prämienhengst, Sohn des Oldenburger Olympiateilnehmers Quando Quando, aus einer Donnerhall-Lauries Crusador xx-Mutter. Er stammt aus der Zucht von Gabriele Berner, geht auf den Holsteiner Stutenstamm 5421 (Reichsgraf, Ci Ci Senjor, Hohenstaufen, Ramiros Bube) zurück, war als Fohlen von der Limbecker GmbH in Verden ersteigert worden und kehrt nun ganz in die Nähe seines Geburtsorts Bienenbüttel zurück: Für 200.000 Euro gelangte der Dunkelfuchs ein herrliches Vorderpferd mit elastischer Trabaktion und sehr gutem Schritt auf den Klosterhof Medingen. Dessen Chef Burkhard Wahler ist optimistisch, mit diesem Hengst den Passer zu der von De Niro und in jüngerer Zeit Fidertanz geprägten Stutengrundlage seiner Station gefunden zu haben.

Weitere Dressurhengste im Prämienlot stammten von Christ (Mutter v. Don Schufro, für 160.000 Euro von Aussteller Heinrich Ramsbrock an das Gestüt Sprehe verkauft), Floriscount, Fürstenreich und Soliman de Hus ab.

18 Springhengste wurden gekört, von denen ein Drittel für prämienwürdig erachtet wurden. Ein vermögend springender Canstakko-Singular Joter-Sohn stand mit 65.000 Euro am höchsten in der Käufergunst. Er steht zukünftig in Dänemark. 60.000 Euro kostete ein patenter, mittelrahmiger Diarado-Sohn, 50.000 ein Stakkato-Sohn der selbst bis Klasse M erfolgreichen Stute Wienerwürstchen (Z.: Barbara Keller, Schöntal). Dieser Vollbruder des international erfolgreichen Samorano gelangte nach Belgien. Er war einer von drei gekörten Söhnen des hannoverschen Springgaranten mit positivem Körurteil. Die Springhengste, die einer Deckkarriere ab 2013 entgegen sehen dürfen, entstammten acht Hengstlinien, wobei als einzige hannoversche Linie Stakkato mit drei Söhnen und einem Enkel zu Buche steht. Die Franzosen Almé, Grand Veneur und der in Holstein zu Ehren gekommene Cor de la Bryère sowie Furioso II (über den Voltaire-Sohn Now or Never) und Landgraf, Lord sowie Capitol finden sich in den Pedigrees. Acht Hengste gingen auf Cor de la Bryère zurück, darunter auch zwei Monte Bellini-Söhne, von denen ein jugendlicher, noch etwas ranker Hellbrauner, der mit viel Übersicht und innerer Souveränität sprang, in Redefin aufgestellte werden wird.

Zehn Nationen ersteigerten insgesamt 17 Hengste in Verden, 20 gelangten nach Niedersachsen als stärkstem deutschen Bundesland in der Verkaufstatistik. Zwei Hengste wurden wegen noch nicht ausreichend entwickelter Hoden vorerst nicht gekört. Bei zwei anderen Hengsten, deren primären Geschlechtsorgane noch nicht die erforderliche Größe hatten, entschied sich der Aussteller, die Pferde nicht durch das Körprozedere laufen zu lassen. Die gekörten Hengste kosteten im Durchschnitt 52.000 Euro, die nicht gekörten stattliche 19.250 Euro, der teuerste (57.000 Euro) war einer der vorerst nicht gekörten Hengste v. Don Frederico-Rotspon.