Strukturreform: Hannoveraner Verband beschließt Trennung der Geschäftsführung von der Zuchtleitung

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Dr. Werner Schade (li.) mit dem Verbandsvorstand, Hans-Henning v. d. Decken, Hartmut Wilking, Jörn Wedermann und Theodor Leuchten (v.l.). Letzterer ist inzwischen auch zurückgetreten. (© www.hannoveraner.com)

Der Hannoveraner Verband wird zukünftig einen Geschäftsführer und einen Zuchtleiter haben. Bislang hatte Dr. Werner Schade beide Posten in Personalunion inne. Dies sei „nicht mehr zeitgemäß“, so das Fazit der Sitzung des Gesamtvorstandes, wie der Vorsitzende Hans Henning von der Decken gegenüber St.GEORG online sagte. Weitere grundlegende Änderungen stehen jetzt auf der Agenda.

Die 20 stimmberechtigten Mitglieder des Gesamtvorstands des Hannoveraner Verbandes haben heute in Verden getagt. In Beisein eines externen Beraters aus der Wirtschaft wurde über die vom Vorsitzenden Hans-Henning von der Decken angeregte Strukturreform diskutiert. Von der Decken hatte 2017 das Amt des Vorsitzenden von Manfred Schäfer übernommen.

Im Rahmen der Strukturreform ging es unter anderem auch um den in die Kritik geratenen Geschäftsführer und Zuchtleiter Dr. Werner Schade. Schade sieht sich seit einem halben Jahr wachsender Missbilligung ausgesetzt. Dem promovierten Agrarwissenschaftler wird unter anderem der „Iran-Deal“ vorgeworfen. Bei einem Gesamtvolumen von annähernd einer Million Euro Umsatz hatte ein iranischer Geschäftspartner des Hannoveraner Verbandes Rechnungen in Höhe von ca. 170.000 Euro nicht bezahlt.

Diskutiert wurde darüber im Internet, auf Facebook wurden Passagen aus vertraulichen Briefen zitiert. Der Gesamtvorstand machte einen zerstrittenen Eindruck. Daran hatte sich auch nichts geändert, nachdem Ende Januar öffentlich im Forum der Niedersachsenhalle diskutiert worden war. Ein symbolischer Händedruck zwischen dem zweiten Vorsitzenden, Hartmut Wilking und Präsident von der Decken konnte daran auch nichts ändern.

Ämtertrennung und Strukturreform

„Heute ging es um die von mir angestoßene Strukturreform, wir haben viele weitreichende Dinge beschlossen,“ sagte der Vorsitzende des größten deutschen Pferdezuchtverbandes gegenüber St.GEORG-online. Es habe „großes Einvernehmen“ geherrscht, so von der Decken.

Beschlossen sei unter anderem die Verkleinerung des Vorstandes. Zukünftig soll ferner ein Aufsichtsrat als Kontrollgremium die Arbeit des in Verden ansässigen Verbandes überprüfen. Ein Delegiertensystem soll anstelle der bisherigen Wahlpraxis eingeführt werden.

„Außerdem ging es um die weitere Forcierung der Digitalisierung“. Was mit dem Projekt „Mein Hannoveraner“ auf den Weg gebracht worden ist, solle weiter entwickelt werden. „Es geht uns um eine direktere Kommunikation mit dem Züchter“, so der Landwirt aus Stade.

Was passiert mit Dr. Werner Schade?

Zentral in den heute besprochenen Vereinbarungen ist die angestrebte Trennung von Zuchtleitung und Geschäftsführung. Sie wurde heute mehrheitlich beschlossen, so von der Decken. Bislang waren die beiden Ämter stets mit einer Person, aktuell Dr. Werner Schade, besetzt gewesen. Wie das neue Modell konkret aussehen soll, müsse nun noch erarbeitet werden.

„Herr Dr. Schade weiß von dem Beschluss“, so von der Decken. Schade, der sich Diffamierungen im Internet ausgesetzt sieht, und dessen E-Mail-Account von mutmaßlich in Tschechien ansässigen Hackern geknackt worden war, war als Hauptamtler nicht bei der Zusammenkunft des Gesamtvorstandes zugegen. Er bestätigte, dass ihm nach der Sitzung der Beschluss mitgeteilt worden sei. Gegenüber St.GEORG-online wollte Schade die Entscheidung vorerst nicht weiter kommentieren.

Haben Sie bitte Verständnis, dass ich mich zum aktuellen Zeitpunkt dazu nicht öffentlich äußern möchte.

Dr. Werner Schade

In den vergangenen Monaten standen auch immer wieder die Verdener Auktionen in der Kritik. Es hatte mehrere fristlose Kündigungen gegeben. Zukünftig soll es eine Vermarktungs GmbH geben, die sich um die Pferde kümmert, die in der Niedersachsenhalle unter den Hammer kommen. Das sei ein wichtiger Schritt in die Zukunft, „alles andere ist nicht mehr zeitgemäß“, so Verbandsvorsitzender Hans-Henning von der Decken. Auch die Durchführung von Turnieren auf dem Areal in Verden habe man auf den Prüfstand gestellt.

Eine Niederlage vor Gericht musste der Hannoveraner Verband einstecken. Gestern habe das Gericht Jeanine Müller (geborene Pagel) Recht gegeben. Ihr war fristlos gekündigt worden, nachdem sie jahrelang federführend in der Verkaufsberatung bei den Verdener Verkaufsveranstaltungen tätig gewesen war. „Ich kann das nicht weiter kommentieren, uns liegt vom Gericht noch nichts schriftlich vor. Erst dann werden wir beraten“, so von der Decken.

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