Hannoveraner Verband: Delegiertenversammlung berät über Zukunft

Hannoveraner Verband-Dieta-Denkmal

(© www.st-georg.de)

Auf der Delegiertenversammlung des Hannoveraner Verbandes in Verden geht es heute neben Standardthemen um nichts weniger als die Zukunft der Züchtervereinigung. Der Vorstand des größten deutschen Pferdeverbands zeigte sich in den vergangenen Monaten zerstritten. Unter anderem ging es um die Person des Zuchtleiters und Geschäftsführers Dr. Werner Schade.

Es sei „keine Delegiertenversammlung wie jede andere“, begann der erste Vorsitzende des Hannoveraner Verbandes, Hans-Henning von der Decken, seine Begrüßung. Das Forum in der Niedersachsenhall in Verden ist voll besetzt. Im Eingangsbereich ist ein Monitor aufgestellt. Die Redebeiträge vom Podium werden live übertragen. Auf den Bierbänken vor dem Monitor sitzen gut 30 Interessierte und folgen der Diskussion. In einem kurzen Überblick stellte der Landwirt aus Stade dar, in welchem Zustand der größte deutsche Pferdezuchtverband sich aktuell befindet.

Im Konkurrenzvergleich stellte er selbstkritisch fest: „Prozentual haben wir mehr als andere an andere Zuchtverbände verloren“. Daraus resultiere die Notwendigkeit zu einer „Veränderungsbereitschaft“, die „schmerzhaft sein können“. Der Verband befinde sich in einem „Schrumpfungsprozess, der sich verlangsamt, aber immer noch nicht abgeschlossen ist“.

Die Zukunft des Hannoveraner Verbandes

Diese Delegiertenversammlung ist tatsächlich keine alltägliche. Der Verband war in die Schlagzeilen gerückt. Der Vorstand hatte Unstimmigkeiten mehr oder weniger öffentlich ausgetragen. Interna des Gremiums waren nach außen gedrungen. Wegen finanzieller Ausfälle beim „Iran-Deal“ hatte es bereits eine hitzige Diskussion am 24. Januar in Verden gegeben. Im März hatte der Verband bekanntgegeben, dass im Rahmen der bereits begonnenen Strukturreform die Ämter des Zuchtleiters und Geschäftsführers zukünftig voneinander zu trennen. Derzeit bekleidet Dr. Werner Schade beide Ämter, wie auch seine Vorgänger.

Der Vorsitzende von der Decken sprach in seinen Grußworten von einer „überflüssigen und schädliche Diskussion“. Weil die Satzung nicht in allen Bereichen klar sei, würde der Verband zu langsam. Es habe Personen gegeben, die „Misstrauen geschürt“ und  zu einem „Ansehensverlust erheblich beigetragen“ hätten. Er selbst sei vor zwei Jahren angetreten, um Einigkeit herzustellen. Das sei „schwerer als gedacht“. Deswegen sei der Neuanfang „so wichtig“. „Ich bitte um Ihre und Eure Unterstützung“, so von der Decken, der selbstkritisch erkannte, dass das Treffen im Januar rund um den Iran-Deal einen „Tiefpunkt der Streitkultur“ dargestellt habe. „Auch ich habe daraus gelernt.“ Er wünsche sich, so der Landwirt aus dem Alten Land, dass angesichts der vielen Anträge, die Dinge „sachlich und zügig anzugehen“. 16 Antragsteller haben mehr als 30 Positionen im Vorfeld der Versammlung eingereicht, die unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ aufgeführt sind. Von der Decken bat um fairen Umgang in der Diskussion, „persönliche Diffamierungen sind nicht unser Stil“.

Bericht des Geschäftsführers

Doch bevor die den Unmut in der Züchterschaft formulierenden Punkte zur Sprache kommen, galt es die Standards abzuarbeiten. In seinem „Bericht der Geschäfstleitung/Zuchtleitung“ zeichnete Dr. Werner Schade ein gutes Bild für das Jahr 2018. „Ich möchte beginnen mit den Pferden, weil um die geht es ja schließlich hier, das ist ja in den letzten Monaten etwas untergangen.“ Der Hengstmarkt mit seinen Millionenumsätzen sowie die hohe Qualität der Stuten auf der Herwart von der Decken-Schau setzte er an den Beginn seiner Ausführungen: „Für mich war es ein meiner Tätigkeit der absolute Höhepunkt“. 120 Pferde weniger als im Jahr 2017 hat der Hannoveraner Verband vermarktet. In Sachen Bedeckungen, so der Zuchtleiter sei man nach einem Tal in 2013 wieder leicht aufsteigend. 2013 wurden 6571 Hannoveraner Fohlen geboren, 2018 waren es 6996.

Bei den aktiven Mitgliedern gibt es einen leichten Abschwung, in der Vermarktung seien die Umsätze relativ stabil bei allerdings abnehmender Pferdezahl. Schade sprach den Wandel in der Züchterschaft an. Auch die Käuferschaft sei eine andere. „Das Internet hat den Markt völlig umgedreht, Käufer gehen andere Wege“. Und schließlich verändere sich auch die Hengsthaltung. „Sie spaltet sich auf in sehr, sehr starke Hengsthaltung, international aktiv“, dem gegenüber habe die kleinere Hengsthaltung an Bedeutung verloren.

Schade stellte innerhalb seines Berichts auch klar, wie er sich die Zukunft des Hannoveraner Verbandes vorstellt. Mit diversen Skizzen zeigte er Potenziale auf, warb für ein „gemeinsames Werteprofil“. Sein Fazit: „Hierarchische Zuchtleitung/Geschäftsführung ist nicht mehr zeitgemäß“. Der Wandel sei bereits angestoßen. Schades These: „Wir werden einen Verband nicht mehr über Regeln führen können, sondern über ein Informationsangebot.“

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